<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?><rss version="2.0" xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"><channel><title>Textmanufaktur News</title><description>Textmanufaktur</description><link>http://www.text-manufaktur.de/</link><language>de</language><pubDate>Tue, 15 May 2012 18:56:00 +0200</pubDate><generator>Contao Open Source CMS</generator><atom:link href="http://www.text-manufaktur.de/Textmanufaktur.xml" rel="self" type="application/rss+xml" /><item><title>Keine Rentenpflicht für Selbständige</title><description><![CDATA[<p>ob aus Eigennutz oder Solidarität – wer selbständig ist, sollte hier flugs unterschreiben:<br> <br> https://epetitionen.bundestag.de/index.php?action=petition;sa=details;petition=23835<br> <br> Mehr dazu gibt’s hier:<br> inShare57<br> http://www.deskmag.com/de/vielen-freiberuflern-droht-naechstes-jahr-das-aus-coworking-376<br> <br> Fast zwei Drittel aller Mitglieder in deutschen Coworking Spaces arbeiten als Selbstständige. Für sie und alle anderen Selbstständigen plant das Rentenministerium ab nächstem Jahr ein besonderes Geschenk - für sich und das deutsche Versicherungswesen. Unter dem Motto "Lebensleistung belohnen" sollen Selbstständige monatliche Mindestbeiträge in die staatliche Rentenversicherung zahlen oder in unflexible Privatrenten gezwungen werden. Sie führen zu Mehrbelastungen von mehreren hundert Euro im Monat - nicht als prozentuale Abschläge vom Einkommen, sondern als feste Pauschalen. Für viele Selbstständige können sie das Aus bedeuten. Eine Petition möchte das ändern.</p>]]></description><link>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/keine-rentenpflicht-fuer-selbstaendige.html</link><pubDate>Tue, 15 May 2012 18:56:00 +0200</pubDate><guid>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/keine-rentenpflicht-fuer-selbstaendige.html</guid></item><item><title>Die Urheber erheben ihre Stimme ...</title><description><![CDATA[<p>Mehr unter:</p> <p><a href="http://www.wir-sind-die-urheber.de/">www.wir-sind-die-urheber.de</a></p>]]></description><link>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/die-urheber-erheben-ihre-stimme.html</link><pubDate>Thu, 10 May 2012 18:56:00 +0200</pubDate><guid>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/die-urheber-erheben-ihre-stimme.html</guid></item><item><title>Am liebsten sind mir Empfehlungen</title><description><![CDATA[<p>Er war viele Jahre leitender Lektor, kennt die deutsche Buchbranche wie nur wenige und ist der Entdecker von Wolfgang Herrndorf, der kürzlich für seinen Roman „Sand“ den Preis der Leipziger Buhmesse erhalten hat. Uwe Heldt, Literaturagent bei Mohrbooks spricht über den Unterschied zwischen deutschen und amerikanischen Agenturen, welche Texte er aus dem Stapel zieht und dass gute Literatur unabhängig vom Thema funktioniert.<br><br><img title="a/bildmaterial/Dozenten/heldt.jpg" src="http://www.text-manufaktur.de/a/bildmaterial/Dozenten/heldt.jpg" alt="a/bildmaterial/Dozenten/heldt.jpg" width="220" height="165"><br>(Foto: <a href="http://literaturcafe.de/">http://literaturcafe.de</a>)<br><br><strong>Du hast mit Wolfgang Herrndorf einen großen Erfolg gehabt, Bestsellerliste mit „Tschick“ und Preis der Leipziger Buchmesse mit „Sand“ – wie oft passiert einem so was als Literaturagent?</strong><br>Leider viel zu selten. Das ist eine Ausnahme und da freut man sich dann natürlich besonders drüber. Könnte viel öfter passieren (lacht), aber alle paar Jahre muss es dann schon sein.<br><br><strong>Funktioniert das wie bei Verlagen mit der Querfinanzierung? Ein Erfolg ermöglicht andere Debüts?</strong><br>Wenn man ein Buch im Rennen hat, was einen gut finanziert, kann ich etwas mutiger sein und schwierigere Debütanten auf die Liste nehmen. Aber ich muss ehrlich sagen, ich rechne nicht so genau – es gibt eine gewisse Basis von Einnahmen aus der Backlist und von bestimmten Autoren. Neue Bücher nehme ich, wenn die Bücher gut sind, und sie mir Spaß machen und mir die Autoren angenehm sind.<br><br><strong>Wie kommst du an neue Autoren? Ziehst du auch welche aus dem Stapel der unverlangt Eingesandten oder wirst du selbst aktiv?</strong><br>Ja, es gibt immer wieder Autoren, die ich aus den Einsendungen rausziehe, das mache ich mit einer gewissen Regelmäßigkeit. Aber am liebsten ist es mir eigentlich, wenn mir Autoren von anderen Autoren empfohlen werden, dann habe ich schon eine Ahnung, in welche Richtung die Texte laufen. Ich gehe nur selten selbst aktiv auf Autoren zu, das können andere besser.<br><br><strong>Wenn man sich die Entwicklung in Amerika ansieht – auch durch die Digitalisierung –, werden die Agenturen immer mächtiger, weil die Verlage und der klassische Buchhandel schwächer werden, siehst du diese Entwicklung in Deutschland auch?</strong><br>Die Macht der Agenturen ist eine zweischneidige Sache, weil irgendwann die Digitalisierung die Folge haben kann, dass Autoren ihre Deals direkt mit den Großen machen, und tatsächlich nur noch Google und Amazon als Verleger von E-Books übrig bleiben. Aber nach wie vor gibt es viele Gründe, sich von einem Agenten beraten und betreuen zu lassen, auch, was die Inhalte betrifft, mit ihm ins Gespräch zu kommen. Dass wir mehr Macht haben, sehe ich nicht. Wir sind in unserer Rolle ein Teil des alten Systems, das von Print und von Verlagen ausgeht. Es ist mir auch wichtig, dass das weiterbesteht, weil Verlage eine Qualitätsplattform sind. Sachbücher kann ich im Internet über Stichwörter suchen und finden, aber wie finde ich einen Roman?<br><br><strong>Was man in anderen Branchen sieht, und ebenfalls in den USA, ist die Aufsplittung der Rechte in ihre Einzelteile, also Print, E-Book, App, Hörbuch, Ausland usw., während in Deutschland noch die Tendenz vorherrscht, dass ein Verlag alle Rechte bekommt und sie von dort verteilt werden. Bleibt der Verlag der Rechteverwalter?</strong><br>Der Unterschied liegt darin, dass englische Rechte einen ganz anderen Wert repräsentieren und von daher hat es für amerikanische Agenturen schon immer Sinn gemacht, dass sie die Auslandsrechte nicht weggeben. Mit deutschen Rechten tut mal sich schwer im Ausland, das ist eine sehr mühselige Arbeit. Einige von uns haben es mal versucht, aber wir haben es eigentlich alle eingestellt, weil es ein wahnsinniger Aufwand ist. Und man will ja für den Autor die möglichst beste Vertretung seiner Rechte, und die Lizenzfrauen in den Verlagen laufen selbst zu den finnischen Verlagen und zu den Koreanern, das kann eine Agentur gar nicht leisten.<br><br><strong>Wenn du sagst, du ziehst immer mal wieder Debüts aus dem Stapel, was muss das Exposé/das Projekt für dich haben, wann wirst du aufmerksam?</strong><br>Ganz banal kann man es auf den Punkt bringen: Es muss entweder gut sein oder gut verkäuflich sein; allzu selten fällt das auch mal zusammen. Es muss ein Text sein, der mich anspricht, der mir Spaß macht, wo ich das Gefühl habe, das macht mir Freude, das zu vertreten. Es geht nicht gut, wenn es zwar verkäuflich ist, aber ich stehe nicht dahinter, da bin ich nicht glaubwürdig, und das sehen mir die Lektoren sofort an.<br><br><strong>Was gefällt dir persönlich? Kannst du das eingrenzen?</strong><br>Schwer zu sagen, natürlich ist die Sprache für mich immer etwas sehr Wichtiges, ich mag Bücher, die opulent erzählen, die mir wenig zu erklären versuchen, sondern mir eine neue Erfahrung ermöglichen.<br><br><strong>Keine speziellen Themen?</strong><br>Nein, Themen sowieso nicht, es gibt Leute, die können über eine Klorolle einen fantastischen Roman schreiben. (lacht)<br><br></p>]]></description><link>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/am-liebsten-sind-mir-empfehlungen.html</link><pubDate>Mon, 30 Apr 2012 18:56:00 +0200</pubDate><guid>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/am-liebsten-sind-mir-empfehlungen.html</guid></item><item><title>Nach den Regeln der Kunst</title><description><![CDATA[<p><img title="a/bildmaterial/blog/buecher.jpg" src="http://www.text-manufaktur.de/a/bildmaterial/blog/buecher.jpg" alt="a/bildmaterial/blog/buecher.jpg" width="645" height="250"><br><br>"Einige wollen sich hier zum ersten Mal Feedback holen, alle sind wegen des höchst professionellen Rufes der Textmanufaktur hier, in der das Schreiben für einen Leser im Mittelpunkt steht."<em> <a href="http://www.buecher-magazin.de/"><br>Bücher, Literatur- und Hörbuchmagazin über ein Seminar der Textmanufaktur</a></em></p> <p>&nbsp;</p> <p>Den ganzen Artikel lesen Sie <a href="http://www.text-manufaktur.de/a/bildmaterial/blog/Buecher_03-2012_092_L_Dossier_kreativ.pdf">hier als PDF</a></p>]]></description><link>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/nach-den-regeln-der-kunst.html</link><pubDate>Tue, 20 Mar 2012 18:56:00 +0100</pubDate><guid>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/nach-den-regeln-der-kunst.html</guid></item><item><title>Pitching is selling not telling the story</title><description><![CDATA[<p><br><strong>Kannst du noch etwas konkreter auf das Pitchen von literarischen Romanen eingehen?</strong><br>Ein Buch zu diesem Thema kann ich wirklich empfehlen: Sibylle Kurz, „Pitch it“. Mit diesem Titel haben wir uns bei Kiepenheuer &amp; Witsch vor sechs Jahren im Lektorat beschäftigt, weil wir uns in der Kunst des Pitchens üben wollten. Gepitcht wurde ursprünglich nur in der Filmbranche; literarische Autoren pitchen in der Regel am wenigsten, denn sie kommen kaum in die Situation, wirklich vor einem Entscheidungsträger ihr Projekt vorstellen zu müssen. Das hat auch wenig Aussicht. Das passiert hin und wieder auf der Frankfurter Buchmesse, dass ein Autor vorbeikommt und mir am Stand zwischen zwei Gesprächen, die ich gerade mit einem Agenten und einem unserer Schriftsteller führe, sein Manuskript anbieten will. Da besteht das Grundproblem schon in der Kommunikationssituation. Ich bin dann nicht aufnahmebereit, im Gegenteil, ich bin sogar in einer Abwehrposition. Darum pitcht man da gegen die Wand. <br>Pitchen heißt ja zuallererst, dass man eine etablierte Situation hat, es ein aufmerksames Gegenüber gibt; das heißt, Autoren kommen performativ nur ganz selten in die Situation, gegenüber einem Lektor zu pitchen. Und trotzdem tun sie es dauernd, weil ein Pitch die werbende Beschreibung dessen ist, was man gerade macht. Jeder Autor wird ja immer wieder gefragt: Was schreibst du gerade? Worum geht es in deinem Buch? Der Pitch ist eine Kurzversion, die zumindest den Eindruck erwecken soll, man macht da etwas Sinnvolles und Spannendes und ist nicht völlig abgedreht, sondern man kann in drei Sätzen über einen Roman so reden, dass man Lust hat, sich das anzusehen. In meinem Alltag wiederum sagt man den Kollegen ständig in drei, vier, fünf Sätzen, woran man gerade arbeitet. <br><br>Das Pitchen hat eine ganz wichtige Komponente – das ist die Performance. Wie tritt man auf, was zieht man an, wie stellt man sich vor, wie viel Zeit hat man, Mimik, Gestik und so weiter. Dieses Performative spielt für Autoren keine große Rolle. Tatsächlich gibt es zwei Aspekte beim Pitchen, die für Autoren wichtig sind, nämlich einmal tatsächlich das eigene Tun so zu komprimieren, das man es auf drei, vier Sätze runterbrechen kann, und die dann noch so anzulegen, dass sie beim Gegenüber etwas auslösen. Der andere Aspekt ist, und das finde ich beim Schreiben sehr wichtig, dass man das Pitchen als Selbstkontrolle verwendet. Man kann sich ja auch selbst was anpitchen, zum Beispiel den Schreiberfolg der letzten zwei Wochen, indem man sich sagt: Was ist da jetzt eigentlich passiert? An welcher Stelle habe ich weitergemacht? Wenn ich das auf den Punkt bringe und mir den Fortschritt klar machen will, muss ich mir das auch mal in zwei, drei Sätzen sagen. Figur X hat jetzt diese und jene Entwicklung gemacht und das hat jene Folgen für die Handlung. Das heißt, eigentlich ist Vieles, was man fürs Pitchen braucht, ein Instrument der Selbstkontrolle. <br><br>Man muss sich als Autor aber auch darüber Gedanken machen, wie Verlage heute arbeiten. Was passiert mit meinem Manuskript? Was passiert mit dem Buch? Autoren haben eigentlich vor allem die Hoffnung, ihr Manuskript unterzubringen, als wäre es vor allem wichtig, dass es gedruckt, zwischen zwei Buchdeckel gepackt und irgendwo hingestellt wird. Das ist aber ein Vorgang, der nicht wahnsinnig viel bringt und der faktisch mittlerweile in Verlagen auch kaum mehr stattfindet. Unsere Marketingabteilung sagt ganz klar: Ein Buch einfach nur veröffentlichen, kann man vergessen. Wir können nicht einfach sagen: Wir sind Kiepenheuer &amp; Witsch, das sind unsere Bücher, ihr wisst ja, wer wir sind und glaubt uns, dass das auch gute Bücher sind, nehmt sie, und dann wird das schon auch im Buchhandel gehen. Das ist überhaupt nicht mehr der Fall. Verlage müssen jeden einzelnen Titel ganz besonders aufbereiten. Und bei Verlagen wie unserem, wir sind ja ein relativ kleines Haus mit 45 Mitarbeitern, und ungefähr fünfzig Novitäten im Hardcover und fünfzig Titeln im Taschenbuch pro Jahr, muss tatsächlich jedes einzelne Buch genau positioniert werden. Wir können nicht mit der Schrotflinte schießen, das machen andere Taschenbuchverlage. Rowohlt, Fischer und Goldmann haben Genres, in die stellen sie immer vier, fünf Titel pro Programm und wenn zwei durchkommen, rechnet sich das. Aber wir können nicht einfach drei Titel untergehen lassen, damit zwei höher steigen, sondern wir müssen uns ganz besondere Maßnahmen dafür ausdenken. Deswegen ist Verlagsarbeit wiederum ein ständiges Pitchen.<br><br>Das fängt schon an mit dem, was ich tue. Ich suche zwar aus, was ich veröffentlichen, aber ich kann nicht allein entscheiden, sondern ich muss dafür werben. Ich muss jedes neue Projekt, das ich in den Verlag bringe, durch verschiedene Gremien bringen, etwa durch die Lektorenrunde, da sitzt der Verleger und die zuständigen Lektoren und Assistenten, also ungefähr ein gutes Dutzend Leute. Es gibt also auch für mich diese performative Situation, in der ich pitchen muss, jene vier, fünf Sätze bringen, die das Buch umreißen und die Lust machen, das Buch zu lesen. Wenn das Lektorat sagt, ja, finden wir sinnvoll, dann muss ich es durchs Marketing bringen, dann muss ich dem Marketing klarmachen, wie das Buch positioniert werden soll, wen es erreichen soll und auf welchem Wege wir es dahin bringen. Die können dann auch sagen, ja, klingt interessant, aber wir wissen, Marktanalyse haben wir gerade vorbereitend gemacht, es gibt aber schon fünf Bücher im selben Bereich, da kommen wir nicht mehr rein. Das heißt, das Marketing kann auch mit ganz klaren Argumenten ein Projekt zu Fall bringen. Und dann kommt noch mal die Vertriebsrunde. Das heißt, ich habe, bevor man überhaupt einen Vertrag macht, das Buch schon mindestens dreimal im Verlag gepitcht.<br><br><strong>Die Marketingabteilung liest auch das gesamte Manuskript oder nur einen Auszug?</strong><br>Ein größerer Auszug. Da werden schon hundert bis hundertfünfzig Seiten mitgelesen. Auch das muss der Lektor strategisch vorbereiten, indem man überlegt, wem es gefallen könnte und wie viel Zeit er braucht, um das zu lesen. Das wissen die natürlich auch, und es kann trotzdem daneben gehen. Mittlerweile sind wir Lektoren ziemlich hart geschult sind, was Marketing angeht. Es gab eine Zeit, da konnte man einfach argumentieren, das ist ein neuer Autor mit einer interessanten Stimme. Das ist ja quasi ein klassisches Debütargument. Wir haben da einen neuen Autor, der schreibt auf eine ganz besondere Weise. Für einen Vertreter ist das zu wenig. Der sagt: Damit kann ich doch das Buch nicht im Buchhandel vorstellen, sondern der muss eine Geschichte erzählen. Und unser Vertriebsleiter, der ja die Großkunden besucht, der sagt auch, also da muss mehr sein, das müsst ihr mir schon liefern: eine Figur, irgendein interessanter Konflikt oder bestimmte sprachliche Verfahren, die man pitchen darstellen kann – zum Beispiel hat Harriet Köhler ihren ganzen Roman in der zweiten Person Singular geschrieben, also in der Du-Ansprache, das kann sich auch ein Buchhändler irgendwie vorstellen, dass das etwas Neues ist. Aber als Lektor muss man da eben schon sehr differenziert liefern. Je besser der Autor versteht, wie Lektoren funktionieren, umso besser kann er auch an Lektoren verkaufen. Versuchen Sie mal als Autor, ihre drei USPs rauszuarbeiten, das ist nämlich gar nicht so einfach.<br><br></p>]]></description><link>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/pitching-is-selling-not-telling-the-story.html</link><pubDate>Tue, 07 Feb 2012 18:56:00 +0100</pubDate><guid>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/pitching-is-selling-not-telling-the-story.html</guid><enclosure url="http://www.text-manufaktur.de/a/bildmaterial/Dozenten/peteresenn open mike.jpg" length="82546" type="image/jpeg" /></item><item><title>Schreiben ist keine Seidenmalerei</title><description><![CDATA[<p>(Teil 1 des Interviews)</p> <p><strong>Du bist seit zehn Jahren im Lektorat von Kiepenheuer und Witsch. Was macht ein gutes Projekt für dich aus? Muss das gepitcht sein?</strong><br>Vor zehn Jahren hätte man noch gesagt: Pitch und Exposé sind Begriffe, die im literarischen Verlag nichts verloren haben. In der Filmbranche muss man Projekte pitchen, um jemanden zu finden, der einsteigt und mitfinanziert. In der Literaturbranche gehen in der Regel Autoren in Vorleistung, indem sie ihre Manuskripte schreiben, das heißt, eigentlich pitchen sie dann nicht mehr ihr Manuskript, um es überhaupt schreiben zu können, sondern um es zu veröffentlichen. Verlage entscheiden allerdings aufgrund der Schriftform, und zwar nicht der Schriftform des Anschreibens oder des Exposés, sondern auf der Grundlage der Schriftform des Textes. Doch die Dinge haben sich natürlich etwas verändert. Zum einen gibt es bestimmte literarische Formen und Genres, bei denen Pitch und Exposé durchaus sinnvoll sind. Bei einem eminent literarischen Roman hilft ein Exposé wiederum gar nicht viel, weil die Qualität des Textes eine primär sprachliche ist und die Handlung sekundär. Wenn ich nach literarischen Texten suche, dann suche ich nach Originalität in der Machart und in der Sprache, aber ich suche eigentlich keine Themen. Bei solchen Texten sind Pitch und Exposé am wenigsten bedeutsam, aber auch hier kommt man nicht drum herum, irgendeine Form zu finden, den eigenen Text anzukündigen.<br><br><strong>Das heißt, bei literarischen Texten, die von der Sprache leben und weniger von der Handlung, reicht im Anschreiben ein Dreizeiler?</strong><br>Das hängt stark mit der Frage zusammen, wo Lektoren ihre Texte herbekommen. Es gibt heute viel mehr Autoren als früher und auch eine ganz andere Infrastruktur in der Ausbildung von Autoren. Das heißt, allein über das Literaturinstitut in Leipzig, über den Hildesheimer Studiengang, über den Open Mike, über Literarische Zeitschriften oder Wettbewerbe, kann ein Lektor schon unheimlich viel an Autoren und an Texten kennenlernen, auf die er zugehen kann. Gleichzeitig ist die Menge der unverlangt eingesandten Manuskripte exponentiell gewachsen. Und diesem Stapel widmet man nicht den größten Teil der Aufmerksamkeit. Schon beim Anschreiben kann man Fehler machen, die dazu führen, dass sich der Lektor gar nicht mehr den Text anguckt.<br><br><strong>Zum Beispiel?</strong><br>Der Kardinalfehler ist, einen Text an einen Verlag zu schicken, der da gar nicht erscheinen kann, weil es die Programmsparte nicht gibt. Also zum Beispiel zu Kiepenheuer &amp; Witsch Fantasyliteratur zu schicken, ist einfach falsch. Das ist für mich sowieso der allererste Rat für alle, die einen Verlag suchen: Man muss eine genaue Vorstellung davon haben, was der Verlag macht, um zu sehen, ob man da überhaupt reinpasst. Und das wiederum kann man dann ja auch offensiv darlegen. Es ist zum Beispiel sinnvoll im Anschreiben zu sagen: Ich schreibe Krimis mit einem historischen Hintergrund, und mich haben die Krimis von X und von Y beeindruckt, die bei ihnen im Haus erscheinen und deswegen sehe ich da meinen Platz. Das findet komischerweise in Anschreiben ganz selten statt. Ich habe den Eindruck, dass ein Großteil der Anschreiben ein Standardanschreiben ist, mit dem der seine Liste von fünfzehn Verlagen abarbeitet. Die kriegen aber im Grunde alle dasselbe Anschreiben. Da muss man, glaube ich, individueller vorgehen. Ich habe tatsächlich mal ein Anschreiben bekommen, aus dem ein Buch geworden ist. Das war im Grunde die unwahrscheinlichste Form des Anschreibens, eine E-Mail – und das macht ein Lektor ganz ungern, weil E-Mail ja ein offener Kanal ist. Wenn ich eine E-Mail von jemandem bekomme, den ich nicht kenne und antworte, dann ist es ganz schwer, aus dieser Kommunikation wieder auszusteigen. Aber in diesem einen Fall bekam ich eine E-Mail, in der wurde deutlich, dass die Autorin etwas über mich einen anderen Kiepenheuer &amp; Witsch Autoren gelesen hatte und darüber ganz geschickt eine Beziehung zum Verlag hergestellt hat. Der Ton des Anschreibens war so, dass ich sie darum bat, dass sie mir das ganze Manuskript schickt. Das ist eigentlich schon ein sehr großer Schritt. Zwei Wochen später hatten wir einen Vertrag. Da hat es mal richtig gut geklappt.<br><br><strong>Was hat diese Autorin richtig gemacht? Was war der Angelhaken, der dich dann hat anbeißen lassen?</strong><br>Sie hat ihre Figur und auch den Ton der Geschichte so dargestellt, dass ich dachte, ja, spannend, ich will mehr lesen, diese Figur reizt mich. Das war Alina Bronsky und der Roman heißt „Scherbenpark“, ist vor drei Jahren erschienen und war ein großer Erfolg. Mittlerweile ist ihr zweiter Roman erschienen „Die schärfsten Gerichte der tatarischen Küche“ – die Autorin hat dann auch bewiesen, dass sie sehr gut schreiben kann.<br><br><strong>Kannst du dich noch daran erinnern, was sie über ihre Figur geschrieben hat?</strong><br>Ja. Die Figur Sascha ist ein sechzehnjähriges Mädchen, das in einer völlig desolaten Familiensituation aufwächst, sich aber aus dieser Situation befreit. Diese Entschlossenheit der Figur, die Charakterstärke dieses Mädchens angesichts dieses Umfelds kamen extrem gut rüber. Ich spürte eine erzählerische Kraft, aber auch eine Kraft in der Figur. Es gibt bestimmte Merkmale in einem Anschreiben, die es zu etwas Besonderem machen: Mut zu großer Verknappung, Verdichtung und zum Herausstellen von ein, zwei zentralen Elementen der Geschichte.<br><br><strong>Das klingt jetzt fast so, als ob du dazu ermutigen würdest, dir eine E-Mail zu senden?</strong><br>Das ist in der Regel wenig erfolgversprechend. Angehende Autoren sollten versuchen, eine Stufe niedriger anzusetzen. Man ist ja im eigenen Selbstbewusstsein erst dann ein Autor, wenn man auch etwas veröffentlicht hat. Wobei man durchaus sagen könnte, das muss nicht zwangsläufig so sein. Man könnte auch sagen, dass das Schreiben an sich eine sinnvolle Beschäftigung ist. Aber das führt dann ganz schnell, wenn man so weiterargumentiert, zu einem Kunsthandwerk. Leute stricken ja auch gern und tragen lieber ihre eigenen Strümpfe, oder Leute betreiben Seidenmalerei und freuen sich, wenn sie ihr eigenes Tuch umlegen und daran muss die große, weite Welt nicht teilhaben. Das ist beim Schreiben doch anders. Schreiben ist keine Seidenmalerei, Schreiben ist ein dialogischer Vorgang. Man will ja auch gelesen, und das heißt publiziert werden. Und da würde ich sagen: Einen Roman zu veröffentlichen ist die Königsdisziplin. Man kann auch erstmal eine Kurzgeschichte in einer literarischen Zeitschrift veröffentlichen oder man kann versuchen, ein Stipendium zu bekommen oder sich an einem Wettbewerb zu beteiligen. Es gibt auf einer niedrigeren Ebene durchaus ein breites Angebot, auf der man als Autor schon mal zum Autor werden und sich Kollegen und Kritik aussetzen kann. Das schlimmste, was man in einem Anschreiben machen kann, ist zu schreiben: „Sehr geehrter Herr Lektor, Sie dürfen sich glücklich schätzen, Sie sind mein erster Leser, noch niemand hat das Werk vorher gelesen.“ (lacht) Dann sage ich: Ich will das gar nicht sein und das ist auch keine Empfehlung. Wenn den vorher noch keiner kritisiert hat, dann soll ich, der das dann veröffentlichen wird, den kritisieren? Das wird natürlich total heikel. Manchmal merkt man, das sind leider auch etwas einsame Menschen, die aus der Isolation heraus über das Schreiben Signale senden, die aber eigentlich gar nicht auf den Buchmarkt zielen, sondern auf etwas anderes. <br>Man kann auch nicht zuerst den Lektor anschreiben, sondern einen anderen Autor. Autoren sind ja im deutschsprachigen Raum relativ öffentliche Figuren. Das finde ich immer wieder erstaunlich, dass Autoren gar nicht so sehr darüber klagen, dass sie nach jeder Lesung immer noch zwei oder drei Autoren belagern. Und das ist für mich im Anschreiben zum Beispiel auch interessant: Leute, die schreiben, sind ja vorher erst einmal Leser gewesen und sind es hoffentlich während sie schreiben immer noch. Und das sind ja für einen Lektor auch relevante Signale, wenn man erfährt, was der eigentlich liest und wo er sich einordnet.<br><br><strong>Viele der Wege, die du genannt hast, Leipzig, Open Mike und viele andere, sind älteren Autoren aufgrund von Alterbeschränkungen verschlossen. Welche Rolle spielt das Alter?</strong><br>In unserer aktuellen Vorschau sieht man, welche Rolle das Alter spielt: Peter Steinbach ist ein Debütant im Alter von dreiunsiebzig. Er war Drehbuch- und Hörspielautor und hat schon mit Edgar Reitz gearbeitet. Eugen Ruge, der Buchpreis-Preisträger, ist auch ein Prosa-Debütant. Er war einer der Kandidaten für den Alfred-Döblin-Preis. Vor Jahren habe ich über den Döblinpreis Jan Faktor in den Verlag geholt. Und der war zu dem Zeitpunkt auch schon über fünfzig. <br><br><strong>Im nächsten Teil des Interviews: "Pitching is selling not telling the story"</strong><br><strong>Konkrete Hinweise zum Pitchen von Romanen.</strong><br><br></p>]]></description><link>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/schreiben-ist-keine-seidenmalerei.html</link><pubDate>Thu, 22 Dec 2011 18:56:00 +0100</pubDate><guid>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/schreiben-ist-keine-seidenmalerei.html</guid><enclosure url="http://www.text-manufaktur.de/a/bildmaterial/Dozenten/peteresenn open mike.jpg" length="82546" type="image/jpeg" /></item><item><title>Markus Orths im Gespräch darüber, wie er seine Texte entwickelt, den richtigen Tonfall findet und dass er eigentlich lieber Filmkomponist geworden wäre</title><description><![CDATA[<p><img title="a/bildmaterial/Dozenten/orths by karin schliffke.jpg" src="http://www.text-manufaktur.de/a/bildmaterial/Dozenten/orths%20by%20karin%20schliffke.jpg" alt="a/bildmaterial/Dozenten/orths by karin schliffke.jpg" width="160" height="107"><br><strong>Autor und Literaturmarkt, Kunst oder Genre – ein ewiges Thema. Wie stark muss sich der Autor anpassen?</strong><br>Ich habe mal einen Stipendiaten kennengelernt, der eine Auftragsarbeit für einen großen Publikumsverlag schrieb. Die Lektorin sagte zu ihm: Toll, aber Sie wissen ja, achtzig Prozent unserer Leser sind Frauen, das heißt, Sie müssen noch eine Frauenfigur in den Roman hineinschreiben. So könnte ich nie arbeiten. Das bedeutet eine Grundsatzentscheidung am Anfang: Was möchte ich? Entweder einen Genretext schreiben und mich dann aber auch den Regeln des Genres (und des Marktes!) zu unterwerfen. Oder aber es entsteht etwas ganz Eigenes. Etwas, das einem unter den Nägeln brennt und einfach raus muss. Ob das dann gelungen ist oder nicht, ist eine andere Frage, aber bei einem literarischen Text, der zwingend ist, könnte man nie wie am Schachbrett sagen: Da muss man noch eine Frauenfigur reinschreiben aus marktstrategischen Gründen. <br><br><strong>Wie fängst du an zu schreiben? Hast du erst eine Figur im Kopf und dann entwickelst du die Sprache zu dieser Figur? Oder hast du einen eigenen Tonfall, der sich über alles legt?</strong><br>Ich versuche immer, im Tonfall dem Stoff zu folgen. Bei „Lehrerzimmer“ war das Thema Schule, da lag die Form der Satire, Groteske, Farce auf der Hand. Hier hat sich der Stoff die Form der Übertreibung gesucht – das Komische. Bei „Corpus“ gibt es eine Priesterfigur, die stark im Mittelpunkt steht, und da hat sich gezeigt, dass es eine Möglichkeit ist, den Stoff anzuordnen wie die Abfolge einer katholischen Messfeier, mit unterschiedlichen Stilen und Tönen. Es ist selten, dass ich eine Figur habe und dann erst die Perspektive suche. Bei meinem bisher letzten Projekt (erscheint erst 2014) war das allerdings genauso: Da hatte ich zu Beginn nur einen Namen, eine Bezeichnung, und die Geschichte entstand aus diesem Namen heraus. Da habe ich zwei Wochen gebraucht, nur um eine Perspektive zu finden (in diesem Fall sogar zwei getrennte Perspektiven), um den Stoff in den Griff zu bekommen.<br><br><strong>Mit einem guten Stoff ergibt sich der Ton automatisch?</strong><br>Man muss trotzdem viel probieren. Es ist oft so, dass Anfangssätze rausfallen, dass sich ein ganzer Duktus doch noch verändert, man muss immer experimentieren. Und offen sein für alle Möglichkeiten und Richtungen. Wenn man dann aber eine Stimme im Kopf hört, die passt, ist man glücklich. Dann geht es sehr leicht. Dann nimmt einen die Stimme, der Ton, an die Hand. <br><br><strong>Fällt in der Überarbeitung viel Text weg?</strong> <br>Ja, sehr viel, ich schreibe manchmal doppelt so viel wie dann veröffentlicht wird. Der letzte Roman „Die Tarnkappe“ hatte vierhundert Seiten, und ich habe hundertachtzig gekürzt. Aber das hat dem Ganzen wirklich gut getan. Weil ich sehr viel, sehr assoziativ, sehr rauschhaft schreibe, neige ich dazu, vieles mehrfach zu erzählen, nur in anderen Worten. So entsteht viel Überflüssiges. Aber das ist wichtig und das bringt das assoziative Schreiben fast zwangsläufig mit sich. Man schleppt dann im Ur-Text oft sehr viel Ballast mit und denkt auch noch am Anfang, das ist alles toll. Bei näherem Hinsehen erweist sich aber einiges als nicht tragfähig. Man sollte wirklich lernen, seinen Text radikal ehrlich zu lesen und sich auch trauen zu sagen: Ich langweile mich jetzt gerade. Und alles Langweilige fliegt immer raus. Auch Beschreibungen, die um ihrer selbst willen oder um der „Schönheit“ willen entstehen. Weg damit. Ein unnötiges Schwelgen ist immer mühsam zu lesen. Auch fliegen die Stellen meist raus, an denen ich beim Schreiben nach einem möglichst „tollen“, originellen Bild gesucht habe. Dort merkt man das Öfteren das Bemühen des Autors. Als Leser sollte man immer das Gefühl haben, dass es dem Autor leicht gefallen ist, dass hier nicht jemand krampfhaft nach etwas gesucht hat.<br><br><strong>Entscheidest du das eigenständig oder lässt du andere lesen?</strong><br>Der erste Impuls ist, das selber herauszufinden. Man ist vielleicht vier oder fünf Mal begeistert von dem, was man geschrieben hat, und beim sechsten Mal angeödet. Da helfen Analysemittel und literaturwissenschaftliches Handwerkszeug. Warum ist diese Stelle hier jetzt so langweilig? Weil hier überhaupt nichts szenisch erzählt wird und der raffende Bericht protokollartig wirkt. Oder weil dort zu viel szenisch erzählt wird und die Handlung wie ein Hamsterrad erscheint und irgendwann leer läuft. Dann liest als nächstes meine Frau den Text, und die ist sehr radikal. Sie hat alle meine Texte lektoriert, und sie findet immer noch unglaublich viel Kürzungswürdiges. Dann liest es der eine oder andere Freund und Autorenkollege, der noch mal auf sprachliche Ungenauigkeiten achtet. Und ganz am Ende meine Lektorinnen, früher Dagmar Fretter, jetzt Sabine Baumann, und beide haben auch noch mal einen sehr guten Blick auf den Text. Es passiert wie gesagt beim rauschhaften Schreiben oft, dass man zehn Mal dasselbe schreibt mit anderen Worten. Um von einem Gedanken auf den nächsten zu kommen, oder von einer Situation in die nächste. Da braucht man beim Schnellschreiben oft diese Übergangsphase, wenn man noch nicht bereit ist im Kopf für das Neue. Fünf dieser Wiederholungen schmeiße ich selber raus, zwei meine Frau, bleiben immer noch drei übrig für die Lektorin. Wenn das insistierende Wiederholen eine Funktion hat, muss es natürlich stehen bleiben, hat es aber keine und ist es nur dem Luftholen vor dem Sprung ins nächste Wasser geschuldet, dann muss es weg; nur das stärkste Bild bleibt, nur die stärkste Formulierung, nur die brennendsten Worte. Aber für mich ist es trotzdem gut, so wild zu schreiben, denn das macht ungeheuer Spaß, ergibt oft ein flow-Erlebnis und ein Glücksgefühl. Und das ist auch einer der Gründe, warum ich überhaupt schreibe: dieses Gefühl, dass ich am Schreibtisch mitgerissen werde von etwas, das nicht ich selbst zu sein scheine. <br><br><strong>Was steht fest, wenn du ans Schreiben gehst, also wie strukturiert ist der Text? Es gibt ja Autoren, die haben einen genauen Szenenplan und alles steht ganz genau fest.</strong> <br>Mir ist es wichtig, dass ich sehr schnell eine Vorstellung davon habe, wo die ganze Kiste hingeht. Also: Wo endet die Geschichte, wie ist das Schlussbild, vielleicht sogar der Schlusssatz, wie löst sich das Ganze auf? Wenn ich das nicht weiß, tue ich mich schwer. Auch da gibt es Kollegen, die lieber ins Blaue hinein schreiben und sich überraschen lassen. Das Überraschenlassen finde ich auch sehr wichtig, aber ich habe lieber eine grobe Struktur, von der aus ich mich dann ruhig immer wieder entfernen und mich so trotzdem überraschen lassen kann. Aber es ist keine völlige Verlorenheit in einer Geschichte, die ich gar nicht kenne. Viele „Ins-Blaue“-Autoren haben sehr viele Anfänge in ihren Computern. Aber an irgendeinem Punkt verliert jede Geschichte ihre Unschuld. Und wenn man da nicht weiß, wo man eigentlich hinwollte, was der innere Anziehungspunkt war und ist, stellt sich das Gefühl der Verlorenheit ein, und man kommt nicht weiter. <br><br><strong>Wie eng sollte sich der Autor mit seinen Figuren identifizieren, sich auf diese Figur einlassen? Wie viel Distanz ist sinnvoll?</strong><br>Ein Schriftsteller kann sehr leicht und sehr schnell und sehr gut über sich selbst schreiben und über die vielen Facetten seiner selbst, über die Abgründe, und aus diesen Facetten entstehen die Figuren. Aber eine Welt zu erschaffen von acht, neun „wirklichen“ Menschen aus Fleisch und Blut innerhalb eines Romans, die alle anders denken, ticken, reden, das macht den Unterschied zwischen einem Autor und einem großen Autor aus. Phillip Roth ließ in seinem Roman „Amerikanisches Idyll“ den Erzähler sagen: "Denn das tat ich in den folgenden Monaten täglich, sechs, acht, manchmal zehn Stunden hintereinander, über den Schweden nachdenken (die Hauptfigur des Romans). Ich tauschte meine Einsamkeit gegen seine, lebte in dem von mir so verschiedenen Menschen, verschwand in ihm, versuchte mir Tag und Nacht ein Bild von diesem Mann zu machen, der scheinbar so oberflächlich war. Er wurde zur wichtigsten Gestalt meines Lebens." Ich glaube, Dostojewski, Thomas Mann, all die großen Autoren, haben eine Möglichkeit gefunden, in andere Menschen zu schlüpfen, und in diesem Moment des Schreibens wirklich dieser andere zu werden. Also tatsächlich ganz nah an diesem anderen Menschen zu sein, der so wenig wie möglich mit einem selbst zu tun hat. <br><br><strong>Ist das nicht auch eine Gefahr für dich persönlich als Autor?</strong><br>Nein, nein, die Gefahr ist, zu sehr an sich selbst zu kleben. Wichtig ist, diese anderen Menschen sehr genau zu durchschauen, fast wie eine meditative Übung, sich in diesen Kopf, in diese Person zu versenken, sich&nbsp; Sprachmuster des Einzelnen zu überlegen, innere Bilder, die Biografie genau zu kennen, Schmerzen, Verluste … Aber das Schwierige ist: Selbst wenn man die Figur auf dem Reißbrett perfekt gezeichnet hat, rutscht man im Prozess des Schreibens immer wieder in sich selber hinein, in sein eigenes Denken, und das zu vermeiden, ist sehr schwierig. <br><br><strong>Du hast acht Bücher im Schöffling Verlag publiziert. Wie bist du selbst an den Schöffling Verlag gekommen vor gut zehn Jahren?</strong><br>Ich hatte mich beim Literarischen Colloquium Berlin (LCB) für ein Stipendium beworben, es aber nicht bekommen. Aber der Chef Uli Janetzki fand die Texte toll und hat sie weitergegeben an Klaus Schöffling, und der hat mir dann einen Brief geschrieben, dass wir da einen Band mit Erzählungen draus machen. Da war ich ganz überrascht, ein großes Glück. Diese Texte an Verlage zu schicken, das sollte man auf keinen Fall machen, sondern eben durch Vorarbeiten wie Stipendien, Wettbewerbe oder Veröffentlichungen in Literaturzeitschriften Netzwerke bilden. Die Verlage sieben in den Institutionen, wo schon vorab gefiltert wurde (LCB, Klagenfurt etc.), und sie hören manchmal auch auf Empfehlungen ihrer Autoren.<br><br><strong>Hat sich der Literaturmarkt im Lauf der Zeit geändert?</strong><br>Das ist schwer zu beantworten, weil es ja für mich von Buch zu Buch einfacher wird. Weil doch immer mehr Leute auf einen aufmerksam werden. Aber was heißt einfacher? Die Arbeit an den Texten wird nicht einfacher. Man kann zwar früher erkennen, wo die Holzwege sind, das schon. Aber man muss trotzdem immer wieder neu aus dem Wust des Ursprungs-Textes den endgültigen Text herausmeißeln. Der Markt hat sich insofern geändert, als dass eine Konzentration auf wenige Titel, die sich gut verkaufen, noch stärker geworden ist. Für eine große Buchhandlung ist es wesentlich lukrativer, 100 Titel vom selben Buch zu verkaufen, als 100 Bücher von 100 verschiedenen Autoren. Denn pro Partie (10 Bücher desselben Buchs) bekommen sie eines umsonst. Bei 100 verkauften Büchern eines einzigen Autors bekommen die Buchhandlungen also (mindestens) zehn Bücher „geschenkt“, bei 100 Büchern von 100 verschiedenen Autoren dagegen kein einziges.<br><br><strong>Gibt es aktuelle Themen, die dich beim Schreiben umtreiben?</strong><br>Bisher habe ich sehr stark aus dem Existentiellen geschöpft, aus mir selbst, aus Begegnungen mit anderen, aus existenziellen Gesprächen über das Eigene, aus der Existenzphilosophie, aus Gedanken und Empfindungen über Einsamkeit, Angst, Tod, Langeweile und so weiter. Ich glaube, dass für mich hier aber eine Grenze erreicht ist. Das Existenzielle werde ich niemals aus meinen Texten tilgen wollen, aber es muss jetzt noch mehr dazukommen. Woran ich im Augenblick arbeite, ist in der Tat etwas, in dem gesellschaftliche, politische, manchmal auch naturwissenschaftliche Fragen eine Rolle spielen. Das Kreisen um sich selbst und um die Existenz kann nie zu einem Abschluss gebracht werden, könnte aber vielleicht irgendwann nicht mehr so stark im Mittelpunkt stehen. Es liegt sicher auch an meinen beiden Kindern, dass ich jetzt immer mehr den Fokus öffne und sage: In welcher Welt leben wir hier eigentlich? Wie kann ich als Einzelner an dieser Welt „teilnehmen“, sie vielleicht sogar zu einer besseren Welt machen? Oder aber als Autor mich den brisanten Fragen stellen, die den Einzelnen Überfordern. Oder zu ganz neuen Fragen kommen. Oder auf Missstände hinweisen, ohne den pädagogischen oder gar moralischen Zeigefinger zu heben. <br><br><strong>Ist das denn immer noch dein Traumberuf, Autor zu sein?</strong><br>Ja, natürlich, ich bin sehr glücklich. Aber gern wäre ich auch Filmkomponist geworden. Realistischerweise hätte ich das nicht geschafft. Da reichte wahrscheinlich das Talent nicht aus, wer weiß. Aber gut, wenn ich mal ein geniales Drehbuch schreibe, bei dem die Produzenten Schlange stehen, dann werde ich sagen: Ihr kriegt das Ding nur, wenn ich auch die Filmmusik dazu machen darf.<br><br><br><strong>Markus Orths</strong>, geboren 1969 in Viersen, studierte Philosophie, Romanistik und Anglistik. Seit zehn Jahren lebt er als Autor in Karlsruhe. Seine Erzählungen und Romane wurden vielfach ausgezeichnet, unter anderem gewann er im Jahr 2000 den open mike der Literaturwerkstatt Berlin. Neben zahlreichen Stipendien (z.B. dem Aufenthaltsstipendium im Literarischen Colloquium Berlin, dem Heinrich-Heine-Stipendium, dem Literaturstipendium des Landes Baden-Württemberg) erhielt er u.a. den Telekom Austria Preis (Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt 2008), den Förderpreis des Landes NRW und des Marburger Literaturpreises, den Moerser Literaturpreis, den Limburg-Preis, den Sir-Walter-Scott-Preis sowie den Niederrheinischen Literaturpreis. Für seinen Roman DIE TARNKAPPE wurde er zuletzt mit dem Phantastik-Preis der Stadt Wetzlar ausgezeichnet (2011).<br><a href="http://www.schoeffling.de">www.schoeffling.de</a><br><br><strong><br></strong></p> <p>&nbsp;</p>]]></description><link>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/markus-orths-im-gespraech-darueber-wie-er-seine-texte-entwickelt-den-richtigen-tonfall-findet-und-dass-er-eigentlich-lieber-film.html</link><pubDate>Thu, 24 Nov 2011 18:56:00 +0100</pubDate><guid>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/markus-orths-im-gespraech-darueber-wie-er-seine-texte-entwickelt-den-richtigen-tonfall-findet-und-dass-er-eigentlich-lieber-film.html</guid></item><item><title>Horst Eckert: Ein paar Tipps zum Krimischreiben</title><description><![CDATA[<p><strong><img title="a/bildmaterial/Dozenten/horst eckert 1.jpg" src="http://www.text-manufaktur.de/a/bildmaterial/Dozenten/horst%20eckert%201.jpg" alt="a/bildmaterial/Dozenten/horst eckert 1.jpg" width="225" height="307"></strong></p> <p><strong>Du hast mittlerweile fast ein Dutzend Kriminalromane geschrieben, wie hat sich der Markt in den letzten Jahren verändert?</strong><br>Aus den gut 200 Krimiautoren, die es Mitte der Neunziger im deutschsprachigen Raum gab, sind rund 600 geworden. Anfänger haben es heute einfacher, dafür sind die Auflagen geschrumpft. Nicht nur viele kleine, sondern auch große Verlage wie Rowohlt und Piper setzen zum Teil auf regionale Vermarktung, d.h. auf viel Lokalkolorit im Text. Ich empfehle Autoren trotzdem, auf große Themen und Konflikte zu setzen und sie nicht von vornherein zum "Regiokrimi" zu verniedlichen.<br><br><strong>Wie gehst du beim Schreiben eines neuen Romans vor? Steht der Plot von vornherein genau fest?</strong><br>Die wichtigen Figuren und die Wendepunkte der Handlungsstränge sollten zunächst feststehen wie auch der Schluss. Aber ich muss zugeben, dass ich mich nicht immer an diese Regel halte. Ein paar Szenen von "Schwarzer Schwan" hatte ich aus Ungeduld bereits geschrieben, bevor die Gesamtkonstruktion stand. Und auch später änderte sich einiges, stellte ich um und verteilte Gewichte neu. Beim Schreiben lerne ich meine Figuren erst richtig kennen und muss das Gerüst der Geschichte manchmal nachjustieren - das berühmte "Eigenleben" der Figuren.<br><br><strong>Du legst Wert auf eine realistische Abbildung der Polizeiarbeit. Wie bereitwillig geben Kommissare bei der Recherche Auskunft.</strong><br>Manchmal staune ich selbst, wie offen viele Menschen, nicht nur Polizisten, über ihre Arbeit reden. Vielleicht weil ich Ihnen das Gefühl gebe, sie ernst zu nehmen und nicht auf "Tatort"-Schemata einzuengen.<br><br><strong>Halfter statt Holster, Pathologe statt Gerichtsmediziner - welche Fehler begegnen dir in Krimis immer wieder und ärgern dich?</strong><br>Am schlimmsten&nbsp;finde ich&nbsp;das Klischee vom Kommissar und seinen Assistenten, als sei eine Mordermittlung nicht stets eine Teamarbeit zahlreicher Kommissare. Der Grund für solche Fehler liegt in mangelnder Bereitschaft zur Recherche. Am meisten ärgere ich mich über Autoren, die so tun, als hindere sie eine genauere Kenntnis des Lebens am Erfinden von Geschichten. Dabei ermöglicht sie es erst, die ewig gleichen Konflikte, Begierden und Intrigen auf neue, moderne Art zu erzählen.<br><br><strong>Welchen Rat würdest du Autorinnen und Autoren geben, die ihren ersten Krimi in einem Verlag veröffentlichen wollen?</strong><br>Arbeitet an euren Figuren und der Glaubwürdigkeit ihres Tuns, bis ihr selbst keine Zweifel mehr an der Geschichte habt. Streicht alle Erklärungen und ersetzt sie durch Handlung. Nehmt Kritik an euren Texten ernst. Fallt nicht auf Zuschussverlage herein oder auf Agenten, die Geld vorab von euch nehmen wollen. Und lasst euch nicht entmutigen, wenn es mit dem ersten Manuskript nicht gleich klappt.<br><br><br><strong>Horst Eckert</strong> wurde 1959 in Weiden / Oberpfalz geboren. Eckert studierte Soziologie und Politische Wissenschaft in Erlangen, nach vier Semester zog es ihn allerdings mit Freundin und Katze nach Berlin. Dort tauchte er nicht nur in die Welt der Werte im Zeitalter der Globalisierung, sondern auch ins harte Leben ein: Bierschlepper in einer Diskothek, Fahrstuhlführer bei Hertie, Redaktionshospitant beim ZDF. <br>Die Liebe führte ihn schließlich in die »Alt-Hauptstadt« Düsseldorf, laut Eckert »Hort der Korruption und Gewalt, ein schöner Ort zu Leben«. Der WDR schickte ihn an den Niederrhein, die Tagesschau durch ganz NRW und der Sender Vox sogar nach Kambodscha und Eritrea. 1994 schrieb er seinen ersten Roman. <br>Bereits sein dritter Krimi „Aufgeputscht“ wurde mit dem begehrten Marlowe-Preis ausgezeichnet, der endgültige Durchbruch gelang ihm mit „Die Zwillingsfalle“ (Glauser-Preis). Seitdem bleiben Eckerts Krimis nicht nur der deutschsprachigen Leserschaft vorbehalten: Drei sind bereits auf tschechisch erschienen, eine französische Übersetzung von Zwillingsfalle ist im renommierten Gallimard-Verlag in Arbeit.<br><a href="http://www.horsteckert.de">www.horsteckert.de</a><br><br></p> <p><span style="text-decoration: underline;"><strong>Aktueller Thriller: Schwarzer Schwan (grafit)</strong></span><br><br><img title="a/bildmaterial/Dozenten/eckert schwarzer schwan.jpg" src="http://www.text-manufaktur.de/a/bildmaterial/Dozenten/eckert%20schwarzer%20schwan.jpg" alt="a/bildmaterial/Dozenten/eckert schwarzer schwan.jpg" width="300" height="480"></p>]]></description><link>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/horst-eckert-tipps-zum-krimischreiben.html</link><pubDate>Mon, 24 Oct 2011 18:56:00 +0200</pubDate><guid>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/horst-eckert-tipps-zum-krimischreiben.html</guid></item><item><title>&quot;Auch Spitzentitel muss man lieben&quot;</title><description><![CDATA[<p><br><strong>Du bist bei Suhrkamp verantwortlich für die ausländische Literatur. Gerade warst du ein paar Tage in Edinburgh; du reist viel herum. Macht dir der Job Spaß? Wie sieht dein Alltag aus?</strong><br>Es ist ein toller Job, der allerdings den meisten anderen Bürojobs gar nicht unähnlich ist. Man verbringt sehr viel Zeit damit, E-Mails zu schreiben und zu telefonieren. Es ist ja mittlerweile fast zu einem Allgemeinplatz geworden, dass der Lektor ebenso sehr Produktmanager ist wie Leser oder Arbeiter am Text. Der Büroalltag besteht letztlich darin, die Bücher, die man macht, zu begleiten, dafür zu sorgen, dass sie die richtig positioniert und mit den richtigen Botschaften ausgestattet werden, dass sie das bestmögliche Marketing und einen guten Umschlag bekommen. Es ist sehr viel Kommunikation dabei, gerade, wenn man sich mit fremdsprachiger Literatur beschäftigt. Ein Lektor für deutschsprachige Literatur kennt die drei, vier Schreibschulen, die vier, fünf Literaturzeitschriften und die sieben, acht Agenturen, die relevant für ihn sind. Bei der internationalen Literatur gibt es erstmal die vielen Sprachen und innerhalb der Sprachen, vor allem bei den großen Märkten, beispielsweise den spanischsprachigen oder englischsprachigen, eine sehr viel größere Anzahl von Partnern, mit denen man regelmäßig oder unregelmäßig zu tun hat. Also, es ist sehr viel Kommunikation, aber es macht großen Spaß.<br><br><strong>Gibt es wesentliche Unterschiede zwischen der deutschsprachigen und der ausländischen Literatur – von den Themen, von den Stoffen, von der ganzen Verarbeitung des Materials?</strong><br>Eigentlich nicht. Zumindest nichts, was man verallgemeinern könnte. Es ist allenfalls so, dass die Professionalität bei ausländischen Texten, vor allem aus dem anglophonen Bereich, deutlich höher ist, die Texte erreichen die Verlage in einem sprachlich sehr gestalteten und fertigen Zustand. Viele Texte ähneln sich aber auch. Deutschsprachige Texte sind oft noch unfertiger, mit einer geringeren Professionalität verfasst worden, sind dann aber oft, das kann man aber natürlich nicht verallgemeinern, interessanter. Bei Büchern, die man für eine mögliche Übersetzung prüft, braucht man manchmal zweihundert Seiten, bis man merkt, dass es eigentlich im Inneren hohl ist oder relativ banal, obwohl es erstmal gut klingt. Das hat mit der ausgeprägten Infrastruktur von Schreibschulen in Amerika und in England zu tun. Und das gilt auch für andere europäische Länder, wo das schon sehr viel selbstverständlicher verankert ist, auch an den Unis. <br><br><strong>Der Suhrkamp Verlag, das ist ja schon ein geflügeltes Wort, die Suhrkampliteratur als die gute alte Literatur, ist eher an Sprache orientiert, ein Gestus, der immer noch diesen leichten Geniegedanken pflegt. Ist das immer noch so oder ist das ein Klischee geworden?</strong><br>Es stimmt beides, glaube ich. Es ist immer noch so, und der Verlag bewahrt sich auch diese Haltung. Für das Suhrkamp-Hauptprogramm suchen wir nach Texten, von denen man guten Gewissens sagen kann, das ist jetzt einfach der beste Text. Es gibt aber auch den Insel Verlag, es gibt das Taschenbuchprogramm, es gibt die Reihe „nova“ und andere Reihen, wo es sehr viel stärker auch um gutes Erzählen geht. Es wäre vermessen zu sagen, dass wir ausschließlich Weltklasseliteratur verlegen. Das ist nicht möglich.<br><br><strong>Der Wandel im Buchmarkt ist derzeit immer und überall Thema, die Auflagen werden kleiner, es diversifiziert sich alles durch die Digitalisierung. Macht sich das bei euch auch bemerkbar? Und wie reagiert ihr darauf?</strong><br>Die wahrnehmbarste Veränderung der vergangenen Jahre besteht darin, dass die Anzahl der Bücher, die überhaupt irgendeine Art von Aufmerksamkeit bekommt, immer geringer wird. Das betrifft sowohl die Öffentlichkeit als auch den Buchmarkt, also das, was man überhaupt zu kaufen kriegt, wenn man in die Buchhandlung geht. Es gibt eine Zuspitzung auf wenige, sehr erfolgreiche Titel. Und natürlich kommt kein Publikumsverlag, also kein Verlag, der eine gewisse Umsatzgröße hat und nicht spezialisiert ist, sondern sich an ein allgemeines Publikum richtet, umhin zu versuchen, pro Jahr drei, vier, fünf, sechs solcher Bücher im Programm zu haben, die das ganze ökonomisch ein bisschen beruhigen und die einem auch erlauben, die anderen Bücher zu machen, von denen man eigentlich von vornherein weiß, dass sie nur mit Mühe das einspielen werden, was für sie investiert wurde.<br><br><strong>Wird es durch die verschiedenen medialen Möglichkeiten schwieriger, diese Spitzentitel zu positionieren, oder funktioniert das heute nur anders?</strong><br>Das war schon immer schwierig. Es haben schon viele Verleger mehr oder weniger inspiriert versucht, den Bestseller zu planen. Das funktioniert nicht. Man kann durch bestimmte Dinge, die man falsch macht, ausschließen, dass ein Buch ein Bestseller wird, aber man kann auch ganz viel richtig machen und es passiert trotzdem nichts. Nichtsdestotrotz versucht man es natürlich und unterstützt die Bücher so gut es geht und kann dann nur hoffen, dass eine Dynamik entsteht, die dazu führt, dass das Buch erfolgreich wird. Am Ende sind es die besonderen Titel, die einen Nerv treffen und sich durchsetzen. Diese Nicht-Planbarkeit ist etwas, was viele Lektoren gelegentlich beklagen mögen, ohne das sie aber ihren Job nicht so gerne machen würden.<br><br><strong>Führt das zu einer Zwickmühle zwischen Rentabilität und den Herzensangelegenheiten?</strong><br>Es geht natürlich sehr viel Aufwand in die Spitzentitel, aber bei vielen literarischen Verlagen gibt es noch Zeit und Raum, diese Herzensprojekte zu machen. Abgesehen davon wird auch aus den Spitzentiteln nichts, wenn da kein Herzblut drinsteckt. Es ist völlig unmöglich mit einem zynischen Blick auf den Buchmarkt zu sagen: So was geht jetzt, also machen wir es. Das sind Totgeburten. Auch diese Titel müssen von irgendwem geliebt werden, und dann muss es eine Energie, eine Dynamik und eine Begeisterung geben, die schon im Verlag einsetzt, sonst wird das nie etwas sein, womit man Leser erreicht. <br><br><strong>Woran orientierst du dich, wenn du Rechte einkaufst? An den Zahlen im Originalmarkt?</strong> <br>Das kommt auf die Märkte an. Bei den kleinen Sprachen, aus denen relativ wenig übersetzt wird, kriege ich die fertigen Bücher auf den Schreibtisch, und man weiß, wie sie gelaufen sind. Bei den größeren Märkten ist das anders. Da liest man die Titel, bevor sie in ihrem jeweiligen Markt erscheinen, oft sogar, bevor sie fertig geschrieben sind. Es wird, vor allem auch im Sachbuchbereich, aber auch im Bereich der Belletristik, viel auf der Basis von Teilmanuskripten entschieden. Und die Auslandsrechte werden oft schon in dem Moment verkauft, in dem das Manuskript in seinem Ursprungsland einen Verlag findet. Man ist also auf sein Urteil und auf sein Gespür zurückgeworfen.<br><br><strong>Ist das Risiko nicht sehr hoch, wenn da große Titel im Gespräch sind? Man muss mitbieten, Lizenzen werden versteigert, wie hoch geht man mit?</strong><br>Das ist gelegentlich ein sehr spekulatives Geschäft.<br><br><strong>Noch mal eine Frage zur deutschsprachigen Manuskripten: Wie viele Seiten werden gelesen, wenn unverlangte Manuskripte kommen? Werden sie überhaupt gelesen?</strong> <br>Sie werden gelesen, aber in der Regel vorsortiert. Da gibt es Hospitanten, Volontäre oder freie Mitarbeiter, die diese Texte durchackern. Anders wäre das kaum zu bewältigen. Bei Suhrkamp gehen grob geschätzt tausend Manuskripte pro Jahr ein, also etwa drei am Tag ? zusätzlich zu denen, die man angefordert hat. Es gibt viele Texte, bei denen weiß man nach fünf Seiten, dass man die nicht machen will. Das bedeutet nicht immer, dass die schlecht sind. Das kann auch einfach bedeuten, dass die sehr offensichtlich nicht ins Programm passen. Da muss man sich dann gelegentlich zusammenreißen und daran hindern, weiter zu lesen. Dieses professionelle Lesen ist auch eine Art von Disziplinierung, die gegen den Wunsch nach Muße bei der Lektüre arbeitet. Wenn etwas gut klingt und auch grundsätzlich passen würde, liest man weiter. Und oft ist es dann tatsächlich so, dass man sehr weit lesen muss, um zum Ausschluss eines Textes zu kommen, oder um sich im positiven Fall darüber klar zu werden, was man daran eigentlich schätzt, und ob das wirklich gut und besonders ist oder doch nur eine sehr professionell gearbeitete Textoberfläche.<br><br><strong>Wie wichtig ist das Alter eines Debütanten? Gibt es noch den Jugendwahn, dass alle so jung und vermarktbar und total hipp sein müssen?</strong><br>Klar, die Tendenz gab es, vor allem in der zweiten Hälfte der Neunziger, als das Phänomen Popliteratur aufkam und die Agenturen auf dem deutschsprachigen Markt Fuß gefasst haben. Und natürlich ist man als Verlag heutzutage auf die Medien angewiesen, gar nicht unbedingt darauf, dass die Autoren jung, hipp und medial umfassend darstellbar sind, aber es wirkt sich positiv aus, wenn sie in der Lage sind, selber etwas für ihre Bücher zu tun und eine Öffentlichkeit herzustellen. Aber kein junger, hipper Autor nutzt einem etwas, wenn das Buch nichts taugt.</p> <p>&nbsp;</p> <p><img title="a/bildmaterial/Dozenten/Kredel.jpg.445964.jpg" src="http://www.text-manufaktur.de/a/bildmaterial/Dozenten/Kredel.jpg.445964.jpg" alt="a/bildmaterial/Dozenten/Kredel.jpg.445964.jpg"><br><strong>Karsten Kredel</strong>, geboren 1973, ist Lektor und Übersetzer. Er studierte amerikanische, deutsche und afrikanische Literatur in Berlin und Harvard, arbeitete als freier Mitarbeiter der Kulturredaktion der taz und leitete das Literatur-Programm des Eichborn Verlags. Seit Juli 2011 verantwortet er den Bereich Internationale Literatur bei den Berliner Verlagen Suhrkamp und Insel.<a href="http://www.text-manufaktur.de/1._halbjahr_2012.html"><br></a></p>]]></description><link>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/auch-spitzentitel-muss-man-lieben.html</link><pubDate>Wed, 05 Oct 2011 18:56:00 +0200</pubDate><guid>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/auch-spitzentitel-muss-man-lieben.html</guid></item><item><title>Das neue Programm ist online</title><description><![CDATA[<p><br />... mit spannenden Seminaren an spannenden Orten. Entdecken Sie das neue Programm für das <a href="http://www.text-manufaktur.de/1._halbjahr_2012.html">1. Halbjahr 2012<br /></a></p>]]></description><link>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/das-neue-programm-ist-online.html</link><pubDate>Tue, 06 Sep 2011 18:56:00 +0200</pubDate><guid>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/das-neue-programm-ist-online.html</guid></item><item><title>Distanzromanzen. Wie funktionieren Liebesromane?</title><description><![CDATA[<p><br /><br /><img title="a/bildmaterial/blog/Anna Basener Postkarte.jpg" src="http://www.text-manufaktur.de/a/bildmaterial/blog/Anna Basener Postkarte.jpg" alt="a/bildmaterial/blog/Anna Basener Postkarte.jpg" width="264" height="372" /><br /><br />Eine Liebesgeschichte. Das ist natürlich das romantische Zueinanderfinden zweier Menschen, die einander vervollständigen und die perfekte Symbiose bilden. So eine Geschichte um herzbewegende Harmonie und ein beneidenswert ergreifendes „Für immer“. Heile Welt und Happy End.<br />Du willst eine gefühlvolle Romanze schreiben? Dann vergiss alles, was mit Harmonie und Glückseligkeit zu tun hat! Vergiss Candle Light Dinner in Paris oder Gondelfahrten in Venedig! Es geht nicht um das Glück, das ist langweilig. Es geht um all das, was das Glück verhindert. Von der Liebe zu erzählen heißt, von dem zu erzählen, was trennt!<br />Natürlich wirst du einen Kuss brauchen, vielleicht auch Sex. Deine Protagonisten müssen sich natürlich kennen oder kennenlernen. Irgendetwas muss die beiden zueinander hinziehen – vor allem aber müssen sie sich abstoßen. Die Helden dürfen sich ihrer Liebe nicht sicher sein. Spannung entsteht nicht zwischen zwei Polen, die sich seit fünf Jahren das Badezimmer teilen und über den besten Umgang mit der Zahnpastatube diskutieren.<br />Vergiss die heile Welt, die gibt es nicht, nicht mal im Märchen. Die Welt, auch die der Liebesgeschichten, ist höchstens heilbar. Manchmal ist sie nicht mal das, dann ist am Ende alles hin.<br />Du magst glauben, dass du zwei Figuren zueinanderbringen musst. In Wahrheit musst du sie trennen. „Die Liebe lebt von ihrer Distanz zum Objekt, obwohl es als Streben in aller Liebe liegt, diese Distanz zu überwinden“, sagt Ferdinand Eber und eigentlich wissen wir alle: Harmonie und Einigkeit machen weder die Liebe noch den Leser satt.<br />Die Protagonisten wären das perfekte Paar, wären da nicht die antagonistischen Kräfte, die ihnen entgegenstehen. Sie wären perfekt, sie sind es nicht. Das perfekte Paar teilt seine Probleme und Konflikte nicht mit der Welt, es klärt sie unter sich und wohnt vielleicht in deiner Nachbarschaft. In deiner Liebesgeschichte aber wohnt es nicht!<br />Dort wird sich gestritten und missverstanden, dort wird sich über Jahre verpasst, dort bleibt Sehnsucht eine gefühlte Ewigkeit unerfüllt. Dort wissen die Helden nicht, wer gut für sie ist. Sie kommen aus unterschiedlichen Welten, sie sprechen nicht die gleiche Sprache. Sie suchen ihr Glück und laufen in die falsche Richtung. Sie kennen sich selbst und ihre Bedürfnisse nicht. Sie halten Mitleid, Freundschaft oder Leidenschaft für Liebe. Sie machen alles falsch und müssen für ihre Fehler gerade stehen. <br />Zwei Helden mit einer Vergangenheit, eigenen Zielen und Bedürfnissen prallen aufeinander, um das Leben des anderen zu verändern. Sie können viele Gefühle füreinander empfinden und eine ganze Bandbreite an Emotionen abfrühstücken. Liebe allein wird ihnen kaum gerecht werden.<br />Am Anfang waren die Protagonisten sich vielleicht gleichgültig oder fanden sich bloß ganz nett. Vielleicht mochten sie sich auch gar nicht, aber eine paar Prisen Liebe und Leidenschaft später hassen sie sich dann bis aufs Blut.<br />Möglicherweise auch nicht, möglicherweise gibt es andere Probleme. Hauptsache niemand hat ein Candle Light Dinner, das dann nicht mindestens in einer Katastrophe endet.<br />Gegebenenfalls wohnen die Helden auch zusammen und erörtern den Umgang mit der Zahnpastatube. Dann ist das am Anfang eben so und auf den ersten Blick auch gerne harmonisch – aber eben nur auf den ersten Blick. Auf den zweiten fliegen die Fetzen. Da geht die Welt unter. Die Liebe und der Leser bangen um das Glück und glauben, dass das nie wieder gut wird.<br />Außer, es wird wirklich nie wieder gut. Außer, es gibt kein Happy End, sondern einen tragischen Tod oder sterbende Gefühle. Wenn die Liebenden am Schluss verzichten müssen, dann soll es ihnen vorher auch ein bisschen gut gehen. Dann, und nur dann darf auch das Candle Light Dinner ganz harmonisch ablaufen. Es darf – es muss nicht. Exquisites Essen allein macht noch keine Sehnsucht. Gibt es etwas Langweiligeres, als zu lesen, wie zwei Menschen sich über Kerzenflammen hinweg anschmachten?<br />Sollte die Romanze aber doch gut ausgehen und die Protagonisten am Ende glücklich sein, dann müssen die beiden sich dieses Glück erst verdienen. Sie dürfen es nicht zu einfach haben. Wer am Ende in ewige Glückseligkeit entlassen wird, darf vorher ruhig durch die Hölle gehen.<br />Dass die beiden da auch wieder rausfinden müssen, dass es nicht so einfach ist, erschüttertes Vertrauen wiederherzustellen oder weit entfernte Welten miteinander zu verbinden und dass das die wirkliche Herausforderung ist, das ist eine andere Geschichte … eine Liebesgeschichte.</p> <p><br /><img title="a/bildmaterial/Dozenten/Basener-01.jpg" src="http://www.text-manufaktur.de/a/bildmaterial/Dozenten/Basener-01.jpg" alt="a/bildmaterial/Dozenten/Basener-01.jpg" width="150" height="150" /><br /><br /><strong>Anna Basener</strong> (geb. 1983 in Essen) finanzierte ihr  Studium der Kulturwissenschaften und ästhetischen Praxis in Hildesheim  mit dem Schreiben von Heftromanen und arbeitet nun als Lektorin für den  Bastei Verlag in Köln. <a href="http://www.annabasener.de/">www.annabasener.de</a></p>]]></description><link>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/distanzromanzen-wie-funktionieren-liebesromane.html</link><pubDate>Thu, 25 Aug 2011 18:56:00 +0200</pubDate><guid>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/distanzromanzen-wie-funktionieren-liebesromane.html</guid></item><item><title>Jeder Satz sollte die Freiheit haben, alles wieder umzuwerfen</title><description><![CDATA[<p><br />Thomas Hettche ist eine der prominentesten Stimmen der deutschen Gegenwartsliteratur. Während des Seminars „Literatur ist Verschwendung“ sprach ich mit ihm über den Verlust der Vielfalt auf dem Buchmarkt, die neue Inszenierung von Literatur, und darüber, warum man nicht immer auf den Plot vertrauen sollte. Ein Plädoyer wider die Verengung des Literarischen.<br /><br /><strong>Wie bist du Autor geworden und wie zum KiWi-Verlag gekommen?</strong><br />Ich bin 1964 geboren, und habe mit 14 oder 15 angefangen zu schreiben, anfangs Liebesgedichte, die eher schlecht waren, dann zunehmend Prosatexte. Mit meiner ersten richtigen Kurzgeschichte habe ich dann einen hessischen Nachwuchspreis gewonnen, der Text kam in eine Anthologie, die bei Suhrkamp erschien, und Christian Döring, der damals dort für deutschsprachige Gegenwartsliteratur zuständig war, hat mich angerufen. Mein erster Roman erschien, als ich 23 war. Ich habe zwar mein Studium abgeschlossen, auch promoviert, aber eigentlich bin ich seitdem freier Schriftsteller. Von Suhrkamp ging ich dann, wie u.a. auch Thomas Kling und Marcel Beyer, mit Christian Döring zu Dumont, um dort ein literarisches Programm aufzubauen. Nach dem Scheitern dieses Experiments unter der Ägide Döring/Honnefelder hatte ich das Glück, in Helge Malchow wieder einen Verleger zu finden, wie ich ihn mir vorstelle und wie es auch Siegfried und Joachim Unseld für mich gewesen waren: Menschen, die für die Literatur brennen und für ihre Autoren.<br /><br /><strong>Hat sich der Buchmarkt für dich spürbar verändert in deiner Zeit als Autor?</strong><br />Oh ja, sehr. Als ich anfing, in den 80er Jahren, kam gerade die Forderung auf, man müsse welthaltiger, amerikanisch erzählen, das wurde von den Feuilletons massiv eingefordert. Ich galt am Anfang als experimenteller Autor und habe miterlebt, wie die Wahrnehmung für komplexe Erzählformen kippte und sich amerikanische Erzählmuster durchsetzten, aber auch die Fokussierung der literarischen Öffentlichkeit auf Stars und Bestsellerlisten. Die ökonomische Veränderung ist radikal: Gab es vor zwanzig Jahren noch eine große Gruppe von Autoren, die ihre Bücher zehn-, fünfzehn oder zwanzigtausend Mal verkauft hat und davon leben konnte, so hat sich das drastisch verschoben hin zu einer Konzentration auf wenige Titel. Und diese Konzentration verstärkt sich durch das Internet und die E-Books weiter. Es gab ja die Theorie, der elektronische Markt böte viel Platz für Nischen, aber was wir erleben ist viel eher, dass in dem unübersichtlichen Meer des Internets noch stärker jene Autoren und Titel wahrgenommen werden, die ihre eigene Marke sind.<br /><br /><strong>Merkst du es auch persönlich, dass man als Autor stärker unter Druck gerät?</strong><br />Die Freiräume verschwinden, die Offenheit für Vielfalt, das gilt für die Tische der Buchhandlungen ebenso wie für Publikationsmöglichkeiten in Zeitungen oder dem Rundfunk. Bei Lesungen ist das beispielhaft, die werden heute als Event vermittelt. Und die Event-Lesungs-Kultur funktioniert nur mit den Namen, die gerade im Gespräch sind. Das heißt, da bekommen eben die zehn Titel der Saison eine Plattform. Die Vielfalt der Buchhändler, die sagen: Ich habe da ein Steckenpferd und ich lade seit zehn Jahren zum Beispiel Peter Kurzeck ein, verschwindet leider. Früher traf man überall Buchhändler und Buchhändlerinnen, die seit zehn oder zwanzig Jahren Lesereihen machten, die durchaus einen eigenen Geschmack und dafür ihr Stammpublikum hatten. Das verschwindet.<br /><br /><strong>Die Anforderungen an die Inszenierung von Literatur werden größer?</strong><br />Ja. Vor zwanzig Jahren kamen die Menschen zu Lesungen, weil sie den Autor kennenlernen wollten. Sie wollten mit ihm reden und der sollte so lesen, wie er eben liest. Inzwischen kommen die Menschen mit einem ganz anderen Anspruch. Sie wollen eine professionelle Performance. Nun ist aber ein Schriftsteller vor allem ein professioneller Schreiber, aber nicht unbedingt Selbstdarsteller, was heißt, daß er eigentlich Sprecher und Schauspieler zu sein versuchen muß, also in viel stärkerem Maß als früher Vermarkter seiner eigenen Bücher. Das hat mit Authentizität dann nicht unbedingt etwas zu tun.<br /><br /><strong>Bedauerst du das? Oder siehst du das eher pragmatisch und denkst: Okay, da weht jetzt eben einfach ein anderer Wind.</strong><br />Na ja, sich jeden Tag zu bedauern, macht keinen Spaß. Ich finde es einfach schade, wenn Vielfalt verloren geht. Und mir scheinen all die Veränderungen, die wir gerade erleben, in dieselbe Richtung zu zielen. Der Deutsche Buchpreis zum Beispiel. Es heißt: Toll, das schafft eine größere Leserschaft für Literatur. De facto ist es aber doch so: Wer es mit einem neuen Buch auf die Long List und dann auf die Short List schafft, dessen Buch wird wahrgenommen, die Verkäufe jener neuen Bücher aber, die das nicht schaffen, ist mit dem Erscheinen der Short List gekappt. Das heißt, es bleiben fünf, sechs Autoren übrig aus einer Herbstsaison. Die Forcierung solcher Zuspitzung wird aber ebenso vom Buchhandel wie von den Medien betrieben - und wahrscheinlich entspricht sie auch dem Publikumsinteresse. Klar: Wahrscheinlich wird es immer&nbsp; Nischen geben für kleine Special-Interest-Buchhandlungen und für Enthusiasten, die mit Selbstausbeutung ihr tolles Kleinverlagsprogramm auf die Beine stellen. Aber diese Kultur, dass wir in jeder kleinen Stadt eine Buchhandlung hatten, die ein breites Sortiment anbot, daß die Zeitungen und sogar das Fernsehen die literarische Vielfalt, die es de facto immer noch gibt, vermittelten, die verschwindet. Wir erleben jetzt eine radikale Veränderung des Marktes. Toll finde ich das nicht.<br /><br /><strong>Gilt diese Ökonomisierung auch für das Erzählen selbst? Gibt es die Grenze zwischen E und U in Deutschland noch? Hier der Krimi und dort das Literarische, das An-der-Sprache-Arbeiten?</strong><br />Wenn ich Seminare gebe, stelle ich immer wieder fest, wie sehr das Korsett einer sozusagen amerikanischen Erzähldramaturgie die Überlegungen gerade sehr junger Autoren bestimmt. Das hat sicher damit zu tun, dass wir alle über die Erzählmuster der Fernseh- und Kinoformate sozialisiert sind. Ich glaube aber, diese Narrative verstellen auch den Blick auf sich selber. Ein Plot kann wie eine Glasscheibe zwischen dem eigentlichen Schreibimpuls und dem stehen, was danach auf dem Papier steht, weil dieser Anspruch, es solle so und so sein, so groß ist. Man muß doch bei jedem Text schauen: Wo ist eine Tür in die wirkliche Schreiberfahrung? Schreiben heißt doch, den eigene Impuls bloßlegen, wo es für einen selber existentiell wird im Schreiben. Nur so kann etwas entstehen, was den Leser mitnimmt. Verschwendung ist wichtig. <br /><br /><strong>Wo Verschwendung ist, muss ja immer auch eine Struktur sein, von dem das Verschwenderische abweicht. Nach welcher Art von Struktur arbeitest du? Nach Motiven? Räumen? Oder gibt es schon auch einen Plot, der darunter liegt?</strong><br />Es gibt den eigentlichen, für mich existentiellen Schreibprozess, der findet jenseits des Plots statt. Da geht es für mich um Szenerien, um Orte, um sinnliche Wahrnehmung. Das ist völlig ergebnisoffen und ungesteuert. Etwas will dabei mit sich selbst identisch werden. Der zweite Schritt ist dann die Einordnung dieses Materials. Da kommt der Plot ins Spiel und durchaus auch Überlegungen derart: Wie kann man hier den Blick des Lesers steuern? Wie kann man ihn auf eine Fährte führen? Und was denkt er an jener Stelle im Augenblick des Lesens? Das ist so eine Art Ping-Pong-Spiel zwischen verschiedenen Erzählinstanzen. Meine Plots haben ja oft Genre-Strukturen, ich nehme Anleihen an Populärformen, wobei das, was ich in diesen Formen erzählen will, über sie hinausgeht. Das ist die Spannung, die mich eigentlich interessiert.<br /><br /><strong>Birgt das nicht auch die Gefahr, sich zu verlieren, wenn man alles offen lässt?</strong><br />Es gibt beim Schreiben den Moment, in dem man einen Satz formuliert, in dem man ganz bei dem ist, was man erzählen will. Und dann gibt es viele Momente, wo einem nichts einfällt und in diesem Momenten beginnt man, sich mit Strukturen zu beschäftigen. Aber in dieser Zeit ist man, glaube ich, vom Eigentlichen eher weit entfernt. Insofern haben Strukturen immer etwas Eitles. Und werden auch ganz schnell wieder zu einem Korsett, das eher behindert. Ich glaube, man muss es aushalten, dass man mit jedem Satz alles wieder umwerfen kann. Mein Roman „Woraus wir gemacht sind“ beginnt beispielsweise als Kriminalgeschichte: Ein Paar fährt nach New York, eines Morgens wacht der Mann auf und seine Frau ist entführt. Er beschließt, nicht zur Polizei zu gehen, sondern sie selber zu suchen. Thriller eben. Ich hatte eigentlich vor, dass er quer durch Amerika fährt und dabei Fährten einer ominösen Geschichte aufdeckt und so schließlich seine Frau rettet. Das war die Idee. Nun kam mein Held aber nach ein paar Dutzend Seiten in ein Kaff in Texas namens Marfa und wollte da nicht mehr weg. Der blieb da einfach, fast ein halbes Jahr, und statt den Fährten zu folgen, die ich ausgelegt hatte, tat er eigentlich gar nichts. Ich dachte: Das ist doch völliger Blödsinn, fällt dir denn nichts ein? Aber ich habe dann diesem Impuls nachgegeben, denn da gab es anscheinend eine Logik, die ich selber nicht ganz begriff, die aber auf eine unaussprechliche Weise richtig erschien. Für mich hatte es plötzlich eine große Stimmigkeit, dass dieser Mann sich verliert und wiederfindet, und dass die Frau fast aus seinem Gesichtsfeld verschwindet. Dieses Retardierende wurde mir natürlich von der Kritik um die Ohren gehauen.<br /><br /><strong>Also beobachten wir heute das Diktat des Ökonomischen sowohl auf der literarischen, künstlerischen Ebene als auch auf der Markt-Ebene?</strong><br />Ich glaube nicht mal, dass es vorrangig eine Ökonomisierung der Literatur selbst ist, die wir erleben, aber die Erzählmuster, die unsere Erwartungen an Literatur, ja unser Denken prägen, stammen längst nicht mehr aus dem literarischen Feld, sondern aus den visuellen Künsten, und da es einfach sehr viel teurer ist, einen Film zu machen, als ein Buch zu schreiben, ist der Konformitätsdruck im Film so enorm. An dessen Mustern geht den Lesern das Gefühl für eine Wahrnehmungsoffenheit verloren. Immer weniger haben Spaß daran, einen Text zu lesen, bei dem sie zwei Seiten lang nicht wissen, wo der hinführt. Und diese Veränderung der Wahrnehmung wird nun durch die zerstreute Perzeption im Internet verstärkt.<br /><br /><br /><strong>Thomas Hettche</strong> wurde in der Nähe von Gießen geboren. Er promovierte in Philosophie. Neben seiner schriftstellerischen Arbeit war er auch als Journalist, vor allem für die Frankfurter Allgemeine Zeitung und die Neue Zürcher Zeitung, tätig und übte verschiedene Gastdozenturen in seinem Fachgebiet, der Poetik, aus. In den Jahren 1995 bis 1999 war er Juror des Ingeborg-Bachmann-Wettbewerbs. 2001 veröffentlichte Hettche Roman „Der Fall Arbogast“. Zuletzt erschien „Die Liebe der Väter“ 2010 im Verlag Kiepenheuer &amp; Witsch.<br /><a href="http://www.hettche.de">www.hettche.de</a></p>]]></description><link>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/Interview_mit_Thomas_Hettche.html</link><pubDate>Thu, 21 Jul 2011 18:56:00 +0200</pubDate><guid>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/Interview_mit_Thomas_Hettche.html</guid><enclosure url="http://www.text-manufaktur.de/a/bildmaterial/blog/thomashettche_presse.jpg" length="62207" type="image/jpeg" /></item><item><title>8.6.2011/   &quot;Schreiben ist wie eine Eiterbeule&quot;</title><description><![CDATA[<p>Die 14 Finalisten für den diesjährigen Bachmann-Wettbewerb stehen fest.  Eine von ihnen ist die in St. Petersburg geborene und in Wien lebende  Julya Rabinowich, deren Roman „Herznovelle“ gerade im Deuticke Verlag  erschienen ist. Im Interview spricht die sympathische und exzentrische  Powerfrau über Geld, Neid unter Kollegen, die neue Öffentlichkeit als  Autorin und ihre schrecklichste Lesung.<br /><br /><img title="a/bildmaterial/blog/Rabinowich_Julya.jpg" src="http://www.text-manufaktur.de/a/bildmaterial/blog/Rabinowich_Julya.jpg" alt="a/bildmaterial/blog/Rabinowich_Julya.jpg" width="180" height="270" /><br />(Foto: privat)<br /><br /><strong>Wann hast du angefangen zu schreiben?</strong><br />Ich schreibe seit meinem sechsten Lebensjahr. Dabei sind ungefähr zwei unlesbare, entsetzliche Romane über Drachen entstanden. Meine arme Großmutter musste sie sich jeden Abend anhören. Im Nachhinein tut sie mir wirklich leid. Doch das hatte den Vorteil, dass ich im Lesen recht geübt war, als ich mit „Herznovelle“ fertig war und mit Lesungen begonnen habe.<br /><br /><strong>Wie war der plötzliche Eintritt in den Literaturbetrieb für dich?</strong><br />Ich hab mich als Stein empfunden, der in ein Fenster geworfen wird, und zwar ein geschlossenes. Ich hatte das Gefühl, ich bin irgendwie, ohne es zu wollen, geworfen worden und habe damit eine gläserne Decke gesprengt. Ich hab keine Ahnung, wie meine Werdegang geworden wäre, wenn ich den Rauriser Literaturpreis nicht bekommen hätte. Ich nehme an, dass es langsamer und sicherlich nicht so rasch gegangen wäre, da ich länger in der Schublade der Migranten-Literatur geblieben wäre – trotz tapferer Gegenwehr. Der Rauriser Literaturpreis hat mich quasi von den Niederungen der Migranten-Literatur gereinigt. Bei der Rede zur Preisverleihung habe ich mich allerdings vor einigen schwer blamiert, und andere wiederum sehr amüsiert, weil ich schon von meiner Kindheit an feierliche Anlässe nicht ernst nehme. Es haben sich viele darüber unterhalten und gelacht, aber sie wurde nicht veröffentlicht.<br /><br /><strong>Du schreibst auch Auftragswerke?</strong><br />Es ist die Perversität meines Lebens, dass ich durch Geldgier genötigt werde, irgendwelche Texte abzugeben, weil ich einfach dies und jenes haben möchte und kein Geld dafür habe. Also schreibe ich Auftragstexte.<br /><br /><strong>Zum Beispiel?</strong><br />Eine Rezension oder auch Artikel für Zeitungen. Ich hab mehrere Theaterstücke als Auftragswerke bekommen. So bin ich überhaupt an mein erstes Theaterstück rangekommen, worüber ich verdammt froh bin, weil ich von alleine vermutlich gar nicht auf die Idee gekommen wäre, ein Theaterstück zu schreiben. Ich sehe das als eine Inspirationsquelle, das ist ein Input. Ich denke mir: Okay, da gibt jemand einen Impuls, und ich gehe diesem Impuls nach. Das ist nicht anders als ein Computerspiel, und ich spiele sehr gern Computer. Da kriegt man auch verschiedene Quests und sollte möglichst alle erledigt haben, wenn man gut abschneiden möchte.<br /><br /><strong>Was sagst du Autoren, die vom Schreiben leben wollen?</strong><br />Verabschiedet euch von teuren Wohnungen, Autos und großen Reisen! Dann geht das. Oder man hat Glück, aber das ist halt immer die Frage, ob man das Glück hat, und das hat nicht immer mit Qualität zu tun.<br /><br /><strong>Aber kann man sagen, dass du jetzt vom Schreiben leben kannst?</strong><br />Ja, seit einem Jahr schon. Eindeutig und ausschließlich. Ich hab davor doch immer wieder, um die Fixkosten sicher zu haben, gedolmetscht. Dreimal in der Woche oder zum Schluss zweimal. Das wurde dann immer weniger. Wobei ich auch sagen muss: Da meine Eltern beide Künstler waren, und ich von klein auf gewohnt war, zu verzichten, bin ich durchaus bereit, das weiter zu betreiben, solange ich meine Fetzen kaufen kann. Das ist das Einzige. Also, wenn das ausbleibt, dann geht’s nicht! Aber sonst, ganz ehrlich, das Auto fehlt mir nicht, Führerschein habe ich keinen, ich komme also nicht einmal in Versuchung. Es geht natürlich auch, dass man wenige Stunden arbeitet, die einen stützen, und dann nebenher schreibt. Auch das hat bei mir relativ lange funktioniert. Es hat nur aus einem bestimmten Grund nicht mehr geklappt. Diese Arbeit mit den Flüchtlingen hat mich so belastet, dass diese zehn, fünfzehn Stunden im Endeffekt zwanzig Stunden Regeneration gebraucht haben, bevor ich schreiben konnte. Es flutet einen ab einem gewissen Pegel.<br /><br /><strong>Und jetzt bist du damit konfrontiert, dass dich andere Sachen vom Schreiben abhalten, also Lesereisen.</strong><br />Lesereisen – oder kleine Skandale, große Skandale, liebe Kollegen, nicht so liebe Kollegen, alles mögliche.<br /><br /><strong>Ist das auch eine Art Abhärtungsprozess?</strong><br />Ja, natürlich. Jedes Mal, wenn ich eine Kritik aufschlage, habe ich Herzklopfen, zum Beispiel. Und das war früher nicht so. Ich hab mich gefreut, wenn es welche gegeben hat, aber ich war mehr überrascht, dass es welche gegeben hat. Und jetzt war es schon so, dass ich bereits mit einem gewissen Schrecken oder eine Starre öffne, weil man es unter anderem auch von Kollegen weiß, was für wirklich fiese, böse Dinge drin stehen können. Und da muss man sich abhärten. Das darf einen nicht umwerfen. Es gibt auch sehr viel Neid unter uns Autoren. Ich bin davor genauso nicht gefeit. Ich spüre es genauso an mir und merke es an anderen. Das ist etwas, was die dunkle Seite unseres Berufes ist.<br /><br /><strong>Das ist ja eine Erfahrung, die man erst dann macht, wenn die Sachen öffentlich sind: dass einfach alle über die Texte reden.</strong><br />Schön wär's ja, wenn sie nur über meine Texte geredet hätten. Ich habe zwei, drei Interviews beim „Standard“ gehabt und danach gab es ungefähr hundert Beiträge von randalierenden Forumtrolls. Dabei gingen sicher zwanzig Beiträge nur um mein Aussehen – der Rest um meine Herkunft, und dass ich mich quasi nach Russland schleichen soll und mich dort für die Menschenrechte einsetzen. So bin ich dann dort gesessen und hab mir gedacht: Okay, schlimmer als eine böse Kritik kann nichts sein. Doch das ist noch ärger.<br /><br /><strong>Es geht also nicht nur um die Texte, sondern auch um einen als Person?</strong><br />Es ist nicht mehr zu trennen. Andererseits, es gibt Kollegen, die das Gegenteil davon betreiben, die trennen ganz strikt die Texte von sich. Es gibt die öffentliche Version der Texte und es gibt das Private, das keiner mitkriegt. Ich hab's nicht einmal probiert, für mich war irgendwie klar, dass ich und der Text ein und dasselbe sind. Ich hab das nie getrennt, mit dem Effekt natürlich, dass die Watschen, die ich für den Text abkriege, ich persönlich kriege bzw. die Watschen, die ich persönlich kriege, ich über den Text abkriege. So das geht hin und her.<br /><br /><strong>Es kommt natürlich auch immer darauf an, wie man damit umgeht.</strong><br />Also, ich bin durchaus bereit, eine Kunstfigur zu bilden. Das ist kein Problem. Alles ist öffentlich, immer. Ich stelle mich ganz bereitwillig als Kunstfigur hin, aber meine Tochter niemals. Was sich jetzt ändert, weil sie fürchterlich sauer ist, dass sie nicht auf dem Foto drauf ist. Jetzt ist sie fünfzehn, jetzt kann sie damit schon umgehen. Aber davor war für mich völlig klar: Ich erwähne sie nicht, ich zeige sie nicht. Ich führe sie nicht vor, wenn in der Wohnung gedreht wird.<br /><br /><strong>Wie gehen Sie mit verschiedenen Impulsen beim Lektorat um? Der eine Kollege sagt das, der Lektor das Gegenteil – muss man da immer auf einen vertrauen?</strong><br />Das bringt mich jetzt in eine Zwickmühle! Ich muss ganz ehrlich sagen: Mein erstes Buch, den Spaltkopf, habe ich so, wie er jetzt ist, gegen den Willen meiner damaligen Lektorin durchgebracht. Wenn es nach ihr gegangen wäre, dann wäre diese Buch eine stronznormale Familiengeschichte geworden, ohne eine tiefere Ebene. Und ich würde sagen, damit hätte ich weder den Rauriser Literaturpreis gekriegt, noch so eine Aufmerksamkeit, da bin ich ziemlich sicher. Bei anderen Dingen hatte sie aber wiederum recht, wo sie gemeint hat, das ist kitschig, das ist übertrieben, das kann man streichen. Es ist so ein Hineinspüren, was für mich stimmt. Es liegt im Endeffekt immer im Ermessen des Autors, eine Art Vertrauen, wohin die Geschichte zwingend führen soll.<br /><br /><strong>Aber ohne Kritik gibt es keine Weiterentwicklung.</strong><br />Ja, genau. Man darf sich nicht gekränkt fühlen, denn sehr oft ist diese Kritik wichtig und richtig. Ich hab eine Freundin, die nimmt so derartig überhaupt keine negativen Rückmeldungen an, dass ich das Gefühl hab, die stagniert jetzt sicher seit zwei Jahren. Man braucht ein Gegenüber, jeder Mensch braucht für alles, was er tut, ein Gegenüber, eine Spiegelung. Ich vertraue dann in solchen Fällen möglichst auf mein Gefühl, wer für mich jetzt die wichtigere Auskunftsperson ist, wem ich mehr Kompetenz zutraue. Wenn das zwei gleichwertige Personen sind, wird es schwierig. Aber es ist doch so, dass Menschen oft mehr oder weniger Ahnung von Literatur haben.<br /><br /><strong>Wie schreibst du? Regelmäßig, nicht so regelmäßig?</strong><br />Das ist bei mir wahnsinnig unterschiedlich. Ich ermüde sehr schnell. Es gibt Leute, die von der Zeit wesentlich langfristiger arbeiten können, stundenlang. Bei mir geht das mal zwei Stunden und dann ist es vorbei. Und ich kann auch nie mehr als zwei Seiten schreiben, dann muss ich Pause machen und am nächsten Tag weiter tun. Es geht kontinuierlich, aber es geht nicht besonders lang. Es gibt sicher Kollegen, die an einem Tag dreißig Seiten schreiben, dann wieder lang Pause machen. Ich arbeite lieber flächig. An der Herznovelle habe ich wirklich fast jeden Tag gearbeitet, gerne in der Früh und gerne in der Nacht. Beim Spaltkopf war das völlig anders. Der Spaltkopf hat doch wahnsinnig lang gedauert, vier Jahre, weil ich hundert Seiten weggeschmissen hab, weil ich irgendwann mal festgestellt hab, ich bin völlig falsch abgebogen und muss zurück.<br />Abgesehen davon hab ich in der Zeit Vollzeit gearbeitet, hatte ein noch kleines Kind. Ich hätte es nicht lange auf diese Art und Weise fortführen können. Es hätte mich sehr erschöpft, wenn ich das zweite Buch in der gleichen Konstellation geschrieben hätte. Das heißt, der Spaltkopf ist zitzerlweise entstanden, dafür hatte ich aber wesentlich weniger Lesungen.<br /><strong><br />Lesungen sind doch aber das angenehmere Übel, oder?</strong><br />Ja, wobei die Reisen auch sehr erschöpfen. So inspirierend sie auch sind. Nach einiger Zeit kommt man in eine gewisse Zerfledderung hinein, wenn man immer wieder reisen muss, immer wieder sich selbst entwurzelt und dann wieder zurückkommt. Andere Leute reisen gern, ich hab eine Reiseangst. Ich hatte extreme Flugangst. Und bin nach London per Landweg gefahren, mit dem Schiff, was fürchterlich teuer und irrsinnig umständlich gewesen ist, und dann habe ich eine Einladung nach New York zu einem Literaturfestival gekriegt. Da habe ich gewusst: Okay, meine Reiseangst wird getoppt, ich soll auch noch fliegen. Aber ich war so gierig auf dieses Festival, dass ich mir gedacht hab, ich flieg jetzt dahin! Und seitdem hab ich dann auch wirklich wieder begonnen zu fliegen. Beim letzten Flug nach Darmstadt bin ich ohnmächtig geworden.<br /><br /><strong>Das war aber nicht nur das Flugzeug.</strong><br />Nein, nein. Da haben wir uns mit Austern vergiftet. Das war unglaublich. Der Veranstalter ist ein hervorragender, einer der nettesten, liebsten, interessantesten und bewandertsten Veranstalter, die ich bis jetzt kennengelernt hab, ein Pfarrer, der in seiner Kirche immer Literaturlesungen veranstaltet hat. Am Abend vor meiner Lesung haben wir uns Austern schmecken lassen. Und dann in der Früh war uns schon ein bisschen schlecht, mir und der Verlegerin, aber wir haben uns das gegenseitig nicht gesagt und gedacht: Irgendeine Magenverstimmung oder so. Und dann kommen wir in die Kirche, es sind über zweihundert Leute da, alles voll und ich merke, mir ist wirklich komisch, ganz, ganz eigenartig. Ich musste nicht nur lesen, sondern am Altar sitzen, ich kann unmöglich neben diesen Altar kotzen. Es war wirklich furchtbar. Und dann kam dieser Pfarrer auch ganz grün, aber das ist mir in meinem Zustand natürlich nicht aufgefallen, und hat auch irgendwie sehr farbig eröffnet, wie mir schien. Dann wollte ich lesen, und mein Mikrofon ging nicht, weil er es falsch verkabelt hatte in seiner Not, und er hat in die Sakristei laufen müssen, um ein neues Mikrofon zu holen, hat seines aber nicht abgedreht. Dann hat man gehört, wie er gestöhnt hat, durch die ganze Kirche, und dann mit einer ganz elenden Stimme: Oh, mein Gott! Und dann saß ich dort, hab noch gelesen, und noch die Bücher signiert und bin erst dann aufs Klo gelaufen. Na ja, man funktioniert dann! Ich hab ein paarmal geschluckt und dann weiter gelesen. Es war furchtbar.<br /><br /><strong>So schön sind Lesereisen.</strong><br />Es ist ja auch wirklich eine sehr lustige Erfahrung. Es ist schon toll, was da entstehen kann.<br /><br /><strong>Ein letzter Tipp für Autoren?</strong><br />Ich würde sagen: Einfach nie hinterfragen, warum man das jetzt tut, weil, sobald man das macht, beginnt man schon zu stolpern. Ich glaube, das, was raus muss, kommt auf alle Fälle raus. Das ist wie bei einer Eiterbeule. Es kommt drauf an, ob es sehr weh tut oder nicht. Bei mir ist es so. Was soll ich denn machen?<br /><br /><br /><a href="http://www.julya-rabinowich.com/">http://www.julya-rabinowich.com/</a><br /><a href="http://www.hanser-literaturverlage.de/buecher/buch.html?isbn=978-3-552-06158-3">http://www.hanser-literaturverlage.de/buecher/buch.html?isbn=978-3-552-06158-3</a><br /><br /><img title="a/bildmaterial/blog/978-3-552-06158-3_2112719-65.jpg" src="http://www.text-manufaktur.de/a/bildmaterial/blog/978-3-552-06158-3_2112719-65.jpg" alt="a/bildmaterial/blog/978-3-552-06158-3_2112719-65.jpg" width="250" height="409" /></p>]]></description><link>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-862011-schreiben-ist-wie-eine-eiterbeule.162.html</link><pubDate>Wed, 08 Jun 2011 21:29:00 +0200</pubDate><guid>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-862011-schreiben-ist-wie-eine-eiterbeule.162.html</guid></item><item><title>27.4.2011/   Exposé und Verlag: Was will mein Text – wohin gehört mein Text?</title><description><![CDATA[<p><br />Martin Hielscher hat nach Stationen als Lektor bei Luchterhand und Kiepenheuer und Witsch seit 2005 die Programmleitung im literarischen C.H. Beck Verlag inne. Auch als Übersetzer (Richard Ford, William Gaddis, Lorrie Moore) und Biograph (Wolfgang Koeppen, Uwe Timm) trat er hervor. Nach Gastprofessuren an der Washington University und am Deutschen Literaturinstitut Leipzig ist Martin Hielscher nun Honorarprofessor an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg. Im Interview spricht er über die Anforderungen an Manuskripte, das Leben von Autoren und das ideale Exposé.</p> <p><br /><strong>Der Verlag C.H. Beck hat im deutschen Literaturbetrieb eine Sonderstellung, ein großer juristischer Verlag steht hinter dem kleinen belletristischen Verlag. Wie schlägt der sich zwischen Kleinstverlagen und den großen Konzernverlagen?</strong><br />Das Programm kann in der Tat vor allem existieren, weil es den juristischen Verlag gibt. Der Beck Verlag ist 250 Jahre alt und immer noch in den Händen der gleichen Familie. Das ist in dieser Form einzigartig in Europa. Das gibt eine solide Basis. Das Literaturprogramm soll sich zwar rechnen, aber es ist auch eine Visitenkarte.<br /><br /><strong>Wie kommen die Autoren zu Ihnen?</strong><br />Ich suche mit dem Geigerzähler nach dem einen Manuskript, nach dem einen Autor, der perfekt ins Programm passt, und dann versuche ich, denjenigen über drei, vier Stationen aufzubauen.<br /><br /><strong>Was bedeutet das, einen Autor aufzubauen?</strong><br />Es gibt eine Fülle von Neuerscheinungen, doch es steht nicht jedem die gleiche Sprache zur Verfügung. Es gibt auch junge Autoren oder Anfänger, die noch gar nicht die technischen Mittel haben. Schreiben ist auch ein Handwerk, das beherrscht man nicht von Vornherein. Für mich ist die Frage: Gebe ich einem Autor oder einer Autorin eine Chance, auch wenn der Text noch nicht hundert Prozent perfekt ist, ich aber merke, dass da eine Kraft dahintersteckt, eine Stimme, der ich zutraue, beim dritten oder vierten Buch richtig gut zu sein? In den seltensten Fällen sind die Autoren, die wir heute als berühmte Autoren kennen, mit dem ersten Buch schon perfekt gewesen. Normalerweise schreiben sich die Leute über zehn, zwanzig Jahre zum Erfolg. Es gibt einfach größere und kleinere Begabungen und es gibt auch eine größere oder kleinere Bereitschaft, an seiner Sprache zu arbeiten. Ich glaube, dass es viel Arbeit ist. Schreiben ist Arbeit. Und sich nicht zu früh mit etwas zufrieden zu geben. Uwe Timm hat von einem seiner letzten Romane dreizehn Fassungen geschrieben. Das ist Arbeit, Arbeit, Arbeit. Und wegschmeißen, wegschmeißen, wegschmeißen.<br /><br /><strong>Ein literarisches Programm zeichnet sich also vor allem durch Arbeit an der Sprache aus?</strong><br />Genau. Für mich heißt das erst mal ein Umgang mit Sprache, und zwar ein Umgang, in dem Sprache zum Problem geworden ist. Die Sprache ist nicht einfach das Instrument, nicht das Vorgefundene oder Gegebene, was mir so zufällt, sondern die Sprache ist selber schon das Problem. Wie formuliere ich das? Wie baue ich einen Satz? Und zwar einen Satz, der nicht so gebaut ist wie die Normalsprache im Alltag. Genau das ist eben nicht Literatur. Wenn man von anspruchsvoller Literatur redet, redet man von Literatur, die einen reflektierten Umgang mit Sprache erkennen lässt. Und das ist das Segment, in dem ich mich mit meinem Programm bewege und das wesentliche Kriterium: Ist das ein Text, der Sprache reflektiert oder ist das ein Text, der Sprache im Wesentlichen benutzt?<br /><br /><strong>In der Unterhaltungsliteratur hat Sprache nur die Funktion, das Drama zu transportieren. Sie muss transparent sein, sie darf nicht stören, ähnlich wie bei konventionell geschnittenen Filmen.</strong><br />Genau. Ich lese zum Beispiel sehr gerne Krimis. Und hier liegt die Qualität vor allem darin, ob es dem Autor gelingt, die Genrevorgaben zu erfüllen oder nicht. Auch das kann ich natürlich in einer besseren und einer weniger guten Sprache tun, kann Klischees bedienen oder nicht. Klischee heißt: eine Bedeutung, über die nicht mehr nachgedacht wird, die unreflektiert abgerufen wird und insofern nicht mehr zu irgendeiner Art von Erkenntnis beiträgt. Und die Gefahr bei Genreliteratur ist sehr groß, dass sie Klischees bedient, weil es da eben gewisse Regeln gibt. Man muss nur bei seinem eigenen Schreiben wissen, worauf man eigentlich zielt: Orientiere ich mich an Herta Müller oder an dem guten Thriller? Dann muss ich mich aber darüber informieren, wie ein guter Thriller aussieht und was die Kriterien eines guten Thrillers sind. Es gibt natürlich alle möglichen Stufen dazwischen. Man spricht in der Verlagswelt auch oft von gehobener Unterhaltung. Das sind Romane, die gut erzählt sind, handwerklich gut gemacht, aber nicht überwältigend toll geschrieben. Selbst in meinem literarischen Programm habe ich das ein oder andere Buch, wo ich sagen würde, das ist gehobene Unterhaltung. Aber die Sprache muss immer ein bestimmtes Niveau haben.<br /><br /><strong>Das berührt ja auch die Frage, ob ich als Autor vom Schreiben leben will oder nicht. Selbst bei gutem Erfolg kann der Belletristikautor in der Regel nicht davon leben oder?</strong><br />Leben können die allerwenigsten davon. Bei anspruchsvoller Literatur liegt eine Standardauflage bei 3.000 bis 5.000 Exemplaren, das ergibt für den Autor etwa fünf- bis zehntausend Euro pro Buch. Davon kann ja kein Mensch leben. Dann kommen noch Lesungen dazu, vielleicht der eine oder andere Literaturpreis. Relativ viele leben von dem breiten Angebot von Stipendien, Literaturpreisen und Förderstipendien, das ist im deutschsprachigen Raum sehr luxuriös und einzigartig. Da kann man sich lange durchlavieren, das ist aber trügerisch, weil viele dieser Preise und Stipendien an eine Altersgrenze gebunden sind. Bis 50 ist man ja noch ein junger Autor, dann geht es aber rapide bergab. Und es gibt diese Generation von Autoren zwischen 50 und 60, wenn die nicht einen durchschlagenden Erfolg hatten, dann verschwinden die manchmal noch zu Lebzeiten aus den Buchhandlungen. Also entweder man hat noch einen anderen Beruf, oder der Partner verdient das Geld, oder man lebt wirklich sehr, sehr ärmlich. Uwe Timm etwa kann sehr gut von seinen Büchern leben, wobei der größte Erfolg das „Rennschwein Rudi Rüssel“ ist, ein Kinderbuch, das verfilmt worden ist und das mittlerweile über eine Million Mal verkauft wurde. Das war ein Quantensprung in seinem Leben. Hinzu kommt, dass die Entwicklung im Großen und Ganzen hin zur Unterhaltungsliteratur im weitesten Sinne geht. Wir können uns noch glücklich schätzen, dass es die Buchpreisbindung noch gibt, die bestimmte anspruchsvollere Segmente schützt. Wenn die wegfällt, rechnen sich die Bücher nur noch über die Auflage, weil die Ladenpreise automatisch sinken würden. Hohe Auflagen erzielt man aber nicht mit anspruchsvoller Literatur, und die würde dann in einer Nische verschwinden. Dann könnte man noch weniger davon leben.<br /><br /><strong>Wie kommt ein Autor am besten zu einem Verlag?</strong><br />Am wenigsten erfolgversprechend ist es, das Manuskript breit rumzuschicken. Die Verlage kriegen jeden Tag dutzende unverlangt eingesandte Manuskripte, und ich muss etwa zwanzig Titel im Jahr sowieso schon betreuen. Ich kann gar nicht jeden Tag fünf Manuskripte lesen. Ich muss die Titel lektorieren, redigieren, und ich habe um jedes Buch herum zig Vorgänge. Ich bin der Knotenpunkt für alle Vorgänge, die um ein Buch herum stattfinden – vom Umschlag bis zum Klappentext, von der Herstellung bis zur Werbung. Jeder, der irgendwas mit dem Buch zu tun hat, wendet sich an mich. Und der Autor oder die Autorin wendet sich auch immer an mich. Das heißt, mein Alltag ist in hohem Maße geprägt von organisatorischen Abläufen, und weniger vom Lesen von Manuskripten. Dafür gibt es andere Kanäle, etwa die Agenturen. Und die Autoren sind untereinander vernetzt, bekommen Sachen zugeschickt, geben manchmal Seminare. Und dann fahre ich jedes Jahr zum Bachmannwettbewerb nach Klagenfurt. Ich bin beim Open Mike in Berlin. Ich lese tatsächlich Literaturzeitschriften und bin auf einen meiner Autoren durch einen Text in einer Zeitschrift gekommen. Ich bin auch schon in Seminaren, die ich geleitet habe, auf Autoren gestoßen. Es gibt vielfältigste Wege, auf denen mich Manuskripte erreichen, aber meistens gibt es irgendeinen Vermittlungsweg, bei dem es schon eine Vorauswahl gegeben hat. Neulich rief mich Wilhelm Genazino an und empfahl mir eine Kollegin, die bei den Verlagen nicht weiterkommt. Und dann schau ich da mal rein. So läuft das.<br /><br /><strong>Die unverlangt eingesandten Manuskripte werden gar nicht angeschaut?</strong><br />Die werden, sagen wir mal, in einem relativ großen Zeitraum einmal durchgesehen, auch von mir, aber nicht nur von mir allein. Da schaut dann auch die Assistentin oder Volontärin mit rein.<br /><br /><strong>Und wird dann auch der Text gelesen oder nur das Exposé?</strong><br />Beides. Erst das Exposé, dann der Text. Aber man kann nicht zweihundert Seiten durchlesen, kein Mensch kann das. Die Verlage sind personell nicht entsprechend besetzt, weil das ein Metier ist, das nicht die Umsätze abwirft. Die meisten Verlage haben eine so genannte Mischkalkulation, das heißt, stärker kommerzielle Bücher finanzieren eher nichtkommerzielle Bücher mit. Es gibt ja auch Verlage, die machen überhaupt keine anspruchsvolle Literatur, sondern nur kommerzielle Titel.<br /><br /><strong>Wie muss so ein Exposé beschaffen sein, damit es Neugier weckt?</strong><br />Es gibt sicher kein Standardexposé, das für alle zutrifft. Ein Exposé sollte prägnant sein, nicht zu lang, und es sollte keinerlei Wertungen enthalten. Wertungen nimmt der jeweilige Leser vor, nicht der Autor. Man liest als Lektor im Wesentlichen ein Exposé, um sich zu orientieren, um zu wissen, wo das spielt, worum es geht, wer die wichtigsten Figuren sind und um was für eine Geschichte es sich handelt. Wenn jemand aus vier verschiedenen Perspektiven erzählt, muss ich das natürlich wissen, wenn ich eine besondere stilistische Tonlage habe, wenn ich eine besondere Perspektive benutze, wenn mein Text irgendwie anders ist als ein konventioneller, dann muss ich das im Exposé sagen, damit der Leser vorgewarnt ist und weiß, was da auf ihn zukommt. Und das alles möglichst als Normseiten verfasst, also 30 Zeilen à 60 Anschläge, man sollte kein Augenpulver abliefern, wo man, wenn man oben an der Seite anfängt, nach zwei Wochen unten angekommen ist. Da ist man schon entmutigt, wenn man das in der Hand hat. Man sollte das augenfreundlich gestalten, denn Lektoren lesen tagein tagaus. Ein Exposé muss neugierig machen auf den Text und es muss denjenigen, der das liest, orientieren können. Manchmal ist es hilfreich zu schauen, ob es vergleichbare Bücher gibt. Das verrät eine gewisse Professionalität, denn zum Schreiben gehört einfach auch ganz viel Lesen.<br /><br /><strong>Aber kann das nicht auch nach hinten losgehen, wenn man sich mit Thomas Bernhard oder Robert Musil vergleicht?</strong><br />Klar, man sollte sich überlegen, mit wem man sich vergleicht. Ich meine das mehr in Richtung eines vergleichbaren Textes, gerade wenn man in den Genrebereich geht. Oder man sagt: Ein wichtiger Einfluss auf mein Schreiben war der und der. Das kann schon mal helfen.</p>]]></description><link>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-2742011-expose-und-verlag-was-will-mein-text-wohin-gehoert-mein-text.html</link><pubDate>Wed, 27 Apr 2011 21:29:00 +0200</pubDate><guid>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-2742011-expose-und-verlag-was-will-mein-text-wohin-gehoert-mein-text.html</guid></item><item><title>5.4.2011/   Am Ende stehen doch alle auf den Partys</title><description><![CDATA[<p>Die Autorin Harriet Köhler debütierte mit dem vielbeachteten Roman „Ostersonntag“. Zuletzt erschien ihr Roman "Und dann diese Stille" (beide KiWi). Im Interview erzählt sie, warum sie ungewollt Autorin geworden ist, spricht über ihre Vorstellung von literarischer Wahrheit, die Notwendigkeit von Gefühlen in Prosa und das Geklüngel im deutschen Literaturbetrieb.<br /><br /><strong>Wie bist du Autorin geworden, und wie bist du veröffentlichte Autorin geworden?</strong><br />Ich hab mein erstes Gedicht mit acht geschrieben. Meine Mutter hält das natürlich im Nachhinein für den Beleg für meine frühe Begabung (lacht). Es handelte aber davon, dass ich Stewardess werden will. Ich arbeitete als Journalistin (damals bei MTV), aber das Schreiben lief die ganze Zeit nebenher. Ich hab das nur für mich gemacht, doch mein Chef hat, ohne dass ich das wusste, einige Erzählungen an eine Lektorin bei Kiepenheuer &amp; Witsch geschickt. Während meiner Diplomarbeit bekam ich eine E-Mail von dieser Lektorin, die sagte, dass sie sehr beeindruckt wäre und ob ich nicht etwas Längeres hätte. Das hatte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht, doch bis zu meinem nächsten Praktikum bei GQ hatte ich drei Monate Zeit, da dachte ich, diese drei Monate sind deine Chance. Wenn du jetzt nicht was hinkriegst, dann machst du es nicht mehr. Und dann hab ich mich hingesetzt, und jeden Tag drei Seiten geschrieben. Nach neunzig Tagen hatte ich ein Manuskript. Und das schickte ich sehr stolz, begleitet von einer unterwürfigen E-Mail, an Kiepenheuer &amp; Witsch, und hörte erst mal ein halbes Jahr lang nichts. So ist das selbst bei angeforderten Manuskripten. Und dann kam die Antwort, und die luden mich sofort ein nach Köln, und ein paar Tage später war ich Autorin.<br /><br /><strong>Ist der Ehrgeiz mit der Zeit gekommen oder bleibt es immer nur die innere Hinwendung zu sich und zum Text?</strong><br />Es verändert sich schon. Ich habe ja meinen ersten Roman geschrieben, ohne auch nur einen Tag darüber nachgedacht zu haben, wie man eigentlich schreibt. Erst im Lektorat habe ich einige Regeln gelernt. Doch je mehr man weiß, um so strenger wird man mit sich beim Schreiben. Den zweiten Roman zu schreiben, war sehr viel schwerer, weil ich da schon viel mehr wusste.<br /><br /><strong>Schreibst du geregelt oder ungeregelt, von neun bis zwölf oder intuitiv nach Lust und Laune? </strong><br />Das ist schwierig, weil man Lesungen oder Termine hat. Ich bin nicht so diszipliniert, dass ich zwischendurch immer mal wieder an einem Text arbeite, sondern ich versuche, mir einen größeren Zeitraum freizuschaufeln. Darin halte mich an drei Seiten pro Tag, derer kann man sich dann sicher sein, auch wenn es am Ende gar nichts taugt.<br /><br /><strong>Aber die müssen ja auch irgendwo herkommen diese drei Seiten. Durchdenkst du das vorher dramaturgisch?</strong><br />Ja, den großen Bogen muss ich mir vorher klar machen. Um diese Distanz wirklich durchzuhalten, muss man an sein Buch glauben, muss man daran glauben, dass das erzählt werden muss. Zur Organisation des Materials: Ich erarbeitet mir ein Exposé, wo ich auf fünf oder sieben Seiten die Handlung bis zum Ende zusammenfasse. Kleinere Löcher stopfen sich, aber zu groß dürfen sie nicht sein. Und wenn ich dann schreibe, überarbeite ich zuerst das, was ich am Vortag geschrieben habe, und dann schreibe ich weiter.<br /><br /><strong>Um das große Wort „Wahrheit“ zu bemühen: Was darf und soll in einem Text wahr sein, auch im Hinblick auf die Gefahr, zu autobiografisch zu schreiben? Welche Konstruktionsprinzipien literarischer Wahrheit legst du zugrunde?</strong><br />Autobiografisch ist ein Text ja immer. Man kann nicht über etwas schreiben, was nicht in einem drin ist. Das Wort Wahrheit umfasst wahnsinnig viele Ebenen. Ich versuche, Texte zu schreiben, die eine Wahrheit vermitteln, und zwar auch für andere Leute als nur für mich. Ohne diesen Bezug zur wirklichen Welt hätte das Schreiben überhaupt keinen Sinn. Ich wüsste nicht, warum ich eine Geschichte erzählen sollte, die gar nichts weiter erzählt als diese Geschichte, sondern ich möchte etwas über die Welt erzählen. Der nächste Wahrheitsbegriff ist natürlich der textimmanente; wenn wir einen Text schreiben, dann schaffen wir eine Welt, und diese Welt hat ihre eigenen Regeln und ihre eigene Wahrheit, aber innerhalb dieses Textes müssen Dinge wahr bleiben. Und natürlich der wichtigste Punkt in Texten ist, finde ich, dass die Figuren wahr sind. Nicht nur im Sinne von authentisch, sondern sie müssen so glaubwürdig sein, dass der Leser durch diese Figuren hindurch diese Welt erspüren kann.<br /><br /><strong>Gibt es für dich Kriterien zur Erschaffung solcher Figuren?</strong><br />Es gibt natürlich die alten Creative-Writing-Regeln, eine Figur muss dreidimensional sein, eine Figur muss Tiefe haben, eine Figur muss Wünsche und Sehnsüchte haben, und sie muss in einem Konflikt stecken. Wichtig ist, glaube ich, das Konfliktpotenzial einer Figur. Wir versuchen ja nicht nur, Geschichten zu erzählen, wir versuchen ja, jemanden anders zu berühren. Und das geht nur dann, wenn wir merken, dass das, was wir schreiben uns selbst berührt.<br /><br /><strong>Kann man sagen, das Klischee ist eine literarische Lüge?</strong><br />Das Klischee ist eine schwierige Sache. Wir lesen oft Klischees, eine abgenutzte Wahrheit, die muss aber für jemanden anders gar nicht abgenutzt sein. Ich habe zum Beispiel immer Schwierigkeiten damit, nicht ins Klischee zu fallen, weil ich über typische Menschen schreibe. Ich interessiere mich nicht für Utopien, nicht für Helden, ungewöhnliche Spinner oder Außenseiter. Ich interessiere mich für den ganz normalen Menschen, und in dem Augenblick, wo man versucht, Figuren relativ durchschnittlich zu entwerfen, kommt man immer schnell an das Klischee. Es ist schwierig, und man kann sich da wirklich nur von Satz zu Satz weiterhangeln.<br /><br /><strong>Sollte man das Klischee bewusst konterkarieren, um den Text lebendiger, origineller, frischer zu machen?</strong><br />Das kann auch wieder verkrampft wirken. Manchmal liest man Texte und merkt sofort, da hat jemand versucht, das Gegenteil von dem zu machen, was man denken würde. Das ist auch öd.<br /><br /><strong>Weil es so ein Übermaß an Klischees gibt und mittlerweile alles schon erzählt wurde, gibt es, so mein Gefühl, einen Trend zur Reduktion. Dass man alles aus dem Text rausnimmt, was irgendwie verdächtig sein könnte. Die Frage ist, was dann übrig bleibt.</strong><br />Da kommen dann am Ende Bücher raus, die, wie die Rezensenten immer schreiben, eine geschliffene klare Sprache haben, und schnörkellos sind. Ich sag gar nicht, dass das nur schlechte Bücher sind. Ein solches Schreiben wird oft an den Studiengängen in Hildesheim und Leipzig gelehrt.<br /><br /><strong>Wenn zu viele Klischees drin sind, wird es zu platt, nimmt man alles raus, läuft man Gefahr, dass es ein klinischer, glatter Text wird.</strong><br />Aber ist das nicht der kreative Prozess? Das ist doch das, was man letztlich als schöpferisch bezeichnet. Schaut man sich den letzten Band von Thomas Bernhards autobiografischen Schriften nach handwerklichen Kriterien an, ist alles drin, was das DLL und der liebe Gott verboten hat. Aber wenn man dieses Bedürfnis zu schreiben und dieses unglaubliche literarische Genie ansieht, kann man das nicht reduzieren. Wenn ein Text gut ist, dann verzeiht man ihm alles, dann ist plötzlich alles möglich, und darum ist es Unsinn, immer nur die handwerklichen Kriterien anzulegen.<br /><br /><strong>Das merkt man auch, wenn man einen Klassiker liest, Tucholsky zum Beispiel, das geht bisweilen unter modernen handwerklichen Aspekten überhaupt nicht, aber es ist trotzdem so zauberhaft und bezaubernd.</strong><br />Proust würde vermutlich heute keinen Lektor mehr passieren. Es hat sich etwas Konventionelles herausgebildet, was die Leute sehr einschränkt. Man darf sich nicht im Kopf ständig damit beschäftigen, ob es eine Überfülle an Adjektiven gibt. Man sollte beim Schreiben nicht immer nur das Handwerk im Kopf haben, sondern zunächst seiner Stimme folgen. Wenn ich versuche, jeden Kitsch und jedes Gefühl zu vermeiden, dann schreibe ich einen toten Text. Also so ein bisschen Mut zum Kitsch darf man meiner Meinung nach haben. Was einen wirklich berührt, ist ja immer irgendwie kitschig.<br /><br /><strong>Und trotzdem gibt es Kriterien oder besser das Gefühl, dass der eine Text gelungen und der andere ein schlechter Text ist. Bei dem einen verzeihe ich den Kitsch und die Adjektive, bei dem anderen nicht. Und das ist letztlich auch nicht begründbar, oder?</strong><br />In dem Augenblick wäre es ja dann reproduzierbar. Also, was am Ende dann die Kunst ist, darüber können wir nicht sprechen, das ist das, was man nicht fassen kann, und das ist der Grund, warum es nicht reproduzierbar ist.<br /><br /><strong>Der deutsche Literaturbetrieb ist ja sehr überschaubar. Du etwa bist mit einem Lektor verheiratet. Herrscht in diesem Betrieb so ein bisschen ein Klüngel, in dem man sich gegenseitig nicht weh tut?</strong><br />Also nach außen nicht, hinten herum schon. Es wird natürlich in so einem Betrieb wahnsinnig viel geredet. Wie oft ich schon schwanger war, nur weil ich eine komische Bluse anhatte (lacht). Aber man muss auch sagen, dass das eigentlich ein netter Betrieb ist, in dem auch ganz schön viele interessante Menschen rumhängen, also besser als in der Werbebranche oder im Kunstbetrieb, wo es nur noch um Geld geht. Ich versuche, eine gute Mischung zu finden. Jeder deutsche Autor sagt, er hält sich raus aus dem Betrieb, und am Ende stehen sie doch alle auf allen Partys. (lacht)<br /><br /><br /><strong><img title="a/bildmaterial/Autoren/harriet koehler c urban zintel.jpg" src="http://www.text-manufaktur.de/a/bildmaterial/Autoren/harriet koehler c urban zintel.jpg" alt="a/bildmaterial/Autoren/harriet koehler c urban zintel.jpg" width="125" height="190" /></strong></p> <p><strong>Harriet Köhler</strong>, geboren 1977, hat Kunstgeschichte studiert und besuchte die Deutsche Journalistenschule. Sie lebt und arbeitet in Berlin.</p>]]></description><link>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-542011-am-ende-stehen-doch-alle-auf-den-partys.html</link><pubDate>Tue, 05 Apr 2011 21:29:00 +0200</pubDate><guid>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-542011-am-ende-stehen-doch-alle-auf-den-partys.html</guid></item><item><title>23.3.2011/   Die Textmanufaktur bei Leipzig liest</title><description><![CDATA[<p>Gemeinsam mit dem kleinen Hamburger Verlag asphalt &amp; anders und mit dem Göttinger Wallstein Verlag päsentierte die Textmanufaktur anlässlich der Leipziger Buchmesse die neue Jahresanthologie "Die Angst des Zuckerstreusels, im Schokoladenmeer zu ertrinken". Im Zentrum stand an diesem Abend die kurze Form: <a href="http://www.stefanpetermann.de/">Stefan Petermann</a> las zwei Kurzgeschichten aus seinem neuen Erzählband "Ausschau halten nach Tiegern". Aus der Jahresanthologie der Textmanufaktur lasen Ute Weber (Frankfurt), Ruth Loosli (Zürich), Anette Wieners (Köln), Stephanie Drescher (Berlin), Joseph Danaghie (München) und Jana Franke Frey (Uckermark).<br />Abschließend präsentierte der in Berlin lebende Autor <a href="http://www.gregorsander.com/">Gregor Sander</a> seine großartige Erzählung "Gegenlicht", die Geschichte eines Zwillingsbruderpaares am Nordkap im Winter. Düster und verstörend, dabei sprachlich präzise gefasst und starke Bilder evozierend.<br /><br /><img title="a/bildmaterial/blog/Messe 01.JPG" src="http://www.text-manufaktur.de/a/bildmaterial/blog/Messe 01.JPG" alt="a/bildmaterial/blog/Messe 01.JPG" width="200" height="266" /><br />Stefan Mayr und André Hille bei der Anmoderation<br /><br /><img title="a/bildmaterial/blog/Messe 02.JPG" src="http://www.text-manufaktur.de/a/bildmaterial/blog/Messe 02.JPG" alt="a/bildmaterial/blog/Messe 02.JPG" width="200" height="150" /><br />Erwartungsvolles Publikum<br /><br /><img title="a/bildmaterial/blog/Messe 03.JPG" src="http://www.text-manufaktur.de/a/bildmaterial/blog/Messe 03.JPG" alt="a/bildmaterial/blog/Messe 03.JPG" width="200" height="138" /><br />Der Raum der Textmanufaktur in der Leipzger Spinnerei<br /><br /><img title="a/bildmaterial/blog/Messe 04.JPG" src="http://www.text-manufaktur.de/a/bildmaterial/blog/Messe 04.JPG" alt="a/bildmaterial/blog/Messe 04.JPG" width="200" height="267" /><br />Gregor Sander</p>]]></description><link>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-2332011-die-textmanufaktur-bei-leipzig-liest.html</link><pubDate>Wed, 23 Mar 2011 21:29:00 +0100</pubDate><guid>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-2332011-die-textmanufaktur-bei-leipzig-liest.html</guid></item><item><title>6.3.2011/   Das Programm fürs 2. Halbjahr</title><description><![CDATA[<p>&nbsp;</p> <p><br />Das Programm als <a href="http://www.text-manufaktur.de/a/pdfs/Textmanufaktur Programm web.pdf">PDF finden Sie hier</a>. In Kürze werden die Seminare zur Anmeldung online gestellt. Wer sich bis <strong>31. März </strong>anmeldet, erhält 10 Euro Rabatt auf die Kursgebühr.</p>]]></description><link>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-632011-das-programm-fuers-2-halbjahr.158.html</link><pubDate>Sun, 06 Mar 2011 21:29:00 +0100</pubDate><guid>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-632011-das-programm-fuers-2-halbjahr.158.html</guid></item><item><title>19.2.2011/   Die Sehnsucht danach, überrascht zu werden</title><description><![CDATA[<p>&nbsp;</p> <p><img title="a/bildmaterial/blog/Wallstein 01.JPG" src="http://www.text-manufaktur.de/a/bildmaterial/blog/Wallstein 01.JPG" alt="a/bildmaterial/blog/Wallstein 01.JPG" width="350" height="468" />&nbsp;</p> <p><strong>Aktuell gibt es Tendenzen zur Konzentration im Verlagswesen, jüngstes Beispiel ist die Kooperation zwischen Aufbau und Eichborn. Zwischen Konzern und Nische – wie behauptet sich Wallstein?</strong><br />Wenn man in einem großen Verlag ein Buch rausbringt, dann liegt das in vielen Buchhandlungen, eine Woche nach Erscheinen bekommt man die ersten Signale aus den Feuilletons und weiß, ob es eher hochgejubelt oder verrissen wird. Andererseits gibt es eine riesige Produktion, und für 98 Prozent des Programms wird oft gar nichts getan. Und wenn man sich als Autor sagt, ja, ich habe es zu einem großen Verlag geschafft, dann kann das ein Trugschluss sein, denn wenn alle auf den Toptitel setzen, bleibt weder eine Annonce für ihn, noch versucht jemand, Veranstaltungen zu organisieren. Da muss man sich nichts vormachen, die Buchhändler sagen: Ah ja, ein neuer Handke, bestell ich, von Thomas Bernhard habt ihr wieder etwas aus dem Archiv ausgegraben, bestell ich auch, das Debüt lassen wir aus. Sag mir, was dein Spitzentitel ist und dann sage ich, wie viele ich bestelle, das andere brauchen wir eigentlich nicht. Bei Wallstein können wir flach entscheiden, es gibt niemanden über uns, keine Aktionäre oder Eigentümer, die 15 Prozent des Kapitals als Rendite rauskriegen wollen. Der Verlag muss natürlich halbwegs so geführt werden, dass alle Rechnungen bezahlt werden können. Für mich war Wallstein eine Größe, die im Feuilleton wahrgenommen wird, in Buchhandlungen wenigstens vorhanden ist, und trotzdem kann ich nach meinen Ansprüchen entscheiden.</p> <p><strong>Was bedeutet literarischer Anspruch? Mit Sprache zu arbeiten?</strong><br />Ich glaube, dass es für jeden Leser gut ist, sich aktiv zu einem Text zu verhalten. Das heißt, der Text spricht in einer gewissen Weise zu mir, aber das hängt davon ab, was der Text will. Und insofern ist es wichtig, möglichst viele Fragen an den Text zu stellen. Wenn ich von Noten keine Ahnung habe, sondern nur gern Musik höre, dann sagt mir ein Notenblatt nichts. Wenn ich Komponist bin, kann ich einen ästhetischen Genuss empfinden, wenn ich ein Notenblatt sehe. Das hat auch damit zu tun, welche Ansprüche ich an Literatur habe, welche Fragen ich an einen Text stelle. Und wenn ich eine bestimmte Antwort erwarte, aber eine andere, vielleicht nur ein bisschen gedrehte Antwort bekomme, nach, zugegeben, sehr viel Lektüre, die mich matt macht, ärgerlich macht oder langweilt, werde ich überrascht. Es ist die Sehnsucht da, überrascht zu werden. Wo laufen meine Fragen ins Leere? Wo hält der Text einer Frage stand? Wo legt der Autor eine Fährte, die vielleicht in eine Richtung führt, die sich am Ende gar nicht auflöst. Was weiß der Leser jeweils an einem ganz bestimmten Punkt? Das sollte, soweit es möglich ist, der Autor mitreflektieren und sich bewusst machen. Der erste Satz muss mich kriegen. Die erste Seite. Wenn die Lektoren keine Lust haben zu lesen, muss der Text so sein, dass man weiterliest.<br /><strong><br />Das sind ja schon zwei, drei Kriterien oder Qualitätsmerkmale: Informationsvergabe innerhalb eines Textes, Überraschungen, offene Fragen. Was gibt es noch für Kriterien? Rhythmus? Metaphern? Bildhaftigkeit? Und lässt sich die Qualität eines Textes an solchen Kriterien überhaupt festmachen?</strong><br />Ich glaube, dass man das überhaupt nie abstrakt beantworten kann, sondern dass man es funktional beantworten muss. Eine schöne Sprache heißt ja nicht Adjektivreichtum oder etwas, was man für lyrisch hält, Worte, die emotionsgeladen sind. Nehmen Sie irgendeinen Kafka-Text, die ersten Sätze oder die letzten, mittendrin. Es gibt fast nichts Geheimnisvolleres in der deutschen Literatur als Kafka, aber die einzelnen Sätze sind wie von einem Buchhalter geschrieben. Gerade weil es hart ist, weil es Blöcke sind, die des Poetischen zu entbehren scheinen, ruft es viel in uns auf. Man kann Texte in einem bestimmten Rhythmus anlegen, etwa sehr lange Sätze in Hypotaxen schreiben, vom Hauptsatz geht der erste Nebensatz ab, dann der zweite Nebensatz, der vom ersten Nebensatz abhängt bis zur dritten Ordnung, und dann komme ich langsam wieder hoch. Und der Leser verliert trotzdem nicht die Orientierung, weil er langsam zurückgeführt wird. Das hat in der deutschen Literatur stark abgenommen, weil die Leser das nicht mehr wollen. Manche schreiben nur Hauptsätze, bis zum Extrem, in dem keine Kommas vorkommen. Statt ein Komma zu setzen, beginne ich lieber von vorn mit dem nächsten Satz. Das kann einem natürlich furchtbar schnell auf die Nerven gehen. Wenn man schreibt: „Er geht die Straße lang. Bis zum Supermarkt.“, dann hat das eine bestimmte Funktion. Man kann nicht sagen, das ist gut oder schlecht. Wenn der Erzähler ausgeruht wäre und aus einem erzählerischen Abstand spräche wie Theodor Storm bei „Immensee“, dann sollte er ja, schon bevor er den Satz bildet, wissen, dass die Figur bis zum Supermarkt gehen wird, und nicht dann erst aufgeregt nachtragen: „Er geht die Straße lang. Bis zum Supermarkt.“ Das ist ein Signal, dass der Erzähler stark in die Handlung verwoben ist, alles in dem Moment wahrnimmt. Er kann im ersten Satz noch gar nicht sagen, wo die Reise hingeht, sondern erst im zweiten trägt er es nach. In gewissem Sinne spricht sich darin eine Erregung des Erzählers aus, der nah an seiner Figur, nah an der Handlung ist, und wenn ich als Leser aufgefordert bin, diese Art der Erregung nachzuvollziehen, hängt alles davon ab, ob es gelingt oder nicht. Hier muss man sehr genau schauen: Was will der Text?</p> <p><strong>Jeder Text stellt also seine eigenen Qualitätskriterien auf.</strong><br />Genau. Ein Kunstwerk schafft seine Kriterien aus sich selbst heraus. Ich werde oft gefragt: Sie sind also jetzt der böse Lektor, der den ganzen Tag lang Ablehnungen schreibt? Woher haben Sie denn Ihre Kriterien? Und dann sag ich: Ja, wissen Sie, ich möchte eigentlich gar keine Ablehnungen schreiben. Ich möchte viel lieber Zusagen geben, das wäre für mich viel einfacher. Dann hätte ich zehn Manuskripte auf dem Tisch, eins lehne ich ab, neun Mal sage ich zu, dann brauche ich nur die zehn lesen pro Jahr und habe meine Arbeit schon mehr als getan. Es ist ja für mich nicht wünschenswert, dass ich tausend Manuskripte lesen muss, um einmal „ja“ zu sagen. Ich behaupte ja gar nicht, dass ich das literaturgeschichtliche Schwert bin, das über Qualität und Nicht-Qualität entscheidet. Ich entscheide für mich alleine, auch im kleinen Wallstein Verlag oder vorher bei Suhrkamp oder Kiepenheuer, und der Autor hat noch zweitausend andere Möglichkeiten, sein Manuskript bei einem Verlag unterzubringen. Ich weiß, dass es einen subjektiven Faktor in meinen Entscheidungen gibt. Ich bin auch ganz ohne Illusion, wenn ich Kritiken lese, das sind schon gar keine objektiven Instanzen, und Literaturgeschichten mit einem dreißigjährigen Abstand sind auch nicht wahnsinnig objektiver. Ich muss leider jedem Autor sagen: Die Chance, dass du bei der ersten Unternehmung sofort eine Zusage kriegst, ist nicht groß, und es gehört zum Autorsein dazu, eine Menge Kummer zu ertragen und trotzdem an das zu glauben, was man schreibt, und es so gut zu machen, wie es geht. Man muss mit Absagen umgehen lernen. Für Autoren ist es wahnsinnig wichtig, sich erst einmal klar zu machen, was das für ein Verlag ist, bei dem sie sich bewerben. Was ist das, was ich selber schreibe? Wo passt das hin? Ein Autor sollte auch ein Leser sein, die Bücher der Verlage, an die er sich wendet, schon mal in der Hand gehalten haben. Wenn ich Mails bekomme und sehe im Briefkopf, das hat der Autor an Suhrkamp, Wallstein, Hanser, Bastei Lübbe und alle möglichen Selbstverleger geschickt, dann habe ich schon keine Lust anzufangen.<br /><br /><strong>Früher, so mein Gefühl, waren Adjektive noch nichts Böses, das gab es eine unglaubliche Fülle von Adjektiven, während uns heute überwiegend eine sehr nüchterne Sprache begegnet. Kurze Sätze, in der Regel Hauptsätze, Lakonie. Ist das ein ästhetischer Wandel durch die Moderne, durch die immer geringer werdende Aufmerksamkeitsspanne, oder ist das ein Mangel an Fähigkeiten?</strong><br />Klar, es ist auch ein ästhetischer Wandel, aber das gab es auch schon immer. Es gibt von Mark Twain diese Anekdote: Als er noch bei der Zeitung gearbeitet hat, sagte er einem jungen, zwei Etagen unter ihm arbeitenden Kollegen: Immer, wenn Sie ein Adjektiv verwenden wollen, kommen Sie bitte hoch, um mich zu fragen, ob sie das dürfen. Natürlich, Adjektive können einen Text prunkvoll machen, ihm Geschmack und Farbe geben, und natürlich ist es Quatsch zu sagen, ein Text darf keine Adjektive haben. Aber man sieht das sehr häufig, dass Autoren generell vor ein Substantiv zwei Adjektive stellen: eine gelb-rote Blume mit einem süßlich-bitteren Geschmack. Wenn diese Konstruktion im ersten Absatz viermal auftaucht, wird man schon misstrauisch. Ist das wirklich nötig oder findet der Autor diese Worte nicht aus Verlegenheit, weil es romantischer klingt?<br /><br /><strong>Lektoren legen oft schon nach der ersten Seite das Manuskript weg. Ist das so? Oder wie weit lesen Sie ein Textangebot?</strong><br />Das passiert sehr häufig, dass nach der ersten Seite nicht weitergelesen wird, aber was jemand für interessant hält, kann sehr unterschiedlich sein. Wenn ich einen ersten Satz lese: „In einer tiefdunklen Nacht durchriss ein Schuss die atemlose Stille“, dann habe ich eigentlich schon nach dem ersten Satz genug. Das ist kein Satz, der mich wahnsinnig erotisiert. Anders als etwa Bobrowskis „Levins Mühle. 34 Sätze über meinen Großvater“. Hier dienen die ersten anderthalb Seiten nur dazu, wie man die Geschichte eigentlich erzählen kann. Aber das kann ein anderer Lektor ganz anders beurteilen. Es ist häufig so, dass ich denke, solche Sätze, egal, was da an Handlung vorher oder nachher kommt, kann ich mir gar nicht vorstellen in einem Buch bei Wallstein. Dann schaue ich noch mal, ob das vielleicht einer Figur in den Mund gelegt ist und die Figur charakterisieren soll, nicht den Text, aber wenn ich an anderen Stellen noch mal ein paar solche Sätze entdecke, dann sage ich nein. Das geht nicht anders, weil die Zahl der Manuskripte sehr hoch ist. Ich lese soweit, bis ich eine Entscheidung treffe. Tendenziell lese ich immer noch zu viel, weil ich dann unsicher bin und ein Gefühl von Verantwortung habe, was am Ende trotzdem nicht immer zu einem „Ja“ führen kann. Ich werde nicht dafür bezahlt, um meine Zeit in die Absagen zu investieren, sondern dass ich Bücher mache, die in der literarischen Kommunikation und im Literaturbetrieb eine Rolle spielen.<br /><strong><br />Eine klassische Frage: Wie kommen die Texte zu Ihnen? Die unverlangt eingesandten Manuskripte, Agenturen. Inwieweit schauen Sie sich selber um bei Wettbewerben?</strong><br />Die Verteilung ist ungefähr gleichgewichtig. Ich habe in meiner Laufbahn Vieles ganz normal aus der Post genommen, auch von Unbekannten. Ich habe sehr viele Empfehlungen von Autoren bekommen, weil Jüngere sich oft an Ältere wenden und fragen, ob man was für sie tun kann. Wettbewerbe, Literaturzeitschriften, oder Veranstaltungen sind genauso wichtig. Aber man muss sich auch in aller Brutalität klarmachen: Es gibt ganz viele Verlage, die im Jahr gar kein Debüt haben oder in drei Jahren nur eines. Das ist bei uns ein bisschen mehr, weil wir relativ jung sind, aber wenn man in einem Jahr zwei Debüts macht und im nächsten Jahr wieder und im Folgejahr wieder, dann sind das sechs Leute, aber die vom ersten Jahr brauchen ungefähr zwei Jahre, um ein neues Buch zu schreiben, das heißt, es sind nach drei Jahren acht und so weiter. Man strebt natürlich an, dass man mit den Leuten, die man in den Verlag holt, weiterarbeitet und dass die mit einer gewissen Regelmäßigkeit neue Bücher vorlegen. Und das beschneidet stark die Möglichkeiten, Debüts zu machen.</p> <p>&nbsp;</p> <p><img title="a/bildmaterial/blog/Wallstein 02.JPG" src="http://www.text-manufaktur.de/a/bildmaterial/blog/Wallstein 02.JPG" alt="a/bildmaterial/blog/Wallstein 02.JPG" width="450" height="336" /></p> <p>Führung im Wallstein Verlag durch Mitverleger Thorsten Ahrend</p>]]></description><link>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-1922011-die-sehnsucht-ueberrascht-zu-werden.html</link><pubDate>Sat, 19 Feb 2011 21:29:00 +0100</pubDate><guid>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-1922011-die-sehnsucht-ueberrascht-zu-werden.html</guid></item><item><title>13.2.2011/   Impressionen vom 2. Werner-Bräunig-Literaturpreis</title><description><![CDATA[<p>&nbsp;</p> <p>Es war ein äußerst gelungener Abend im Horns Erben, der Abend des 2. Werner-Bräunig-Literaturpreises. Alle sechs Texte waren laut Juror Hubert Winkels auf sehr hohem Niveau, und in einem knappen Rennen gewann die Freiburger Autorin Simone Regina Adams den Verlagsvertrag mit dem Aufbau Verlag. In der Begründung der Jury heißt es, dass es sich um einen sehr dicht gewebten Text aus der Endphase der 70er Jahre handelt, der uns die fremde Welt der Psychiatrie auf beeindruckende, bildhafte Weise nahebringt.</p> <p>Den mit 500 Euro dotierten Publikumspreis erhielt die Berliner Autorin Martina Klein.</p> <p>Erste Eindrücke vom Abend:<br />(Fotos: Susen Heyder)</p> <p>&nbsp;</p> <p><img title="a/bildmaterial/Braeunig Preis 2011/IMG_8202.JPG" src="http://www.text-manufaktur.de/a/bildmaterial/Braeunig Preis 2011/IMG_8202.JPG" alt="a/bildmaterial/Braeunig Preis 2011/IMG_8202.JPG" width="396" height="264" /></p> <p>Mek Wito (Berlin) liest aus seinem Roman "Alles"</p> <p>&nbsp;</p> <p><img title="a/bildmaterial/Braeunig Preis 2011/IMG_8225.JPG" src="http://www.text-manufaktur.de/a/bildmaterial/Braeunig Preis 2011/IMG_8225.JPG" alt="a/bildmaterial/Braeunig Preis 2011/IMG_8225.JPG" width="271" height="407" /></p> <p>Susanne Schedel (Düsseldorf) stellte die Erzählung "Wer soll das denn anziehen bitteschön" vor und unterlag nur sehr knapp in der Wertung der Jury</p> <p>&nbsp;</p> <p><img title="a/bildmaterial/Braeunig Preis 2011/IMG_8269.JPG" src="http://www.text-manufaktur.de/a/bildmaterial/Braeunig Preis 2011/IMG_8269.JPG" alt="a/bildmaterial/Braeunig Preis 2011/IMG_8269.JPG" width="407" height="271" /></p> <p>Die spätere Siegerin: Simone Regina Adams mit ihrem Roman "Gebäude für Halbruhige"</p> <p>&nbsp;</p> <p><img title="a/bildmaterial/Braeunig Preis 2011/IMG_8418.JPG" src="http://www.text-manufaktur.de/a/bildmaterial/Braeunig Preis 2011/IMG_8418.JPG" alt="a/bildmaterial/Braeunig Preis 2011/IMG_8418.JPG" width="443" height="295" /></p> <p>Die Jury in der ersten Reihe: v.l.n.r.: Gunnar Cynybulk (Aufbau Verlag), Thomas Hettche (Autor), Hubert Winkels (Kritiker)</p> <p>&nbsp;</p> <p><img title="a/bildmaterial/Braeunig Preis 2011/IMG_8445.JPG" src="http://www.text-manufaktur.de/a/bildmaterial/Braeunig Preis 2011/IMG_8445.JPG" alt="a/bildmaterial/Braeunig Preis 2011/IMG_8445.JPG" width="429" height="559" /></p> <p>Martina Klein erhielt den mit 500 Euro dotierten Publikumspreis</p> <p>&nbsp;</p> <p><img title="a/bildmaterial/Braeunig Preis 2011/IMG_8457.JPG" src="http://www.text-manufaktur.de/a/bildmaterial/Braeunig Preis 2011/IMG_8457.JPG" alt="a/bildmaterial/Braeunig Preis 2011/IMG_8457.JPG" width="454" height="302" /></p> <p>Der Geschäftsführer des Aufbau Verlages René Strien gratuliert der Siegerin</p> <p>&nbsp;</p> <p><img title="a/bildmaterial/Braeunig Preis 2011/IMG_8467.JPG" src="http://www.text-manufaktur.de/a/bildmaterial/Braeunig Preis 2011/IMG_8467.JPG" alt="a/bildmaterial/Braeunig Preis 2011/IMG_8467.JPG" width="368" height="498" /></p>]]></description><link>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-1322011-impressionen-vom-2-werner-braeunig-literaturpreis.html</link><pubDate>Sun, 13 Feb 2011 21:29:00 +0100</pubDate><guid>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-1322011-impressionen-vom-2-werner-braeunig-literaturpreis.html</guid></item><item><title>10.2.2011/   Die neue Jahresanthologie ist da</title><description><![CDATA[<p>&nbsp;</p> <p>... mit den besten Texten des Jahres 2010. Am besten <a href="http://textmanufaktur-verlag.de/shop/article_001/Andr%C3%A9-Hille-%28Hrsg.%29%3A-Die-Angst-des-Zuckerstreusels%2C-im-Schokoladenmeer-zu-ertrinken.html?sessid=FYapIsW7zvdqzVAcehaAMlVVyro4TgohxUqZ9x17GvJBtjGJdGX8iEYV9XeNgx5e&amp;shop_param=cid%3D1%26aid%3D001%26">gleich hier bestellen.</a></p> <p>&nbsp;</p> <p><img title="a/bildmaterial/blog/Jahresanthologie 2011.JPG" src="http://www.text-manufaktur.de/a/bildmaterial/blog/Jahresanthologie 2011.JPG" alt="a/bildmaterial/blog/Jahresanthologie 2011.JPG" width="329" height="439" /></p>]]></description><link>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-1022011-die-neue-jahresanthologie-ist-da.html</link><pubDate>Thu, 10 Feb 2011 21:29:00 +0100</pubDate><guid>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-1022011-die-neue-jahresanthologie-ist-da.html</guid></item><item><title>26.1.2011/   Bücher verkaufen in alle Welt</title><description><![CDATA[<p>&nbsp;</p> <p><strong>Im Rahmen meines Lehrauftrags an der HTWK sprach ich mit Franziska Hildebrandt, Leiterin der Abteilung Rechte &amp; Lizenzen beim Campus Verlag</strong><br /><br /><br /><strong>Du hast an der HTWK Leipzig studiert und 2001 deinen Abschluss gemacht. Wie gelang der Schritt von der Uni zur Leiterin der Abteilung Rechte/Lizenzen beim Campus Verlag?</strong><br />Es gab im Campus Verlag anfangs nicht wirklich eine Rechte- und Lizenzabteilung, denn der Fokus lag lange auf Wissenschaft und Wirtschaft, nichts, was man im Ausland, aber auch in Deutschland, einer großen Masse verkaufen kann. Das änderte sich dann ab 1998/99 mit einigen Bestsellern. Ich hatte meine Diplomarbeit über Nebenrechtsverwertung geschrieben und damals ein Praktikum bei Eichborn gemacht. Die Eichborn-Lizenzverwalterin hat mich dann empfohlen und sehr unterstützt. Mittlerweile sind wir eine Abteilung mit drei Kolleginnen.<br /><br /><strong>Wann entstand das Interesse am Thema Rechte und Lizenzen?</strong><br />Bei einem Praktikum in England, bei einem Verlag, der Motorbücher gemacht hat. In amerikanischen und englischen Häusern werden Bücher weltweit verkauft, und ich fand das spannend, dass man in aller Welt Partner findet. Jeder kennt einen John Grisham oder Stephen King, aber auch viele kleine oder mittlere Verlage haben sehr gut funktionierende Lizenzabteilungen und verkaufen die aberwitzigsten Dinge in alle Welt. Eine Bekannte von mir hat gerade einen Ratgeber über Petersilienzucht nach Asien verkauft.<br /><br /><strong>Was sind die Voraussetzungen, um in diesem Geschäft Rechte und Lizenzen gut zu sein?</strong><br />Was man sich bewusst machen muss: Es ist definitiv ein Verkaufsjob. Und dafür muss man auch seine Produkte mögen. Ich bin zwar eine enorme Belletristik-Leseratte, aber ich schätze unsere Fach- und Sachbücher und kann sie guten Gewissens verkaufen. Was ich mit „verkaufen“ meine ist, dass man ein Gefühl dafür bekommt, was mein Gegenüber möchte. Wenn ich eine halbe Stunde auf der Frankfurter Buchmesse mit einem koreanischen Verlag habe, muss ich rausbekommen, was der will. Und das muss ich auch eine halbe Stunde später mit einem englischen oder einem spanischen Verlag. Eine Rechte- und Lizenzabteilung ist zudem sehr auf Nachhaltigkeit bedacht, man muss Verträge und Kontakte pflegen, man sollte ein gutes Backoffice organisieren können.<br /><br /><strong>Sprachenkenntnisse sind also Voraussetzung?</strong><br />Die meisten Verhandlungen laufen auf Englisch. Ich kenne aber auch Kolleginnen, die auf bestimmte Märkte spezialisiert sind, etwa französisch- oder spanischsprachige. Es gibt wiederum viele Asiaten, die Deutsch sprechen, und, was man dazu sagen muss, im Lizenzgeschäft läuft vieles über Agenturen. Ich habe zum Beispiel eine Agentur, die alle spanischsprachigen Länder für mich beackert, und mit dieser Agentur spreche ich Deutsch, und die wiederum gehen in ihre Märkte, und sprechen dort mit ihren Verlagen Spanisch.<br /><br /><strong>Wie läuft so ein Lizenzdeal konkret ab? Du bietest den ausländischen Verlagen das Portfolio an und dann?</strong><br />Man braucht einen guten Katalog, in dem die Titel sind, die man anzubieten hat. Aber die Buchmessen in Frankfurt, London und Leipzig sind nur ein Starttermin für das, was dann eigentlich kommt. Nehmen wir mal ein Beispiel: Ich habe mit einem koreanischen Verlag über fünf Bücher gesprochen. Der koreanische Agent hat Interesse und bestellt diese Bücher. Die werden dann von uns als PDFs oder als Originalbuch verschickt. Der Lektor in Korea oder Buenos Aires schaut sich das Buch von Campus Verlag an, ob es so einzigartig und toll ist, dass es übersetzt werden soll. Als englischer Verlag kann man seine Bücher überall hinschicken, die werden in der Regel von den Lektoren verstanden. Als deutscher Verlag muss ich häufig noch eine Dienstleistung einkaufen, nämlich einen „Reader“, jemand, der dieses Buch prüft und wertet und begutachtet. Also, es müssen viele Dinge zusammenspielen, dass der brasilianische oder koreanische Verlag am Ende trotzdem sagt, er hat Interesse. Wenn wir uns von einem Buch wirklich viel versprechen, fertigen wir eine Probeübersetzung an, das ist leider kostspielig und arbeitsintensiv, aber im Zweifelsfall ist es die bessere Wahl, weil dadurch das Buch einfach mehr Beachtung findet.<br /><br /><strong>Was war dein erfolgreichster Lizenzverkauf?</strong><br />„Simplify your Life“, also ein Lebenshilferatgeber. Der hat sich allein in Deutschland über 700.000 mal verkauft, und den habe ich in 33 Sprachen verkauft. Es gibt eine englische Ausgabe bei McGrall Hill in den USA oder eine kleine Ausgabe aus Thailand in wunderschönen Schriftzeichen. Dafür wird man ja als Lizenzabteilung auch von den Autoren geliebt, weil jeder Autor gern über sich sagt, dass er übersetzt worden ist.<br /><br /><strong>Wie stehen die Chancen für Autoren, ins Ausland verkauft zu werden?</strong><br />Da bin ich mittlerweile nach zehn Jahren Erfahrung sehr realistisch, und ich sage vielen Autoren, die sich in einem großen englischen Verlag sehen, dass das garantiert nichts wird. Wir machen 70 bis 80 Auslandslizenzverträge pro Jahr, wenn es hochkommt, sind zwei bis drei Lizenzen ins Englische dabei. Umso schöner ist es, dass es in anderen Ländern fast immer klappt. Die Niederlande sind uns zum Beispiel sehr nahe, was Themen und Herangehensweise betrifft, die asiatischen Länder sind gerade im Lebenshilfebereich sehr interessiert.<br /><br /><strong>Welchen Stellenwert hat die Abteilung innerhalb des Campus Verlages?</strong><br />Der Campus Verlag hat ungefähr 35 bis 40 Mitarbeiter. Wir produzieren circa 240 Titel pro Jahr. Und die Lizenzabteilung ist die letzte Abteilung, die in dieser Buchverwertungskette eine Rolle spielt. Ich bin mit meinen zwei Kolleginnen die einzige, die sich noch wirklich mit dem Frühjahrsprogramm 2011 beschäftigt. Unser Lektorat arbeitet am Frühjahrsprogramm 2012 und denkt schon an Herbst 2012. Unser Vertrieb ist definitiv schon im Herbst 2011 und die Presse plant den Herbst 2011. Aber für uns ist dieses Programm, das jetzt ausgeliefert wird, das Programm, das wir verkaufen. Das hat im Haus den Vorteil, dass wir bei ganz vielen Prozessen nicht dabei sein müssen. Ich bin zwar auch bei Programmkonferenzen dabei, damit ich weiß, was im Herbst passiert – und ich kann dann auch sagen, dass bestimmte Titel für uns sehr gut sind und bestimmte Titel für uns keine Rolle spielen werden – aber im eigentlichen Prozess, beim Einkauf, müssen wir nicht dabei sein. Der Vorteil ist, dass das, was wir verdienen, für den Verlag ein Zusatzverdienst ist. Campus macht rund zehn Millionen Euro Umsatz pro Jahr und die Lizenzabteilung davon etwa acht bis zehn Prozent. Für einen Zusatzverdienst ganz nett. Interessenskonflikte zwischen den Abteilungen gibt es nur, wenn ich Taschenbuchrechte verkaufe. Wenn sich ein Hardcover-Ratgeber im Jahr 20.000 bis 25.000 mal verkauft, ist das natürlich für den Vertrieb eine cash-cow. In dem Moment, wo wir intern die Entscheidung fällen, den Titel ins Taschenbuch zu geben, wird niemand mehr das Hardcover für 20 Euro kaufen. Wir kalkulieren das also durch, was bringt uns das Taschenbuch und was verdienen wir, wenn wir es weiter gemächlich 20.000 Mal im Jahr verkaufen?<br /><br /><strong>Eigene Taschenbücher macht Campus nicht?</strong><br />Nein. Die Taschenbuchverlage haben in Deutschland ein sehr starkes Profil. Die großen Häuser schicken zweimal im Jahr einen Katalog mit 300 bis 400 Titeln herum, und die haben eine unheimliche Handelsmacht. Das Vertriebssystem ist auch ein anderes, Taschenbücher erscheinen monatlich. Um so ein Taschenbuchprogramm wirklich stark zu bestücken, hätten wir nicht genug Bücher. Die Konzernverlage wie Rowohlt, S. Fischer oder Random House verwerten ihre Lizenzen natürlich selbst.<br /><br /><strong>Gibt es typische Fallen im Rechte- und Lizenzengeschäft?</strong><br />Was mir natürlich das Liebste ist, dass ich in einem Land mehrere interessierte Verlage habe und wir bei einer Auktion den Titel versteigern können. Aber oft ist das Gegenteil der Fall, dass man nur sehr schwierig oder überhaupt keinen Verlag findet. Bei den englischen Verlagen verkaufe ich auch ab und zu Lizenzen, ohne Geld zu bekommen. Es ist bitter, aber wenn ich für einen unserer Wissenschaftler eine amerikanische University Press finde, die bereit ist, dieses Buch zu publizieren, dann würde ich fast noch etwas dafür bezahlen. Im Wissenschaftsbereich müssen viele Autoren auch im Englischen publiziert werden, um anerkannt zu werden. Ein anderes Beispiel: Üblicherweise schicke ich in dem Moment, wo ich eine Lizenz verkaufe, den Vertrag an den Lizenznehmer, zu meinen Bedingungen natürlich. McGraw Hill würde nie einen Vertrag von einem deutschen Verlag unterzeichnen. Dann verzichten sie lieber und machen das Buch halt nicht. Das heißt also, in diesem Moment bekomme ich einen englischsprachigen Vertrag von McGraw Hill, darf eventuell noch bei zwei, drei Punkten diskutieren, aber bitte nicht bei den wichtigen, und die restlichen Passagen muss ich schlucken. Das ärgert einen schon, und es ist eigentlich auch nicht Usus.<br /><br /><strong>Inwieweit gehören die elektronischen Rechte, E-Book usw., zu deinen Aufgaben?</strong><br />Verwertung ist mittlerweile nicht mehr mein Bereich. Wir haben zwar 2003/2004 schon einige Verträge zum Thema E-Book abgeschlossen, aber es hat sich schnell herausgestellt, dass das eigentlich eine Vertriebsaufgabe ist, eine andere Form unseres Inhalts, so wie ein Hörbuch. Und darum haben wir das dann von der Lizenzabteilung gelöst und in den Vertrieb gegeben. Das sind immer noch sehr viele Kleckerbeträge sind, aber über die Masse funktioniert es dann doch.<br /><br /><strong>Wie hoch ist der Anteil des E-Book am Umsatz?</strong><br />Etwa 10 Prozent. Man muss aber sehen, dass Campus eine typische Manager-Klientel hat. Die sind internetaffin, arbeiten viel mit ihrem Laptop, BlackBerry oder iPhone, das heißt, wenn die abends um zehn an einem Vortrag über Mitarbeiterführung sitzen, den sie am nächsten Tag halten, dann gehen die ins Netz und ziehen sich über die Plattform die nötigen Kapitel aus den verschiedenen Büchern. Ich weiß auch, dass in Belletristikverlagen andere Diskussionen stattfinden. Es ist für uns einfacher. <br /><br /><strong>Wenn in Deutschland ein bestimmtes Thema funktioniert, muss es in Frankreich, Italien, Spanien oder im asiatischen Raum noch lange nicht funktionieren. Bekommt man mit der Zeit auch ein Gespür dafür welche Themen in welchen Ländern besonders gut ankommen?</strong><br />Das kann man ganz klar nach der Himmelsrichtung bestimmen. Im Osten, in den asiatischen Ländern, besteht ein unheimlich großes Interesse an deutschen Managementautoren, Wirtschaft und an Ratgeberthemen. Im Osten schaut man auf den Westen, so wie wir immer in die USA schauen. Das kommt uns einerseits sehr entgegen, andererseits konkurrieren wir sehr stark mit amerikanischen Verlagen, die sind in der Regel fünf Jahre weiter. Dazu kommt, dass wir selber sehr viele der großen Themen aus den USA einkaufen. Innerhalb Europas funktioniert Osteuropa sehr gut für uns, das hat in den letzten Jahren extrem zugenommen. Gerade auch Russland und Polen sind große Märkte. Schwieriger wird es in Westeuropa. In Frankreich und Spanien muss man im Wirtschafts- und Sachbuchbereich schon wirklich einen herausragenden Autor oder einen Bestseller haben, damit sich jemand dafür interessiert. Im Zweifelsfall hat die französische Uni einen eigenen Managementvordenker, oder sie haben den amerikanischen Managementvordenker eingekauft, warum genau sollten sie den deutschen nehmen?<br /><br /><strong>Wir kaufen ja auch keine französischen Ratgeber oder Managementbücher ein.</strong><br />Richtig. Und das ist in Spanien und Italien auch der Fall. Wir haben mal ein Sachbuch gemacht, „Die Frauen der Diktatoren“. Das ist ein Beispiel, das wir vor allem hier in Europa gut verkauft haben.<br /><br /><strong>Wie viel bekommt der Autor von den Lizenzeinnahmen, 50:50?</strong><br />Wir leiden da im Moment ein bisschen. Der klassische Verlagsvertrag sagt, dass der Autor an Nebenrechtsverwertung mit fünfzig Prozent beteiligt ist. Aber je mehr Agenten uns in Deutschland Buchideen verkaufen, umso stärker ändern sich die Verträge zu 60:40. Das heißt, wenn ich einen Taschenbuchabschluss für 10.000 Euro mache, wandern 6.000 Euro zum Autor. Auf den Gesamtumsatz gerechnet sind diese 10 Prozent natürlich ein Batzen Geld, der dem Verlag fehlt. <br /><strong><br />Der Campus Verlag sitzt in Frankfurt, du arbeitest von Leipzig aus im Homeoffice. Wie funktioniert das?</strong><br />Dadurch, dass die Lizenzabteilung eine nachgelagerte Abteilung ist, ist das ganz gut machbar. Jemand aus dem Lektorat oder der Herstellung könnte das so sicher nicht machen. Ich habe mit meinem Mann dreieinhalb Jahre in den USA gelebt und schon von dort im Homeoffice gearbeitet. Ob ich meine E-Mails nach Korea von Detroit, Frankfurt oder Leipzig schreibe, um in Verhandlungen zu treten, ist egal. Eine Woche im Monat bin ich in Frankfurt, und in dieser Woche klären wir im Verlag natürlich sehr viel Strategisches.<br /><br /><strong>Wie ist deine Herangehensweise beim Titeleinkauf beziehungsweise wie viel Einflus hast du darauf?</strong><br />Den Titeleinkauf macht das Lektorat. Also das heißt, die Titel oder Verlage beobachten, was passiert in den USA, was passiert auf den wichtigsten Märkten. Und erst in dem Moment, wo man sich in der Programmkonferenz entschieden hat, ein Buch einzukaufen, ist die Lizenzabteilung dran. Umgekehrt ist es halt auch so, dass ich mit meinen Büchern woanders präsent sein muss, das heißt, wenn in Litauen ein kleiner Campus Verlag sitzt, muss der mitkriegen, dass es in Deutschland einen mittleren Campus Verlag gibt, der in sein Profil passt. Diese Aufmerksamkeit muss ich erregen. Es gibt im englischsprachigen Raum ein Magazin, das heißt „New Books in German“. Das wird jedes halbe Jahr an etwa 70.000 Kontakte verschickt. Es ist mein Job, da reinzukommen. Die Frankfurter Buchmesse betreibt das Buchinformationszentrum (BIZ) in Neu-Delhi oder Peking. Da sitzen drei Chinesinnen, die sehr gut Deutsch sprechen, und versuchen, deutsche Titel an chinesische Verlage zu vermitteln. Man muss sehr viel Aufmerksamkeit erregen und Publicity machen. Wenn man einen Bestseller hatte, oder wenn ein Autorenname erstmal bekannt ist wird es etwas einfacher. Meine Kollegin hat in Frankfurt auf der Messe einen Verleger aus Vietnam getroffen, wir hatten noch nie Kontakte nach Vietnam. Und der hat jetzt drei Bestsellertitel gekauft und publiziert die gerade.<br /><br /><strong>Was bekommt man dafür?</strong><br />600 Euro. [Lacht] Das ist genau der Punkt, weswegen wir auch nicht nach Laos und nicht nach Nigeria verkaufen - je kleiner die Sprache wird, umso teurer eine Übersetzung, um so weniger attraktiv wird es leider auch.<br /><strong><br />Wie kann man sicher sein, dass diejenigen, die die Lizenzen eingekauft haben, sie nicht selber wieder verkaufen?</strong><br />Indem man seine Vertragspartner schätzt und achtet und hofft, dass es nicht passiert. Man kann es nicht kontrollieren. Ich muss einfach darauf vertrauen, dass mein chinesischer Verlag darauf achtet, was in seiner Druckerei passiert und dass, wenn 20.000 Bücher vereinbart waren, nicht 40.000 gedruckt werden, und die restlichen 20.000 irgendwo auf der Straße verkauft werden. Aber ich kann es nicht kontrollieren. Letztendlich liegt das im Aufgabenbereich des chinesischen Verlages. Ich verpflichte ihn mit meinem Lizenzvertrag dazu, dass er mein Copyright und sein eigenes Copyright pflegt und schützt.</p> <p><a href="http://www.campus.de/home">www.campus.de</a></p>]]></description><link>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-2612011-buecher-verkaufen-in-alle-welt.154.html</link><pubDate>Wed, 26 Jan 2011 21:29:00 +0100</pubDate><guid>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-2612011-buecher-verkaufen-in-alle-welt.154.html</guid><enclosure url="http://www.text-manufaktur.de/a/bildmaterial/blog/franziska hildebrandt.jpg" length="13448" type="image/jpeg" /></item><item><title>21.1.2011/   Shortlist zum 2. Werner-Bräunig-Preis</title><description><![CDATA[<p>&nbsp;</p> <p><strong>Beim Werner-Bräunig-Literaturpreis wird zum zweiten Mal ein Verlagsvertrag mit dem Aufbau Verlag vergeben</strong><br /><br /><br />Der Aufbau Verlag und die Textmanufaktur vergeben in Leipzig zum zweiten Mal den Werner-Bräunig-Literaturpreis. Dem Sieger winkt ein mit 5.000 Euro Vorschuss dotierter Verlagsvertrag mit dem Aufbau Verlag.</p> <p>Der Wettbewerb findet auf der Lesebühne in „Horns Erben“ statt. Auch dieses Jahr ist die Jury prominent besetzt: der Literaturkritiker <strong>Hubert Winkels</strong>, der Autor <strong>Thomas Hettche</strong> sowie der Lektor und stellvertretende Programmleiter des Aufbau Verlags <strong>Gunnar Cynybulk</strong> beurteilen die konkurrierenden Autoren, die 15 Minuten Zeit haben, aus ihrem aktuellen Romanprojekt zu lesen. <br /><br />Die Shortlist für den Werner-Bräunig-Literaturpreis besteht aus Simone Regina Adams, Susanne Schedel, Ulrike Kotzina, Mek Wito, BC Just und Martina Klein. Weitere Informationen finden Sie <a onclick="window.open(this.href); return false;" href="http://www.werner-braeunig-preis.de/index.php/shortlist.16.html">hier.</a><br /><br />Der Preis ist nach dem ostdeutschen Schriftsteller Werner Bräunig (gest. 1976) benannt, der posthum mit seinem Werk „Rummelplatz“ bekannt wurde. In der DDR galt er als regimekritisch und durfte ab 1966 nicht mehr veröffentlichen.<br /><br />Die Textmanufaktur ist eine bundesweit tätige Autorenschule, in der jährlich über 300 angehende Autoren Seminare besuchen. Bereits zum zweiten Mal haben die Dozenten die besten Texte ausgewählt und gemeinsam mit dem Aufbau Verlag die Kandidaten der Endrunde bestimmt.<br /><br /><strong>Veranstaltungshinweis: </strong><br />2. Werner-Bräunig-Literaturpreis<br />Textmanufaktur in Kooperation mit Aufbau Verlag<br />Der Lesewettbewerb und die Preisverleihung finden am 12. Februar 2011 im Horns Erben Leipzig von 19-23 Uhr statt. Eintritt 2 Euro<br />Mehr Informationen unter: <a onclick="window.open(this.href); return false;" href="http://www.werner-braeunig-preis.de">www.werner-braeunig-preis.de</a><br />Die Preisverleihung wird unterstützt von der Rechtsanwaltskanzlei Gentz und Partner.</p>]]></description><link>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/shortlist_werner-braeunig-preis.html</link><pubDate>Fri, 21 Jan 2011 21:29:00 +0100</pubDate><guid>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/shortlist_werner-braeunig-preis.html</guid></item><item><title>18.12.2010/   Schreiben ist wie ein Aufschlag im Tennis - unbeherrschbar</title><description><![CDATA[<p>&nbsp;</p> <p><strong>Hille:</strong> Für Autoren taucht immer wieder die Frage auf: Bis zu welchem Punkt muss ich das Manuskript noch überarbeiten, und wann ist es zu viel überarbeitet – gibt es diesen Punkt überhaupt?<br /><br /><strong>Siblewski:</strong> Den gibt es definitiv, es gibt sogar einen Ausdruck dafür, der heißt „overwritten“. Es gibt Romane, die so lange korrigiert sind, bis sie ZU richtig geworden sind. Wann es genug ist, dafür gibt es keine Faustformel. Man sollte immer ein Grundgefühl für das Unerledigte haben und sich beim Überarbeiten in der Auseinandersetzung mit diesem ganz speziellen Punkt befinden. Und davon würde ich das unterscheiden, was ich als das kalte oder kühle Überarbeiten bezeichnen würde, das heißt dort, wo man sich „nur“ auf der Ebene bewegt: Welches Wort wechsle ich aus, welchen Absatz tue ich hinein oder nicht hinein, bei dem man eigentlich gar keine inneren Entscheidungskriterien hat, sondern nur vage die Vorstellung, ob das irgendwie hineinpasst oder nicht, ob die Wortwahl der Stimmung zuträglich ist oder nicht. Das sind aber relativ beliebige Vorstellungen, denn mal ist man in der Stimmung, mal ist man in einer anderen Stimmung. Im Grunde genommen ist der Punkt, wo die Beschäftigung mit dem eigenen Text endet, dann erreicht, wenn man das Gefühl hat, dass man nicht restlos alle Fragen geklärt hat, aber der Text in sich einen Halt hat. Dann sollte man tatsächlich erst einmal aufhören zu arbeiten.<br /><br /><strong>Hille: </strong>Autoren lassen sich häufig verunsichern durch das Lektorat. Man sagt etwas Kritisches, das impliziert aber, dass das andere gut ist und stehen bleiben kann. Dann fangen aber Autoren an, komplett alles neu zu schreiben. Wie ist Ihre Erfahrung? Sind Autoren irgendwann gefestigter? Oder ist die Verunsicherung immer wieder da?<br /><br /><strong>Siblewski:</strong> Es ist die Frage, um welche Art von Lektorat oder Redaktion oder welche Art von Auseinandersetzung mit dem eigenen Text es geht. Ist das Unbehagen dem eigenen Text gegenüber so groß, dass man ihn tatsächlich komplett neu schreiben will? Um mal ein Beispiel zu skizzieren: Man hat verschiedene Figuren, man hat einen Mordfall, den man aufklären möchte und denkt, das könnte ein gutes Psychogramm werden, stellt aber dann, nachdem man den Text geschrieben hat, fest, das es eigentlich nicht um die Aufklärung des Falles, sondern um eine Figur gegangen ist, die bei der Arbeit immer dominanter geworden ist. Dann muss ich in der Tat unter Umständen neu schreiben. Es gibt sehr unterschiedliche Grade von Überarbeitung und insofern ist die Frage: Ab wann setzt welche Bearbeitung eines eigenen Textes ein? Da möchte ich zunächst einmal für größtmögliche Freiheit und für größtmögliche Nicht-Bearbeitung plädieren. Man sollte sich weniger von dem Anspruch, wie der Text sein soll, leiten lassen, als vom eigenen Schreibgefühl, seinem eigenen Schreibduktus, denn man darf nicht vergessen, dass Literatur ohne Überarbeiten gar nicht zustande kommt. Grundsätzlich kommt das literarische Moment in einen Text durch seine Überarbeitung. Aber in der praktischen Arbeit heißt das nicht, dass ich mich hoch ambitioniert und hoch angespannt an das Schreiben setze, sondern mir erst einmal den Freiraum lasse, saumäßig schlechte Sätze zu schreiben, im Zweifelsfall einen völlig fehlkonstruierten Text, damit in den Text etwas wie ein Duktus, ein Fluss hineinkommt und dann versucht, im Überarbeiten das, was diesen Text wesentlich ausmacht, herauszupräparieren, immer weiter zu bergen. Insofern ist der Zeitpunkt sehr wichtig, wann dieses Überarbeiten und das erste etwas kritischere Umgehen mit dem eigenen Text beginnt. Da möchte ich eher für einen späteren Zeitpunkt plädieren und erst einmal für mehr innere Unabhängigkeit und Gelassenheit gegenüber allen möglichen Fehlern.<br /><br /><strong>Hille:</strong> Es gibt aber auch Autoren, die schreiben Satz für Satz und schreiben nicht weiter, bevor nicht der Satz steht. Oder die bauen sich einen detaillierten Handlungs- oder Szenenplan.<br /><br /><strong>Siblewski:</strong> Wir reden im Augenblick von zwei Ebenen. Erst einmal, wie organisiere ich meine Arbeit, und dann als zweites, wie organisiere ich meine Überarbeitung. Es gibt Autoren, die schreiben alles in ein kleines schwarzes Heft. Schreiben ist ja zunächst nichts anderes als mit Worten auf das, was man erlebt, zu reagieren. Wie man die Arbeit organisiert, Recherche betreibt, konstruiert, das muss jeder für sich herausfinden. Es ist nur wichtig, diese Dynamik zu verstehen: Im Konstruieren eines Plots oder einer Handlungsführung versucht man vor allem, einen Anfang und ein Ende für die jeweilige Geschichte zu finden. Diese sind so wesentlich, weil sie die Struktur der Geschichte festlegen. Es ist sehr wichtig, sich dafür den Freiraum zu gönnen – wie immer man das auch tut. Ich kenne Autoren, die unendlich streng arbeiten. Die haben ein Konvolut an durchnummerierten Punkten, die sie Wort für Wort, Satz für Satz abarbeiten. Es gibt Autoren, für die diese Art der Arbeit tödlich wäre, weil sie jeglichen spontanen Impuls, den sie zum Schreiben brauchen, abtöten würde, die ein offenes Feld brauchen und sich in dieses offene Feld hinein entwickeln. Der entscheidende Punkt ist tatsächlich die Suche nach dem Anfang und nach dem Ende und damit, noch etwas ambitionierter formuliert, nach dem Geist der Geschichte: Worum geht es eigentlich?<br /><br /><strong>Hille:</strong> Irgendetwas muss über die Geschichte tragen, entweder der Plot oder der Geist oder das Thema, oder es ist der Tonfall. Man hat ja auch oft das Gefühl, dass der Text schon richtig ist so wie er ist, weil er dem eigenen Erzählton entspricht.<br /><br /><strong>Siblewski:</strong> Ja, das ist glaube ich eine ganz wichtige Sache, ein Stück seiner inneren Stimme zu finden. Und dieses Finden der inneren Stimme ist auch die Antwort auf viele Fragen nach Unsicherheiten. Diese Unsicherheit kann man nur schwer über Äußerlichkeiten beantworten, sondern es ist ein Stück Kontakt, den man zu sich selber, zu sich als Erzähler braucht. Die eine ursprüngliche Idee gibt es in der Kunst überhaupt nicht, sondern die erste Idee ist eigentlich schon eine, die aus der Überarbeitung kommt, nämlich aus der Überarbeitung von Ideen, die in einem abgesunken sind, die wiederum auftauchen, und auf die man, indem man mit einer anderen Idee antwortet, auf einmal eine Resonanz bekommt. Das heißt, Sie befinden sich, wenn Sie schreiben, schon längst in einem Auseinandersetzungsprozess mit sich selber, in einer Dauerrevision von Dingen, die Sie bereits getan, gedacht, empfunden haben. Insofern ist das Umschreiben eigentlich der Grundimpuls des Schreibens.<br /><br /><strong>Hille:</strong> Sind Texte eigentlich nie fertig? Jeder Autor kennt den Moment, wenn er sich zehn, fünfzehn Jahre alte Texte anguckt und die Hände über dem Kopf zusammenschlägt. Das geht ja auch veröffentlichten Autoren so. Das war aber für den Autor der bestmögliche Text zu diesem Zeitpunkt, und irgendwann ist er finalisiert und es gibt eine externe Instanz, in der Regel der Verlag, der sagt, ja, das ist publizierbar. Ob das dann zehn oder zwanzig Jahre gültig ist, ist ja eine ganz andere Frage.<br /><br /><strong>Siblewski:</strong> Ich kann sogar sagen, dass es fast nie gültig ist, ich kann Sie sofort darauf einstellen, dass Sie nach fünfzehn Jahren sagen werden, oh, wer hat denn das eigentlich geschrieben? Und das hängt ganz einfach damit zusammen, dass Sie sich in Ihrer Beschäftigung mit sich selber weiterentwickeln. Das wiederum ist keine Frage von besser oder schlechter. Sondern es ist die Frage, an welchem Punkt der Entwicklung Sie sich befinden.<br /><br /><strong>Seminarteilnehmerin:</strong> Man findet nach einiger Zeit die eigene Sprache, und die schlägt sich hauptsächlich in der Satzstruktur nieder. Aber manche Autoren neigen dazu, zum Beispiel sehr blumig zu schreiben und Dopplungen zu verwenden. Das ist dann zwar die innere Sprachmelodie, der Text ist aber trotzdem zu blumig. Was mache ich dann?<br /><br /><strong>Hille:</strong> Man wägt immer ab, auch als Lektor, wenn man sich mit einem Text befasst – entscheide ich mich tendenziell eher für den Rhythmus eines Textes oder tendenziell eher für seine Stringenz? Und das hängt natürlich auch noch von ganz anderen Faktoren ab, nämlich davon, wer erzählt. Habe ich einen Ich-Erzähler, dem ich diese blumige Sprache zutraue, oder ist es gerade die Autorin, die hier so blumig erzählt? Das muss man abwägen und ins Verhältnis zueinander setzen. Wenn ich das Gefühl habe, das ist nicht die Sprache der Figur, sondern die Sprache der Autorin, die aber nicht zur Figur passt, dann muss ich anfangen zu streichen. In dem Moment, würde ich sagen, überwiegt die Kohärenz über den Tonfall. Oder man nimmt einen Ich-Erzähler, der blumig veranlagt ist, der darf dann auch so sprechen. Wobei dann immer noch die Frage ist, will der Leser das auf 300 Seiten lesen? Es sind immer Abwägungsprozesse, ob die nun im Autor oder im Gespräch zwischen Lektor und Autor stattfinden. Ein Text ist ja letztlich auch nur eine Assoziationskette, die nach Plotmustern oder anderen Kriterien sortiert ist. Und deshalb: Alles was im Text steht, hat auch seinen Sinn und man muss es sehr ernst nehmen. Am Anfang greift man als Lektor manchmal zu rigide in Texte ein, weil man meint, so viel zu sehen. Aber man muss Textstellen sehr, sehr ernst nehmen. Die Abwägungsprozesse zwischen Sprachmelodie und Kohärenz, kennen Sie die aus Ihrer Arbeit auch?<br /><br /><strong>Siblewski:</strong> Ja. Und vor dem Hintergrund müsste man eigentlich bei Thomas Mann die Hälfte rausstreichen. Der sagt ja immer wieder dasselbe, sogar mit denselben Worten, dabei hat man hat es schon nach zwei Sätzen begriffen, insofern ist er eigentlich höchst redaktionsverdächtig (lacht). Ist er aber doch nicht, und daher ist es schwierig, mit allgemeinen Kriterien an Texte heranzugehen, weil man für alle Argumente immer Gegenbeispiele findet. Die erste Frage, die man sich stellen sollte, ist tatsächlich die: Hat jedes Wort das da steht, eine Notwendigkeit? Jeder von Ihnen hat die Erfahrung gemacht, dass Sie anfangen, etwas zu schreiben und Sie merken, dass noch etwas anderes hinzukommt. Meistens sind Sie sogar beglückt darüber, denn Sie stellen auf einmal fest, dass das toll ist, was da dazukommt. Das heißt, Sie tun etwas, was noch etwas anderes in Ihnen zur Resonanz bringt. Ich kann es auch anders formulieren: Schreiben ist der Versuch, kontrolliert vorzugehen, aber es ist immer ein Stück Unbeherrschbares darin enthalten. Dieses Unbeherrschbare müssen Sie zulassen, aber es ist natürlich durchaus notwendig, das zu überprüfen und sich am Ende klar zu werden, was man da eigentlich ausdrücken will. Und diese Frage ist für mich die selbstredaktionelle Frage, nicht zuerst stilistisch allgemeine Fragen, die können später auf einer viel äußerlicheren Ebene folgen.<br /><br /><strong>Hille:</strong> Meine Erfahrung ist, dass dieses Unbeherrschte am Ende oft das Schönere ist. Das Wollen zerstört den Text, während sich im Unbeherrschten plötzlich die künstlerische Schönheit entfaltet.<br /><br /><strong>Siblewski:</strong> Bei diesem Willen merkt man das Abwägende, dass jemand mit einer feinen Waage gearbeitet hat, jedes Wort austariert. Das ist zwar eine wichtige Frage, aber die kommt ganz zum Schluss. Als erstes ist die wirkliche Auseinandersetzung zu führen und sich zu fragen, warum steht das Wort da, was wird an Absicht und Stimmung transportiert?<br /><br /><strong>Seminarteilnehmerin:</strong> Das Zulassen ist das eine, aber für mich heißt Überarbeiten auch sich verabschieden von Passagen, die zwar so geschrieben sind, aber die im Herausfiltern des Wesentlichen, das ich vorher vielleicht noch nicht erkannt hatte, keine Rolle mehr spielen.<br /><br /><strong>Siblewski:</strong> Richtig. Viele Textteile entstehen überhaupt nur dazu, um etwas anders schreiben zu können. Das Schreiben ist, was ich vorhin schon angedeutet habe, ein permanentes Überarbeiten, wobei die früheren Stufen wegfallen. Es ist aber ganz wichtig, dass man nicht zu früh schaut und sich damit im Schreibfluss blockiert. Die konkrete Arbeit kann natürlich sehr unterschiedlich aussehen. Ich kenne Autoren, die sehr viel schreiben und wenig übriglassen, es gibt auch Autoren, die laufen zwei Jahre durch die Gegend und schreiben gar nichts, bei denen verbirgt sich der Roman im Kopf. Aber im Grunde findet die dauernde Auseinandersetzung auch dort statt, nur ohne Papier und im Kopf.<br /><br /><strong>Hille:</strong> Ein Text muss also einen Geist haben, und das ist auch eine Art innerer Kompass. Manchen Texten verzeiht man Adjektive und Klischees, man liest darüber hinweg, weil der Text einen Geist hat und einen mitnimmt. Und wenn ein Text diesen Geist nicht hat, werde ich nörgelig und fange an, Sätze auseinanderzunehmen. Das ist, glaube ich, der innere Kompass und den muss man als Autor oder im Gespräch mit dem Lektor finden.<br /><br /><strong>Siblewski:</strong> Absolut. Man sollte die Auseinandersetzung mit dem Text tatsächlich bis zu dem Punkt geführt haben, an dem man sagt: Jetzt habe ich alles, was ich wirklich sagen und zum Ausdruck bringen wollte, realisiert. Und dann gibt eine zweite Phase, in der man jemand Zweiten braucht, der darauf schaut. Das hat nichts mit Qualität des Textes oder der eigenen Autorschaft zu tun. Ich sags mal etwas hemdsärmlig: Schreiben ist wie ein Aufschlag im Tennis, eben nie ganz beherrschbar. Schreibprozesse sind einfach zu kompliziert, insofern braucht man jemand anderen, der darauf schaut.</p> <p>&nbsp;</p>]]></description><link>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-18112010-schreiben-ist-wie-ein-aufschlag-im-tennis---unbeherrschbar.html</link><pubDate>Sat, 18 Dec 2010 21:29:00 +0100</pubDate><guid>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-18112010-schreiben-ist-wie-ein-aufschlag-im-tennis---unbeherrschbar.html</guid></item><item><title>17.11.2010/   WIR SUCHEN IHRE KURZGESCHICHTE</title><description><![CDATA[<p><span style="text-decoration: underline;"><em><br /></em></span></p> <p><span style="text-decoration: underline;"><em>Voraussetzungen:</em></span></p> <p>- ca. zwischen 5.000 und 30.000 Zeichen</p> <p>- in den Genres: Literarische Kurzgeschichte, Krimi, Fantasy, Erotik</p> <p>- die Kurzgeschichte kann schon veröffentlicht sein (die Rechte müssen allerdings beim Autor liegen)</p> <p>- jeder Autor/jede Autorin kann mehrere Texte einreichen</p> <p>- Honorierung umsatzanteilig</p> <p>&nbsp;</p> <p>Ich freue mich auf Ihre Einsendungen unter: <a href="http://mce_host/a.hille@text-manufaktur.de">a.hille@text-manufaktur.de</a></p>]]></description><link>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-17112010-wir-suchen-ihre-kurzgeschichte.html</link><pubDate>Wed, 17 Nov 2010 21:29:00 +0100</pubDate><guid>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-17112010-wir-suchen-ihre-kurzgeschichte.html</guid></item><item><title>16.11.2010/   Das Literaturseminar</title><description><![CDATA[<p><br /><img title="a/bildmaterial/blog/blubber.png" src="http://www.text-manufaktur.de/a/bildmaterial/blog/blubber.png" alt="a/bildmaterial/blog/blubber.png" width="326" height="217" /></p> <p><strong><br />Das Literaturseminar</strong></p> <p>"Weiterbildung ist natürlich auch für Autoren ein Thema. Es gibt einen  Strauß von Seminaren, die in München, Stuttgart, Hamburg und Bremen  (&amp; natürlich auch anderswo) angeboten werden - für diverse Stadien  literarischen Schaffens, für die unterschiedlichsten literarischen  Genres, für Geheimnisverrat bezüglich des Literaturbetriebs, für diverse  Techniken - auktorial, personal oder wie? - des literarischen  Schreibens. Trotz all dieser Versuche, die Entstehung von Romanen,  Erzählungen und Kurzgeschichten zu ver-objekt-ivieren, bleibt die  Schöpfungsgeschichte ein Geheimnis."</p> <p><a href="http://autorenexpress.de/de-doctrina-das-literaturseminar/#more-4900">den ganzen Artiel lesen ... </a></p>]]></description><link>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-16112010-das-literaturseminar.html</link><pubDate>Tue, 16 Nov 2010 21:29:00 +0100</pubDate><guid>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-16112010-das-literaturseminar.html</guid></item><item><title>27.10.2010/   Über Crowdsourcing und Neues Erzählen</title><description><![CDATA[<p>Die Leipziger Volkszeitung interviewte mich anlässlich des Kurzgeschichtenwettbewerbs FlyingSparks, dessen Sieger auf der Frankfurter Buchmesse gekürt wurden.</p> <p>Auf den Artikel klicken, um ihn zu lesen.</p> <p>&nbsp;</p> <p><a href="http://www.text-manufaktur.de/a/bildmaterial/blog/Interview LVZ.jpg" rel="lightbox"><img src="http://www.text-manufaktur.de/a/bildmaterial/blog/Interview LVZ.jpg" width="792" height="491" alt=""></a></p>]]></description><link>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-27102010-ueber-crowdsourcing-und-neues-erzaehlen.html</link><pubDate>Wed, 27 Oct 2010 21:29:00 +0200</pubDate><guid>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-27102010-ueber-crowdsourcing-und-neues-erzaehlen.html</guid></item><item><title>01.10.2010/   Über die Notwendigkeit von Textdiskussionen in Autorenschulen</title><description><![CDATA[<p><br />"ZEIT ONlINE: Kann man das Schreiben überhaupt lernen?</p> <p>Natürlich kann man das Schreiben lernen. Schriftsteller fallen ja nicht vom Himmel. Oder werden geboren und beginnen sofort zu schreiben. Alles was man tut, muss gelernt werden.<br /><br />(...)<br /><br />ZEIT ONLINE: Noch vor 30 Jahren gab es in Deutschland bedeutend weniger Kurse und Studiengänge für Schriftsteller als heute. Warum?<br /><br />Haslinger: Die Entwicklung hin zu einer Vielfalt von Ausbildungsstätten reagiert auf ein Manko. Es fehlt den jungen Autoren an der gemeinsamen Auseinandersetzung, wie es sie im 20. Jahrhundert in den Autorenverbänden und Zeitschriften gab. Da gab es Gruppen, die sich nach stilistischen und ideologischen Kriterien organisierten. Wer zum Beispiel Teil der Gruppe 47 war, unterstützte damit auch eine politische Haltung. Noch in den siebziger Jahren galt es als Anerkennung der eigenen Tätigkeit, wenn man in einen Autorenverband aufgenommen wurde.<br /><br />ZEIT ONLINE: Sind die Bücher durch die Ausbildung von Schriftstellern besser geworden?<br /><br />Haslinger: Das kann man nicht sagen. Es sind weniger schlechte vielleicht. Wenn diejenigen, die eine Ausbildung hinter sich haben, Bücher ohne Ausbildung geschrieben hätten, hätten sie sicher schlechtere Bücher geschrieben. Wenn es diese literarischen Gruppen nicht mehr gibt, fehlt auch jede Form der Auseinandersetzung und jede Form der Entwicklung, die Autoren gemeinsam durchgegangen sind. Ich war selbst 15 Jahre lang Herausgeber einer Literaturzeitschrift und habe mich alle paar Tage mit Autoren getroffen, um mit ihnen ihre Texte zu besprechen. So wie ich, als ich Mitte der Siebziger jedes Mal mich mit einem der Redakteure getroffen habe, um den Text durchzugehen und Schwachstellen zu diskutieren. Was wir in den Seminaren machen, das fand früher auch statt. Es ist ja nicht so, dass sich die Autoren früher alles aus den Fingern gesaugt haben. Es gab immer jemanden, der mit ihnen ihre Texte durchschaute und sie auf bestimmte Dinge hinwies und seine Erfahrung weitergab. Nur das spielte sich in den literarischen Gruppen und Zeitschriften ab. Durch den Niedergang der Gruppen und die Professionalisierung der Zeitschriften, es gibt ja fast keine Autorenzeitschriften mehr, ist eben die Notwendigkeit entstanden, solche Schulen zu haben, in denen Autoren literarische Erfahrungen sammeln können.<br /><br />ZEIT ONLINE: Wenn Sie jetzt sagen, diese Verbände hätten heute keine Bedeutung mehr: Was hat denn heute Bedeutung für die jungen Schriftsteller?<br /><br />Haslinger: Das, was sie schreiben. Und der Markt. Sie schließen sich nicht mehr in Gruppen zusammen und treten auch keinen Verbänden mehr bei. Noch in den siebziger Jahren war es auch eine Anerkennung der eigenen Tätigkeit, wenn man in einen Autorenverband aufgenommen wurde und an Diskussionen teilnahm. Das spielt heute keine Rolle mehr.“<br /><br />Das ganze Interview <a onclick="window.open(this.href); return false;" href="http://www.zeit.de/kultur/literatur/2010-09/interview-haslinger">hier</a></p>]]></description><link>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-01102010-ueber-die-notwendigkeit-von-textdiskussionen-in-autorenschulen.html</link><pubDate>Sun, 10 Oct 2010 21:29:00 +0200</pubDate><guid>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-01102010-ueber-die-notwendigkeit-von-textdiskussionen-in-autorenschulen.html</guid></item><item><title>27.09.2010/   Die Buchmesse Frankfurt steht vor der Tür</title><description><![CDATA[<p>&nbsp;</p> <p>Mittwoch und Donnerstag werde ich auf der <a onclick="window.open(this.href); return false;" href="http://storydrivefrankfurt.com/de/die-konferenz/">Konferenz "StoryDrive"</a> verbringen, bei der es zwei Tage um die Zukunft der Inhalte geht. Themen unter anderem: "Beyond music: Content als Happening", "Crossing the border; vom Verleger zum Alleskönner". Bin sehr gespannt!<br /><br />Freitag Vormittag ab 11.30 werden im Forum F.0 die Gewinner des Crowdsourcing-Wettbewerbs <strong>"Flying Sparks"</strong> gekürt. Mit circa 170 Einsendungen - und trotz einiger technischer Startschwierigkeiten - war der gemeinsam ausgeschriebene Kurzgeschichtenwettbewerb ein voller Erfolg. Die 12 Gewinner werden bis 5. Oktober gekürt und erhalten insgesamt ein Preisgeld von 5.000 Euro sowie freie Eintrittskarten zur Konferenz "StoryDrive". Alle 170 Teilnehmer können sich ihre Freikarten zur Buchmesse zuschicken lassen oder an den Serviceschaltern Torhaus bzw. City abholen.<br /><br />Die Community wird am Freitag um 11.30 Uhr von der Pressesprecherin der Frankfurter Buchmesse, Katja Böhne, begrüßt. Im Anschluss an die Veranstaltung gibt es einen Sektempfang. Alle Interessierten an dieser ungewöhnlichen Form des Storytelling sind herzlich willkommen!<br /><br />Alle weiteren Informationen finden sich hier: <a href="http://Mit circa 170 Einsendungen - und trotz einiger technischer Startschwierigkeiten - war der gemeinsam ausgeschriebene Kurzgeschichtenwettbewerb ein voller Erfolg. Die 12 Gewinner werden bis 5. Oktober gekürt und erhalten insgesamt ein Preisgeld von 5.000 Euro sowie freie Eintrittskarten zur Konferenz "StoryDrive". Alle 170 Teilnehmer können sich ihre Freikarten zur Buchmesse zuschicken lassen oder an den Serviceschaltern Torhaus bzw. City abholen.  Die Community wird am Freitag um 11.30 Uhr von der Pressesprecherin der Frankfurter Buchmesse, Katja Böhne, begrüßt. Im Anschluss an die Veranstaltung gibt es einen Sektempfang. Alle Interessierten an dieser ungewöhnlichen Form des Storytelling sind herzlich willkommen!  Alle weiteren Informationen finden sich hier http:">http://www.book-fair.com/de/fbm/news-media/flyingsparks/</a></p> <p><br /><img title="a/bildmaterial/blog/open books logo.jpeg" src="http://www.text-manufaktur.de/a/bildmaterial/blog/open books logo.jpeg" alt="a/bildmaterial/blog/open books logo.jpeg" width="111" height="74" /></p> <p>Freitag stehe ich für Termine auf der Messe zur Verfügung und werde an den Ständen entlangschlendern, um das neue <a href="http://www.text-manufaktur.de/a/pdfs/Textmanufaktur Programm 1 2011.pdf">Textmanufaktur-Programm</a> zu verteilen. Im Frankfurter Kunstverein wird parallel zur Buchmesse gelesen, geredet und gefeiert. Mit dabei, beim Programm von <a onclick="window.open(this.href); return false;" href="http://www.openbooks-frankfurt.de/">Open Books</a>, auch die <a onclick="window.open(this.href); return false;" href="http://jungeverlagsmenschen.boersenblatt.net/template/bbjvm_tpl_home/">Jungen Verlagsmenschen</a>, mit dem Lesewettbewerb: You want to read in Frankfurt? Freitag, 8. Oktober, ab 18.30 Uhr im Kunstverein Frankfurt.</p> <p><img title="a/bildmaterial/blog/buecherfest-karte-1.jpg" src="http://www.text-manufaktur.de/a/bildmaterial/blog/buecherfest-karte-1.jpg" alt="a/bildmaterial/blog/buecherfest-karte-1.jpg" width="109" height="151" /><br />Samstag und Sonntag steht das <a onclick="window.open(this.href); return false;" href="http://www.offenbach.de/offenbach/themen/unterwegs-in-offenbach/kultur/buecherfest-rhein-main-offenbach-2010/">Bücherfest Rhein-Main</a> auf dem Programm, das ich, wie schon letztes Jahr, mitorganisiert habe und moderieren werde. Ich freue mich auf Gäste wie Dennis Scheck, Andreas Meier oder Wilhelm Genazino im <a onclick="window.open(this.href); return false;" href="http://www.rotari.de/hafen2/">Hafen 2</a>.</p> <p>Das Programm im Detail:<br /><a href="http://www.text-manufaktur.de/a/bildmaterial/blog/buecherfest-karte-2.jpg"><img title="a/bildmaterial/blog/buecherfest-karte-2.jpg" src="http://www.text-manufaktur.de/a/bildmaterial/blog/buecherfest-karte-2.jpg" alt="a/bildmaterial/blog/buecherfest-karte-2.jpg" /></a></p> <p>Ich würde mich freuen, den einen oder anderen dort zu begrüßen.</p> <p>Bericht folgt ...</p>]]></description><link>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-27092010-die-buchmesse-frankfurt-steht-vor-der-tuer.html</link><pubDate>Mon, 27 Sep 2010 21:29:00 +0200</pubDate><guid>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-27092010-die-buchmesse-frankfurt-steht-vor-der-tuer.html</guid></item><item><title>23.09.2010/   Das neue Seminarprogramm für das 1. Halbjahr 2011 ist online</title><description><![CDATA[<p>&nbsp;</p> <p>Mit dabei sind unter anderem Lektoren und Programmleiter von Rowohlt, S. Fischer, C.H. Beck, Wallstein, Heyne oder Autoren wie Harriet Köhler oder Thomas Hettche an gewohnt attraktiven Orten wie Venedig, München, Stuttgart, Hamburg, Nürnberg oder Wien.<br /><br /><span style="text-decoration: underline;">Frühbucher-Aktion für Entschlossene</span>: Wer sich bis 30. September 2010 für einen der Kurse anmeldet, erhält <strong>10 Euro</strong> Rabatt auf die reguläre Kursgebühr.</p>]]></description><link>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-23092010-das-neue-seminarprogramm-fuer-das-1-halbjahr-2011-ist-online.html</link><pubDate>Thu, 23 Sep 2010 21:29:00 +0200</pubDate><guid>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-23092010-das-neue-seminarprogramm-fuer-das-1-halbjahr-2011-ist-online.html</guid></item><item><title>11.09.2010/   Der Schriftsteller und der Literaturbetrieb</title><description><![CDATA[<p><strong>Das Schöne beginnt da, wo der Begriff nicht hinreicht, sagt der studierte Philosoph und Germanist Hubert Winkels, Jahrgang 1955. Bei dem Seminar „Der literarische Text im Literaturbetrieb“ nutzte ich die Gelegenheit, einen der wichtigsten deutschen Kritiker der Gegenwart zu befragen. Heraus kam ein langes, aber spannendes Gespräch über literarische Jurys, die Utopie für Schriftsteller und die Authentizität in der Literatur heute.</strong><br /><strong></strong></p> <p><strong><br /><img title="a/bildmaterial/Dozenten/Winkels-Hubert03_300x226.jpg" src="http://www.text-manufaktur.de/a/bildmaterial/Dozenten/Winkels-Hubert03_300x226.jpg" alt="a/bildmaterial/Dozenten/Winkels-Hubert03_300x226.jpg" width="300" height="226" /></strong></p> <p><strong><br /></strong></p> <p><strong>Herr Winkels, wie wird man eigentlich Literaturkritiker?<br /></strong>Ich habe Germanistik und Philosophie studiert und daher eigentlich immer Literatur interpretiert. Über Fichte, Hegel, Schelling und Novalis landete man bei der Literatur, und die wurde gedeutet. Irgendwann wurde mir aber klar, dass man nicht wirklich rankommt an das, was in der Literatur passiert, auch nicht mit den größten begrifflichen Anstrengungen. Man kann die Literatur in ein philosophisches System überführen, aber umgekehrt kann man mit der Philosophie nicht das Innere der Literatur berühren.<br />Es dauerte eine Weile, bis ich den Sprung zur Gegenwartsliteratur geschafft habe. Das war ja damals immer noch die Literatur der Moderne, die eine Verheißung war. In meinem kleinen gelben Opel Ascona fuhren ein Freund von mir und ich von der Uni nach Hause, und der Freund las Botho Strauß oder Handke und hat mit davon sehr emphatisch auf den Fahrten vorgeschwärmt. Mich hat das anfangs nicht interessiert, ich bewegte mich ja eine Etage höher, bei Novalis oder Schlegel, aber das war schon einer der verschiedenen Infekte, die mich zum Lesen gebracht haben. Dadurch kam ich auch selber zum Schreiben und habe einige Jahre als Schriftsteller gelebt. Und das wandelte sich dann in ein Kritiker-Dasein. Davon könnte ich jetzt lang erzählen, aber ich versuche das in einer kleinen Anekdote. Ich hatte eine Reihe von Aufsätzen zu Gegenwartsliteratur geschrieben und lernte den damaligen Lektor von Kiepenheuer &amp; Witsch kennen, Helge Malchow, der heute der Verlagsleiter ist. Daraus ergab sich nicht nur eine Freundschaft, die schon fast dreißig Jahre dauert, sondern eine publizistische Heimat. An einem bestimmten Abend in Köln in einem Restaurant stellte ich Helge die Hand-aufs-Herz-Frage: „Helge, ich möchte den Band mit Erzählungen jetzt endlich machen. Geht das oder geht das nicht – ich muss das jetzt klären.“ Er fühlte sich unter Druck gesetzt, zu Recht, und sagte: „Ja, wir machen das, das ist hiermit versprochen“ – und ich jubelte innerlich schon – „aber vorher machst du uns einen Band über Literatur. Es interessiert mich ehrlich gesagt mehr, was du ÜBER Literatur zu sagen hast, und dann kannst du deinen Erzählungsband machen.“ Anderthalb Jahre später kam der Essayband „Einschnitte“, der für mich eigentlich nur ein Durchgangsstadium darstellte, doch faktisch war es so, dass alle Welt viel stärker auf den Essayband reagiert hat als auf meine Prosa. Ich habe zwar noch weitergeschrieben, aber auf die Dauer wird man natürlich durch die Ansprüche von außen mitbestimmt. Durch andere Zufälle kam ich dann zur ZEIT und wurde gefragt, ob ich Kritiken schreiben möchte. Wenn Sie das jahrelang machen, können Sie nicht immer sagen, aber EIGENTLICH bin ich Schriftsteller. Dann müssen Sie nach ein paar Jahren sagen, na ja okay, offenbar bin ich EIGENTLICH Kritiker. (Lacht)<strong><br /></strong></p> <p><strong>Sie sind einer der Knotenpunkte im sogenannten Betrieb, und unter anderem auch in diversen Jurys zu finden, zuletzt in Klagenfurt. Der „Betrieb“ und die Literatur, ist das ein Gegeneinander oder ein Miteinander? Also zerstört der Betrieb eher die gute Literatur oder befördert er sie in Deutschland?<br /></strong>Was ist das eigentlich, Literaturbetrieb? Vielleicht müsste man mal – inklusive mir selbst – darüber nachdenken. Wir sind ja Literaturbetrieb, so wie wir hier sitzen, und es ist seltsam, wenn Sie sagen, der Literaturbetrieb ist etwas Obskures, Ungutes. Wo ist die Tür zum Reingehen, und man guckt, wenn man drin ist, wo ist die zum Rausgehen. So ist das nicht. Die Tür ist quasi überall, wo wir über Literatur reden. Natürlich kann man eine Institutionenkunde betreiben: Wo sind wichtige Schaltstellen, und was ändert sich über Medien, Besitzverhältnisse oder Aufmerksamkeitssteuerung über Zeitungen? Es gibt viele Punkte, bei denen man sagt, klar, das ist sofort erkennbar relevanter Literaturbetrieb, aber die Ränder, an denen das aufhört und in etwas anderes übergeht, sind völlig unklar. Ich glaube, es ist keine produktive Haltung, wenn man immer sagt, ich bin klein und außen, der Literaturbetrieb ist groß und bildet ein Innen. Damit macht man sich das Leben schwerer, als es sein müsste.<strong><br /><br />Eine klassische Frage ist zum Beispiel, wie Jurys ihre Kandidaten küren. Oft ist es ein Kompromisskandidat, oder es ist jemand, dem man aus politischen oder strategischen Gründen den Preis gibt. Ist so etwas nicht eigentlich von der Literatur weit entfernt?<br /></strong>Jurys sind wieder ein ganz spezieller Teil des Literaturbetriebs, das ist eine Institution, die ihre eigene Geschichte hat und nicht für das Ganze genommen werden darf. Im Prinzip ist ja die mit den Jurys verbundene Idee die der Förderung von Literatur, die auf dem Markt weniger Chancen hat. Also man honoriert einen ästhetischen Anspruch, der vom Markt nicht ohne Weiteres honoriert wird. Das ist traditionell so, allein das ist aber schon eine sehr schwierige Sache, denn erstens gibt es Leute, die das auf bestimmte Weise dominieren und bestimmte Haltungen und Formen durchsetzen, und zweitens schreiben mittlerweile immer mehr Städte oder Kommunen oder Institutionen Preise aus und bezahlen sie auch. Und die sagen relativ unverhohlen, das sie ein Ereignis für die Stadt möchten und einen stattlichen Autor oder ein Buch, das gut lesbar ist. Jahrelang hat man gesagt: Nehmt kluge Fachleute, die sich auskennen, doch mittlerweile merkt man, dass der Markt über die Ansprüche der Geldgeber da reinregiert. Nun ist es auf der anderen Seite so, dass es in der Literatur selber auch die Außenseiterliteratur kaum mehr gibt. Wir hatten ja in der Moderne, vor allem in der Nachkriegszeit, eine starke Strömung der Avantgarde-Literatur. Die Avantgarde-Literatur war immer das Andere, das Gegenteil der Mainstream-Literatur, und das konnte man relativ deutlich auseinanderhalten. Das kann man aber heute nicht mehr. Die publikumsorientierte Literatur hat das Rennen gemacht. Es gibt immer noch experimentelle Ränder, aber die können sich nicht mehr als gleichwertiger Kontinent behaupten, wie das in einer bestimmten Zeit der Moderne der Fall war. Das ändert natürlich auch das Jury-Verfahren. Insofern ist die Jury wieder verknüpft mit allgemeinen Tendenzen sowohl in den Institutionen als auch in der Literatur selber. Wo Sie auch einsteigen, Sie sind sofort in einem komplizierten Gefüge, wo klare Antworten – da geht’s lang und da geht’s nicht lang – so ohne Weiteres nicht zu geben sind.<strong><br /><br />Diese Differenzierung von Avantgarde und Unterhaltung, von E und U, die ja auch typisch für Deutschland ist, wirkt die noch immer nach? Man hatte ja in den Lektoraten immer sehr hohe Ansprüche an Literatur, auch in den Feuilletons, während Mainstream als Unterhaltungsliteratur abgetan wurde. Ist das immer noch so?<br /></strong>Ja, das ist, glaube ich, weitgehend intakt. Aber da muss man auch wieder unterscheiden. Sieht man sich das seriöse Feuilleton an oder die Kulturseiten in Lokal- oder Regionalzeitungen? Die sehen ganz anders aus. Normalerweise meint man ja immer die fünf, sechs Edelfeuilletons. Man darf sich aber nicht vertun. Die sind zahlenmäßig nicht dominant, nicht einmal auf der Zeitungsebene, geschweige denn, wenn man andere Medien hinzuzählt. Aber zur Literatur: Im Grunde gibt es eine Dreiteilung. Die immer schon stärkste Fraktion – ich rede jetzt vom Feuilleton – ist die anspruchsvolle, unterhaltsame Erzählliteratur, wozu ich jetzt so gut wie alles rechne, von Günter Grass bis Norbert Gstrein, also das, was einfach verhandelt wird. Daneben gibt es, was ich eben die Avantgarde-Tradition der letzten vierzig Jahre genannt habe und die oft verbunden ist mit lyrischen Formen. Die fällt, wie ich finde, auf eine unangenehm starke Weise raus aus der Wahrnehmung, selbst in den Feuilletons. Das ist ein Spezialgebiet geworden, von dem irgendwann nur noch Spezialzeitschriften handeln werden. Und die dritte Sektion, das ist die zahlenmäßig größte, ist die Genreliteratur. Da schafft es ab und zu mal jemand wie Schätzing so viel Interesse zu wecken, dass dann auch mal Herr Greiner in der ZEIT darüber schreibt, aber eher mit dem Gestus „Wir sind neugierig und gucken mal, was da so am Strand noch so rumliegt“. (Lacht) Das wird nicht wirklich ernst genommen. Aber darunter gibt es ja eine unendliche Vielzahl von sehr, sehr gut verkauften Büchern, die wir in der Regel gar nicht wahrnehmen.<strong><br /><br />Zum Beispiel der historische Roman wird ja, wenn überhaupt, nur als Phänomen wahrgenommen und nicht als Text.<br /></strong>In aller Regel ja, aber mit Ausnahmen. „Die Vermessung der Welt“ war auch ein historischer Roman. Es gibt dann einige, die schaffen es. Da, wo nur die Genreregeln bedient werden, schauen wir nicht hin. Aber da gibt es ein Publikum, und wenn Sie dem etwas geben, was von den Normen abweicht, zum Beispiel, weil es innovativer ist, will das Publikum das nicht. Obwohl man sich als Autor auch klar machen sollte, dass es hochinteressant sein kann zu schauen, was in anderen Formen von Literatur läuft. Man kann zwar sagen, das ist nicht meine Art zu schreiben, aber was ich eine ganz falsche Haltung fände, ist, wenn Autoren mit Anspruch immer nur Autoren mit Anspruch lesen und gar nicht mehr mitkriegen, was überhaupt los ist auf der Welt. Selbst jemand wie Handke, der ja eine zeitlang der größte Elitedenker war – Elite reduzierte sich auf ihn (Lacht) – hat dann den Western entdeckt, fährt durch die USA und versucht, die Perspektive von John Ford einzunehmen. Patricia Highsmith ist auch eine Grenzgängerin. Das gibt es auch immer wieder, dass gute Autoren genrebedienende und genredefinierende Autoren sind. Nichts ist ausgeschlossen.<strong><br /><br />Sie sagten ja, die Autoren sollten sich nicht so betrachten, hier bin ich, der einsame Autor und da ist der Literaturbetrieb. Aber das Schreiben oder der Schreibprozess sind ja so etwas wie eine Regression, man tritt noch mal in eine Phase, in der man als Kind so ganz unbedarft spielt und seinem Kreationstrieb nachkommt, doch dann muss auch das Kind leider erkennen, dass es verortet ist in einer Gesellschaft, in der es schon ein funktionierendes System gibt. Und wenn man dann mit diesem System konfrontiert wird, ist das manchmal unangenehm. Entweder man hat einen Agenten an der Seite oder man kennt schon Leute aus Verlagen. Autoren müssen also auch ein bestimmtes soziales Verhalten bedienen, wenn sie veröffentlichen wollen.<br /></strong>Ja, das leuchtet mir ein. Die Frage ist nur, wie soll es anders gehen? Es gibt ja keine Institution, die alle Manuskripte, die zugeschickt werden, aufmerksam lesen könnte. Selbst zu DDR-Zeiten, als die Verlage personell wahnsinnig bestückt waren – die hatten ja viermal so viele Leute, wie ein Verlag brauchte – hätte man nicht genug Angestellte, um die eingegangenen Manuskripte alle sorgfältig zu lesen, zu würdigen und dann mit dem jeweiligen Autor ins Gespräch zu treten. Das heißt, es muss ein Selektionsprozess stattfinden. Der ist nicht richtig definiert, sondern sehr ungenau. Ich weiß aber nicht, ob ein Selektierer besser wäre. Dann hätten Sie ja sofort mit Instanzen mit großer Macht. So wie es jetzt ist, ist es alles ein bisschen ungenau, ein bisschen verschwommen, man befürchtet, es ist intrigant, man weiß es aber nicht – keiner weiß es. (Lacht) Es ist wahrscheinlich nicht gut, aber mir fällt nicht einmal unter utopischen Gesichtspunkten ein besseres System ein. Gut, die Utopie, könnte man sagen, ist, dass jeder, der sich ausdrücken will und die Fähigkeit dazu hat, das Recht hat, von mindestens zehntausend Leuten in aufmerksamer Lektüre gewürdigt zu werden. (Lacht) Das würde wahrscheinlich nicht funktionieren. Rein mathematisch gesehen kämen Sie da ins Schleudern. Es führt also, glaube ich, kein Weg an dieser etwas ungenauen sozialen Situation vorbei.<strong><br /><br />Und da haben wir ja in Deutschland immer noch eine extreme Lebendigkeit, im Gegensatz zu anderen, angloamerikanischen Ländern. Durch diese große Förderung und diese Vielzahl an Verlagen ist es ja hier unglaublich lebendig und dynamisch.<br /></strong>Das finde ich auch, ja. Es gibt ja unzählige Einrichtungen zwischen dem Verlag und dem Autor, die mittlerweile fast dominant werden. Wir sind ununterbrochen in Einrichtungen, die halbdefiniert sind, bei denen man nicht genau weiß, ist das gerade ein Festival, oder ist das ein Symposium, oder ist das ein Klassentreffen? Was spielt sich hier eigentlich ab in diesen Zwischenräumen? Jede Kommune hat doch ihr Fest, da werden lokale Autoren berücksichtigt, dann gibt es Prominente, die stellen dann vielleicht unbekannte Autoren vor, wie die LitCologne als Modell, die Patenschaften. Dadurch gibt es eben auch tausend Wege, wie man mit etwas in Berührung kommt.<strong><br /><br />Noch mal zurück zu dem Satz, den Sie am Anfang gesagt haben: Die Philosophie berührt nicht das Innerste von Literatur. Was ist das, das Innerste?<br /></strong>Das wäre wieder ein ganz eigenes Seminar. Man könnte diese negative Definition noch etwas verstärken und sagen, das Schöne beginnt überhaupt erst da, wo der Begriff nicht hinreicht. Ich glaube, es gibt Konstellationen zwischen Dingen auf dieser Welt, die uns völlig bezirzen, die wir aber nicht vollständig in rationale Strukturen übersetzen können. Das Schlechteste ist für mich wahrscheinlich eine fundamentalistische Religion und das Schönste ist ein Roman. Selbst als Kritiker – mein Beruf ist es ja sogar, die Übersetzung zu leisten –ist mir immer klar, dass das eine unvollständige Sache ist, und zwar aus konstitutiven Gründen, nicht, weil ich nicht zureichend bin, sondern weil das Schöne immer mehr ist als die Anstrengung, es für sich zu klären.<strong><br /><br />Vielleicht ist es ein wenig wie mit Menschen. Wenn man einen Menschen komplett versteht, wird’s ja auch langweilig. Dieses innerste Geheimnis muss bleiben, und das ist ja auch genau das, was nicht definiert werden kann.<br /></strong>Ja. Aber es ist natürlich für Autoren die viel interessantere Frage, wie man, Sie haben es jetzt Geheimnis genannt, wie man das überhaupt anstreben kann, mit welchen Mitteln, mit einer Ausbildung, mit technischen Mitteln, mit Handwerk? Verscheuche ich es nicht damit, oder nützt es wirklich? Darf man, kann man solche Ausbildungen machen, bis wo tragen die, und was können die nicht mehr leisten?<br /><strong><br />Niemand beschwert sich aber über Musikhochschulen oder Kunsthochschulen. Es ist für alle selbstverständlich, dass es diese gibt, und dass man Talent braucht und trotzdem Handwerk schließt sich in der Malerei und der Musik überhaupt nicht aus, seltsamerweise nur in der Literatur.<br /></strong>Aber auch nicht mehr wirklich. Wir haben ja doch viele Beispiele dafür, die Textmanufaktur selbst ist ja auch schon eines. Aber das kann man historisch erklären, in Deutschland war ja die Genie-Tradition in Zusammenhang mit dem Dichter stärker als in anderen Ländern. Und seitdem gibt es immer die Idee, dass es beim Schreiben eine Unmittelbarkeit zu Gott oder zu dem eigenen Innern des Schriftstellers gibt, und wenn da ein Handwerkskasten dazwischen kommt, ist man verstimmt. Weil die Stimme doch die ureigenste ist und nicht noch über formale Prozesse kontrolliert werden sollte. Das führt auch sicher zu diesem Fundamentalismus der Ich-Bezogenheit und so einem Wahnsinn, der darin lauert.<strong><br /><br />Genie und Wahnsinn hängen eng zusammen, das ist ja auch diese alte romantische Vorstellung.<br /></strong>Genau. Aber deswegen hat man bei der Literatur das Phänomen – und das ehrt sie ja auch ein bisschen –, dass so viele Menschen ihr zutrauen, noch näher an der individuellen Wahrheit zu sein, als jede andere Kunstform, deshalb ist sie noch weniger lehrbar. Das ist falsch, aber es ist ganz schön, dass man ihr das überhaupt zutraut.<strong><br /><br />Zugleich gibt es die Paradoxie, dass wir alle seit dem ersten, zweiten, dritten Lebensjahr sprechen können, ab dem siebten oder achten schreiben, und alle denken, sie beherrschten das Mittel, das Instrument dazu. Bei der Malerei sagen immer alle: Ich verstehe nichts von Malerei, ich äußere mich dazu nicht. Aber bei Literatur fühlen sich alle berufen.<br /></strong>Ja, das ist wahr. Das ist erklärungsbedürftig, weil, was ist abstrakter und schwieriger als Schreiben, in völlig unsinnlichen, abstrakten grafischen Gebilden. Das ist ein wahnsinniger Lernprozess, der bei uns überhaupt erst seit 1850 auf vollen Touren läuft, vorher gab es 90 Prozent Analphabeten. Man könnte vermuten, aber das müssen die Historiker beantworten, dass diese extreme Verbindung zwischen Seele und Schrift in diesem Genie-Gedanken eine Art Rechtfertigung des Schreibens ist, als Begleitumstand des Alphabetisierungsdrucks. Die Preußen wollten ihre Untertanen voll verschriftlichen und mussten einen wahnsinnigen Druck aufbauen, auch positiven Druck, und haben die Schrift an das Innerste geknüpft. Deshalb ist die Schrift quasi heilig, nicht als Text, aber als Schreibakt. Das wäre ein bisschen ein Kittler'scher Gedanke.<strong><br /><br />Aber gibt es da nicht auch die andere Tradition, diesen archaischen Prozess, die Beschwörung durch Laute, die Manipulation durch Rhythmen, das Lyrische.<br /></strong>Diese Tradition des Vortrags gibt es natürlich auch. Die deutsche Romantik war ja auch im Kern eine lyrische Bewegung. Und die orale Tradition kommt zurück, wenn wir nur an die Slam Poetry denken, das ist ja geradezu welthistorisch einmalig, es gibt unzählige Lesungen, in jeder Stadt. Ich könnte in meinem Beruf das ganze Jahr über ohne einen einzigen Tag Ausnhame nur herumreisen, von einem Lesefest zum anderen. Allein in Berlin, wo ich öfter Veranstaltungen habe, laufen täglich sieben, acht Lesungen parallel, ohne Festivals. Es wird gelesen, was das Zeug hält, ununterbrochen wird gelesen, das ist fast eine erklärungsbedürftige Entwicklung.<strong><br /><br />Das hat sicher was mit dem Vermarktungsaspekt zu tun, der Eventisierung von Kunst, vielleicht auch mit der Suche nach dem Erlebnis, dem authentischen Schriftsteller?<br /></strong>Aber diese Entwicklungen passen zusammen, weil das Schreiben mit soviel Ich-Kult aufgeladen wurde, haben Autoren nicht das Gefühl, wie Wissenschaftler, die Texte vorstellen, es geht um die Sache, sondern „ich“ stehe hier zur Beurteilung. Das ist natürlich grundsätzlich eine schwierige Situation, denn mit „ich“ ist die Seele gemeint: Hey Leute, ihr könnt in meine Seele gucken, das ist natürlich eine extreme Situation, weil man das so stark mit Ich-Emphase auflädt und wird zum Problem, wenn es um Kritik geht.<strong><br /><br />Wir haben es ja gerade in Klagenfurt hautnah erlebt, wie stark Vortrag und Text zum Teil auseinanderfallen, das Publikum reagierte bisweilen völlig anders als die Jury, die die Texte vorher gelesen hat. Manche haben ihre Texte kleingelesen, manche haben ihre Texte aufgebläht, was man, wenn man nur die Texte vor sich hat, nicht spürt.<br /></strong>In Klagenfurt hat ja auch der persönlich emphatischste Text gewonnen, Peter Wawerzinek, der über seine Waisen-Jugend in der DDR schreibt, der es dies noch in der mündlichen Intervention zeigt und verkörpert, also authentischer, mehr „Ich“ in der Literatur kann man überhaupt nicht bringen. Ich habe ja sogar noch versucht, ästhetische Einwände zu machen, sehr vorsichtig, weil ich ihn ja auch schätze, aber es war klar: Alle lieben ihn. Seele öffnet sich, alle applaudieren, da wollen alle unter sich sein, da braucht man eigentlich keine Kritiker.<strong><br /><br />Ist das nicht die Sehnsucht nach dem authentischen Sich-Zeigen, weil wir das Inszenierte über haben?<br /></strong>Aber vielleicht ist das Inszenierte ja richtiger, vielleicht ist Wawerzinek der Inszenierer, der es geschafft hat, alle glauben zu machen, er inszeniere nicht, während die Rosbacher, die von Anfang an gesagt hat, Literatur ist Inszenierung, bestraft wird, weil sie so kalt, herzlos, auswendig, laut das Ding rausschreit. Man muss sich auch klarmachen, dass Wawerzinek seit zwanzig Jahren mit diesem Thema auf Lesungen unterwegs ist, er aber vor laufender Kamera behauptet, es sei das erste Mal, dass er sich diesem heißen Eisen nähere. Es muss nicht so sein, wie ich sage, aber es ist kompliziert. Ich finde auch, Wawerzinek hat den Preis zurecht bekommen. Die Schichten seiner Arbeit und seines Scheiterns haben sich an diesem Text angelagert, und das hört man mit, und deshalb hat das so eine ungeheure Wucht. Ich sage also, man muss vorsichtig sein mit dem Zuschreiben von Authentizität. Nehmen Sie den Fall Hegemann. Was man in einem Moment als völlig ungefilterte Lebenserfahrung gefeiert hat, wird im nächsten Moment als abgeschrieben entlarvt. Auch hier haben Sie das Verhältnis von Authentiziät und Lügen sofort wieder; und daran können Sie fast alles festmachen, was es in diesem Betrieb gibt, auch, wie schnell so etwas vorbei ist. Sie können nicht drei Monate später auch nur annähernd das Interesse für dieses Phänomen wecken, das wird sofort historisch.<strong><br /></strong><br />© Textmanufaktur; unter Nennung der Quelle/Verlinkung ist das Zitieren erlaubt.<strong><br /></strong></p>]]></description><link>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-11092010-der-schriftsteller-und-der-literaturbetrieb.html</link><pubDate>Sat, 11 Sep 2010 21:29:00 +0200</pubDate><guid>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-11092010-der-schriftsteller-und-der-literaturbetrieb.html</guid></item><item><title>06.09.2010/   Was macht meinen Text literarisch?</title><description><![CDATA[<p>&nbsp;</p> <p><strong>Was ist das eigentlich, literarisch?</strong><br />Wenn klar wäre, was literarisch ist, dann bräuchte es das Feuilleton und die Literaturkritik nicht. Das Literarische ist ein umkämpfter, gesuchter Begriff. <br /><strong><br />Was könnten die Mittel sein, die einem auch handwerklich nutzen?</strong><br />Versuchen wir mal zu sammeln: Der Vergleich, ein Bild, eine Metapher. Der Satzbau, eine Form der Rhythmisierung von Sprache, oder gar, auf der Wortebene, eine Verklanglichung der Sprache. Die Form der Beschreibung der Welt. Das ist für mich wichtig, wie sich eine Welt konstituiert, wie sie beschrieben wird, und sei es auch nur das Wasserglas. Wenn ich sage: „Martin trinkt Wasser aus seinem Glas“, dann ist das Glas völlig selbstverständlich, nebenbei eingeschliffen in einen Handlungsvorgang, während man auch eine ganz andere Eloge, auch in der Prosa, auf dieses Glas singen könnte. Wie es da steht, wie sich der Tisch in ihm bricht. Wenn es darum geht, dass man sich etwas imaginieren kann über einen sprachlichen Hinweis, dann muss die Sprache selbst noch nicht bildhaft sein. Ich könnte ganz trocken diesen Raum beschreiben und müsste die Sprache noch nicht rhythmisieren. Wenn das Glas wichtig ist, wenn es eine Funktion hat, dann beschreibe ich auch die Form, und wenn es keine Rolle spielt dann kommt eben nur: „Er trank einen Schluck Wasser“.<br /><br /><strong>Wie ist es mit der Perspektive? Die bewegt einen Text ja auch sprachlich. Texte in der Ich-Form verlangen einen anderen Ton als die distanziertere Darstellung.</strong><br />Ja. Das ist ein besonderer Punkt: Von wo aus wird ein Text überhaupt erzählt, mit welcher Haltung? Und die Stimmfarben: Ist es ein ironischer Text? Oder ist es ein Monolog? Dann ist die Frage, wie spricht dieser Mensch? Wenn jemand „Ich“ sagt, dann muss diese Person eine gewisse Art des Sprechens haben, die sie charakterisiert. Dazu zählt auch das Register, aus dem die Worte kommen, also aus welchem Berufsleben, oder welcher Umgangssprache.<br /><br /><strong>Ein literarisches Mittel des Erzählens ist es doch auch, wenn etwas nicht erzählt wird, wenn es Lücken gibt oder Brüche, die mir aber die Möglichkeit geben, sie auszufüllen.</strong><br />Damit sind wir schon auf der weit weg gezoomten Ebene des Aufbaus, der Organisation des gesamten Stoffes. In Jenny Erpenbecks Buch „Heimsuchung“ wird sehr bedrückend vom Sterben eines Kindes erzählt, das, als die Nazis kommen, eingeschlossen ist, dann entdeckt und erschossen wird. Dieses Sterben wird erzählt, indem dauernd andere Sachen nebenher erzählt werden, was eine unglaubliche Härte erzeugt – die Handlung wird organisiert durch starke Brüche.<br /><br /><strong>Inwieweit kann man solche Dinge lernen?</strong><br />Angenommen, wir trainieren gute Metaphern oder Beschreibungen, wir wissen, wie man Texte gegeneinander schneidet, dann hat man ein gewisses Handwerkszeug. Ich würde aber sagen, das nützt einem erst einmal überhaupt nichts. Man hat dann eine gewisse Fertigkeit, die aber auch zu einer völligen Überfrachtung des Textes führen kann. Wenn man denkt: Aha, ich beherrsche alle möglichen literarischen Verfahrensweisen und damit statte ich jetzt meinen Text aus – dann würde ich sagen, da kommt etwas ganz Schreckliches heraus, ein Monster an literarischer Fertigkeit. Wichtig ist, was man mit dem Text will, was der Text selbst vorlegt. Was man sich vornimmt mit der Geschichte, die man erzählen will, könnte einen zu bestimmten literarischen Verfahrensweisen führen. Man muss sich überlegen, welche Form von literarischen Mitteln zu dem Text passen oder wohin der Text selbst reift, wenn man ihn möglichst gut nach seinen Potenzialen befragt.<br /><br /><strong>Es geht also nicht darum, dass ich einen Stil habe, sondern eher darum auszuloten, welche literarischen Mittel zu meinem Text passen?</strong><br />Es geht um die maximale Ausbildung der literarischen Stimme. Ich würde sagen, ein Text wird dann schlecht, wenn man sich zu viel vornimmt, wenn man versucht, etwas, was der Text selbst nicht leistet, was die eigene Idee nicht leistet, was vielleicht auch das eigene Talent nicht leistet, sich durch Metaphern oder eine elaborierte Konstruktion einzukaufen. Der Text selbst muss dahin führen, mit literarischer Sensibilität.<br /><br /><strong>Ist es so, dass ein literarischer Text eher im formalen, sprachlichen Bereich arbeitet, ein Unterhaltungstext sich hingegen eher auf der Plotebene bewegt? Ist das keine Kunst?</strong><br />Das klingt ein bisschen moralisch, aber es gibt natürlich Genres – Krimi, Frauenroman oder historischer Roman. Etwas ist umso mehr Genre, je mehr es sich auf gewisse Muster verlässt. Wenn ein Autor mit einer Wahnsinnsgeschichte sich möglichst wenig auf vorgegebene Muster verlässt, ist das für mich literarisch. Das gilt aber ebenso für literarische Techniken des Understatements, das heißt, wenn in einer ganz normalen Formgestalt, in normalen Sätzen, plötzlich ein irritierendes Moment oder ein anrührendes Bild aufscheint. Das ist tatsächlich ein sehr schwieriger Vorgang, eine gewisse Durchschnittlichkeit, Banalität, Normalität in einen Roman zu bringen, ohne ihn zu überfrachten und ohne dabei nur dokumentarisch zu sein oder langweilig.</p>]]></description><link>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-06092010-was-macht-meinen-text-literarisch.html</link><pubDate>Mon, 06 Sep 2010 21:29:00 +0200</pubDate><guid>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-06092010-was-macht-meinen-text-literarisch.html</guid></item><item><title>02.09.2010/   Wie Peter Handke die Weltliteratur hasst</title><description><![CDATA[<p>&nbsp;</p> <p>Sie     waren bis Mitte der siebziger Jahre ein Autor, der mit jedem Buch auf der     Bestsellerliste erschien. Warum, glauben Sie, ist das anders geworden?<br />     <br />     PETER HANDKE: Ich hab' halt nicht mehr den richtigen Drive. Ich bin nicht mehr     schön genug. Der Hüftschwung hat nachgelassen. Aber es stimmt ja nicht ganz.     Die Kindergeschichte war noch ein Bestseller. Nur hab' ich da nicht mehr wie     früher mit Neugier in den "Spiegel" geschaut, an welcher Stelle das     steht. Mir kommt vor, meine Sachen werden heute intensiver gelesen als damals,     aber sie sind halt nicht mehr in Mode. Also werden sie nicht mehr so viel     gekauft.<br />     <br />     In einem Gespräch, das wir vor fünfzehn Jahren führten, antworteten Sie auf die     Frage nach dem Grund Ihres Erfolges, was Sie schrieben, sei eben Weltliteratur.<br />     <br />     HANDKE: Das würde ich nicht mehr sagen. Zur sogenannten Weltliteratur möchte     ich nicht gehören. Wenn ein Thomas Mann als der größte deutsche Schriftsteller     dieses Jahrhunderts gilt, dann hat doch das Schreiben überhaupt keinen Sinn.     Wer dem nachfolgt, ist für mich schon verloren. Gerade vor ein paar Tagen habe     ich wieder "Herr und Hund" von ihm gelesen. Da ist gleich der erste     Satz so, daß man spürt, der das schreibt, ist sich dessen gewiß, eine Gemeinde     zu haben, die auf seinen bestimmten Tonfall hört. Also er fängt nie wirklich     an, sondern schreibt in dem Bewußtsein, daß er der Thomas Mann ist. Das ist     doch verwerflich. Ein Schriftsteller darf nie so denken, weil er im Leben immer     wieder neu anfangen muß. Ich wollte auch den "Zauberberg" wieder     lesen, der mich, als ich zwanzig war, tief berührt hat. Aber diese sich dauernd     selbst bespiegelnde Sprache hat mir das Weiterlesen verwehrt. Die Sätze haben     mir die Räume verstachelt. Diese Prosa ist völlig verdorben. Ein schrecklich     schlechter Schriftsteller ist das.<br />     <br />     Auch über Kafka haben Sie sich ablehnend geäußert. In Ihren Aufzeichnungen     "Phantasien der Wiederholung" steht: "Ich hasse Franz     Kafka."<br />     <br />     HANDKE: Ja, aber das war nur so ein kurzer Impuls. Zu Kafka kommt man immer     wieder als zu einer Instanz des Schreibens und des Handwerks zurück, keineswegs     aber zu Thomas Mann.<br />     <br />     Robert Musil mögen Sie auch nicht. <br />     <br />     HANDKE: Ich habe einige kleinere Prosastücke von Musil sehr gern, auch seine     Tagebücher. Aber der "Mann ohne Eigenschaften" ist für mich ein bis     in die einzelnen Sätze größenwahnsinniges und unerträglich meinungsverliebtes     Werk. Ich empfinde es manchmal als lästig, daß mir diese Bücher die schöne,     freie Welt, als die mir die Literatur immer vorschwebt, versperren. Wenn einer     nur eine gute Seite geschrieben hat, oder zwei gute Seiten, muß man schon damit     rechnen, daß er unsterblich wird und jeder andere Scheiß von ihm mitgezogen     wird wie ein Kadaver. Das heißt dann Weltliteratur. Ich habe in meinem Leben     sehr oft den "Ulysses" gelesen, nicht nur gelesen, sondern studiert,     Satz für Satz, aber das kann mir beim besten Willen nichts geben. Außer einer     formalen Fingerfertigkeit und einer Assoziationsgabe, die mit Literatur nichts     zu tun hat, finde ich bei Joyce überhaupt nichts. Gute Literatur kommt aus dem     Erleben der Dinge und der Gerechtigkeit diesem Erlebnis gegenüber, aus nichts     anderem. Sonst ist es nur Spielerei, Sprachbegabung, und das ist für mich etwas     ganz Grausliges. Ich bin an all diese Werke sehr gläubig herangegangen. Aber     ich glaube den Leuten, die das weiterverbreiten, kein Wort mehr. Ich habe das     Vertrauen in diese Leute verloren.</p> <p>&nbsp;</p> <p>Das ganze, hochinteressante Interview finden Sie hier: <a href="http://www.a-e-m-gmbh.com/andremuller/peter%20handke%201988.html">http://www.a-e-m-gmbh.com/andremuller/peter%20handke%201988.html</a></p>]]></description><link>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-02092010-wie-peter-handke-die-weltliteratur-hasst.html</link><pubDate>Thu, 02 Sep 2010 21:29:00 +0200</pubDate><guid>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-02092010-wie-peter-handke-die-weltliteratur-hasst.html</guid></item><item><title>01.09.2010/   Zehn Tipps fürs Kreative Schreiben</title><description><![CDATA[<p><br />... von Elmore Leonard*. Mit einem Augenzwinkern übersetzt und ergänzt von André Hille. </p> <p>*(Elmore Leonard, geb. 1925 in New Orleans, ist ein US-amerikanischer Schriftsteller, der vor allem durch seine Kriminalromane bekannt wurde.)<br /><br /><br />&nbsp;&nbsp; 1.&nbsp; Beginne niemals ein Buch mit dem Wetter<br />&nbsp;&nbsp; 2.&nbsp; Vermeide Prologe<br />&nbsp;&nbsp; 3.&nbsp; Benutze niemals ein anderes Verb als „sagen“ nach Dialogen<br />&nbsp;&nbsp; 4.&nbsp; Benutze niemals ein Adjektiv zum Modifizieren des Verbs „sagen“ nach Dialogen („sagte sie wütend“)<br />&nbsp;&nbsp; 5.&nbsp; Behalte die Ausrufezeichen unter Kontrolle. Es ist nicht erlaubt, mehr als zwei oder drei pro 100.000 Zeichen zu benutzen <br />&nbsp;&nbsp; 6.&nbsp; Benutze niemals die Wörter „plötzlich“ oder „starren“<br />&nbsp;&nbsp; 7.&nbsp; Verwende Dialekt und Mundart sparsam<br />&nbsp;&nbsp; 8.&nbsp; Vermeide detaillierte Beschreibungen des Charakters<br />&nbsp;&nbsp; 9.&nbsp; Vermeide detaillierte Beschreibungen von Landschaften und Dingen<br />&nbsp; 10.&nbsp; Versuche jene Teile des Buchs wegzulassen, die der Leser überspringt<br /><br />Doch die bedeutendste Regel lautet: If it sounds like writing, I rewrite it.<br />Ach und: Keine Regel ohne Ausnahme</p>]]></description><link>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-01092010-zehn-tipps-fuers-kreative-schreiben.html</link><pubDate>Wed, 01 Sep 2010 21:29:00 +0200</pubDate><guid>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-01092010-zehn-tipps-fuers-kreative-schreiben.html</guid></item><item><title>24.08.2010   Flying Sparks - Geschichten gehen neue Wege</title><description><![CDATA[<p>&nbsp;</p> <p>ACHTUNG: Scheinbar gab es beim Hochladen auf die Plattform jovoto das eine oder andere Problem. In diesen Fällen bitte die Texte an Nadine Freischlad (nfreischlad@jovoto.com) schicken.</p> <p>&nbsp;</p> <p><img title="a/bildmaterial/blog/storydrive_header.png" src="http://www.text-manufaktur.de/a/bildmaterial/blog/storydrive_header.png" alt="a/bildmaterial/blog/storydrive_header.png" width="699" height="157" /><br /><br /><br /><strong>Neue Wege für Autoren!</strong><br />Die Textmanufaktur, die Frankfurter Buchmesse und die Kreativ-Plattform Jovoto starten eine ungewöhnliche Kooperation: Ihre Story, von Designern und Grafikern multimedial umgesetzt, wird auf der Buchmesse 2010 präsentiert!<br /><br />Sie haben eine starke Kurzgeschichte? Eine Short-Story, die schon immer an die Öffentlichkeit drängte? Dann dürfte der neuartige Wettbewerb „Flying Sparks“ für Sie interessant sein.</p> <p><br /><strong>Hintergrund</strong><br />Die Buch- und Medienbranche erfährt derzeit einen rasanten Strukturwandel: Die neuen technologischen Möglichkeiten haben sowohl die Rezeption von Inhalten als auch das Erzählen selbst verändert und den Leser zum Mitgestalter gemacht. Inhalte sind in einer digitalen Welt nicht mehr an ein bestimmtes Medium gebunden: E-Books, DVDs, Comics, Software, Cosplay, Illustrationen machen mittlerweile einen großen Teil der Angebotspalette aus. Doch im Zentrum steht nach wie vor die Geschichte, ja sie gewinnt als strukturierende Einheit, als Erzählung unseres Lebens, immer größere Bedeutung: Alles ist story-driven.<br /><br />In diesem Jahr präsentiert die Frankfurter Buchmesse die digitale Initiative Frankfurt SPARKS, mit Ausstellungen, Konferenzen und anderen Veranstaltungen rund um das Thema Zukunft und Konvergenz der Medien und Kreativwirtschaft. Diese digitale Initiative lässt den „Funken“ (engl. „Spark“) überspringen und bringt Menschen aus Verlagswelt, Technologiebranche, Medien und Internetkultur zusammen, um gemeinsam tragfähige Geschäftsmodelle zu entwickeln.</p> <p><br /><strong>Und so gehts</strong><br />Grundlage für das mediale Storytelling sind Ihre Kurzgeschichten, die von Grafikern und „visuellen Menschen“ crossmedial umgesetzt werden: als Comic, als Logo, als Piktogramm, als Video, als Bild, als Cover, als App? Lassen Sie sich überraschen. Die besten Projekte werden als DVD-Loop auf der Frankfurter Buchmesse 2010 präsentiert. Gewinner haben die Möglichkeit, mit Verlegern und Produzenten zu sprechen. Preisgeld: insgesamt <strong>5.000 Euro</strong>. Ein Experiment? Sicher, aber was wäre das Leben ohne Experimente. Es geht darum, neue Formen des Erzählens auszuloten, die Eigenheiten jedes Mediums zu nutzen und spielerisch zu erweitern.</p> <p>&nbsp;</p> <p><strong>Schritt für Schritt</strong><br />- Melden Sie sich auf der Kreativ-Plattform <a onclick="window.open(this.href); return false;" href="http://www.jovoto.com">www.jovoto.com</a> an<br />- Schauen Sie nach dem Wettbewerb „Flying sparks“<br />- Klicken Sie auf den Button "Idee einreichen"<br />- Laden Sie Ihren Text hoch, egal in welchem Format. Alle Themen und Genres sind erlaubt, doch um die Orientierung der Gestalter zu erleichtern, sollte dem Text ein kurze Beschreibung (Genre etc.) vorangestellt werden. Länge der Kurzgeschichte: maximal 5 Din-A4 Seiten. Der Text wird unter Umständen für die internationale Community ins Englische übersetzt.<br />- Warten Sie ab, was die Jovoto-Community aus Ihrem Text macht oder arbeiten Sie selbst mit den Gestaltern zusammen: Ihr Text wird zum medialen Gesamtkunstwerk.<br />- Einsendeschluss: 30. September. Aber je eher Ihr Text online ist, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit zu gewinnen, denn umso mehr Zeit bleibt den Gestaltern, sich mit Ihrem Text auseinanderzusetzen.</p> <p><br /><strong>Für die Gewinner</strong><br />Die besten zwölf Projekte werden von der Jovoto-Community ausgewählt und auf der Frankfurter Buchmesse an verschiedenen Orten präsentiert. Insgesamt werden 5.000 Euro Preisgeld an Autoren und Designer verteilt. Die Ideenurheber erhalten die Möglichkeit, bei einem Get-together Gespräche mit Vertretern von Verlagen zu führen und mögliche Umsetzungen zu diskutieren. Für alle Teilnehmer am Contest stellt die Frankfurter Buchmesse Freikarten zur Verfügung.</p> <p>&nbsp;</p> <p><strong>Anmeldung und mehr Infos unter:</strong></p> <p>&nbsp;</p> <p><a href="http://www.jovoto.com"><img title="a/bildmaterial/blog/jovoto_com.jpg" src="http://www.text-manufaktur.de/a/bildmaterial/blog/jovoto_com.jpg" alt="a/bildmaterial/blog/jovoto_com.jpg" width="140" height="32" /></a></p> <p>&nbsp;</p> <p><a href="http://www.buchmesse.de/de/fbm/themen/digitalisierung_epublishing"><img title="a/bildmaterial/blog/Logo_JPG_4C_8588_rgb.jpg" src="http://www.text-manufaktur.de/a/bildmaterial/blog/Logo_JPG_4C_8588_rgb.jpg" alt="a/bildmaterial/blog/Logo_JPG_4C_8588_rgb.jpg" width="170" height="65" /></a></p>]]></description><link>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/flying-sparks---geschichten-gehen-neue-wege.html</link><pubDate>Tue, 24 Aug 2010 21:29:00 +0200</pubDate><guid>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/flying-sparks---geschichten-gehen-neue-wege.html</guid></item><item><title>28.07.10/  Wie man einen Verlag findet. Zum Beispiel Klett-Cotta</title><description><![CDATA[<p>&nbsp;</p> <p><img title="a/bildmaterial/blog/Logo_Klett-Cotta_150breit.jpg" src="http://www.text-manufaktur.de/a/bildmaterial/blog/Logo_Klett-Cotta_150breit.jpg" alt="a/bildmaterial/blog/Logo_Klett-Cotta_150breit.jpg" width="150" height="131" /></p> <p><br /><br /><strong>In welchem Bereich liegen die Schwerpunkte des Klett-Cotta-Verlags, wodurch definiert sich der Verlag?</strong><br />Klett-Cotta ist nicht nur ein Literatur- und Sachbuch-Publikumsverlag, sondern hat auch einen großen Bereich psychologischer Fachliteratur. Wir verlegen traditionell Fantasy, sind seit 1972 der Verlag von Tolkien, haben aber auch Autoren wie Tad Williams oder Neil Gaiman im Programm, also die ganz Großen der literarischen Fantasy. Der Bereich Literatur teilt sich bei näherem Hinsehen in zwei Programmbereiche, die durch eine Entwicklung der letzten zweieinhalb Jahre entstanden sind: Mit Klett-Cotta versuchen wir, ein sehr hochliterarisches, fast klassisches Literaturprogramm zu machen, mehrheitlich zeitgenössische Literatur mit ausgeprägter Backlist, darunter viele Klassikerausgaben von Gottfried Benn, Stefan George, Möricke, Lehmann, Ernst Jünger. Zum anderen gibt es den Programmbereich Tropen, der aus einem Berliner Kleinverlag hervorgegangen und etwas jünger ist, etwas urbaner, hipper und agiler, das sieht man auch an den Covern. Wenn man diese beiden Programmbereiche nebeneinander stellt, hat man ein Spektrum an Literatur, welches tatsächlich stärker in die Breite geht als manch andere Programme.<br /><br /><strong>Wie hoch ist der Anteil an Debüts?</strong><br />Das ist schwer zu quantifizieren. Wir haben relativ überschaubare Programme, ein Herbst- und ein Frühjahrsprogramm, mit jeweils etwa vier bis fünf Novitäten; im kommenden Programm gibt es drei Debüts, allerdings alles Übersetzungen, aus dem Amerikanischen, Niederländischen und Argentinischen.</p> <p><br /><img title="a/bildmaterial/blog/Klett-Cotta3 kl.jpg" src="http://www.text-manufaktur.de/a/bildmaterial/blog/Klett-Cotta3 kl.jpg" alt="a/bildmaterial/blog/Klett-Cotta3 kl.jpg" width="450" height="337" /></p> <p><br /><strong>Wie hoch wäre die Chance für einen deutschsprachigen Debütanten, bei euch unterzukommen?</strong><br />Wenn er oder sie gut ist, enorm hoch. Wir sind in der Tat – auch wenn das kein sonderlich originelles Alleinstellungsmerkmal ist – auf der Suche nach starken Debüts. Das ist ein unbedingtes Interesse; zum einen, weil wir deutsche Literatur mögen, zum anderen, weil es vieles erleichtert, auch in der Vermittlung der Texte. Ein deutscher Autor kann Lesungen geben, er kennt Land und Leute und das ist völlig anders, als wenn man mit unbekannten ausländischen Debütanten antreten würde.<br /><br /><strong>Was muss so ein Debüt für dich haben, damit du sagst, das verlegen wir? Denn jedes Debüt ist ja eine Investition.</strong><br />Absolut. Ich glaube, das erklärt auch, warum viele Verlage versuchen, die Anzahl an Debüts pro Programm eher klein zu halten. Ein Debüt ist immer erklärungsbedürftig. Natürlich ist es ein Pfund, mit dem man wuchern kann, „die große Neuentdeckung“, aber es ist immer leichter, mit schon etablierten, eingeführten Autoren in der Vermittlung zu arbeiten.<br /><br /><strong>Was macht ein gutes Debüt aus? </strong><br />Das ist die Frage: Was macht einen guten Text aus? Was aber noch hinzukommt, ist die Hoffnung, dass ein Debüt schon Potenzial für eine Werkentwicklung zeigt. Das ist etwas, worauf wir sehr stark achten, dass jemand wirklich als Autor eine Verheißung über das einzelne Buch hinaus hat.<br /><br /><strong>Geht die Auswahl über das Thema oder stärker über die Geschichte oder die Sprache? Es gibt ja literarische Verlage, die eher sprach- und weniger plotorientiert sind. Andere gehen eher in die Richtung literarische Unterhaltung, denen ist die Geschichte wichtiger.</strong><br />Reine Plotorientierung spielt eigentlich keine Rolle, eher noch bei Tropen. Wir machen dort zwar Krimis, aber keine Mainstream-Krimis, sondern Bücher, die etwas Besonderes haben, irgendein Cutting Edge, im Falle der Krimis etwas Drastisches. Zum Beispiel Roger Smiths „Blutiges Erwachen“, das ist ein unglaublich harter, drastischer Krimi. Der Charme an diesem Buch ist aber, dass es das gegenwärtige Südafrika aufschließt – politisch und soziologisch. Es ist also immer wichtig, dass es noch einen Mehrwert über das rein Plothafte hinaus gibt. Ansonsten, da wir uns als sehr literarisches Haus verstehen, ist natürlich die Sprachlichkeit, der Stil, die Literarizität ein wichtiges Merkmal. Hinzu kommt – und das ist von außen häufig nicht leicht nachzuvollziehen –, dass wir eigentlich nie einzelne Bücher, sondern immer komplette Programme machen. Die sind sehr sorgfältig komponiert und austariert. Das führt dann dazu, dass man, überspitzt gesagt, nicht sechs deutschsprachige Debüts in einem Programm hat, sondern man sehr unterschiedliche Positionen zu markieren versucht. Im kommenden Programm haben wir ein amerikanisches Debüt, wir haben eine deutschsprachige Autorin, eine Schweizerin mit ihrem dritten Buch, wir haben einen Argentinier zum Buchmesseschwerpunkt, und wir haben ein Buch, das eher in Richtung literarische Unterhaltung oder gute literarische Humoristik geht. Das ist ein Verhältnis, das wir als gelungen und rund empfinden. In diese Gefüge, die wir planen, muss ein Text, den wir suchen, exakt hineinpassen.<br /><br /><strong>Das ist wahrscheinlich das Moment von Glück, von dem immer wieder die Rede ist: Man sucht etwas bestimmtes, und das muss genau in dieses Programm passen.</strong><br />Das mag sich sehr entmutigend anhören – auch wenn es das nicht immer ist –, aber wir haben manchmal einen extrem schmalen Suchfokus. Konkret suche ich jetzt zum Beispiel für das Herbstprogramm 2011 einen Krimi, vorzugsweise von einem polnischen jungen Autor oder einer Autorin, der an deutsch-polnischen Grenze spielt. Das hört sich grotesk an, ich überspitze das ein bisschen, aber im Grunde genommen wird auf diese Weise gesucht. Es stimmt, natürlich sucht man gute Bücher, aber niemals in dieser diffusen Allgemeinheit, und das schließt eben sehr Vieles aus. Wenn Agenturen oder Autoren, die nicht in Agenturen vertreten sind, Bücher einschicken und diese zurückkommen, hat das meistens überhaupt nichts mit der Qualität des Textes zu tun.</p> <p><img title="a/bildmaterial/blog/klett-cotta kl.jpg" src="http://www.text-manufaktur.de/a/bildmaterial/blog/klett-cotta kl.jpg" alt="a/bildmaterial/blog/klett-cotta kl.jpg" width="450" height="299" /></p> <p>&nbsp;</p> <p><strong>Wenn das Werk-Potenzial eines Debütanten eine Rolle spielt, heißt das dann, dass ein Debütant mit 65 keine Chance mehr hat, weil er vielleicht nur noch 15 Jahre schreiben kann?</strong><br />Nein, das glaube ich nicht. Ich will das überhaupt nicht diskreditieren, aber ich bekomme relativ viele Texte von jungen Autoren, die eine erstaunliche Reife zeigen, aber andererseits ist völlig klar, dass die über ihr selbst gelebtes Leben hinaus überhaupt keine literarisch vermittelnswerte Erfahrung haben. Es gibt viele One-Hit-Wonder. Mit Debütanten meine ich auch Leute, die erst mit 43 einsteigen, da herrscht kein Jugendwahn. Man muss ja auch die Demografie aus Verlagssicht betrachten, unser Zielpublikum sind nicht die 18- bis 23-Jährigen, die in Berlin wohnen und die Lebensbefindlichkeiten anderer 18- bis 23-jähriger Berliner nachvollziehen, sondern jedes Programm zielt in die Mitte der Gesellschaft. Unsere Leserinnen sind vor allem weiblich und weitaus älter als 18 bis 23, und die interessieren sich vielleicht eher für Lebenserfahrung und Lebenswirklichkeit, die der eigenen verwandter ist.<br /><br /><strong>Gerade fiel schon das Stichwort Literaturagentur. Wie kommt ein Text konkret zu dir auf den Schreibtisch –&nbsp; zwischen unverlangt eingesandt, Agentur, Empfehlung von Autoren oder Anderen?</strong><br />Auf genau diesen drei Kanälen. Wir bekommen pro Tag so etwa zehn unverlangt eingesandte Manuskripte in der Belletristik. Wir haben unsere Anforderungen und Ausschlusskriterien relativ akkurat auf unserer Website aufgelistet, da hält sich erstaunlicherweise kein Mensch dran, was die Arbeit nicht erleichtert. Wir schauen uns alles an, alles wird geprüft. Der Anspruch ist, das innerhalb von zwei Monaten zu tun, das schaffen wir in der Regel auch. Ausschlusskriterien wären zum Beispiel, dass wir im Moment keine Lyrik veröffentlichen, keine Memoiren oder Genre-Romane. Aus Verlagssicht ist es völlig unökonomisch und ineffizient, diese unverlangt eingesandten Manuskripte zu lesen. Die Arbeit, die das macht, rechtfertigt in keinster Weise den Umstand, dass man irgendwann mal, als flankierende Story zu einer Neuerscheinung, erzählen kann, dass der Verlag ein unverlangt eingesandtes Manuskript ganz groß gemacht hat. Das kommt kaum vor. Man prüft es trotzdem, und es ist manchmal nicht ganz klar, warum. Wir können nicht zu jedem Projekt, das eingesandt wird, persönlich Stellung beziehen, was oft zu gewissen Aversionen auf Seiten derer, die diese Texte eingesandt haben, führt. Empfehlungen von anderen Autoren, das kommt immer mal vor. Autoren sind starke Referenzen, die wir sehr ernst nehmen. Aber ich glaube, am wichtigsten für uns, auch, was deutschsprachige Literatur anbelangt, sind in der Tat Literaturagenturen, die sich in den letzten zehn bis fünfzehn Jahren flächendeckend etabliert haben – eine Entwicklung, die ich sehr begrüße, weil sie eine Art Vor-Filterfunktion haben. Bei Texten, die von literarischen Agenturen kommen, kann man in der Regel davon ausgehen, dass sie plausibel sind, dass sich die Zeit lohnt, sie zu prüfen. Zu guter Letzt hilft es natürlich auch, das Verhältnis zwischen dem Autor und dem Verlag zu versachlichen. Ich möchte nicht ein halbes Jahr lang mit Autoren über Geld verhandeln in dem gemeinsamen Gefühl, dass jeder zu kurz gekommen ist, um dann mit einem Ressentiment an einem Text arbeiten zu müssen.<br /><br /><strong>Kann man als Agent da überhaupt so viel machen, in der Regel handelt es sich ja um Standardverträge. Man kann die Staffel ein bisschen ändern, hier und da ein kleines Prozent herausschlagen ...</strong><br />Beim Garantiehonorar hat man schon viel Spielraum, aber es geht da ja nicht nur um so ein bisschen Geld und um gewisse Nachverhandlungen bei den Staffelhonoraren, sondern es geht auch um Platzierungsfragen, also wo im Programm der Titel steht. Ist das ein Spitzentitel, auf den dann wesentliche Ressourcen, Marketing, Presse usw. fokussiert werden, oder ist es ein Titel, der eher weiter hinten steht, bei dem der Verlag hofft, dass er sich aus sich selbst heraus behaupten wird.<br /><br /><strong>Wie verändert sich der Buchmarkt in letzter Zeit? Man hört immer wieder, dass der Mittelbau wegbricht, dass die Auflagen entweder sehr klein oder sehr groß sind.</strong><br />Auf die Branche bezogen, ja, bei uns nicht. Wir haben erfreulicherweise Ausreißer nach oben, wir haben ein relativ starkes Mittelfeld und wir haben ein paar Bücher mit kleinerer Auflage. Aber das ist tatsächlich wider den Branchentrend, denn wie sich im Handel, aber auch in der Struktur, in der Programm- und Auflagenpolitik der Verlage zeigt, gibt es zwei Tendenzen: Zum einen eine Konzentrationsbewegung. Die Großen werden größer, und die Verlage sind in einem aberwitzigen Ausmaß vom Gelingen eines einzelnen Buches abhängig. Aber wenn so ein Erfolg zwei Jahre ausbleibt, hat man ein Riesenproblem, weil man so sehr auf solche Mischkalkulationen oder Quersubventionen angewiesen ist, dass ein Buch sehr erfolgreich muss. Die zweite Entwicklung, die in Deutschland politisch durch den besonderen Mehrwertsteuersatz&nbsp; und die Buchpreisbindung gewollt ist, liegt darin, dass wir eine agile und intakte Kleinverlagsszene haben. Das sind natürlich oft Menschen, die unter Selbstausbeutungsverhältnissen arbeiten, aber die halten sich über Wasser, und die bereichern mit ihren schlanken Apparaten und ihren kleinen Auflagen den Buchmarkt.<br /><br /><strong>Wie läuft denn konkret der Prozess ab – angenommen du entdeckst ein Manuskript – was passiert dann?</strong><br />Es gibt eine Lektoratskonferenz, die findet institutionalisiert einmal wöchentlich statt, wir sind ja ein relativ kleiner Laden und wir mögen uns auch alle privat gern und sitzen eigentlich ständig beisammen und reden über Bücher. Manchmal kommt es mir wie ein etwas obszönes Glück vor, dass ich dafür bezahlt werde, mit anderen Leuten ganz emphatisch über unsere Leidenschaft zu reden. Das ist eigentlich überhaupt nicht verständlich für mich als Protestant, dass ich dafür auch noch Geld bekomme. (lacht) Wir sind eineinhalb Lektoren und zwei verlegerische Geschäftsführer, und mindestens zwei von uns Vieren müssen ein Buch gelesen und sich in begeisterter Form dazu geäußert haben. Das ist eine erste Hürde. Wir reden dann direkt mit dem Vertrieb und versuchen zusammen zu ermitteln, was das für ein kommerzielles Potential hat. Dann wird das durchgerechnet, wir erstellen eine Kalkulation, das ist ein relativ komplexes Gebilde, denn so ein Verlag hat ja nichts anderes als Bücher, die er verkauft. Es gibt eine ganze Reihe von Büchern, bei denen von vorn herein klar ist, die können die Gewinnschwelle niemals erreichen. Das sind tolle literarische Bücher, aber die sind apriorisch zu einer gewissen Erfolglosigkeit verurteilt, aber – aus Gründen die ökonomisch auch nicht vertretbar sind – wir hängen dran, und es ist vielleicht auch Teil des Programmprofils, der Markenführung. In der Regel aber will man schon einen prognostischen Wert: Was wird das Buch erlösen?<br /><br /><strong>Gibt es Themen, die momentan in der Belletristik „in“ sind oder es zu werden versprechen? <br /></strong>Wenn du sie kennst, sag mir Bescheid, das wüsste ich auch gern (lacht). Ich habe den Eindruck, es gibt immer Mikrotrends. Jemand landet einen großen Erfolg, und dann gibt es einen Nachahmungseffekt. Henning Mankell zum Beispiel, der lag irgendwie rum, keiner wusste was mit dem anzufangen, und dann hat sich eine Hanser-Lektorin gegen sehr viele Widerstände im eigenen Haus durchgesetzt, und wider Erwarten wurde das ein sehr, sehr großer Erfolg. Mankell hat dann eine Schleuse geöffnet, was dazu führt, dass man, wenn man heute als Vertreter unterwegs ist und das Wort „skandinavischer Krimi“ in den Mund nimmt, ozeanische Gefühle, umfänglich positive Assoziationen beim Buchhändler erntet. Ich glaube tatsächlich, Krimis aus nordischen Ländern sind fortgesetzt sehr gefragt. Kehlmann hat einen Erfolg gehabt mit „Die Vermessung der Welt“, dann schien plötzlich dieses inkriminierte Genre von historischen Romanen rehabilitiert. Charlotte Roche hat einen großen Erfolg gehabt mit „Feuchtgebiete“, dann gab es sehr exzessiv-extrovertierte Literatur von jungen Frauen. Ich wäre aber jetzt nicht in der Lage, punktgenau zu sagen, was gerade in ist. Das ist ja der Reiz und der Fluch an der ganzen Sache, dass wir es erst hinterher wissen. Oft redet man aber auch über feuilletonistische Konjunkturen. Wenn die drei Romane zu einem Thema sehen, dann stehen die gleich symptomatisch für die Lage, dann hat der Artikel eine andere Relevanz als die Besprechung eines Einzelvorkommens.<br /><br /><strong>Wie sollte die Ansprache eines Autors aussehen, um einen Verlag zu finden. Gibt es Do’s and Dont’s?<br /></strong>Es ist, wie gesagt, schon sehr viel geholfen, wenn das, was als Vorgabe oder als Wunsch auf der Website steht, beherzigt wird. Ich glaube nicht nur, dass das uns viel Arbeit erspart, sondern den Autorinnen und Autoren auch viel unnötige Hoffnung und womöglich Frustration. Also: sehr genau gucken, wo man etwas hinschickt. Die Programmvorschauen der Verlage findet man auf jeder Website als PDF. Ansonsten lebt das Ganze von einem stimmigen Exposé und einem aussagekräftigen Textauszug. Das Entscheidende ist wirklich die Evidenz des Textes. Ich bin überdies sehr dankbar, wenn Aspiranten mit ihrer Selbstbeschreibung nicht so sehr über die Stränge schlagen. Das hat man ja manchmal, dass da 15 joviale Seiten kommen voller Selbstironie und Seitenhiebe und Häme – durchaus brillant, aber das nervt. Und man will auch keine Kritik der Branchengepflogenheiten und der Marktförmigkeit von Literatur. Das weiß man alles selbst, das muss man nicht noch einmal lesen. Kurz und prägnant und mit einer guten Textprobe, das ist der Königsweg.</p> <p><img title="a/bildmaterial/blog/Klett-Cotta7 kl.jpg" src="http://www.text-manufaktur.de/a/bildmaterial/blog/Klett-Cotta7 kl.jpg" alt="a/bildmaterial/blog/Klett-Cotta7 kl.jpg" width="450" height="342" /></p>]]></description><link>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-280710-wie-man-einen-verlag-findet-zum-beispiel-klett-cotta.html</link><pubDate>Wed, 28 Jul 2010 18:00:00 +0200</pubDate><guid>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-280710-wie-man-einen-verlag-findet-zum-beispiel-klett-cotta.html</guid></item><item><title>19.07.10/  Junge Verlagsmenschen in Leipzig</title><description><![CDATA[<p>Zum 2. Jahrestreffen der Jungen Verlagsmenschen pilgerten etwa 100 Leute aus dem deutschsprachigen Verlagswesen nach Leipzig. Es war ein warmes, intensives Wochenende mit vielen Gesprächen, gutem Essen und einer dicken Party am Abend:</p> <p><a href="http://jungeverlagsmenschen.boersenblatt.net/390072/">http://jungeverlagsmenschen.boersenblatt.net/390072/</a></p> <p> <a type="box_count" name="fb_share" href="http://www.facebook.com/sharer.php">Teilen</a> </p>]]></description><link>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-190710-junge-verlagsmenschen-in-leipzig.html</link><pubDate>Mon, 19 Jul 2010 18:00:00 +0200</pubDate><guid>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-190710-junge-verlagsmenschen-in-leipzig.html</guid></item><item><title>29.06.10/  Ein zweiter Hilbig</title><description><![CDATA[<p><br />Ein langgstreckter Bergsee, eine mittelgroße Stadt, ringsherum die Alpen – Klagenfurt in Kärnten: Urlaubsregion Nummer 1 in Österreich, Heile-Welt-Feeling ist hier wichtig. In dieser Stadt findet man auf Schritt und Tritt ungewollt ironische Verweise auf die eigene Provinzialität: „Minimundus. Die kleine Welt am Wörthersee“ heißt ein Areal, in dem man die großen Bauwerke der Menschheitsgeschichte (Eiffelturm, Taj Mahal, Neuschwanstein) im Maßstab 1:100 nachgebaut hat. Man wirbt für die Tour „Nostalgie Special 2010“ mit den Worten: „Dreh die Zeit zurück“. Der Bürgermeister ist der ehemalige Tennislehrer von Jörg Haider, liest nach eigenen Aussagen bis auf das „Klagenfurter Budget“ kaum Bücher und am Wörthersee werden die begrenzten Motorbootlizenzen für eine halbe Million Euro verkauft. Das ist die „kleine Welt“ am Wörthersee, in die jedes Jahr aufs Neue die Elite des deutschsprachigen Literaturbetriebs einfällt – leicht zu erkennen an den KTM-Leihrädern, der Grüppchenbildung und der exaltieren Kleidung.</p> <p>Am Abend trifft man sich im Augustin&nbsp; bei „Petersilerdäpfel“ und Wiener Schnitzel, flach und knittrig wie ein in Wachs gefallenes und anschließend getrocknetes Geschirrtuch. Als ich die Gaststube am ersten Abend betrete, sitzt da schon der halbe Betrieb. Es gebe kein anderes vernünftiges Restaurant, man habe lange gesucht. <br />Dann der „Bewerb“, wie der Wettbewerb hier heißt: Die Diskussionen der Jury, anfangs scharfsinnig, später grantig, sind der durchaus vitalere Teil gegenüber den Texten. Besser als Christoph Schröder von der Zeit kann man es kaum sagen: „Die Jury ist, mit Ausnahme ihres Neuzuganges, ebenso disponiert wie im vergangenen Jahr, daran ändert auch der Fernseheindruck nichts: Frau Fleischanderl ist dauerschlechtgelaunt, Herr Sulzer dauerratlos, Herr Spinnen dauereloquent und Frau Keller dauerfreundlich. Doch, einen Unterschied gibt es: die Moderatorin Clarissa Stadler, die 2009 offenbar engagiert wurde, um unentwegt dazwischenzuquatschen, hält auf wundersame Weise fast durchgehend den Mund.“<br /><br />Wawerzinek, eine Art zweiter Hilbig, liest mit zittriger, gebrochener Stimme, und doch aus einer großen inneren Tiefe heraus, die auf Anhieb berührt. Hier ist nichts gekünstelt, wie bei Rossbacher, oder durch Schauspielunterricht aufgepimpt, hier findet jemand eine authentische Sprache für einen nach außen drängenden Stoff. Respekt! Aber da sind auch die vielen schlechten Texte, die man, eingepfercht in einer engen Stuhlreihe, aushalten muss, bei denen man schon nach 2 Minuten merkt, dass sie unerträglich sind, die aber 35 Minuten andauern, quälend lange Halbestunden-Literatur.<br /><br />Nach den Lesungen: Man liegt auf dem weichen Golfrasen des Loretto-Bades am Wörthersee, käsig und in Badehose sind die Lektoren, Agenten, Kritiker und Autoren kaum mehr voneinander zu unterscheiden; die subtilen Hierarchien fallen von allen ab, man ist einfach nur noch Mensch, der sich nach einer Erfrischung sehnt. Auf dem Hotelhandtuch schläft man fast ein, im Dahindämmern lauscht man den Gesprächen, die sich immer um Literatur drehen („unfassbar schlechter Text, keine Sprache, keine Geschichte“), ich hole meinen Genazino raus und lese endlich mal wieder „richtige“ Literatur, jedenfalls keine, über die noch diskutiert werden müsste (wobei ich mich beim Lesen oft frage, wie wohl ein Ausschnitt aus dem Buch, gelesen von einem jungen Autor, bei der Jury ankäme, und ich habe die Befürchtung, dass er durchfallen würde). Gelegentlich springe ich ins glasklar-grüne Wasser des Wörthersees, unter mir huschen die Fische davon. Ich mache mir Sorgen um die Klagenfurter Jungs, die sich schnell nacheinander, wie Fallschirmjäger aus einem Flugzeug, vom Steg ins Wasser stürzen, Sorgen, dass einer von ihnen einem anderem ins Kreuz springt (literarischer Topos) und dieser querschnittsgelähmt zurückbleibt.<br /><br />Am Donnerstagabend „Geschlossene Gesellschaft“ auf Schloss Loretto. Gediegene Atmosphäre im Abendlicht, eine jener rätselhaften, gut gekleideten Gesellschaften, auf die man als Außenstehender halb skeptisch, halb neidisch blickt. Die gesamte Sippe (gut 100 Leute) wird mit Steaks und Aperol auf Kosten der Stadt bei Laune gehalten, denn eine günstigere und nachhaltigere PR bekommt man so schnell nicht wieder. („Und vergessen Sie dabei nicht, meine sehr verehrten Damen und Herren, die Schönheit unserer Stadt zu genießen und über sie zu berichten.“). Die Sonne geht unter über dem Wörthersee, die Jazzband hört auf zu spielen, man befruchtet sich gegenseitig bei Insidergesprächen, schwärmt von Grüppchen zu Grüppchen, und so entsteht etwas wie eine diskursive Massendiagnose des Wettbewerbs und der gegenwärtigen Situation auf dem deutschsprachigen Literaturmarkt („So schnell wird das Buch nicht ersetzt. Was, wenn mir ein iPad am Strand in den Sand fällt?“). Interessant wird es nur bei strittigen Texten oder Juryurteilen, man passt sich jeder Diskussion an – vertritt nicht selten das Gegenteil jener These, die man eben noch bestätigt hat, und tritt ein in den großen Relativismus, der da heißt: Literaturkritik.<br /><br />Und am Ende? Die meisten reisen bereits Samstag ab, jene, die den Flieger nach Berlin am Sonntag Mittag gebucht haben (die Hälfte aller, die hier sind), ärgern sich, da sie nicht einmal mehr die Preisverleihung mitbekommen, und wünschen sich, dass der Flug beim nächsten Mal bitte darauf abgestimmt wird. Die Preisverleihung im Fernsehen wirkt wesentlich peinlicher als die Live-Beobachtung vermuten ließ: Die Moderatorin verhaspelt sich permanent, der Sieger steht schlecht beleuchtet und stammelnd zwischen zwei Kärntner Lokalgrößen (ein Berliner Bohemien und die Klagenfurter Bürgermeister – weiter auseinander können Welten kaum liegen), der Kelag-Chef konstatiert, dass „die Literatur keine Frauenquote braucht, im Gegensatz zur Wirtschaft“ und der Blumenstrauß, den Spinnen am Ende in Händen hält, ist nicht für die erwartungsfroh neben ihm stehende ORF-Moderatorin, sondern die Organisatorin Michaela Mondschein. Einmal mehr: Ostdeutsche Themen und Autoren dominieren bei den Siegern, von hier, aus den Tiefen der 70er Jahre der DDR-Provinz, scheint derzeit eine wesentliche Strömung der deutschsprachigen Literatur zu kommen: Authentizität gewinnt vor Inszenierung.<br /><br />Trotz allem oder gerade wegen der kleineren Schwächen waren die Tage in Klagenfurt zauberhaft und man verlässt die Stadt mit Wehmut. Makellosigkeit hat, wie Burkhard Spinnen in seiner scharfsichtigen Art festgestellt hat, immer zwei Seiten: eine faszinierende und eine herzlose. Wir wollen gar keinen makellosen Bachmannpreis. Und deswegen werden natürlich alle wiederkommen, vermutlich weniger wegen der Texte, oder der Autoren als wegen der guten Stimmung am See, um teilzuhaben am Diskurs über Gegenwartsliteratur, und nicht zuletzt, um am Nachmittag ins klare Wasser des Wörthersees zu schwimmen. In Berlin würde sich das kleine Grüppchen doch nur verlaufen. Hier kann man sich gar nicht aus dem Weg gehen. Hierin liegt der eigentliche Zauber dieser Veranstaltung.<br /><br />Ach – und der Fußball. Er war überall präsent, sei es bei der Eröffnungsrede, von der sich eine Gruppe in den ORF-Sozialraum absetzt, um das Deutschlandspiel zu sehen, sei es auf der Großleinwand (Plastikbecher und Proleten), oder auf kleinen Fernsehern beim Eiscafé. Italien 2:3 gegen die Slowakei, einer der Favoriten Gruppenletzter. Dutzende Kommentare von den zu Hause gebliebenen "besseren Trainern". Man hört Jammern und Feixen und denkt: Was würden wir bloß mit uns anfangen, wenn es nichts zu kritisieren gäbe.</p> <p>&nbsp;</p> <p><img title="a/bildmaterial/blog/klagenfurt 01.jpg" src="http://www.text-manufaktur.de/a/bildmaterial/blog/klagenfurt 01.jpg" alt="a/bildmaterial/blog/klagenfurt 01.jpg" width="450" height="299" /></p> <p>On the road: Mit dem ÖBB-Bus von Venedig nach Klagenfurt.</p> <p>&nbsp;</p> <p><img title="a/bildmaterial/blog/klagenfurt 02.jpg" src="http://www.text-manufaktur.de/a/bildmaterial/blog/klagenfurt 02.jpg" alt="a/bildmaterial/blog/klagenfurt 02.jpg" width="450" height="299" /></p> <p>Hier darf noch geraucht werden. Stillleben im Hotel "Blumenstöckl".</p> <p>&nbsp;</p> <p><img title="a/bildmaterial/blog/klagenfurt 03.jpg" src="http://www.text-manufaktur.de/a/bildmaterial/blog/klagenfurt 03.jpg" alt="a/bildmaterial/blog/klagenfurt 03.jpg" width="450" height="299" /></p> <p>Sieht in echt genauso aus wie im Fernsehen: die Kritikerrunde.</p> <p>&nbsp;</p> <p><img title="a/bildmaterial/blog/klagenfurt 04.jpg" src="http://www.text-manufaktur.de/a/bildmaterial/blog/klagenfurt 04.jpg" alt="a/bildmaterial/blog/klagenfurt 04.jpg" width="450" height="286" /></p> <p>Zwischendrin beriuhigt Burkhard Spinnen das bisweilen aufgebrachte Publikum, das sich gern als 8. Jurystimme betätigte.</p> <p>&nbsp;</p> <p><img title="a/bildmaterial/blog/klagenfurt 06.jpg" src="http://www.text-manufaktur.de/a/bildmaterial/blog/klagenfurt 06.jpg" alt="a/bildmaterial/blog/klagenfurt 06.jpg" width="450" height="299" /></p> <p>Im Publikum: Agenten, Lektoren, Journalisten.</p> <p>&nbsp;</p> <p><img title="a/bildmaterial/blog/klagenfurt 05.jpg" src="http://www.text-manufaktur.de/a/bildmaterial/blog/klagenfurt 05.jpg" alt="a/bildmaterial/blog/klagenfurt 05.jpg" width="450" height="338" /></p> <p>Sonnenuntergang am Wörthersee.</p> <p> <a type="icon_link" name="fb_share" href="http://www.facebook.com/sharer.php">Teilen</a> </p>]]></description><link>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-290610-ein-zweiter-hilbig.html</link><pubDate>Tue, 29 Jun 2010 18:00:00 +0200</pubDate><guid>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-290610-ein-zweiter-hilbig.html</guid></item><item><title>27.06.10/  Textmanufaktur goes Venedig</title><description><![CDATA[<p><br />Würde jedes fotografische Abbild, das von einer Sache gemacht wird, die Sache abnutzen, stünde Venedig wohl längst nicht mehr. Es wäre wegfotografiert. Mit ca. 15 Millionen Touristen jährlich ist Venedig nach Las Vegas und Paris eine der meistbesuchten Städte der Welt. Trotzdem behält diese Stadt ihren Charme, ja ihre Intimität. Wenn nur das Wasser nicht so bedrohlich hoch steigen würde. Im folgenden ein paar Impressionen und Bilder:</p> <p>- einen starken Espresso und ein Schokocroissant um 6:38 Uhr nach einer kurzen Nacht im Schlafwagen<br />- ein Vormittag am Lido, dem Strand Venedigs, Rentner bücken sich nach Muscheln, das Meer liegt still. Es ist warm, als ich eintauche.<br />- Einsiedlerkrebse mit schwerem Gepäck<br />- die dicken, bräsigen Vaporetti, die kaum Wellengang erzeugen, wenn sie durch die Kanäle schippern, und die mit Schwung und exakter Verzögerung an den schwimmenden Pontons anlegen (Schreiben auf schwankendem Grund)<br />- das lustige Englisch der Durchsagen („Nexte Stoppe Lido“)<br />- Venedig im Regen, schweres Unwetter über der Stadt, überschwemmte Bürgersteige, Straßenhändler verkaufen Regenschirme statt Sonnenbrillen<br />- frustrierte Tagestouristen von den haushohen Kreuzfahrtschiffen, die in durchsichtigen Regenmänteln durch die Gassen staksen<br />- Aqua alta (Hochwasser), unruhiges Meer<br />- ein Ausflug mit dem Boot von Christian Döring in die Lagune, hoher Wellengang, durchnässtes T-Shirt, anschließend das Boot mit einem Wasserstrahl säubern und in ein überdimensionales Ikea-Regal einparken<br />- Marienstatuen unter kleinen Holzdächern an den Pflöcken der Lagune („Das sind unsere ‚Straßenkreuze’“)<br />- die besten Spaghetti Pesto meines Lebens<br />- Italienerinnen am Samstagmorgen beim Obst- und Gemüseeinkauf (Vorher eine Nummer von der Rolle abreißen)<br />- dicke, reife Kirschen, Aprikosen, sizilianische Trauben<br />- intensive Gespräche über Texte<br />- poetische Lesung zum Abschluss im neu gestalteten Garten<br />- das goldene Licht auf den Palazzi Venedigs am Abend<br />- freuen auf das nächste Mal in gut einem Jahr</p> <p>&nbsp;</p> <p><img title="a/bildmaterial/blog/venedig01.jpg" src="http://www.text-manufaktur.de/a/bildmaterial/blog/venedig01.jpg" alt="a/bildmaterial/blog/venedig01.jpg" width="450" height="299" /></p> <p>Strand am Lido, Venedigs langgestreckter, vorgelagerter Insel.</p> <p>&nbsp;</p> <p><img title="a/bildmaterial/blog/venedig02.jpg" src="http://www.text-manufaktur.de/a/bildmaterial/blog/venedig02.jpg" alt="a/bildmaterial/blog/venedig02.jpg" /></p> <p>Mit dem Boot in die Lagune ...</p> <p>&nbsp;</p> <p><img title="a/bildmaterial/blog/venedig03.jpg" src="http://www.text-manufaktur.de/a/bildmaterial/blog/venedig03.jpg" alt="a/bildmaterial/blog/venedig03.jpg" /></p> <p>... am Steuer Käptn Döring.</p> <p>&nbsp;</p> <p><img title="a/bildmaterial/blog/venedig04.jpg" src="http://www.text-manufaktur.de/a/bildmaterial/blog/venedig04.jpg" alt="a/bildmaterial/blog/venedig04.jpg" /></p> <p>Und anschließend säubern und einparken.</p> <p>&nbsp;</p> <p><img title="a/bildmaterial/blog/venedig05.jpg" src="http://www.text-manufaktur.de/a/bildmaterial/blog/venedig05.jpg" alt="a/bildmaterial/blog/venedig05.jpg" width="450" height="299" /></p> <p>Ein Unwetter zieht herauf ...</p> <p>&nbsp;</p> <p><img title="a/bildmaterial/blog/venedig06.jpg" src="http://www.text-manufaktur.de/a/bildmaterial/blog/venedig06.jpg" alt="a/bildmaterial/blog/venedig06.jpg" /></p> <p>... und setzt die halbe Stadt unter Wasser.</p> <p>&nbsp;</p> <p><img title="a/bildmaterial/blog/venedig07.jpg" src="http://www.text-manufaktur.de/a/bildmaterial/blog/venedig07.jpg" alt="a/bildmaterial/blog/venedig07.jpg" width="450" height="299" /></p> <p>Blick von der Galerie auf die Runde.</p> <p>&nbsp;</p> <p><img title="a/bildmaterial/blog/venedig08.jpg" src="http://www.text-manufaktur.de/a/bildmaterial/blog/venedig08.jpg" alt="a/bildmaterial/blog/venedig08.jpg" /></p> <p>Klassisches Venedig.</p> <p>&nbsp;</p> <p><img title="a/bildmaterial/blog/venedig09.jpg" src="http://www.text-manufaktur.de/a/bildmaterial/blog/venedig09.jpg" alt="a/bildmaterial/blog/venedig09.jpg" /></p> <p>Zum Abschluss gemeinsames Textelesen im neu erschaffenen Garten.</p>]]></description><link>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-270610-textmanufaktur-goes-venedig.html</link><pubDate>Sun, 27 Jun 2010 18:00:00 +0200</pubDate><guid>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-270610-textmanufaktur-goes-venedig.html</guid></item><item><title>15.06.10/  Vom Pixibuch zur Spiegel-Bestsellerliste</title><description><![CDATA[<p><br />Es war ein herrlich sonnenreiches Juni-Wochenende an einem traditionsreichen Ort beim Seminar „Geschichte(n) erzählen“ in Zürich. Die Bibliothek der James Joyce Foundation atmet große Vergangenheit – mehrmals pro Monat liest man hier gemeinsam in den Texten des irischen Dichters, der 1941 in Zürich gestorben ist. Am Samstagabend, nach dem intensiven Gespräch über die Texte der Teilnehmer: ein Spaziergang zum Zürisee, ein Glas Wein und ein Bummel vorbei an reichlich ausgestatteten Juwelierläden à la Bulgari und Prada. Zürich ist – trotz Bankenkrise – immer noch eine Stadt des Geldes, das spürt man auf Schritt und Tritt. Aber auch eine Stadt der Musik, mit ungeheuer viel Charme und Internationalität. Seit 1992 lebt hier die gebürtige Norddeutsche Sabine Dörlemann. Nach Stationen bei Haffmanns und Amman hat sie 2003 ihren eigenen Verlag gegründet, der stark auf Geschichten aus dem 20. Jahrhundert setzt. „Ich finde es besser, einen hervorragenden alten Text zu verlegen, als einen mittelmäßigen neuen“, sagt die Verlegerin.<br /><br /><strong><img title="a/bildmaterial/blog/Zuerich 06.jpg" src="http://www.text-manufaktur.de/a/bildmaterial/blog/Zuerich 06.jpg" alt="a/bildmaterial/blog/Zuerich 06.jpg" width="550" height="366" /></strong></p> <p>Beim gemeinsamen Abendessen: Sabine Dörlemann</p> <p><strong><br /></strong></p> <p><strong>Sie sind Verlegerin, haben aber auch lange Zeit als Lektorin gearbeitet. Wie verlief Ihr Weg zum eigenen Verlag?</strong><br />Ich habe Anglistik, Politik und Philosophie studiert und war als Schülerin lange in Amerika. Deshalb habe ich auch eine große Vorliebe für englischsprachige Literatur, was sich in meinem Verlagsprogramm ausdrückt und in meiner Vorliebe für Texte, die plot-driven sind. Ich lege großen Wert auf die Qualität der Sprache, aber ein Text sollte eine Spannung aufbauen – auch das Kreisen einer Fliege über dem Glas kann spannend erzählt werden. Ich habe dann in einem Volontariat bei Carlsen in Hamburg erste Verlagserfahrung gesammelt, lange bevor der Verlag der Harry-Potter-Verlag wurde. Dort habe ich eine Zeitlang Pixibriefe geschrieben (lacht). 1992 bin ich dann nach Zürich gekommen, habe anderthalb Jahre bei Haffmanns gearbeitet, anschließend sieben Jahre im Amman Verlag, der dieses Jahr leider seine Pforten schließen wird. 2003 habe ich mich selbstständig gemacht.<br /><br /><strong>Wie war der Start mit Ihrem Verlag?</strong><br />2003 ist das erste Programm erschienen, darunter auch ein kleiner Text in der Übersetzung von Swetlana Geier: Iwan Bunin: Ein unbekannter Freund. Und wie der Zufall es wollte, hat Frau Heidenreich damals gerade mit ihrer Sendung angefangen und zum Buchmesseschwerpunkt Russland den „Unbekannten Freund“ als allererstes präsentiert, was zur Folge hatte, dass der Titel auf Platz 13 der Spiegel-Bestsellerliste gelandet ist. Das ist natürlich ein Traumstart für einen Verleger. Hinterher ging es relativ schnell „back to normal“. Jetzt gibt es uns schon sieben Jahre. Aufgrund meines eigenen Schwerpunkts liebe ich englischsprachige Literatur, aber im Verlag findet sich Literatur aus aller Welt - relativ wenige deutschsprachige Autoren. Das heißt aber nicht, dass ich kein Interesse an deutschsprachiger Literatur habe, sondern eher, dass die Latte sehr hoch liegt. Wenn man den ganzen Tag Weltautoren liest und neu übersetzt, dann ist es&nbsp; natürlich schwierig, daneben für einen Erstling zu bestehen.</p> <p><img title="a/bildmaterial/blog/Zuerich 02.jpg" src="http://www.text-manufaktur.de/a/bildmaterial/blog/Zuerich 02.jpg" alt="a/bildmaterial/blog/Zuerich 02.jpg" width="550" height="366" /></p> <p>"Würstli im Schelleli" - die Schweizer und ihr Hang zur Verniedlichungsform.</p> <p>&nbsp;</p> <p><strong>Wie kommen die Manuskripte in den Dörlemann Verlag? Suchen Sie selbst, bekommen Sie Manuskripte zugeschickt?</strong><br />Wir bekommen etwa zwei Manuskripte pro Tag, also etwa 50 pro Monat. Es beschleunigt sich in letzter Zeit immer mehr, so mein Gefühl, weil es immer einfacher wird, Manuskripte oder Exposés zuzusenden. Was ich jedem raten kann, ist, sich rechtzeitig mit anderen Autoren auszutauschen, denn es kann von Verlagen nicht mehr geleistet werden, fundiertes Feedback zu geben. Aber wir prüfen jedes Manuskript, wobei sicher nicht alles zu Ende gelesen wird. Ein Kollege von mir sagt immer: Man muss das Ei nicht aufessen, um zu sehen, dass es faul ist.<br /><br /><strong>Wie sollte die Bewerbung aussehen? Anschreiben, Exposé, Textauszug?</strong><br />Im Anschreiben etwas zur Person, wer bin ich, was mache ich, warum schreibe ich gerade an diesen Verlag, wobei ich keine Elogen auf den Verlag hören möchte, sondern einfach sehen möchte, dass der Autor die Programmstruktur und -ausrichtung verstanden hat. Ein Exposé ist sehr hilfreich, damit man sieht, wohin der Text geht; dann reichen mir zwanzig Seiten Textprobe, bei Interesse fordere ich den Rest des Manuskripts an.</p> <p><img title="a/bildmaterial/blog/Zuerich 05.jpg" src="http://www.text-manufaktur.de/a/bildmaterial/blog/Zuerich 05.jpg" alt="a/bildmaterial/blog/Zuerich 05.jpg" width="550" height="366" /></p> <p>Traditionsreicher Ort: Die Bibliothek der James Joyce Foundation</p> <p>&nbsp;</p> <p><strong>Was ist für Sie eine gute Geschichte?</strong><br />Eine gute Geschichte unterhält mich, rüttelt mich auf, berührt mich; ein Text muss mich mitnehmen, es muss mich reizen, ihn weiterzulesen. Es gibt natürlich für verschiedene Lebenssituationen verschiedene Texte. Wenn ich vor dreißig Jahren noch Joyce in die Ecke gefeuert hätte, dann ist das heute eine ganz andere Situation. Genauso kann es einem auch mit einfacheren Texten gehen, dass man nicht in der Stimmung ist, über den Tod zu lesen, wenn es einem gerade gut gehen, oder etwas zum Thema Kindstod, wenn man selbst gerade ein Kind verloren hat. Wobei man aber sagen muss, dass sich in Jurys meistens alle sehr schnell einig sind über die Qualität von Texten. Selbst wenn einen ein Thema nicht reizt, kann es gut umgesetzt sein.</p> <p><img title="a/bildmaterial/blog/Zuerich 01.jpg" src="http://www.text-manufaktur.de/a/bildmaterial/blog/Zuerich 01.jpg" alt="a/bildmaterial/blog/Zuerich 01.jpg" width="550" height="366" /></p> <p>Der Zürisee bei hereinbrechender Nacht</p>]]></description><link>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-150610-vom-pixibuch-zur-spiegelbestsellerliste.html</link><pubDate>Tue, 15 Jun 2010 18:00:00 +0200</pubDate><guid>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-150610-vom-pixibuch-zur-spiegelbestsellerliste.html</guid></item><item><title>14.06.10/  Neue Autoren auf der Homepage</title><description><![CDATA[<p><strong>Harald Paul</strong>, Jahrgang 1966, Physiotherapeut und  Diplom-Medizinpädagoge, Tai-Chi- und Qigong-Lehrer, lebt in Kloster  Lehnin und arbeitet als Dozent für Anatomie, Sozialwissenschaften,  Allgemeine Krankheitslehre und Pädiatrie an der Schule für  Physiotherapie Prof. Dr. Vogler, Berlin. 2008 MA im Studiengang  Kreatives und Biografisches Schreiben, Alice-Salomon-Hochschule Berlin.<br /><a href="http://www.text-manufaktur.de/harald-paul.html">http://www.text-manufaktur.de/harald-paul.html</a></p> <p>&nbsp;</p> <p><strong>Ruth Loosli</strong>, geboren 1959 in Aarberg/ Seeland, Schweiz,  lebt in Winterthur. Ausbildung zur Primarlehrerin. Sie ist Mutter von  drei erwachsenen Kindern. Veröffentlichung in Anthologien und  Literaturzeitschriften (z.B. in "Entwürfe" und der Poesieagenda "Orte",  "ausserdem", München). Im Juni 2009 erschien ihr Gedichtband "Aber die  Häuser stehen noch"<br /><a href="http://www.text-manufaktur.de/ruth-loosli.html">http://www.text-manufaktur.de/ruth-loosli.html</a></p> <p>&nbsp;</p> <p><strong>Simone Regina Adams,</strong> geboren 1967 im Saarland,  arbeitete über fünfzehn Jahre als Lehrbeauftragte sowie als  Psychotherapeutin in eigener Praxis in Freiburg im Breisgau und in der  Schweiz. Für den Debütroman "Nashornvögel"&nbsp;(2009 erschienen) und für den  Folgeroman erhielt sie Stipendien des Förderkreises deutscher  Schriftsteller in Baden-Württemberg.&nbsp;Inzwischen arbeitet sie am dritten  Roman und studiert im Zweitstudium Kulturwissenschaften mit Schwerpunkt  Literaturwissenschaft.<br /><a href="http://www.text-manufaktur.de/simone-adams.html">http://www.text-manufaktur.de/simone-adams.html</a></p>]]></description><link>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-140610-neue-autoren-auf-der-homepage.html</link><pubDate>Mon, 14 Jun 2010 18:00:00 +0200</pubDate><guid>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-140610-neue-autoren-auf-der-homepage.html</guid></item><item><title>28.05.10/  Neues Handbuch für Autorinnen und Autoren</title><description><![CDATA[<p><img title="a/bildmaterial/blog/hb7_cover.jpg" src="http://www.text-manufaktur.de/a/bildmaterial/blog/hb7_cover.jpg" alt="a/bildmaterial/blog/hb7_cover.jpg" width="227" height="321" /></p> <p>Ein silbrig glänzender Klotz - auf den ersten Blick; beim Anheben liegt es dann erstaunlich leicht in der Hand. 700 Seiten voller Adressen und Informationen haben Sandra Uschtrin und Heribert Hinrichs für die 7. vollständig überarbeitete Auflage des Handbuchs für Autorinnen und Autoren zusammengetragen. Nichts weniger als das "Standardwerk" für deutschsprachige Autorinnen und Autoren möchte dieses Buch sein. Und in der Tat: Wer einen Einstieg in den Buchmarkt sucht, für den kann diese papierne Datenbank des Wissens eine Goldgrube sein. In 15 Kapiteln wird von Verlagsadressen, über Interviews, Exposés, Agenturen, Verträgen bis hin zu Marketingtipps so ziemlich alles geboten, was der deutschsprachige Schriftsteller braucht, um die Mechanismen des Literaturmarktes zu verstehen. Nun muss nur noch das Manuskript fertig werden!</p> <p>&nbsp;</p> <p>Sandra Uschtrin/Heribert Hinrichs (Hg.)<br />Handbuch für Autorinnen und Autoren<br />München 2010<br />ISBN: 978-3-932522-14-7<br />49,90 Euro<a onclick="window.open(this.href); return false;" href="http://www.uschtrin.de/handbuch.html"><br />http://www.uschtrin.de/handbuch.html</a></p> <p>&nbsp;</p>]]></description><link>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-280510-neues-handbuch-fuer-autorinnen-und-autoren.html</link><pubDate>Fri, 28 May 2010 18:00:00 +0200</pubDate><guid>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-280510-neues-handbuch-fuer-autorinnen-und-autoren.html</guid></item><item><title>21.05.10/  &quot;Mein Leben wird reicher durch das Schreiben&quot;</title><description><![CDATA[<p>Titus Müller und Kathrin Lange sind zwei professionelle Autoren, die sich vor allem im Bereich des historischen Romans einen Namen gemacht haben. Beide können längst vom Schreiben leben – und leben es mit Leidenschaft. Im Interview sprechen sie über neue Entwicklungen im Buchmarkt und den Ursprung ihrer Geschichten, darüber, ob das Internet unsere Lesegewohnheiten verändert und warum man sich ab und zu mal am Bahnhof eine amerikanische Angelzeitschrift kaufen sollte.</p> <p><br /><strong>Ihr schreibt beide historische Romane. Wo verortet ihr euch zwischen Markt und eigenen Bedürfnissen beim Schreiben?</strong></p> <p><em>Titus Müller</em>: Von der Vielzahl an Ideen, die ich habe – ich kann ja in meinem ganzen Leben nicht so viele Romane schreiben, wie ich gern würde – suche ich mir die aus, die auch Leser finden. Ich verarbeite Ideen, die mir zusagen, aber ich lasse manche Idee beiseite, bei der ich mir sage, die würde wahrscheinlich wenig Leser finden.<em></em></p> <p><em>Kathrin Lange</em>: Geht dir das nicht so, dass du sagst: Wenn du mal alt bist und viel Geld verdient hast, dann machst du mal ein Herzblut-Projekt?</p> <p><em>Titus Müller</em>: Ich habe eben fünf Herzblut-Ideen und suche mir davon die raus, die am meisten Leser findet. Ich fühle mich eigentlich frei, muss aber in meiner Freiheit auch darauf achten, dass der Kühlschrank voll bleibt.</p> <p><br /><strong>Muss es denn immer ein historischer Roman sein?</strong></p> <p><em>Kathrin Lange</em>: Ich arbeite an vielen Sachen. Im Moment sind es hauptsächlich historische Romane, aber ich schwenke gerade um auf Fantasy und möchte es in Zukunft gern zweigleisig laufen lassen, weil mir beides Spaß macht. Was die Herzblut-Projekte anbelangt: Das sind historische Stoffe oder Figuren, über die ich viel Wissen angesammelt habe, die aber kaum jemanden interessieren dürften (lacht). Die kann ich irgendwann einmal machen, wenn ich tatsächlich soviel Geld verdient habe, dass mir eine Auflage von 400 reicht (lacht).</p> <p><br /><strong>Klingt fast nach Sachbuch.</strong></p> <p><em>Kathrin Lange</em>: Das sind schon Romane, aber weit abseits vom klassischen Weg. Wenn ich über Luther schreibe, dann weiß der Verlag, dass er davon mindestens 10.000 Stück verkauft, wenn ich aber über Regiomontanus schreibe, dann muss ich das erst mal lange erklären.</p> <p><em>Titus Müller</em>: Wobei ich mal behaupten möchte, dass man für die meisten Themen den Zuckerwürfel findet, auf dem man die Medizin servieren kann. Wenn ein sperriges Thema genug Liebesgeschichte oder Drama enthält, dann kannst du das Thema auch mitverkaufen.</p> <p><em>Kathrin Lange</em>: Das ehrt dich, dass du das noch glaubst (lacht), ich bin damit zweimal gegen die Wand gefahren. Mein zweiter Roman war eigentlich ein Thriller, ein packender Thriller sogar, der ist gefloppt, weil es um Astronomie ging.</p> <p><br /><strong>Und reizt euch „richtige“ Literatur?</strong><br /><em></em></p> <p><em>Titus Müller</em>: Die Suhrkamp-Literatur reizt mich ehrlich gesagt nicht so. Mir geht es immer mehr um die Inhalte. Ich mag auch eine musikalische und genaue Sprache, aber die meiste Freude ziehe ich aus dem Thema, der Geschichte, die ich erzählen kann. Es ist also nicht so, dass ich mir die ganze Zeit sage: Eigentlich will ja ein Sprachornament abliefern.<br /><em></em></p> <p><em>Kathrin Lange</em>: Bei mir hängt es am Thema. Ich habe ein oder zwei Themen, die man in einem Unterhaltungsroman schlecht behandeln könnte, da würde ich gern einmal etwas Literarisches oder auch was Kürzeres draus machen. Die Frage stellt sich momentan aber nicht, weil ich zu viele andere Sachen machen möchte und auch machen muss, weil ich Verträge habe.<br /><strong><br /></strong></p> <p><strong>Ihr kennt beide den Buchmarkt schon etwas länger. Seht ihr eine Entwicklung über die letzten Jahr im Allgemeinen und in eurem Genre im Speziellen?</strong></p> <p><em>Titus Müller</em>: Der Buchhandel stürzt sich immer mehr auf die Spitzentitel; immer weniger Titel dominieren den Markt, und eine große Menge rutscht in die zweite oder dritte Reihe. Das ist ein bisschen beängstigend. In unserem Genre ist die erste Begeisterung à la „Es ist ein historischer Roman, es läuft garantiert“ abgeklungen, und nun orientieren sich die Verlage neu und schauen, welche Themen sie bringen können oder inwiefern sich der Roman von anderen abhebt. Die Goldgräberstimmung hat ein bisschen nachgelassen, wobei mir Buchhändler versichern, dass es schon seit Jahrzehnten so geht, dass es mal eine Goldgräberstimmung gibt, dann Desillusionierung, dann wieder Goldgräberstimmung und so weiter. Also das Genre wird sicher bestehen bleiben, positioniert sich aber gerade neu.</p> <p><em>Kathrin Lange</em>: Ich glaube auch, dass sich der historische Roman auf einer hohen Ebene konsolidiert. Was die allgemeine Entwicklung angeht, stimme ich dir zu, ich glaube allerdings, dass sich das über kurz oder lang mit dem E-Book-Markt wieder ändern wird, dann haben auch ungewöhnlichere Projekte größere Chancen in die Welt zu kommen ...</p> <p><em>Titus Müller</em>: Da bin ich mir nicht so sicher. Auch im Internet gibt es eine begrenzte Aufmerksamkeitsspanne und eine begrenzte Wahrnehmungsfläche. Es ist ja nicht so, dass man alles aus den Tiefen von Google ausgräbt, man schaut sich die ersten 10, 20 Einträge an und dann gibt man auf. Deswegen ist die oft beschworene Demokratie des Internets Augenwischerei. Auch hier werden nur die beliebten Titel massenhaft angeklickt.<br /><br /><strong></strong></p> <p><strong>Horst Bosetzky hat mal gesagt, er müsse nicht „schreiben bis zum Grab“. Wie ist das bei euch?</strong></p> <p><em>Kathrin Lange</em>: (lacht): Das ist eine schwierige Frage, die stelle ich mir selbst auch manchmal. Solange ich Lust auf Geschichten habe, werde ich auch weiter schreiben, mir Geschichten ausdenken und sie erzählen. Aber wenn ich merke, dass ich anfange, mich zu wiederholen, dass alles nur noch Abklatsch ist von etwas, das ich schon gemacht habe, dann könnte ich mir gut vorstellen, aufzuhören, dann gibt es diverse andere Dinge, die ich tun könnte. Aber das wäre ein schmerzhafter Schritt, und es sieht nicht so aus, als ob es in den nächsten 20 Jahren dazu kommen wird.</p> <p><em>Titus Müller</em>: Selbst wenn ich als alter Mensch keine Bücher mehr veröffentlichen sollte, würde ich mir trotzdem Notizen machen und Beobachtungen festhalten, um mich daran erinnern zu können oder die Dinge überhaupt erst mal zu begreifen. Das finde ich etwas ganz Wunderbares. Das richtige Wort zu suchen hilft ja oft zu verstehen, was man überhaupt für einen Sinneseindruck gehabt hat.<br /><br /><strong></strong></p> <p><strong>Woher holt ihr eure Geschichten? Ist das ein Fantasieren, das ihr euch aus der Kindheit hinübergerettet habt?</strong></p> <p><em>Kathrin Lange</em>: Viele fangen im Alter von 14, 15 an zu schreiben. Ich glaube, das liegt daran, dass man die Geschichten, die man als Kind im Kopf hat und spielt, sei es mit Playmobil oder Legofiguren, nicht mehr spielen mag, weil man sich für zu erwachsen hält. Ich kann mich an den einen Tag erinnern, wo ich gesagt habe: So, Playmobil ist jetzt gestrichen, und ich schreibe die Geschichten auf. Und die sind einfach irgendwann da. Das liegt daran, dass ich für viele Themen offen bin und alle Antennen auf Empfang gestellt habe. Ich fahre relativ viel Bahn, und ich gehe oft in die Bahnhofsbuchhandlung und kaufe mir ein komplett abwegiges Heft, über das Fliegenfischen in Minnesota zum Beispiel, und daraus hole ich mir dann Anregungen.<br /><br /><strong></strong></p> <p><strong>Wie stark ist der Eskapismus dabei? Gerade beim historischen Roman oder der Fantasy – das bedeutet ja immer auch Flucht in eine andere Welt.</strong></p> <p><em>Titus Müller</em>: Ich würde sagen, ich bin ein glücklicher Mensch, also hätte ich gar nicht so sehr Veranlassung zu fliehen. Ich denke eher, dass das Schreiben für mich einen stärkeren Genuss des Lebens bedeutet, weil es mich aufmerksamer macht. Ich kenne das Phänomen, dass ich wochenlang vor mich hinlebe und gar nicht merke, was um mich herum passiert, aber indem ich darüber schreibe, schärfe ich meine Wahrnehmung, meine Einsichten darüber, was das Leben bedeutet, worüber ich glücklich sein kann...<br /><em></em></p> <p><em>Kathrin Lange</em>: ... oje, reflektierst du viel (lacht).</p> <p><em>Titus Müller</em>: Es kann doch passieren, dass man von einem Spaziergang aus dem Wald nach Hause kommt und gar nichts gesehen hat. Wenn man aber genauer hinguckt, weil man gerade darüber schreibt, dann sieht man die Waldameisen oder hört den Vogel und kann ihn zuordnen – mein Leben wird reicher durch das Schreiben. Die Wahrnehmung wird geschärft.<br /><em></em></p> <p><em>Kathrin Lange</em>: Bei mir ist es umgekehrt, in Phasen, in denen ich intensiv schreibe, werde ich dumpf. Ich habe dann Scheuklappen auf und kann dann tatsächlich zwei Stunden mit meinem Hund spazieren gehen und weiß hinterher nicht, wo ich langgegangen bin, weil ich komplett im 15. Jahrhundert versunken bin.</p> <p><em>Titus Müller</em>: Aber wenn du zum Recherchieren in Frankreich bist, dann nimmst du die Gegend intensiv wahr.</p> <p><em>Kathrin Lange</em>: Das stimmt, aber das ist zeitlich gesehen der kleinere Teil. Ich würde dir insofern recht geben, dass es bereichert, weil ich als Autorin in der Lage bin, ganz verschiedene Leben zu leben. Ich kann mich dafür entscheiden, ab morgen Schwertkämpferin im 17. Jahrhundert zu sein. Nur in richtig heißen Phasen, wenn ich Abgabetermine habe, ertappe ich mich dabei, dass ich morgens aufstehe, mich hinsetze, schreibe, und abends ins Bett gehe, und da geht das Leben manchmal schon an einem vorbei. Aber das ist Gottseidank nur phasenweise.<br /><em></em></p> <p><em>Titus Müller</em>: Man kann das Schreiben als einen sehr kommunikativen Akt verstehen, auch wenn ich die Menschen vielleicht gerade nicht um mich herum habe. Ich präsentiere ihnen die Schätze, die ich gefunden habe, durch Beobachtung oder Recherche. Das ist ja eine Form der Kommunikation. Dadurch fühle ich mich dann nicht einsam oder vom Leben ausgeschlossen.<br /><br /><strong></strong></p> <p><strong>Euer Geheinrezept für andere Autoren?</strong><br /><em></em></p> <p><em>Kathrin Lange</em>: In Hinblick aufs Leben als Autor würde ich sagen: Egal was auch immer passiert mit deinen Büchern, versuche, dir die Freude am Schreiben zu erhalten. Und in Hinsicht auf das Veröffentlichen wäre mein Rat: hartnäckig bleiben. Wenn man nach der ersten Absage verzagt, wird man es nie zum Autor schaffen. Das setzt natürlich eine gewisse Professionalisierung voraus, die aber auch wiederum eine Hartnäckigkeit verlangt.<br /><em></em></p> <p><em>Titus Müller</em>: Mein Geheimrezept? Rohfassungen sind Mist. Und das ist eine Erleichterung. Das muss man sich selber immer wieder sagen, damit man überhaupt weiterschreibt. Und als zweites: Es ist wichtig, genau zu beobachten, das braucht man, um wieder etwas zum Schreiben zu haben. Sobald man die Augen zumacht und die Ohren taub werden, verhungert man innerlich.</p> <p><br /><img title="a/bildmaterial/blog/kathrin lange.jpg" src="http://www.text-manufaktur.de/a/bildmaterial/blog/kathrin lange.jpg" alt="a/bildmaterial/blog/kathrin lange.jpg" width="196" height="279" /></p> <p><br /><a href="http://www.titusmueller.de">www.titusmueller.de</a><br /><a href="http://www.kathrin-lange.de">www.kathrin-lange.de</a></p>]]></description><link>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-210510-mein-leben-wird-reicher-durch-das-schreiben.html</link><pubDate>Fri, 21 May 2010 18:00:00 +0200</pubDate><guid>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-210510-mein-leben-wird-reicher-durch-das-schreiben.html</guid><enclosure url="http://www.text-manufaktur.de/a/bildmaterial/blog/Foto-Mueller-1.jpg" length="67591" type="image/jpeg" /></item><item><title>27.04.10/  Es ist nicht der Anspruch des Lektorats, ein Buch zu ändern</title><description><![CDATA[<p><br />In hochherrschaftlichen Räumen in der Prinz-Eugen-Straße in Wien, direkt gegenüber dem Belvedere-Park, residiert seit 1925 der Zsolnay Verlag. Das erste Buch, das Paul Zsolnay 1924 verlegte, war Franz Werfels „Verdi. Roman der Oper“. Der Roman sollte sich bis 1930 über 200.000 mal verkaufen. Nach einer wechselvollen Geschichte unter verschiedenen Eigentümern gehört Zsolnay/Deuticke seit 1996 zum Hanser Verlag. Bestseller-Erfolge wie die Bücher von Henning Mankell oder Daniel Glattauer erlauben dem Verlag auch das Entdecken neuer Talente. Die Lektorin Bettina Wörgötter führt durch die hohen Altbauräume und erzählt aus der bewegten Verlagsgeschichte, deutet auf die wandhohen Schränke mit Manuskripteingangsbüchern, in denen seit 1924 jedes unverlangt eingesandte Manuskript penibel registriert wird. Zum Beispiel auch „Der Mann ohne Eigenschaften“. „Leider abgelehnt“, sagt sie lachend.<br /><br /><strong><img title="a/bildmaterial/blog/zsolnay 01 kl.jpg" src="http://www.text-manufaktur.de/a/bildmaterial/blog/zsolnay 01 kl.jpg" alt="a/bildmaterial/blog/zsolnay 01 kl.jpg" width="524" height="348" /><br /></strong></p> <p>Das Seminar "Manuskript trifft Verlag" im Wiener Zsolnay Verlag</p> <p>&nbsp;</p> <p><strong>Wie viel unverlangt eingesandte Manuskripte kommen hier täglich an?</strong><br />Der Zsolnay Verlag bekommt jährlich rund 1.000 unverlangt eingesandte Manuskripte. Etwa eines alles drei Jahre wird davon wirklich zu einem Buch. Aber wir schauen uns alles an und sagen alles persönlich ab. Das ist uns sehr wichtig. Natürlich kann es sein, dass uns mal etwas durch die Lappen geht, aber das ist die Ausnahme.<br /><br /><strong>Warum die Absagen?</strong><br />Viele haben einfach falsche Vorstellungen davon, wie ihr Titel im Buchmarkt positioniert sein könnte. Wir sind ein Publikumsverlag, das allermeiste passt bei uns gar nicht hinein. Jedes einzelne Verlagsprogramm ist sehr komplex gebaut, auch wenn man das auf den ersten Blick nicht erkennt. Für viele geht es auch nur darum, in einem namhaften Verlag verlegt zu sein, das kann ich verstehen, aber man übersieht, dass bestimmte Bücher in kleineren Verlagen viel besser aufgehoben sind und viel größere Erfolge werden könnten. Jeder Verlag hat sein spezifisches Netzwerk, seine Presse- oder Vertriebskontakte. Es würde keinen Sinn ergeben, dass wir ein Kochbuch verlegen, auch wenn es noch so gut ist.<br /><br /><strong>Wo liegen Ihre Programmschwerpunkte?</strong><br />Bei Zsolnay werden eher literarische Titel verlegt, bei Deuticke eher die Unterhaltung, obwohl es hier Überschneidungen gibt. Erfolgreiche Autoren wie Henning Mankell erlauben uns die klassische Mischkalkulation, das heißt, wir können uns auch der Aufgabe widmen, junge Talente insbesondere aus Österreich zu entdecken. Krimis sollten bei uns immer einen gesellschafts- oder kulturpolitischen Hintergrund haben, also keine reinen Who-dunnits sein.<br /><br /><strong>Ist es legitim, dass ein Autor sein Manuskript an mehrere Verlage schickt?</strong><br />Das ist durchaus üblich, es ist dann natürlich nur fair, wenn man einen Vertrag unterschrieben hat oder ein Angebot bekommt, das den anderen Verlagen mitzuteilen. Ich finde es durchaus legitim zu sagen: „Es gibt einen Verlag, der würde mein Buch machen, wollen Sie sich das noch anschauen oder nicht mehr?“ Das passiert mir immer wieder. Dann muss ich mich natürlich beeilen.<br /><strong><br />Kann man auch bluffen?</strong><br />(lacht) Man darf nicht unterschätzen, dass sich die Lektoren untereinander kennen, da muss man ein bisschen vorsichtig sein, weil es schon sein kann, dass man sich austauscht.<br /><br /><strong>Gibt es denn eine spezifische österreichische Literatur? Bestimmte Themen, Merkmale in Sprache und Stil?</strong><br />Das ist ein viel und oft diskutiertes Thema. Wahrscheinlich bildet sich die Umgebung immer ab. Es gibt sicher auch sächsische Literatur oder norddeutsche. Es gibt Themen und Traditionen, die sich nachverfolgen lassen, die einen beeinflussen, aber auch nicht beeinflussen müssen. Es gibt Bücher, die sind stärker hier verwurzelt, andere sind es weniger. Auch sprachlich kann man das nicht über einen Kamm scheren. Es gibt sehr viele Spezifika im österreichischen Deutsch, womit die Autoren sehr verschieden umgehen. Es gibt Autoren, die viel Wert darauf legen, dass das, was man gemeinhin als Austriazismen bezeichnet, möglichst weglektoriert wird, andere reagieren darauf allergisch. Ich bin ja eher eine Verfechterin dessen, dass man der Sprache anmerken darf, wo und wie sie entstanden ist.<br /><strong><br />Wie ist das Verhältnis von deutschem und österreichischem Markt?</strong><br />Auch hier gibt es beides. Die österreichische Literatur hatte ja gerade wieder einen Boom, viele Österreicher bekamen deutsche Literaturpreise. Wir kennen aber auch den anderen Fall, dass man es durchaus schwerer haben kann als Österreicher auf dem deutschen Markt. Ganz schwierig wird es für Sachbuchautoren, die sind faktisch chancenlos am deutschsprachigen Markt; da gibt es scheinbar den Generalverdacht bei den deutschen Journalisten, dass es um Österreich geht. Umgekehrt – nur wirkt sich das ökonomisch nicht so stark aus – gibt es deutsche Themen und Bücher, die in Österreich überhaupt nicht funktionieren. Doch auch Österreich kann ein wichtiger Markt sein. Bei den Krimis von Veit Heinichen, die in Triest spielen, ist der Österreich-Anteil gigantisch. Aber für uns ist es sehr wichtig, dass die Bücher am gesamten deutschsprachigen Markt funktionieren.<br /><br /><strong>Der Zsolnay Verlag hat eine Tradition der guten Autorenbetreuung. Paul Zsolnay setzte in den Anfangsjahren des Verlages neue Maßstäbe in der Autorenvergütung. Wie sieht das Autor-Lektor-Verhältnis heute aus?</strong><br />Bei den Verträgen gibt es heutzutage kaum Unterschiede zwischen den Verlagen. Das sind Standardverträge mit einem Honorar von um die zehn Prozent. Die Bandbreite bei der persönlichen Zusammenarbeit ist sehr groß. Manche Autoren sagen: Ja, streich mir bitte die Hälfte raus, bei anderen geht es nur um Kommafehler. Man kann da eigentlich nichts als Normafall bezeichnen. Ganz wichtig ist ein ganz starkes Vertrauensverhältnis, ohne dieses Vertrauen geht es auf keinen Fall. Man ist ja als Lektor immer weniger Experte für den Text als der Autor. Was ich sehr früh von erfahrenen Kollegen gelernt habe, ist, dass man als Lektor für alles, was man an einem Text kritisieren, anmerken, verändern will, ein sehr stichhaltiges und gutes Argument haben muss. Einfach nur „das gefällt mir nicht“ ist kein Argument. Wenn man nach diesem Prinzip vorgeht und sich selbst immer wieder kontrolliert, ist man auf dem richtigen Weg, und wenn man dann noch ein gutes Verhältnis zu den Autoren hat, kann eigentlich nicht mehr viel schiefgehen. Es kann natürlich passieren, dass man mit einem Text oder mit einem Autor überhaupt nicht zurecht kommt, dann kann man eigentlich nur sagen, das muss jemand anderes machen. Ansonsten habe ich noch nie erlebt, dass es zu größeren Verwerfungen gekommen ist. Es spricht ja nichts dagegen, dass man mal lang über einen Satz oder Absatz diskutiert, aber da findet man immer dann zu einer Lösung, wenn man sich ganz genau überlegt hat, ob man ein Argument hat. „Ich würde das anders schreiben“ reicht nicht. Man darf sich vom Lektorat auch keine Wunder versprechen und sollte auch keinen großen Mythos daraus machen. Es ist nicht der Anspruch des Lektorats, ein Buch völlig zu verändern, sondern in den meisten Fällen geht es sehr bald um Details und einzelne Formulierungen.</p> <p><img title="a/bildmaterial/blog/zsolnay 02 kl.jpg" src="http://www.text-manufaktur.de/a/bildmaterial/blog/zsolnay 02 kl.jpg" alt="a/bildmaterial/blog/zsolnay 02 kl.jpg" width="449" height="298" /></p>]]></description><link>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-270410-es-ist-nicht-der-anspruch-des-lektorats-ein-buch-zu-aendern.html</link><pubDate>Tue, 27 Apr 2010 18:00:00 +0200</pubDate><guid>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-270410-es-ist-nicht-der-anspruch-des-lektorats-ein-buch-zu-aendern.html</guid></item><item><title>20.04.10/  &quot;Humorvoll, ehrlich, wunderschön&quot; - Rezension des Tempest</title><description><![CDATA[<p>&nbsp;</p> <p>Die LeserInnen des Tempest kennen Titus Müller seit langem: Er ist unser Experte für Historische Romane, und das von Anfang an. Er hat außerdem die "Federwelt" aufgebaut, den Autorenkreis "Quo Vadis" mitgegründet - und ist trotz allen Engagements für andere AutorInnen auch längst selbst ein erfolgreicher Autor. &nbsp;<br /><br />Wer ihn in einem Vortrag oder Seminar schon einmal erlebt hat, weiß, dass er zudem hervorragend über das Schreiben und das Leben als Schriftsteller erzählen kann. Und das tut er auch in diesem kleinen und wunderschön gestalteten Buch so gekonnt, humorvoll und ehrlich, dass man das Buch aus vielerlei Gründen in einem Rutsch durchliest.<br /><br />Zum Beispiel, weil Titus Müller nichts beschönigt, sondern alle Tiefen und Abgründe des Schriftstellerdaseins offen anspricht. Er kennt sie ohne Zweifel selbst - und zeigt uns die Tricks, die ihm helfen, wenn er mal wieder demotiviert oder abgelenkt ist oder sich selbst im Weg steht. <br /><br />Zum Beispiel, weil er wunderbare Tipps zum Aufbauen von Spannung, zu den Figuren, zum Dialogschreiben, zur Sprache und zu vielem anderen gibt, die auf eigenen Erfahrungen und auf denen anderer AutorInnen basieren. <br /><br />Zum Beispiel, weil er selbst mit der Sprache so großartig umgeht, dass das Lesen allein schon ein Lehrstück in Sachen treffender Ausdruck und faszinierender Stil ist. Und nicht zuletzt, weil dieses Buch einfach ein Lesevergnügen ersten Ranges ist. <br /><br />Die spannenden Interviews mit den BestsellerautorInnen Andreas Eschbach, Rebecca Gablé und Kai Mayer sind da nur eine erfreuliche Zugabe. <br /><br />Das einzig Unerfreuliche: Nach gut hundert Seiten ist man schon am Ende - denn die letzten 40 Seiten des Buches sind frei und für Notizen gedacht. Dabei würde man gern noch ein paar hundert Seiten weiterlesen, weiterlernen und sich weiter vergnügen ...</p> <p><a href="http://www.autorenforum.de/meldungen">http://www.autorenforum.de/meldungen</a></p>]]></description><link>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-200410-humorvoll-ehrlich-wunderschoen---rezension-des-tempest.html</link><pubDate>Tue, 20 Apr 2010 18:00:00 +0200</pubDate><guid>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-200410-humorvoll-ehrlich-wunderschoen---rezension-des-tempest.html</guid><enclosure url="http://www.text-manufaktur.de/a/bildmaterial/Verlag/9783942247009_frontcover.jpg" length="50875" type="image/jpeg" /></item><item><title>07.04.10/  &quot;Ob es weiterhin klassische Verlage gibt, wird vom Leser abhängen&quot;</title><description><![CDATA[<p><br />Die literarische Agentur Alexander Simon besteht seit 1999 am deutschen Markt. Gründer und Inhaber Alexander Simon über die Aufgabe von Agenturen, den deutschen Buch- und Verlegermarkt und die Zukunft des Buches.</p> <p><br /><strong>Wie sieht der Tag eines Literaturagenten aus? Sie stehen morgens um acht auf und gehen ins Büro, sitzen bis 19 Uhr da und machen was?</strong><br />Jedenfalls lese ich in der Regel nicht. Ich bin in Treffen mit Autoren oder Lektoren, verbringe sehr viel Zeit am Telefon, enorm viel Zeit mit E-Mails oder Besprechungen. Die Lektüre kommt abends.<br /><br /><strong>Telefonieren mit Lektoren, ob das Manuskript schon geprüft wurde?</strong><br />Alles mögliche. Die Romane noch mal durchsprechen, die dramaturgischen Fallen oder Klippen, die Figuren, die Stringenz. Wenn ein Autor sich darüber beklagt, dass es beim Verlag nicht so läuft, wie er sich das vorgestellt hat oder wie es besprochen war, mit dem Verlag darüber sprechen.<br /><br /><strong>Sie arbeiten direkt mit Autoren an den Texten?</strong><br />Ja, ich selbst leider nicht mehr so viel wie früher, aber meine Kolleginnen verbringen damit noch einen ganz wesentlichen Teil ihrer Zeit.<br /><br /><strong>Das machen aber nicht alle Agenturen.</strong><br />Deswegen haben wir auch eine dickere Personaldecke. Verlage freuen sich, wenn die Romane in gutem Zustand bei ihnen ankommen. Obwohl es uns auch nicht anders geht als einem Lektor. Wenn wir Texte bekommen, die ganz vielversprechend sind, aber dann sehen, dass auf 400 Seiten wirklich jede Seite auseinandergenommen werden muss, dann sage ich: Nein, das können wir nicht leisten.<br /><br /><strong>Was ist in Ihrem Beruf der beste Fall und was der worst case?</strong><br />Der beste Fall ist, dass es eine langlebige Verbindung zwischen Autor und Agentur gibt, die unglaublich produktiv auf beiden Seiten verläuft, mit relativ wenig Nerverei verbunden ist und dafür unglaubliche Umsätze generiert (lacht). Der worst case: Es ist sehr viel Arbeit, man stellt nach geraumer Zeit fest, dass man nicht so richtig miteinander klarkommt, und das Buch wird ein Flop.<br /><br /><strong>Was heißt: nicht gut miteinander klarkommen? Persönlich oder geschäftlich?</strong><br />Zunächst einmal auf der persönlichen Ebene, denn man sitzt ja im gleichen Boot. Entweder beide sind erfolgreich oder beide sind erfolglos. Ich glaube, wenn man so eng zusammenarbeitet, vor allem bei der Belletristik, ist das schon etwas sehr Persönliches, und dementsprechend muss auch die persönliche Chemie stimmen.<br /><br /><strong>Ein Agent bekommt den klassischen Satz von 15 % von allen Einnahmen. Was tun Sie dafür für die Autoren?</strong><br />Wir machen den Text und das Expose so weit tauglich, dass die Verlage auch wirklich bereit sind, sich damit zu befassen. Wir handeln die Verträge aus, wir überwachen die Einhaltung der Verträge, soweit wir das können. Doch ab einem gewissen Punkt können auch wir nichts mehr machen, das heißt, für Agenten gibt es eine Grenze, über die sie nicht hinauskommen. Wir sitzen nicht in den Verlagen, wir sitzen nicht in den Markting- oder Vertriebskonferenzen, wir sitzen auch nicht auf dem Schoß des Verlegers oder des Pressesprechers. Verträge abzuschließen ist eine Sache, dafür zu sorgen, dass sie auch eingehalten werden, eine andere. Die Verlage haben alle Möglichkeiten, Verträge zu umgehen, und diese Umgehungsversuche sind nicht justiziabel. Das ist ja auch ein positives Moment in unserem Geschäft, dass man nicht dauernd vor Gericht steht. Man einigt sich meistens anders, aber es gibt durchaus Frustrationsmomente, etwa wenn man sieht, dass der Verlag nicht das umsetzt, was eigentlich vereinbart war und was uns viel Arbeit gekostet hat.<br /><br /><strong>Zum Beispiel die Platzierung in der Vorschau?</strong><br />Das ist ja noch harmlos. Schlimmer wird es, wenn die Einordnung des Romans nicht vorgenommen wird, wie eigentlich vereinbart. Auf einmal wird Literatur als historischer Roman oder Genre verkauft. Man muss der Fairness halber sagen, dass sich die Verlage wiederum mit dem Vertrieb und dem Buchhandel auseinandersetzen müssen. Der Buchhandel will Kategorisierungen, er muss wissen, wo er es hinlegt. Es gab einen Fall, wo ich in Buchhandlungen nach einem von mir vermittelten Roman gesucht habe, und das Buch stand regelmäßig zwischen den historischen Romanen. Jeder potenzielle Buchkäufer, der zu diesem Tisch geht, erwartet etwas Bestimmtes, und wenn er dieses Buch gekauft hat, wird er enttäuscht gewesen sein.<br /><strong><br />Wo sehen Sie heute noch Nischen für Autoren? Wenn ein Autor fragt: Was soll ich schreiben, was würden Sie ihm raten?</strong><br />Schwierige Frage. Das hängt davon ab, erstens: Was will der Autor, zweitens: Was kann der Autor? Es gibt keine Nischen, die auf jeden Fall funktionieren. Es gibt relativ krisenfeste Genres, wie den Krimi, der hat bisher noch jede Mode überlebt. Beim Historischen Roman bröckelt es allmählich, und in der Literatur kann man das nie vorhersagen. Es ist ganz oft so, dass man von Büchern, von denen man denkt, die werden ganz groß, enttäuscht wird, und Bücher, von denen man hofft, dass sie ganz anständig laufen, überraschen dann. Wir hatten zum Beispiel vorletztes Jahr ein Buch über den Wesensgehalt von Streichquartetten. Da dachte ich: Wundschönes Buch, aber wenn wir davon 3.000 Stück verkaufen, können wir feiern. Wir sind jetzt bei 12.000 und es werden Jahr für Jahr mehr. Das war ein Fall von optimaler Zusammenarbeit.<br /><br /><strong>Und im Sachbuch?</strong><br />Ja, die Frage nach Tendenzen ist viel mehr eine Frage des Sachbuchmarktes. Die Tendenz geht weg vom Ratgeber, dank des Internets. Obwohl es auch hier Verlage gibt, die immer noch gute Zahlen erzielen, aber das Gros der Verlage klagt. Ebenso bei der Reiseliteratur. Ansonsten gibt es Moden: Aktuell gab es viele Krankheitsgeschichten, dann kamen wieder die Politikermemoiren hoch, obwohl die eigentlich schon totgesagt waren. Dann gibt es denn Single-Markt, die Comedians, die Väter-Bücher, das sind Trends zu gesellschaftlichen Entwicklungen. Was ganz schwierig geworden ist, ist Außenpolitik. Die Deutschen scheinen sich sehr sicher zu fühlen und meinen, das da draußen geht sie nichts an. Es ist erschreckend, wie wenig Bücher in diesem Bereich gekauft werden, es sei denn, es steht Peter Scholl-Latour drauf. Dann das sogenannte Faction, das erzählende Sachbuch – ein Trend, der seit zehn Jahren anhält und zunimmt. Das ist ja auch eine sehr angenehme Form, über Inhalte informiert zu werden. <br /><br /><strong>Es ist ja fast ein Klischee, dass Agenten immer versuchen, einen möglichst hohen Vorschuss für den Autor rauszuholen. Stimmt das?</strong><br />Generell kann es nicht das Ziel eines Agenten sein, den höchsten Vorschuss rauszuholen, denn man sollte nicht an dem Ast sägen, auf dem man sitzt. Der Ast heißt Verlage. Wir müssen ja auch sehen, dass unsere Geschäftspartner weiterleben. Ich halte nicht viel davon, Vorschüsse zu erwirtschaften, von denen man selber denkt: Das kriegen die Verlag nie und nimmer wieder rein. Das ist nicht sinnvoll. Es gibt natürlich Fälle, wo mehrere Verlage interessiert sind und es beim Steigern immer weiter und weiter geht. Aber dann sagt man irgendwann: Jetzt ist Schluss, jeder reicht bis morgen 18 Uhr sein Best offer ein. Und wenn die Best offer vorliegen, dann setzen wir uns mit dem Autor oder der Autorin zusammen und besprechen das. Es ist bei weitem nicht so, dass der Autor sich dann immer für den höchsten Vorschuss entscheidet – eher im Gegenteil. Weil es oft gerade die Verlage sind, die eine starke Profilpersönlichkeit haben, die nicht so viel bieten können, aber bei denen sich ein Autor sehr aufgehoben fühlt.<br /><br /><strong>Woher weiß der Agent, wie weit er beim Vorschuss gehen kann?</strong><br />Darüber tauscht man sich mit dem Lektor aus, je nachdem, wie gut man sich kennt. Wir machen auch Buchkalkulationen und fragen uns: Was ist wahrscheinlich, was ist möglich? Und so kommen wir irgendwann auf einen Wert, der uns realistisch erscheint. Es ist ja noch nie ein Verlag gezwungen worden, einen Vorschuss zu zahlen. Deswegen kann ich die Klage der Verlage, die Vorschüsse seien zu hoch, nicht ernst nehmen. Es gibt unschöne Fälle bei Vermittlungen, gar keine Frage, aber es bleibt ja immer die eigene Entscheidung.<br /><br /><strong>Wie hoch ist die Quote, die sie aus unverlangt eingesandten Manuskripten übernehmen?</strong><br />Null komma eins. Die Quote ist auch nicht anders als bei Verlagen. Etwa ein Manuskript pro tausend.<br /><br /><strong>Wie kommen Sie sonst an neue Autoren?</strong><br />Oft über Autoren, die wir schon vertreten, oder Empfehlungen von Verlegern oder Lektoren. Oder es sind Autoren, die schon Verlage haben oder bei anderen Agenturen sind, sich da aber unwohl fühlen. Dann gibt es die Wettbewerbe, Open Mike, Klagenfurt. Das kann ich Autoren immer wieder nur empfehlen: Man sollte sich so viel wie möglich umhören: Was machen andere Autoren, wie machen sie es?<br /><strong><br />Wie viel Prozent der Autoren, die Sie unter Vertrag haben, bringen Sie unter?</strong><br />Unterschiedlich. Im Sachbuch sind es praktisch alle, in der Literatur (überlegt lange) vielleicht siebzig Prozent. Es gibt Jahre, wo es mehr sind, manche Jahre weniger.<br /><br /><strong>Ab wann würden Sie sagen, es wird nichts mehr mit einem Manuskript, nach zwei Jahren?</strong><br />Es gibt Fälle, die sich mal auf ein Jahr oder gar zwei Jahre hinauszögern, aber das sind eher Autoren, die ein extrem komplexes Werk haben, schon bekannt sind, und an die sich die Verlage nicht herantrauen. Bei normalen Manuskripten müsste man es nach einem halben Jahr wissen. Man sollte nie vergessen, dass Autor und Agent immer in einem Boot sitzen. Wenn eine Seite das Gefühl hat, die Zusammenarbeit funktioniert nicht mehr, dann macht es auch keinen Sinn, dass die andere Seite auf dem Vertrag beharrt.<br /><strong><br />Geht die Tendenz in Deutschland immer mehr zum Agenten, so wie in Amerika, wo fast nichts mehr geht ohne Agenten?</strong><br />Es ist ja ein großer Irrtum, dass diese Entwicklung in Deutschland neu ist. Im späten 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts gab es sehr viele Agenturen, allein in Berlin über 100. In den 30er und 40er Jahren verschwanden sie dann, da 80 Prozent der Agenturen in Berlin jüdisch geprägt waren. Aber es ist trotzdem sicher noch nicht wie in Amerika oder England. Wenn man dort ein Manuskript an einen Verlag schickt, bekommt man das zurück mit der Bemerkung: Such dir doch erst mal einen Agenten. Es gibt in Deutschland immer noch Verleger, die den Agenten für was Böses und Schlechtes halten.<br /><br /><strong>Was ist für den Verleger das Argument, mit einem Agenten zusammenzuarbeiten, statt direkt mit dem Autor?</strong><br />Der Agent nimmt ihm einiges an Arbeit ab. Der Agent ist ja im Grunde klassisches Outsourcing. In den allermeisten Fällen, in denen dem Autor etwas nicht gefällt oder nicht passt, ruft der nicht zuerst im Verlag an, sondern bei uns. Und wir kommunizieren das dann, wenn nötig, dem Verlag. Hinzu kommt, dass Autoren ja kaum noch ihr Leben lang bei einem Verlag bleiben, die Fluktuation hat sich enorm erhöht.<br /><br /><strong>Sie sind seit 1999 am deutschen Markt, wie hat sich der Buchmarkt seither verändert?</strong><br />Zunächst mal hat er sich gesundgeschrumpft. Um die Jahrtausendwende wurden ja unglaubliche Vorschüsse gezahlt, die überhaupt nicht realisierbar waren. Das hat eine ganze Menge Arbeitsplätze gekostet und viel Zuverlässigkeit, aber mittlerweile ist man wieder bei einem gesunden Maß angekommen. Was man generell sagen kann: Es ist für deutschsprachige Literatur nicht einfacher geworden. Wir hatten in Deutschland ganz lange ein gesundes Mittelfeld, das heißt Bücher, die sich fünf- bis achttausend Mal verkauft haben. Dieses Mittelfeld hatten die Angelsachsen auch mal, bei denen ist es schon seit langem weggebrochen. In England verkauft man 500 Bücher oder 50.000. Diese Tendenz zeichnet sich hier auch ab. Das erschwert natürlich die Arbeit auf dem Markt. Die Umsätze gehen ja nicht wesentlich zurück, das Problem ist, dass sich dieser Umsatz auf immer weniger Titel beschränkt. Das heißt, in der Spitze werden die Auflagen sehr viel höher, und unten sacken sie enorm ab.<br /><br /><strong>Führt diese Entwicklung letztlich zu einer Auflösung der klassischen Verlagsstrukturen? Autoren nehmen sich einen Lektor, einen Agenten, ein Pressebüro. Braucht man noch Verlage in der heutigen Form?</strong><br />Das Verlagswesen verändert sich natürlich aufgrund der Digitalisierung und der neuen Marketingmöglichkeiten dramatisch. Wenn man heute einen Verlag aufmacht und das ganze über digitale Herstellungsmodelle laufen lässt, dann braucht man nicht mehr Millionen. Einen Verlag zu gründen ist sehr viel billiger geworden. Aber ob deswegen der Verlag traditionell ausgedient hat? Ich glaube, es wird Alternativen zu dem klassischen Verlag geben, aber ich glaube nicht, dass er in den nächsten zehn, fünfzehn Jahren verschwindet. Aber das wird entscheidend vom Lesepublikum abhängen, ob es weiterhin Leser gibt, die erwarten, dass die Bücher, die sie kaufen, ordentlich bearbeitet und lektoriert sind. Wenn dieses Publikum verschwindet, dann braucht man auch keinen Verlag mehr. Aber das wird alles nicht so schnell passieren, wie es viele behaupten. Das Buch wurde schon so oft totgesagt. Ich kann mich noch gut erinnern, Mitte der 90er Jahre, als die CD-Rom aufkam, hieß es auch schon mal, das Buch hat sein Leben ausgehaucht. Die Prognosen der großen Konzerne für das E-Book liegen bei zehn Prozent Marktanteil in zehn Jahren. Das halte ich für realistisch. Man sieht es gut am Hörbuch. Es gibt überhaupt keinen Grund, noch ein Hörbuch physisch zu erwerben, denn die meisten Hörbuchhörer kommen nach Hause, legen es ein, laden es auf ihren MP3-Player runter. Warum kaufen sie sich noch den physischen Datenträger? Die Downloads beim Hörbuch machen inzwischen etwa drei Prozent aus, das ist keine überzeugende Menge dafür, dass man das Physische viel weniger nötig hat als beim Buch. Das Buch wird sicherlich neue Konkurrenten bekommen, es hat schon gelitten unter dem Internet, es wird weiterleiden, aber deswegen wird es noch lange nicht verschwinden. Vorausgesetzt, das Leseverhalten verändert sich nicht noch drastischer, als es ohnehin schon getan hat.<br /><br /></p>]]></description><link>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-070410-ob-es-weiterhin-klassische-verlage-gibt-wird-vom-leser-abhaengen.html</link><pubDate>Wed, 07 Apr 2010 18:00:00 +0200</pubDate><guid>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-070410-ob-es-weiterhin-klassische-verlage-gibt-wird-vom-leser-abhaengen.html</guid><enclosure url="http://www.text-manufaktur.de/a/bildmaterial/blog/10.jpg" length="2662" type="image/jpeg" /></item><item><title>31.03.10/  Rezension zu Titus Müller &quot;Vom Abenteuer, einen Roman zu schreiben&quot;</title><description><![CDATA[<p>&nbsp;</p> <p>Birgit-Cathrin Duval besprach das Buch für literaturcafe.de und war ganz begeistert von den schönen Büchern aus dem Textmanufaktur Verlag.</p> <p> "Das kleine Bändchen ist weit mehr als nur ein Leitfaden zum  Schreiben. Titus Müller versteht es auf meisterhafte Weise, seine Tipps  und Erfahrungen in Geschichten zu packen. So liest sich das Buch nicht  wie ein Ratgeber, sondern eher wie ein Roman."</p> <p>Die ganze Rezension finden Sie hier: <a onclick="window.open(this.href); return false;" href="http://www.literaturcafe.de/titus-mueller-vom-abenteuer-einen-roman-zu-schreiben/" onclick="window.open(this.href); return false;">http://www.literaturcafe.de/titus-mueller-vom-abenteuer-einen-roman-zu-schreiben/</a></p>]]></description><link>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-310310-rezension-zu-titus-mueller-vom-abenteuer-einen-roman-zu-schreiben.html</link><pubDate>Wed, 31 Mar 2010 18:00:00 +0200</pubDate><guid>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-310310-rezension-zu-titus-mueller-vom-abenteuer-einen-roman-zu-schreiben.html</guid></item><item><title>22.03.10/  Fazit der Leipziger Buchmesse</title><description><![CDATA[<p>&nbsp;</p> <p>Die erste Buchmesse, auf der die Textmanufaktur vertreten war, ist vorbei; und nun sitzen wir wieder am Schreibtisch mit gemischten Gefühlen: Ein wenig Erleichterung, dass alles so gut gelaufen ist, ein wenig Trauer, denn in dem kleinen "Wohnzimmer" fühlte es sich richtig gut an, mit hervorragendem Kaffee aus der DeLongh-Maschine, diversen Knabbereien und jeder Menge Besuch. Es war immer was los am Stand C 311 in Halle 5. Mit Lektoren von Eichborn, Luchterhand, Fischer und Aufbau, als Anlaufstelle für Seminarteilnehmer, Neugierige und Interessierte. Wir haben 150 Broschüren verteilt, 20 Bücher verkauft, und mit unzähligen Verlegerkollegen und Büchermenschen gesprochen. Kurz: Eine intensive Zeit, die riesigen Spaß gemacht hat. Ich freue mich jetzt schon auf die nächste Messe.</p> <p>Fotos:</p> <p><img title="a/bildmaterial/blog/Buchmesse 01.jpg" src="http://www.text-manufaktur.de/a/bildmaterial/blog/Buchmesse 01.jpg" alt="a/bildmaterial/blog/Buchmesse 01.jpg" width="375" height="500" /></p> <p>Noch stapeln sich die frisch eingetroffenen Bücher im Büro. Chaos vor der Messe...</p> <p>&nbsp;</p> <p><img title="a/bildmaterial/blog/Buchmesse 02.jpg" src="http://www.text-manufaktur.de/a/bildmaterial/blog/Buchmesse 02.jpg" alt="a/bildmaterial/blog/Buchmesse 02.jpg" width="375" height="500" /></p> <p>... aber auch Stolz über die schönen, kleinen Leinenbändchen.</p> <p>&nbsp;</p> <p><img title="a/bildmaterial/blog/Buchmesse 03.jpg" src="http://www.text-manufaktur.de/a/bildmaterial/blog/Buchmesse 03.jpg" alt="a/bildmaterial/blog/Buchmesse 03.jpg" width="375" height="500" /></p> <p>Aus dem Chaos wurde Ordnung: Warten auf die ersten Gäste am Eröffnungstag der Messe.</p> <p>&nbsp;</p> <p><img title="a/bildmaterial/blog/Buchmesse 04.jpg" src="http://www.text-manufaktur.de/a/bildmaterial/blog/Buchmesse 04.jpg" alt="a/bildmaterial/blog/Buchmesse 04.jpg" width="375" height="500" /></p> <p>Gelegenheit, auch noch mal auf den Werner-Bräunig-Literaturpreis hinzuweisen.</p> <div id="_BooktrailerPlayerSpace"> <!--         getPlayer(); // --> </div>]]></description><link>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-220310-fazit-der-leipziger-buchmesse.html</link><pubDate>Mon, 22 Mar 2010 18:00:00 +0100</pubDate><guid>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-220310-fazit-der-leipziger-buchmesse.html</guid></item><item><title>14.03.10/  Johannes Lindhorst gewinnt 1. Werner-Bräunig-Literaturpreis</title><description><![CDATA[<p>&nbsp;</p> <p>Es war ein großartiger Abend im Horns Erben, vor dichtgedrängt stehendem und sitzendem Publikum, ein Abend mit einer Skype-Verbindung nach Edinburgh, sechs hervorragenden Texten und zwei Siegern: <strong>Johannes Lindhorst</strong> erhielt den 1. Werner-Bräunig-Literaturpreis. In der Begründung der Jury hieß es: "Hier handelt es sich um ein großes Werk aus der Endphase der DDR, das mit sprachlicher Dichte und großer Skurriltät ausgestattet ist, ein Werk, in dem viele Jahre Arbeit stecken und das nun an die Öffentlichkeit muss." (Burkhard Müller)<br /><br />Das Publikum honorierte den Text und den Vortrag von <strong>Madeleine Prahs</strong> mit dem Publikumspreis.</p> <p>Die Diskussion der Jury war sehr kontrovers. Lobend erwähnt wurden Isabella Straub und Judith Pfeifer. Doch einig waren sich alle darin: Das Niveau der Texte war ausgesprochen hoch und alle Manuskripte hätten eine Veröffentlichung verdient.<br /><br />Der MDR straht am Sonntag, 14.3. um 19 Uhr, einen Beitrag über den Abend aus. Fotos und mehr Infos gibt es auf <a href="http://www.werner-braeunig-preis.de/index.php/der-abend.12.html" onclick="window.open(this.href); return false;"><strong>www.werner-braeunig-preis.de</strong></a>.</p> <p>&nbsp;</p> <p>Der Gewinner: Johannes Lindhorst aus Berlin</p> <p><img title="a/bildmaterial/blog/Johannes Lindhorst kl.jpg" src="http://www.text-manufaktur.de/a/bildmaterial/blog/Johannes Lindhorst kl.jpg" alt="a/bildmaterial/blog/Johannes Lindhorst kl.jpg" width="417" height="529" /></p> <p>(c) Swen Reichhold</p>]]></description><link>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-140310-johannes-lindhorst-gewinnt-1-werner-braeunig-literaturpreis.html</link><pubDate>Sun, 14 Mar 2010 18:00:00 +0100</pubDate><guid>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-140310-johannes-lindhorst-gewinnt-1-werner-braeunig-literaturpreis.html</guid></item><item><title>10.03.10/  Und noch eine Seminarkritik zum Agenturseminar</title><description><![CDATA[<p>&nbsp;</p> <p>Ein schöner Kommentar zum Seminar mit Alexander Simon.<br />Von Autorin Elli Radinger. Danke!</p> <p><a onclick="window.open(this.href); return false;" href="http://sprachrhythmus.wordpress.com/">http://autorenleben.blogspot.com/</a></p> <p>&nbsp;</p>]]></description><link>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-100310-und-noch-eine-seminarkritik-zum-agenturseminar.html</link><pubDate>Wed, 10 Mar 2010 18:00:00 +0100</pubDate><guid>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-100310-und-noch-eine-seminarkritik-zum-agenturseminar.html</guid></item><item><title>09.03.10/  Die Party der Jungen Verlage auf der Buchmesse Leipzig</title><description><![CDATA[<p>&nbsp;</p> <p>Jung. Cool. Unabhängig. Die Textmanufaktur ist auch in diesem Jahr zusammen mit anderen unabhängigen Verlagen Sponsor der Party der jungen Verlage. Über Twitter und Facebook werden je 5 Eintrittskarten verlost.</p> <p>&nbsp;</p> <p><img title="a/bildmaterial/blog/Flyer_DPJV.jpg" src="http://www.text-manufaktur.de/a/bildmaterial/blog/Flyer_DPJV.jpg" alt="a/bildmaterial/blog/Flyer_DPJV.jpg" width="250" height="582" /></p> <p>&nbsp;</p> <p><a onclick="window.open(this.href); return false;" href="http://www.altehauptpost.de/?p=245">http://www.altehauptpost.de/?p=245</a></p> <p>&nbsp;</p>]]></description><link>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-090310-die-party-der-jungen-verlage.html</link><pubDate>Mon, 08 Mar 2010 18:00:00 +0100</pubDate><guid>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-090310-die-party-der-jungen-verlage.html</guid></item><item><title>07.03.10/  Der Autor Mirko Kussin über ein Seminar der Textmanufaktur</title><description><![CDATA[<p>&nbsp;</p> <p>Ein schöner Kommentar zum Seminar mit Alexander Simon.<br />Vvon Autor Mirko Kussin. Danke!</p> <p><a onclick="window.open(this.href); return false;" href="http://sprachrhythmus.wordpress.com/">http://sprachrhythmus.wordpress.com/</a></p> <p>&nbsp;</p>]]></description><link>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-070310-der-autor-mirko-kussin-ueber-ein-seminar-der-textmanufaktur.html</link><pubDate>Sun, 07 Mar 2010 18:00:00 +0100</pubDate><guid>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-070310-der-autor-mirko-kussin-ueber-ein-seminar-der-textmanufaktur.html</guid></item><item><title>04.03.10/  Das neue Programm für das 2. Halbjahr 2010</title><description><![CDATA[<p>&nbsp;</p> <p>... gibt es <a href="http://www.text-manufaktur.de/juli-dezember-10.html">hier</a> als PDF. Ab sofort stehen auch die Anmeldeformulare zur Verfügung.</p>]]></description><link>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-040310-das-neue-programm-fuer-das-2-halbjahr-2010.html</link><pubDate>Thu, 04 Mar 2010 18:00:00 +0100</pubDate><guid>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-040310-das-neue-programm-fuer-das-2-halbjahr-2010.html</guid></item><item><title>03.03.10/  Übersetzerempfang auf der Leipziger Buchmesse</title><description><![CDATA[<p>&nbsp;</p> <p>&nbsp;</p> <p>&nbsp;</p> <p>&nbsp;</p>]]></description><link>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-030310-uebersetzerempfang-auf-der-leipziger-buchmesse.html</link><pubDate>Wed, 03 Mar 2010 18:00:00 +0100</pubDate><guid>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-030310-uebersetzerempfang-auf-der-leipziger-buchmesse.html</guid><enclosure url="http://www.text-manufaktur.de/a/bildmaterial/blog/Einladung Uebersetzerempfang.jpg" length="92591" type="image/jpeg" /></item><item><title>26.02.10/  Eine neue Krachkultur erscheint</title><description><![CDATA[<p>&nbsp;</p> <p>Pressemitteilung<br />Neue Ausgabe der „Krachkultur“ erschienen<br />&nbsp;<br />Bremen. Die in Bremen und Leipzig herausgegebene Literaturzeitschrift „Krachkultur“ wird ihrem Ruf als Lautsprecher der literarischen Szene einmal mehr gerecht. In ihrer dreizehnten Ausgabe präsentiert „Krachkultur“ vor allem eine der schillerndsten Figuren der russischen Literatur und der russischen Oppositionsbewegung – Edward Limonow.<br />&nbsp;<br />Seine Rollen und Metamorphosen sind Legende und bilden den Stoff seines umstrittenen Werkes. Als junger Mann emigrierte er in die USA und nach Frankreich – und wütete mit seinem Skandalroman „Fuck off, Amerika“ (1979), der ein internationaler Bestseller wurde, gegen sein Paria-Dasein im Westen. Nach seiner Rückkehr ins liberale Jelzin-Russland kämpfte er in fünf Kriegen gegen den Zerfall des Sowjetreiches und den russischen Raubtierkapitalismus und mutierte zum Führer der radikalen Nationalbolschewistischen Partei und einer deklassierten Jugend. Im kleinbürgerlichen Putin-Russland landete er wegen angeblicher terroristischer Umtriebe im Gefängnis und wurde wegen Waffenschmuggels und -besitzes zu einer vierjährigen Haftstrafe verurteilt. Inzwischen kämpft er Seite an Seite mit sowjetischen Bürgerrechtlern und Liberalen gegen das Putin-Medwedjew-Regime.<br />&nbsp;<br />„Krachkultur“ Nr. 13/2010 präsentiert einen Querschnitt durch das neuere erzählerische Werk Limonows, dieses „göttlich begnadeten Dichters“ (Ljudmila Ulitzkaja). Die große Erzählung „Mussolini und andere Faschisten“ führt noch einmal in das New York der siebziger Jahre: Eddi, kaputt im Embassy-Hotel, als einziger Weißer unter lauter Schwarzen, bitterböser Humor im „Fuck off, Amerika“-Style, herrlicher Beleg für die „totalisierende Poetik der Verärgerung“ (Olga Matich), die Limonow betreibt. Weitere Texte zeigen den Wahlkämpfer Limonow, der seine potentiellen Wähler verachtet („Wahlen“), berichten aus dem Gefängnis, das offenbar ganz gute Arbeitsbedingungen für einen Schriftsteller bereit stellt („Epilog“), erinnern an eine Parteigenossin, deren Fähigkeiten besonders von den männlichen Parteimitgliedern geschätzt wurden („Geliebte der Partei“), beweihräuchern die kriegerische Erfahrung („Djnestr“), nehmen den Hysteriker Dostojewski aufs Korn („16 Bilder pro Sekunde“). Die Übersetzerin und Russland-Expertin Barbara Lehmann informiert in einem rasanten Essay über Leben und Werk Limonows.<br />&nbsp;<br />Daneben ist die „Krachkultur“-Redaktion stolz darauf, ein weltliterarisches Seitenstück von Denton Welch (1915-1948) erstmals auf Deutsch vorführen zu können, die Erzählung „Als ich Kunst studierte“, in der das große Vorbild von William S. Burroughs einen melancholischen Bericht aus peinlicher Zeit gibt.<br />&nbsp;<br />Aus Norwegen kommen „Kurze Texte langer Männer“ zu uns. Die Autoren Eduardo Andersen, Ragnar Hovland und Reidar Karlsen wandeln erfolgreich auf den großen Spuren von Charles Bukowski und Richard Brautigan. Ihre Lyrik oder Kurzprosa besticht durch Chuzpe und poetische Klarheit.<br />&nbsp;<br />Die Autorin Ersi Sotiropoulos ist eine der bekanntesten literarischen Stimmen in ihrer griechischen Heimat. Die in Los Angeles spielende Erzählung „Stella“ berichtet in einem schönen wehmütigen Sound von den Träumen und Ängsten der Menschen im Filmparadies.<br />&nbsp;<br />Die Prosa von Mick Fitzgerald, einem Musiker, Schauspieler und Schriftsteller aus Irland, verbreitet die heiter-melancholische Stimmung irischer Lebensweise.<br />&nbsp;<br />Eine wunderbare Bremensie hat die Übersetzerin Gabriele Haefs für „Krachkultur“ aufgetan, eine Erzählung von Norwegens erfolgreichstem Krimiautor Jon Michelet. Der erinnert sich an seine Zeit als Seemann, die ihn auch in die legendäre Waller Küstenkneipe „Golden City“ geführt hat.<br />&nbsp;<br />Daneben gibt „Krachkultur“ natürlich auch der deutschsprachigen Literatur Raum: Der Bremer Autor Wolfgang Schömel, bekannt als Verfasser „überwiegend neurotischer Geschichten“, lässt in seiner Erzählung „Das arme Schwein“ einen Eber namens Ferdinand die tragische Hauptrolle spielen. Der Münchener Autor Wolf Reiser, für den bereits Harry Rowohlt und Jörg Fauser schwärmten, hat eine Erinnerung an das „Arschloch der achtziger Jahre“, Wolf Wondratschek, abgeliefert.<br />&nbsp;<br />Bevor der einheimischen Lyrik Platz eingeräumt wird, präsentiert die „Krachkultur“ mit Joshua Mehigan einen Vertreter jener amerikanischen Dichterschule, die für die Rückkehr des metrisch regulierten Verses eintreten. „Die Dichter, die ich vorstelle, wenden sich gegen den Trend“, hat der Lyriker und Übersetzer Christophe Fricker kürzlich im „ZEIT online“-Interview erklärt. „Sie schreiben eine Lyrik, die Eleganz und Verständlichkeit mit gedanklicher Tiefe und sorgfältiger Beobachtung verbindet. Philosophische Meditationen, zynische Alltagskommentare, verspielte Liebesgedichte und kritische Naturbetrachtungen feiern die Fülle der Welt und der Sprache.“<br />&nbsp;<br />Neue Lyrik aus Deutschland stammt von: Hendrik Rost, Stan Lafleur, Arne Rautenberg, Christophe Fricker, Gerald Fiebig, Marcus Roloff und Agis Sideras.<br />&nbsp;<br />Als Kuriosum am Rande veröffentlicht die neue Nummer einen kleinen Emailwechsel zweier Enttäuschter, nämlich zwischen Martin Brinkmann (Bielefeld) und Martin Brinkmann (Bremen).<br />&nbsp;<br />Bildende Kunst ist in Form einer aus medialen Erinnerungsstücken zusammengesetzten Fotomontage-Strecke von Fabian Reimann vertreten.</p> <p>&nbsp;</p> <p>Mehr unter <a href="http://www.krachkultur.de/" onclick="window.open(this.href); return false;">http://www.krachkultur.de/</a></p>]]></description><link>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-260210-eine-neue-krachkultur-erscheint.html</link><pubDate>Fri, 26 Feb 2010 18:00:00 +0100</pubDate><guid>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-260210-eine-neue-krachkultur-erscheint.html</guid><enclosure url="http://www.text-manufaktur.de/a/bildmaterial/blog/KK13_cover3.jpg" length="34631" type="image/jpeg" /></item><item><title>23.02.10/  &quot;Hier entsteht eine neue Literatur&quot;</title><description><![CDATA[<p>&nbsp;</p> <p>Am 13. März vergeben die Autorenschule Textmanufaktur und der Aufbau Verlag den 1. Werner-Bräunig-Literaturpreis. Sechs Kandidaten lesen im Leipziger Club „Horns Erben“ um einen mit 5.000 Euro Vorschuss dotierten Verlagsvertrag.<br /></p> <p>Christian Stahl aus Wien schickt seinen Romanhelden Paul Morasch auf eine abenteuerliche viertägige Reise durch eine katholische Kleinstadt. Madeleine Prahs aus Leipzig verfolgt im „Short-Cuts-Prinzip“ das Leben ihrer fünf Protagonisten zwischen dem Wendejahr 1989 und 1996. Isabella Straub aus Klagenfurt ist eine Meisterin des skurrilen Erzählens. Ob ein Schaffner mit der Hand in der ICE-Toilette stecken bleibt, ein ahnungsloses Ehepaar auf einem Zirbelbett knapp an einer Orgie vorscheischrammt oder eine ehemalige Pharmavertreterin in einem Pornofilm als „Bügelschlampe“ arbeiten muss, mit einer lakonischen Sprache und einem knochentrockenen Humor lässt sie ihre Figuren in die unmöglichsten Situationen stolpern, ohne jemals die Empathie für sie zu verlieren.<br /><br />Dies sind drei von sechs außergewöhnlichen und eigensinnigen Prosatexten, die am 13. März im Leipziger Club Horns Erben vorgestellt werden, und aus der eine hochkarätige Jury (der Literaturkritiker Burkhard Müller, die Autorin Jenny Erpenbeck und die Lektorin Angela Drescher) einen Sieger ermitteln wird. Es geht um einiges, um den Beginn einer Karriere als Schriftsteller, um einen Verlagsvertrag, um einen Vorschuss von 5.000 Euro.<br /><br />Nach dem ersten Jahr ihres Bestehens hat sich die Textmanufaktur als ein Knotenpukt für den literarischen Nachwuchs im deutschsprachigen Raum etabliert. „Die Textmanufaktur ist ein kleines Wunder“, schrieb die Wochenzeitung ZEIT in ihrer Online-Ausgabe. Aus über 300 Seminarteilnehmern wählten die Dozenten der Seminare jeweils die besten Texte, die zur Leipziger Buchmesse in der Anthologie „Und an den Häusern hängen Engel“ erscheinen werden. Aus diesen wiederum schlug eine Vorjury die sechs aussichtsreichsten Kandidaten vor, von denen einer demnächst einen Verlagsvertrag unterzeichnen wird. „Dem Aufbau Verlag ist das Entdecken deutschsprachiger Autoren sehr wichtig, und so kam die Idee zu richtigen Zeit. Gemeinsam haben wir dann das Konzept entwickelt und ausgebaut“, sagt der Geschäftsführer des Aufbau Verlags Tom Erben.<br /><br />Der Namensgeber Werner Bräunig wurde 1934 in Chemnitz geboren. Nach einer Schlosserlehre schlug sich als Gelegenheitsarbeiter in Westdeutschland durch, ehe er in die DDR zurückkehrte und unter anderem im Uranbergbau der Wismut-AG beschäftigt war. Mitte der fünfziger Jahre begann er zu schreiben und galt bald als große Hoffnung der jungen DDR-Literatur. Er studierte und unterrichtete am Leipziger Literaturinstitut, und 1960 begann er mit der Arbeit an seinem Opus Magnum „Rummelplatz“, ein wuchtiges Stimmungsbild des Frühstadiums der deutschen Teilung, das mit dem 17. Juni 1953 endet. Nach scharfer Kritik der SED brach Bräunig 1966 die Arbeit am Text ab. Zu DDR-Zeiten wurde der Roman nie veröffentlicht, wovon sich Bräunig trotz Fürsprechern wie Christa Wolf und Anna Seghers nie wieder erholte. Er starb 1976 im Alter von 42 Jahren in Halle/Saale.<br /><br />„Mir kommt es darauf an, im Sinne der Literatur Werner Bräunigs ungewöhnliche Prosa zu entdecken, welthaltige, erfahrungssatte Literatur, die mich berührt“, sagt der Inhaber der Textmanufaktur André Hille. Und das bieten die Texte von Christian Stahl (Wien), Judith Pfeifer (Wien), Madeleine Prahs (Leipzig), Johannes Lindhorst (Berlin), Isabella Straub (Klagenfurt) und Martine Lombard (Straßburg). „Hier entsteht eine neue Literatur“, so das Fazit von Hille, „von den Rändern der deutschen Sprache, aber mitten aus dem Leben.“<br /><br />__________________________________________<br />Mehr Informationen unter: <a href="http://www.werner-braeunig-preis.de" onclick="window.open(this.href); return false;">www.werner-braeunig-preis.de</a><br /><br /><strong>Termin</strong>: 13. März 2010, 18-22 Uhr, Horns Erben (Arndtstraße 33, 04275 Leipzig), anschließend Release Party der Textmanufaktur Jahresanthologie mit Frequento (Sunsetsoul – Funky Breaks, Soul)<br /><br />Die Preisverleihung wird finanziell unterstützt von: </p> <p><strong>Gentz und Partner</strong><br />Rechtsanwälte - Steuerberater<br /><a href="http://www.gentznet.de" onclick="window.open(this.href); return false;">www.gentznet.de</a></p>]]></description><link>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-230210-hier-entsteht-eine-neue-literatur.html</link><pubDate>Tue, 23 Feb 2010 18:00:00 +0100</pubDate><guid>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-230210-hier-entsteht-eine-neue-literatur.html</guid><enclosure url="http://www.text-manufaktur.de/a/bildmaterial/braeunig.jpg" length="6378" type="image/jpeg" /></item><item><title>07.02.10/  &quot;Meine Bücher müssen zunächst mir gefallen&quot;</title><description><![CDATA[<p><br />Die Krimiautorin und Glauser-Preisträgerin Gisa Klönne sprach während eines Seminars in der Textmanufaktur über vermeintliche Trends im Literaturbetrieb, ihren Weg in einen Verlag und Phasen tiefer Selbstzweifel.</p> <p><br /><strong>Sie haben Ihren ersten Roman mit 40 Jahren, also relativ spät veröffentlicht, wie sah ihr Weg in einen Verlag aus?</strong><br />Untypisch. Untypisch insofern, als ich mein Manuskript an zwei Verlage geschickt habe und beide es haben wollten. Der Ullstein Verlag, bei dem ich jetzt bin, und ein großer Münchner Verlag. Eine Situation, von der man dachte, dass sie nie eintritt. Erst riefen die einen an und wollten das Manuskript unbedingt haben, daraufhin war ich dann gestärkt und dachte, jetzt rufst du mal bei dem anderen Verlag an, und dann ging es stündlich. Kommen Sie doch nach München, nein, kommen Sie nach Berlin, und ich befand mich plötzlich in einer großen Krise, welchen Verlag ich nehmen sollte.<br /><br /><strong>Wie lange hat es gedauert, bis sich die Verlage gemeldet hatten?</strong><br />Ich hatte ein Jahr zuvor Exposé und Probeseiten eingeschickt, daraufhin meldeten sich beide Verlage und sagten, ich könne mich wieder melden, wenn das Manuskript fertig sei. Für den einen Verlag hatte ich über die „Mörderischen Schwestern“ einen Tipp bekommen, dass der Programmleiter an neuen deutschen Krimiautoren interessiert sei, den anderen Lektor kannte ich über eine Anthologie, die ich herausgebracht habe. So hatte ich auch dort im Lektorat einen Ansprechpartner. Obwohl ich das Manuskript aufgefordert eingesendet hatte, war ich, wie man so schön sagt, angstgelähmt. Trotzdem wusste ich, dass ich die Chance nutzen will. Ich wollte immer schreiben, und irgendwann muss man halt raus.<br /><br /><strong>Wie ist Ihre Erfahrung mit Agenten?</strong><br />Ich habe nach meinem dritten Roman doch entschieden, mit einen Agenten zusammenzuarbeiten. Man kann für sich selbst manchmal schlecht handeln, und auch wenn ein Verlag sehr begeistert ist, überblickt man die ganzen Branchenhintergründe nicht. Ich würde allerdings davor warnen, vorschnell einen Agenten zu nehmen, ohne sich persönlich getroffen zu haben. Immerhin bekommt er 15 Prozent von jedem Euro, den ich verdiene, da muss die Chemie schon stimmen. Ich muss das Gefühl haben, er kann mich wirklich gut vertreten.<br /><br /><strong>Dass das bei Ihnen sofort so gut funktioniert hat, wird am Manuskript gelegen haben. Meinen Sie, dass ein gutes Manuskript immer seinen Weg macht im deutschen Literaturbetrieb?</strong><br />Ja, absolut. Ich kenne keinen Verlag, keinen Lektor oder Agenten, der nicht verzweifelt guten Stoff sucht.<br /><br /><strong>Ist das nicht ein Paradox? Auf der einen Seite die Überschwemmung mit Material, hunderten Manuskripten pro Tag, auf der anderen die Suche nach guten Texten.</strong><br />Genau. Es kann aber sein, dass ein gutes Manuskript eine Weile braucht, bis es einen Verlag findet, weil es unglücklicherweise an einem Tag großer Überlastung auf dem falschen Tisch gelandet ist, weil man denkt, das Thema sei gerade durch, weil irgendwas falsch verstanden wird. Ich glaube aber, dass sich eine gute Geschichte durchsetzt. Ullstein hat mehrere Autoren ins Programm genommen, die ihr Buch im Selbstverlag rausgebracht haben. Nele Neuhaus zum Beispiel hat ihre ersten beiden Bücher selbst veröffentlicht, mit einem lokalen Buchhändler Lesungen organisiert, die sehr erfolgreich waren. Irgendwann hat die Buchhändlerin der Verlagsvertreterin gesagt: Ich hab hier eine Autorin, die verkauft sich wie verrückt, und so ist sie zu einem großen Verlag gekommen. Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten, an einen Verlag zu kommen. Wenn man eine gute Geschichte und eine gute Schreibe hat, wird sich das durchsetzen.</p> <p><strong>Das ist ja immer die Gratwanderung: Glaubt man an sich, obwohl der Text eigentlich unreif ist, oder wird man nur verkannt. Wann sollte ein Autor loslassen von einem Text?</strong><br />Ich würde mir auf jeden Fall Testleser besorgen. Ich habe für jeden meiner Romane Testleser. Meine Lektorin liest mit, mein Mann liest mit, und zwei Freundinnen lesen mit, weil ich an denen überprüfen kann, ob die Geschichte funktioniert, ob sie mich verstehen. Man muss sich natürlich die richtigen Leute suchen, es nützt ja nichts, wenn man nur Hurra-Sager um sich hat. Bei meinem letzten Roman merkte sich, dass die Reaktionen etwas verhalten waren. Sie fanden den Text zwar schön, waren aber nicht begeistert. Ich habe dann so lange gebohrt, bis die Wahrheit ans Licht kam, und bin dann in eine tiefe Krise gestürzt. Schließlich musste ich die ersten 200 Seiten noch mal schreiben. Man muss also auch die Fähigkeit zur Selbstkritik mitbringen. Zweimal habe ich es mit Romanentwürfen bis Seite 100 geschafft, und dann ging es nicht weiter. Da sagte mir erfahrener Autor: Da entscheidet es sich, ob ein Stoff für eine große Geschichte taugt oder nicht, und ich dachte: Danke, das weiß ich jetzt auch (lacht). Ich glaube, man kann es ganz tief in sich spüren, ob eine Geschichte trägt und für einen Roman reicht. Dahinter steht auch immer die Frage: Will man um jeden Preis veröffentlichen, oder ist man auch bereit an sich zu arbeiten?<br /><br /><strong>Wie gehen Sie mit solchen Momenten der tiefen Selbstzweifel, der Krise um? Wie überwinden Sie die?</strong><br />Ich finde sie immer furchtbar, ganz ehrlich. Andererseits gehört es dazu. Ist schreiben Lust oder Qual? Es ist immer beides, und dieses Quälende bringt oft den Antrieb, noch mal genau zu schauen, noch genauer zu arbeiten, und das bringt den Text dann auch weiter. Es gehört zum Schreiben dazu, aber wenn man in dieser Phase ist, ist es sehr unschön, besonders, wenn man einen Abgabetermin hat und der Druck damit noch steigt. Aber ich weiß immer, wo ich hin wollte und ja, das ist manchmal anstrengend, aber alles andere wäre noch anstrengender. Man muss sich schon fragen, wie ernst ist es einem mit dem Schreiben? Denn es ist nicht nur schön zu schreiben. Ich glaube, dass es zum Erfolg auch gehört, dass man weiterwächst, sich weiterentwickelt als Autor, und natürlich auch mit Misserfolgen umgehen können muss. In diese Richtung muss man schon eine sehr hohe Bereitschaft mitbringen, wenn man sagt, das mache ich jetzt zu meinem Lebensjob.<br /><br /><strong>Wie ist Ihr Verhältnis zwischen Schreiben und Literaturbetrieb?</strong><br />Ich versuche, meine Schreibzeit sehr intensiv zu nutzen und wenig Anderes zu machen, weil ich mich wirklich sehr konzentrieren muss. Prinzipiell gibt es bei mir eine Schreibphase von etwa neun Monaten, in der ich versuche, mir möglichst viel Raum zu schaufeln; dann werde ich auch für Freunde etwas unleidlich oder wortkarg. Dann gibt es die Lektoratsphase, in der man sehr viel Kontakt hat, ähnlich wie in der Recherchephase, und dann kommt irgendwann die Lesungsphase. Dieser Wechsel zwischen Einsamkeit und dem plötzlichen überwältigenden Feedback ist manchmal extrem.<br /><br /><strong>Was fasziniert Sie ganz persönlich an Kriminalgeschichten?</strong><br />Im Moment schreibe ich einen Nicht-Krimi, aber was mich am Kriminalroman fasziniert sind die großen, existenziellen Fragen von Leben und Tod. Man ist immer direkt drin, es gibt ja nichts Schlimmeres als ein Kapitalverbrechen. Diese Konfrontation mit der eigenen Sterblichkeit, diese Erschütterung, die ein gewaltsamer Tod im Leben der Figuren auslöst, die Abgründe – das ist es, was mich am Genre interessiert. Das Krimigenre ist für den Anfang des Schreibens sehr gut gewesen, weil es sehr viel Disziplin erfordert, eine Geschichte zu konstruieren. Das ist einerseits sehr anstrengend, gibt aber andererseits einen Rahmen. Man hat ja doch immer eine Ermittlung zu führen. Wenn man sagt: „Ich schreibe einen Roman über das Leben“, kann man sich schnell verheddern.<br /><br /><strong>Gibt es Trends im Krimibereich? Was suchen Verlage?</strong><br />Ich glaube, es ist ziemlich sinnlos zu versuchen, Trends rauszukriegen. Ich versuche meine Stoffe danach zu finden, ob sie in mir wirklich etwas zum Klingen bringen. Ich habe viele Ideen, mit denen spiele ich, und bei irgendeiner Idee merke ich, dass ich zunächst selbst total angefixt bin. Dann kriege ich vielleicht noch einen gesellschaftlichen Dreh, aber vor allem geht es darum, dass mich dieses Thema fast körperlich packt. Alles andere würde ich nicht machen, weil es sehr qualvoll ist, so lange still zu sitzen und ein Buch zu schreiben, von dem man nicht weiß, wie erfolgreich es sein wird. Ich glaube, die einzige Chance ist, dass man schaut: Wo bin ich ganz bei mir mit der Geschichte? Die Bücher, die ich schreibe, müssen zunächst mir gefallen, alles andere muss ich akzeptieren. Mein Buch ist nicht besser oder schlechter, wenn es einen Preis kriegt, es ist auch nicht besser oder schlechter, wenn es ein Kritiker lobt oder verreißt, sondern es ist erstmal mein Buch, so wie ich es geschrieben habe. Manche Dinge muss man verdrängen, und ich darf mich nicht die ganze Zeit vergleichen, denn sonst werde ich wahnsinnig und kann keine Zeile mehr schreiben. Es geht darum, seine Stimme, seine Geschichte zu finden und die zu erzählen, und dabei möglichst gesund zu bleiben</p>]]></description><link>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-070210-meine-buecher-muessen-zunaechst-mir-gefallen.html</link><pubDate>Sun, 07 Feb 2010 18:00:00 +0100</pubDate><guid>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-070210-meine-buecher-muessen-zunaechst-mir-gefallen.html</guid><enclosure url="http://www.text-manufaktur.de/a/bildmaterial/blog/Gisa-Kloenne.jpg" length="21899" type="image/jpeg" /></item><item><title>04.02.10/  Die Shortlist für den 1. Werner-Bräunig-Literaturpreis steht fest</title><description><![CDATA[<p>Am 13.3.2010 werden im Leipziger <a href="http://www.horns-erben.de/">Horns Erben</a> folgende sechs Autorinnen und Autoren aus dem Textmanufaktur-Jahrgang 2009 lesen<strong>:</strong></p> <p><strong>Madeleine Prahs</strong></p> <p><strong>Christian Stahl</strong></p> <p><strong>Johannes Lindhorst</strong></p> <p><strong>Judith Pfeiffer</strong></p> <p><strong>Isabella Straub</strong></p> <p><strong>Martine Lombard</strong></p> <p>&nbsp;</p> <p>Ausführlichere Informationen mit Textbeispielen finden sich in dieser <a href="http://www.text-manufaktur.de/a/bildmaterial/Presse/Die Shortlist fuer den Werner-Braeunig-Preis.pdf">PDF</a>.</p> <p><strong><br /></strong></p> <p>Herzlichen Glückwunsch an alle!<strong> </strong>Diese sechs Autoren und 11 weitere finden Sie in der lesenswerten <a href="http://textmanufaktur-verlag.de/shop/article_978-3-942247-01-6/Andr%C3%A9-Hille-%28Hrsg.%29%3A-Und-an-den-H%C3%A4usern-h%C3%A4ngen-Engel.html?shop_param=cid%3D1%26aid%3D978-3-942247-01-6%26">Jahresanthologie der Textmanufaktur "Und an den Häusern hängen Engel"</a></p> <p><br /><img title="a/bildmaterial/Jahresanthologie 2010 Cover Front.jpg" src="http://www.text-manufaktur.de/a/bildmaterial/Jahresanthologie 2010 Cover Front.jpg" alt="a/bildmaterial/Jahresanthologie 2010 Cover Front.jpg" width="202" height="337" /></p>]]></description><link>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-040210-die-shortlist-fuer-den-1-werner-braeunig-literaturpreis-steht-fest.html</link><pubDate>Thu, 04 Feb 2010 18:00:00 +0100</pubDate><guid>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-040210-die-shortlist-fuer-den-1-werner-braeunig-literaturpreis-steht-fest.html</guid></item><item><title>27.01.10/  Die Textmanufaktur auf der Leipziger Buchmesse</title><description><![CDATA[<p><strong><br /></strong>In diesem Jahr wird die Textmanufaktur einen Stand auf der Leipziger Buchmesse haben, und zwar in<strong> Halle 5, C 311</strong>;<strong> </strong>Ich freue mich über Besuch und viele kaffeetrinkende Gäste. Am Stand wird das neue Programm für das 2. Halbjahr 2010 präsentiert sowie die beiden ersten Bücher aus dem Textmanufaktur Verlag.<strong><br /></strong></p>]]></description><link>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-270110-die-textmanufaktur-auf-der-leipziger-buchmesse.html</link><pubDate>Wed, 27 Jan 2010 18:00:00 +0100</pubDate><guid>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-270110-die-textmanufaktur-auf-der-leipziger-buchmesse.html</guid></item><item><title>18.01.10/  Wer bekommt den Lorbeer?</title><description><![CDATA[<p><strong><br />Wie sieht es denn aus mit dem neuen Werner-Bräunig-Literaturpreis, der am 13. März erstmals vergeben werden soll? Wieviel Kandidaten hat die Textmanufaktur schon gekürt dafür?</strong><br /> <br /> Es gibt eine Longlist von 15 Kandidaten, die über das Jahr 2009 aus den Seminaren der Textmanufaktur ausgewählt wurden. Diese Autorinnen und Autoren sind in einer Anthologie vertreten, die der Textmanufaktur Verlag herausgibt. Und aus ihnen wählen das Aufbau-Lektorat und ich die aussichtsreichsten 6 Finalisten für das Wettlesen am 13. März aus. Der Sieger erhält einen mit 5.000 Euro dotierten Verlagsvertrag mit dem Aufbau Verlag.<br /> <br /> <strong>Warum wurde Werner Bräunig als Namenspatron erkoren?</strong><br /> <br /> Hier gibt es viele Bezüge: Zum einen der Bezug zur Region. Bräunig wurde in Chemnitz geboren, hat in Leipzig am Literaturinstitut unterrichtet und ist in Halle gestorben. Sein Leben ist also sehr eng mit dem sächsisch-mitteldeutschen Raum verbunden. Bräunig war kein Elfenbeinturm-Autor. Er hat viel gejobbt, kam aus dem "richtigen" Leben, wie viele der Teilnehmer an den Textmanufaktur-Kursen auch. Und gerade hier versteckt sich oft interessante, erfahrungssatte Prosa. Beeindruckt hat mich auch seine Kompromisslosigkeit. Und das sind viele Autoren der Textmanufaktur auch: Sie schreiben hartnäckig neben Arbeit und/oder Familie an ihrem Roman und feilen an ihren Sätzen.<br /> <br /> Ein weiterer Aspekt ist das Grenzüberschreitende. Bräunig hat sich in Westdeutschland als Gelegenheitsarbeiter durchgeschlagen, kam dann wieder zurück in den Osten. Der Werner-Bräunig-Literaturpreis soll also mitnichten ein „Ost-Preis“ sein, sondern gerade die Grenzüberschreitung betonen. Es geht um ungewöhnliche, gute, lebensgetränkte und authentische Prosa, egal ob der Autor/die Autorin aus Berlin, München oder Wien kommt. Ein letzter Aspekt: Mich begeistert an Bräunig vor allem, dass er sowohl Geschichten erzählen als auch wunderbar mit Sprache umgehen kann. Das ist, wenn man so will, das Ideal, an dem die Texte gemessen werden.</p> <p><strong>Das ganze Interview finden Sie <a href="http://www.l-iz.de/Leben/Gesellschaft/2010/01/Finale-fuer-den-ersten-Werner-Braeunig-Preis.html">hier.</a></strong></p>]]></description><link>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-180110-wer-bekommt-den-lorbeer.html</link><pubDate>Mon, 18 Jan 2010 18:00:00 +0100</pubDate><guid>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-180110-wer-bekommt-den-lorbeer.html</guid></item><item><title>10.01.10/  Hochaufgetürmte Tage stürzen ein</title><description><![CDATA[<p><br />Als ich heute Morgen (Sonntag) gegen halb zehn mein Radio einschaltete, erwischte ich die Sendung "Gasse, Gosse, Gitter. Emmy Ball-Hennings, eine Mystikerin der Straße" von Christa Bürger. In dem sehr berührenden Radioessay wurde auch ein Gedicht der fast vergessenen Künstlerin gelesen, das sehr gut zu diesen stürmischen Tagen an der Ostsee passt:</p> <p>&nbsp;</p> <p><strong><br />Emmy Hennings</strong></p> <p><span class="text_zitatdlf"><strong><span class="text_italic">Gesang zur Dämmerung</span></strong><br />Oktaven taumeln Echo nach durch graue Jahre.<br />Hochaufgetürmte Tage stürzen ein.<br />Dein will ich sein -<br />Im Grabe wachsen meine gelben Haare<br />Und in Holunderbäumen leben fremde Völker<br />Ein blasser Vorhang raunt von einem Mord<br />Zwei Augen irren ruhelos durchs Zimmer<br />Gespenster gehen um beim Küchenbord.<br />Und kleine Tannen sind verstorbene Kinder<br />Uralte Eichen sind die Seelen müder Greise<br />Die flüstern die Geschichte des verfehlten Lebens.<br />Der Klintekongensee singt eine alte Weise.<br />Ich war nicht vor dem bösen Blick gefeit<br />Da krochen Neger aus der Wasserkanne,<br />Das bunte Bild im Märchenbuch, die rote Hanne<br />Hat einst verzaubert mich für alle Ewigkeit</span></p> <p>&nbsp;</p> <p><span class="text_zitatdlf">Der ganze, sehr lesenswerte Beitrag ist hier zu finden:<br /><a href="http://www.dradio.de/dlf/sendungen/essayunddiskurs/1101215/">http://www.dradio.de/dlf/sendungen/essayunddiskurs/1101215/</a><br /></span></p>]]></description><link>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-100110-hochaufgetuermte-tage-stuerzen-ein.html</link><pubDate>Sun, 10 Jan 2010 18:00:00 +0100</pubDate><guid>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-100110-hochaufgetuermte-tage-stuerzen-ein.html</guid><enclosure url="http://www.text-manufaktur.de/a/bildmaterial/blog/EMMY_HENNINGS.tif.big.jpg" length="21229" type="image/jpeg" /></item><item><title>21.12.09/  Ahrenshooper Impressionen</title><description><![CDATA[<p>Allen Freunden der Textmaufaktur wünsche ich mit diesen Bildern einen besinnlichen, erholsamen Jahresausklang.</p> <p>&nbsp;</p> <p><img title="a/bildmaterial/blog/ah kl03.jpg" src="http://www.text-manufaktur.de/a/bildmaterial/blog/ah kl03.jpg" alt="a/bildmaterial/blog/ah kl03.jpg" width="600" height="399" /></p> <p>&nbsp;</p> <p><img title="a/bildmaterial/blog/ah kl04.jpg" src="http://www.text-manufaktur.de/a/bildmaterial/blog/ah kl04.jpg" alt="a/bildmaterial/blog/ah kl04.jpg" /></p> <p>&nbsp;</p> <p><img title="a/bildmaterial/blog/ah kl05.jpg" src="http://www.text-manufaktur.de/a/bildmaterial/blog/ah kl05.jpg" alt="a/bildmaterial/blog/ah kl05.jpg" /></p> <p>&nbsp;</p> <p><img title="a/bildmaterial/blog/ah kl08.jpg" src="http://www.text-manufaktur.de/a/bildmaterial/blog/ah kl08.jpg" alt="a/bildmaterial/blog/ah kl08.jpg" width="600" height="399" /></p> <p>&nbsp;</p> <p><img title="a/bildmaterial/blog/ah kl09.jpg" src="http://www.text-manufaktur.de/a/bildmaterial/blog/ah kl09.jpg" alt="a/bildmaterial/blog/ah kl09.jpg" /></p> <p>&nbsp;</p> <p><img title="a/bildmaterial/blog/ah kl10.jpg" src="http://www.text-manufaktur.de/a/bildmaterial/blog/ah kl10.jpg" alt="a/bildmaterial/blog/ah kl10.jpg" width="600" height="399" /></p> <p>&nbsp;</p> <p><img title="a/bildmaterial/blog/ah kl12.jpg" src="http://www.text-manufaktur.de/a/bildmaterial/blog/ah kl12.jpg" alt="a/bildmaterial/blog/ah kl12.jpg" /></p> <p>&nbsp;</p>]]></description><link>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-211209-ahrenshooper-impressionen.html</link><pubDate>Mon, 21 Dec 2009 18:00:00 +0100</pubDate><guid>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-211209-ahrenshooper-impressionen.html</guid></item><item><title>18.12.09/  Die Textmanufaktur in der Presse</title><description><![CDATA[<p>&nbsp;</p> <p>"Autorenschule geht auf die Bühne: Stippvisite in der Plagwitzer Textmanufaktur", titelt die Leipziger Internetzeitung. Der ganze, sehr schön geschriebene Artikel, ist <a href="http://www.l-iz.de/Politik/Brennpunkt/2009/12/Autorenschule-Stippvisite-in-der-Plagwitzer-Textmanufaktur.html">hier</a> zu lesen.</p> <p>&nbsp;</p> <p>Leander Wattig hat mit seiner Aktion "Ich mach was mit Büchern" viele Leute aus der Branche angesprochen. Unter anderem führte er auch ein Interview mit mir. <a href="http://wasmitbuechern.de/post/288690032/andre-hille-bei-mir-gilt-die-strategie-virtuelles">"Virtuelles Marketing für reale Zusammenkünfte"</a></p>]]></description><link>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-181209-autorenschule-geht-auf-die-buehne.html</link><pubDate>Fri, 18 Dec 2009 18:00:00 +0100</pubDate><guid>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-181209-autorenschule-geht-auf-die-buehne.html</guid></item><item><title>07.12.09/  Die Textmanufaktur auf der Buchmesse Leipzig</title><description><![CDATA[<p>&nbsp;</p> <p><img title="a/bildmaterial/blog/background_header.jpg" src="http://www.text-manufaktur.de/a/bildmaterial/blog/background_header.jpg" alt="a/bildmaterial/blog/background_header.jpg" width="343" height="127" /><br /><br />Deu Buchmesse Leipzig war so nett, die Textmanufaktur als Erstaussteller 2010 im Newsletter und auf der Homepage vorzustellen. Hier gibt es einen kleinen Text dazu: <a href="http://www.leipziger-buchmesse.de/">www.leipziger-buchmesse.de/</a></p>]]></description><link>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-071209-die-textmanufaktur-auf-der-buchmesse-leipzig.html</link><pubDate>Mon, 07 Dec 2009 18:00:00 +0100</pubDate><guid>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-071209-die-textmanufaktur-auf-der-buchmesse-leipzig.html</guid></item><item><title>28.11.09/  Der historische Roman</title><description><![CDATA[<p>&nbsp;</p> <p><strong>Skript zum Seminar „Historischer Roman“ im November. Von Christine Steffen-Reimann (Lektorin Droemer-Knaur)</strong><br /><br />I) Entwicklung des historischen Romans<br />- Der historische Roman ist ein altes Genre, in dem es auch immer große Erfolge gegeben hat.<br />- Beginn Siegeszug des historischen Romans in den achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts: „Der Name der Rose“ von Umberto Eco und „Das Parfum“ von Patrick Süskind – sowohl große Verkaufszahlen als auch wohlwollende bis begeisterte Aufnahme durchs Feuilleton.<br />- gefolgt von „Der Medicus“ von Noah Gordon und „Die Säulen der Erde“ von Ken Follet: die „wandernden Helden“ (Männliche!) kommen in Mode<br />- Vorherrschaft der männlichen Helden gebrochen durch „Die Päpstin“ von Donna Woolfolk Cross und Anfang des 21. Jahrhunderts durch „Die Wanderhure“ von Iny Lorentz<br />- thematischer Wechsel: Individuum statt großes historisches Panorama steht im Vordergrund, die „kleinen Leute“ statt der Herrschenden. Diese Wandlung drückt sich im historischen Roman beispielsweise durch die Hinwendung zu Berufsgruppen aus. Titel wie „Der Goldschmied“, „Die Wachsbildnerin“, „Die Safranhändlerin“, „Die Seidenweberin“ zeugen davon. Im Mittelpunkt dieser Romane steht nun der Lebensweg eines Protagonisten/einer Protagonistin, und durch die Augen dieser Hauptfigur wird das Zeitalter gesehen.<br /><br />- aktuelle Tendenz zur deutschen Geschichte: <br />Die AutorInnen verarbeiten deutsche Themen, Figuren und Orte in ihren Romanen. Dies ist allerdings eine Tendenz, die sich nicht nur im historischen Roman findet; zu nennen sind hier nur die Regionalkrimis, die es auf dem deutschen Buchmarkt zu einer wahren Blüte gebracht haben.<br />Beispiele: Sabine Ebert, Blut und Silber; Sabine Weigand, Die Seelen im Feuer; Andrea Schacht, Der dunkle Spiegel<br />Mögliche Erklärung: In Zeiten der Krise, aber auch in Zeiten der Globalisierung, verspüren die Leser stärker den Wunsch nach Nähe, nach Überschaubarkeit. Die Verunsicherung in ihrem eigenen Lebensbereich mag dazu führen, dass sie in ihrer Lektüre das Vertraute wiederfinden wollen – und mag es auch in der Vergangenheit zu finden sein. Natürlich bestätigen auch hier Ausnahmen die Regel, denn Rebecca Gablés England-Romane finden nach wie vor ein großes Publikum – sie war aber schon vor dem Boom der „deutschen“ Themen erfolgreich.<br /><br />- welche Epoche ist am erfolgreichsten?<br />Die „Herrschaft“ des Mittelalters ist ungebrochen! Mit Ausnahmen funktionieren andere Epochen fast gar nicht: die Antike oder das 19. Jahrhundert, das wiederum in England gerne im Roman verarbeitet wird, sind nicht leicht zu vermitteln.<br />- Ausnahmen: explizit historischer Frauenroman, bei dem Historie, eine Frauenfigur und eine reizvolle Bezeichnung miteinander verbunden werden. Beispiele „Das Marzipanmädchen“ und&nbsp; „Die Bernsteinsammlerin“ von Lena Johannson, „Die Kaffeeprinzessin“ von Karin Engel oder „Die Glasbläserin“ von Petra Durst-Benning.<br />- Worin liegt das Faszinierende des Mittelalters?<br />1) hängt sicher mit einer gewissen Verklärung zusammen, einer fast märchenhaften Vorstellung vom Mittelalter, die in der Kindheit von Erzählungen von edlen Burgfräulein und tapferen Rittern geprägt wurde<br />2) drückt sich darin evtl. eine Sehnsucht nach festen Rollen und Regeln aus – die der Leser im modernen Leben nicht mehr findet. Auch wenn keiner auf die Freiheit verzichten möchte, die wir heute genießen, sie wirft den Einzelnen auch auf sich selbst zurück – und im historischen Roman ist in dieser Hinsicht die Welt wieder in Ordnung, weiß man ganz genau, wo oben und unten, wo gut und böse ist.<br />3) sind es ja in den Romanen aus dieser Epoche gerade oft die starken Frauenfiguren, die über alle Widrigkeiten triumphieren, Gefahren überwinden, sich aus ihrem Umfeld erheben – also ideale Identifikationsfiguren, wenn man aus dem eigenen Alltag mittels Lektüre fliehen will.<br /><br />- Lesemotivation beim historischen Roman?<br />&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; a) Eskapismus<br />&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; b) Bildung<br />Die Leserin/der Leser flieht mit Hilfe des Romans in eine andere Zeit, eine andere Epoche, geleitet von einer Hauptfigur, mit der er/sie sich identifizieren kann. Andererseits aber will man auch etwas „lernen“, will das Gefühl haben, sich in gewisser Weise „gebildet“ zu haben, wenn man das Buch zuklappt. Ganz egal, wie hoch das Anspruchsniveau des jeweiligen historischen Romans also ist, die Recherche muss stimmen, der Hintergrund muss authentisch sein. Das heißt, Kleidung, Gewohnheiten und Bräuche, Essen und Trinken, der Umgang miteinander soll zu der jeweiligen Epoche passen. Denn die Leser sind sehr genau und kritisch.<br /><br />- Versuch einer Kategorisierung<br />„Story-driven“ vs. „History-driven“<br />Bei Romanen, die in die Kategorie history-driven fallen, steht die „große Geschichte“ im Mittelpunkt, die Figuren sind zwar lebendig, führen den Leser aber eher durch die großen Ereignisse. Das „Lernen“ spielt hier für diesen eine große Rolle.<br />Bei den story-driven Romanen dagegen ist der Hintergrund zwar ebenfalls sehr gut recherchiert, Zeitkolorit sowie Lokalkolorit müssen stimmen, doch entscheidend ist die persönliche Lebensgeschichte der Protagonisten, die meistens nicht tatsächlich existiert haben. Natürlich gibt es unendlich viele Mischformen, doch<br />der Vorteil dieser Kategorisierung ist, dass es hier in keiner Weise um Dinge wie Anspruch und Niveau geht, sondern dass sich diese Kategorie auf allen Sprachebenen durchdeklinieren lässt.<br /><br />- Die „Nischen“<br />Schaut man sich den gegenwärtigen Markt der historischen Romane an, drängt sich der Eindruck auf, dass vier Voraussetzungen gegeben sein müssen, um Erfolg zu haben:<br />1) Der Autor sollte eine Frau sein<br />2) Im Mittelpunkt des Romans sollte eine Frau stehen<br />3) Der Roman sollte im Mittelalter spielen<br />4) Schauplatz sollte möglichst Deutschland sein<br /><br />Hiermit sind jedoch lediglich die „Zutaten“ beschrieben, die allem Anschein nach IM AUGENBLICK zu einem erfolgreichen historischen Roman gehören.<br />Es gibt immer wieder Romane, die von Verlagen ins Programm genommen werden, die diese Kriterien nicht erfüllen,<br />a) weil sie besonders gut geschrieben sind und eine ganz eigene „Stimme“ aufweisen<br />b) weil die Hauptfigur – und das kann dann durchaus auch ein Mann sein – den Leser ganz besonders anspricht, aufwühlt und in ihren Bann zu ziehen versteht<br />c) weil der Hintergrund, vor dem der Roman spielt – auch wenn es sich nicht um Deutschland und nicht ums Mittelalter handelt – so sinnlich, atmosphärisch, auch so innovativ ist, dass man sich ihm nicht entziehen kann<br />d) der historische Roman z.B. eher als große Frauensaga verpackt wird. (Beispiele: Ana Veloso, „Der Duft der Kaffeeblüte“ oder auch die überaus erfolgreiche Neuseeland-Trilogie von Sarah Lark.<br />Hier ist für die Leserin weniger der historische Hintergrund als vielmehr die Exotik und das Frauenschicksal interessant. Das heißt also: Die Grenzen werden zunehmend fließend!</p> <p>Einen weiteren spannenden Workshop zum Thema "Historischer Roman" gibt es im Mai 2010. Mehr Informationen <a href="http://www.text-manufaktur.de/anmeldung/events/kurs-10-13.html">hier.</a></p>]]></description><link>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-281109-der-historische-roman.html</link><pubDate>Sat, 28 Nov 2009 18:00:00 +0100</pubDate><guid>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-281109-der-historische-roman.html</guid></item><item><title>25.11.09/  Interview mit den Ladys</title><description><![CDATA[<p><br />Liebe LeserInnen,<br /><br />dieses Mal präsentieren wir euch an dieser Stelle mal keinen Buchtipp, sondern André Hille und sein erfolgreiches Projekt die<br />"Textmanufaktur". Das ist nicht nur für angehende AutorInnen unter euch interessant!<br /><br />Wir haben für euch ein Interview mit André Hille geführt.<br /><br /><br />Lieber André,<br /><br />unsere LeserInnen sind immer sehr interessiert an neuen, kreativen Ideen und Projekten, zu der wir auch die Textmanufaktur zählen. Deshalb möchten wir dir als „Kopf“ der Textmanufaktur heute ein paar Fragen stellen.<br /><br />1.Was verbirgt sich hinter der Textmanufaktur? Wann hast du sie gegründet und was hat dich dazu bewogen?<br />AH:<br />Die Textmanufaktur ist eine Schule für Textkompetenz, das heißt, mir geht es darum, dass Autorinnen und Autoren ein höheres Bewusstsein für ihre Texte erlangen. Und das auf allen Ebenen: Plot, innere Logik, Szenen, Figuren, Sprache. Ich glaube, dass viele Texte zu früh rausgeschickt werden und viele ihr Schreiben nicht ausreichend reflektieren. Das wird in der Textmanufaktur unter professioneller Anleitung gemacht. Wie kam ich darauf? Ich bin selbst Autor und bin viele viele Umwege beim Schreiben gegangen, die mich einige Jahre meines Lebens gekostet haben. Vielleicht möchte ich anderen diese Fehler ersparen. Darüberhinaus ist es aber einfach meine Leidenschaft, als Lektor mit und an Texten zu arbeiten, sie zu optimieren, ihr Potenzial zu heben. Denn nahezu jeder Text hat ein Potenzial, das oft nur nicht den richtigen Ausdruck findet.<br /><br />2.Kannst du noch ein wenig mehr über die Zielsetzung erzählen, z.B. welche Zielgruppe du ansprichst und wer dort referiert?<br />AH:<br />Wichtig ist mir ein professioneller Umgang mit Texten und Schreibenden. Das heißt, im Mittelpunkt steht zwar immer das Manuskript, aber die Marktlage und auch Wege zur Selbstvermarktung werden nie aus den Augen verloren. Deshalb ist es mir so wichtig, Lektorinnen und Lektoren direkt aus den großen Verlagen zu holen, die dicht dran sind an der täglichen Programmgestaltung und am Büchermachen. Aber wie gesagt: Im Zentrum steht der Text, denn nur ein guter Text findet am Ende seinen Weg.<br /><br />3.Welche Erfahrungen resultieren aus den bisherigen Kursen bzw. Seminaren?<br />AH:<br />Dass die Arbeit immer sehr konstruktiv war und die allermeisten begeistert und bereichert wieder nach Hause fahren. Für einige kann eine Teilnahme gar einen Sprung ins Literaturgeschäft bedeuten, es gibt zumindest einige Lektoren, die sich schon für das eine oder andere Manuskript interessiert haben.<br /><br />4.Gibt es etwas, das du optimieren möchtest?<br />AH:<br />Die Auslastung der Kurse ist nicht immer optimal. Einige sind überbucht, bei anderen sind zu wenige Teilnehmer. Hier muss im Lauf der Zeit noch das richtige Maß gefunden werden. Man weiß allerdings nie, wie die Autorinnen und Autoren auf Themen reagieren. Fantasy, dachte ich zum Beispiel, sei das große Ding, wurde aber von den Schreibenden nicht angenommen. Es ist ein Prozess, learning by doing.<br /><br />5.Welche Erwartungen werden an die Kursteilnehmer gestellt?<br />AH:<br />Eigentlich keine allzu hohen. Mir geht es ja gerade um einen Prozess der Demokratisierung in der Schriftstellerausbildung. Institutionen, die nach irgendwelchen Kriterien eine (Vor-)Auswahl treffen, gibt es genug. Bei der Textmanufaktur kann erst mal jeder mitmachen, vorausgesetzt, das Schreiben wird ernsthaft betrieben und man ist fähig und willens, konstruktive Kritik anzunehmen und abzugeben.<br /><br />6.Hast du weitere Pläne für die Zukunft? Oder gar besondere Wünsche dein Projekt betreffend?<br />AH:<br />Aktuell steht die Planung des Textmanufaktur Verlags im Vordergrund, in dem ich „Handbücher für Autoren“ herausbringen möchte. Der Textmanufaktur Verlag wird also ein Spezialist fürs Kreative Schreiben. Der erste Werner-Bräunig-Literaturpreis, der zusammen mit dem Aufbau Verlag im März in Leipzig vergeben wird, lässt auch die Nervosität ein wenig steigen. Schließlich bekommt eine Autorin oder ein Autor des Textmanufaktur-Jahrgangs 2009 einen Verlagsvertrag, das ist eine hohe Verantwortung, und ich hoffe, dass es den oder die richtige(n) trifft.<br /><br />7.Gibt es ein besonderes Erlebnis bei den Seminaren, an das du dich erinnerst?<br />AH:<br />Das Seminar in Venedig war wohl von der Umgebung das schönste in diesem Jahr. Ich hätte am liebsten stundenlang nur auf einer der Brücken gestanden und dem venezianischen Alltag zugeschaut; Taxiboote, Müllboote, unendlich viele Touristen. Die Tage mit Christian Döring waren schon, in all dem Besonderen, das herausragende Ereignis des Jahres.<br /><br />8.Was macht André Hille, wenn er sich mal nicht mit Texten beschäftigt? Welche Hobbys hast du?<br />AH:<br />Schwierig, wenn man das Hobby zum Beruf macht, gewinnt man zwar einen Beruf, der einem sehr nah ist, man verliert aber das Hobby. Das ist manchmal ein wenig schade, dass man sich nicht, wie früher, nur mal so aus Lust tagelang quer durchs eigene Bücherregal lesen kann. Lesen ist Arbeit geworden. Ansonsten reise ich sehr gern, nehme neue Eindrücke in mich auf, mache mir dazu Notizen. Die Rolle des Reiseschriftstellers wird wohl immer meine Idealvorstellung vom Leben bleiben. Menschen zu treffen und mich auszutauschen ist mir sehr wichtig. Beim Reden klären sich oft Dinge, man gewinnt neue Erkenntnisse und festigt zugleich Bindungen. Ich fahre sehr gern Rad, im Sommer fast täglich, und gegen ein guten Film habe ich auch nichts einzuwenden. Schließlich bin ich von Beruf eigentlich Filmwissenschaftler.</p> <p>Hier gibt es das Interview auch live und in Farbe: <a onclick="window.open(this.href); return false;" href="http://andromache.twoday.net/stories/6049902/">http://andromache.twoday.net/stories/6049902/</a></p>]]></description><link>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-251109-interview-mit-den-ladys.html</link><pubDate>Wed, 25 Nov 2009 18:00:00 +0100</pubDate><guid>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-251109-interview-mit-den-ladys.html</guid></item><item><title>06.11.09/  Autoren sollten sich ihren Stolz bewahren</title><description><![CDATA[<p><strong>Wie verhalte ich mich gegenüber Verlagen, Lektoren, Agenturen? Wie konzipiere ich ein Anschreiben? Sollte man einfach ein Manuskript losschicken?</strong><br /> Das Losschicken eines Manuskriptes bedarf einer kleinen Vorbereitung. Das Anschreiben an den Verlag hat dabei keine große Bedeutung, wenn minimale Bedingungen erfüllt sind: es sollte kurz und fehlerfrei sein. Es reicht durchaus ein ungereimter Vierzeiler. Ein mittlerweile prominent gewordener Autor hatte mir zu Beginn meiner Lektorentage geschrieben: „Bitte lesen Sie mein Manuskript, das Sie beiliegend finden. Ich freue mich auf eine Antwort. Mit freundlichen Grüßen.“ Das ist völlig ausreichend, denn die Zeitökonomie in den Verlagen hat sich dramatisch zuungunsten von Manuskripten und Autoren gewendet. Die Lektoren beschäftigen sich mit allem Möglichen, aber zu wenig mit den Manuskripten, die vor ihnen liegen. Das heißt, lange Exposés oder Lebensläufe sind von untergeordneter Bedeutung. Hinter der übermäßigen Beschäftigung mit diesem Thema steckt oft  die Scheu, das Manuskript überhaupt aus der Hand zu geben, die in den scheinbaren Kompliziertheiten eines Anschreibens kompensatorisch zum Ausdruck kommt.</p> <p> <strong>Literarische Agenturen haben sich auf dem deutschsprachigen Markt etabliert. Was raten Sie Autoren? Pro oder Contra Agentur? </strong><br />Noch in den 80er Jahren gab es für deutschsprachige Literatur kaum Agenturen, mittlerweile gibt es viele. Den Lektoren wird ein Großteil ihrer Lektüre sortiert und damit auch in einer bestimmten Art und Weise qualifiziert dargeboten. Insofern wird es für den Autor leichter, beim Verlag Ansprache zu finden; das ist der Vorteil, den er nicht außer Acht lassen sollte. Aber: Agenturen kosten Geld, den Autor und  den Verlag. Dieser arbeitet bevorzugt in von Agenturen ungestörten Beziehungen, doch dieses enge Verlag-Autor-Verhältnis gibt es  kaum noch. Auf Gedeih und Verderb per Handschlag: Wir machen dein Manuskript, und wir wollen deine Bücher begleiten, auch schwierige. Das gehört weitgehend der Geschichte literarischer Verlage an. Natürlich haben literarische Agenturen grundsätzlich mit dem gleichen Problem wie die Verlage zu kämpfen, dass nämlich viel zu viel geschrieben wird. Alles ist verstopft, jeder will schreiben, keiner lesen. Wenn Agenturen überhäuft sind mit eingehenden Manuskripten und sie keine strenge Auswahl mehr treffen können, dann wird die Aufgabe einer Agentur ad absurdum geführt, weil sie auch nichts anderes machen, als die Autoren selbst tun können, nämlich sich ein Verlagsadressenverzeichnis beschaffen und das Manuskript zu verteilen. Eine gute Agentur kennt natürlich in allen Verlagen die Lektoren persönlich, sodass sie weiß, wer aus welcher Traditionen kommt, zu wem dieses oder jenes passt. Und dann bleiben höchstens fünf oder sechs Verlage für ein Manuskript übrig. Man sollte also den Schritt zu einer literarischen Agentur sehr genau bedenken.</p> <p> <strong>Woran erkennt man eine gute Agentur?<br /></strong> Natürlich wollen Agenturen als Vertretung ihres Autors den größtmöglichen zumal ökonomischen Vorteil erzielen, auch für sich selbst in Zeiten wachsender Kosten und Konkurrenz, und das bedeutet möglichst hohe Vorschüsse. Jedem Verlag als auch ökonomische Unternehmung mit einer eigenen Kalkulation für jedes Buch ist damit geholfen, wenn er ein gutes Manuskript für 5.000 oder 7.000 Euro bekommt. Die Agentur hat aber das Interesse, ein solches Manuskript für 10.000 oder 14.000 Euro zu verkaufen. Es wäre trotzdem falsch zu sagen, dass ein Autor also notwendig die Agentur wählen sollte, denn umgekehrt kann es von Vorteil sein, wenn der Autor in einer längerfristig gedachten Beziehung  zunächst weniger Geld verdient, aber der Verlag zu diesem Autor ein anderes Verhältnis entwickeln kann, nämlich in der Regel ein sehr viel direkteres und persönlicheres, und zum Beispiel sagt: Mit diesem geringeren Vorschuss fällt es uns leichter, für den Autor dieses und jenes zu tun, da der Topf, den man für jeden Autor hat, noch nicht ausgeschöpft ist. Von einem Buch, das in der Kalkulation mit einem Vorschuss von 14.000 Euro belastet ist, muss man natürlich mehr Exemplare verkaufen, um diese 14.000 Euro wieder einzuspielen. Das erhöht den Druck. Es kann also viel angenehmer sein, nur 5.000 oder 7.000 Euro erhalten zu haben und dafür schaltet der Verlag ein paar Anzeigen, macht Publikums- oder Buchhandelswerbung. Umgekehrt würde jetzt wieder der Agent sagen: Völlig falsch gedacht, wir müssen diesem Verlag Druck machen, das Buch teuer verkaufen, denn nur, wenn der Einsatz hoch war, ist der Verlag auch gewillt, etwas für diesen Autor zu tun und das Geld wieder einzuspielen. Das muss aber keineswegs so sein. Das könnten wir noch an anderen Beispielen durchspielen. Das Thema ist also komplex, es gibt Vor- und Nachteile. Ein anderer Nachteil könnte es wieder sein, dass ein mit Begeisterung und Überzeugung über eine Agentur eingekaufter Autor doch einen solch bescheidenen Erfolg hatte, dass es schnell einen Riss zwischen Autor und Verlag gibt, weil natürlich jeder Autor genau erspürt, ob er die Erwartungen eingelöst hat. Irgendwann wird sich auch der ökonomische Geschäftsführer eines Verlages einschalten und sagen: Ich finde diesen Autor gut, aber drei Büchern und – sagen wir – 85.000 Euro Vorschuss stehen nur diese und jene Verkaufszahlen gegenüber. Also trennt man sich von diesem Autor. Es gibt nichts Schlimmeres für einen Autor, als seinen Verlag zu verlieren. Manchmal sind Agenten an diesem Punkt wiederum sehr hilfreich. Bei Verlag A kein Erfolg, wir machen einen Neustart bei B, manchmal gelingt das, manchmal gelingt es dann auch erst bei Verlag C. Andererseits sind Agenturen manchmal auch sehr schnell mit dem Verlagswechsel und ein Autor mit fünf Romanen findet sich bei vier Verlagen wieder. Das Autor-Verlag-Verhältnis konnte nicht wachsen und jedes Buch, das erschienen ist, ist letztlich ein verlorenes Buch, denn die Rechte bleiben erst einmal bei den Verlagen. Kurzum, Sie zerstreuen Ihre Rechte und kommen niemals dazu, fünf Romane bei einem Verlag zu haben, mit einer wachsenden Backlist. Sie sitzen auf einem Scherbenhaufen, jedenfalls was diesen Rechte-Aspekt anbelangt. Es gibt also keinen Königsweg bei der Agentur-Frage, alles ist ein Abwägen, ein Vorteil da, zwei Nachteile dort, ein Nachteil hier, zwei Vorteile da.</p> <p> <strong>Also sollte man sich lieber zunächst an die Verlage direkt wenden? Aber oft kommt man zu den Lektoren gar nicht erst durch, man hat es mit Sekretariaten zu tun.</strong> <br />Nein, das ist eine psychologisch verständliche Mystifizierung, die sich aus Enttäuschung heraus entwickelt. Sie haben die Möglichkeit, die Lektoren zu treffen, beim Bachmann-Wettbewerb, beim Open Mike, bei Seminaren. Da haben Sie die Lektoren auf dem Serviertablett vor sich und können Sie sich anschauen. Und bei den ganzen Mittagessen und Ausflügen kann man sich auch an diese Menschen heranschleichen. Man folgt einem Dialog, und dann spricht man über Literatur und das eigene Schreiben. Natürlich nur unter der Voraussetzung, dass die literarische Qualität stimmt. Vorher sollte man sich eingehend selbst befragen und Situationen schaffen, bei denen man Rückmeldung bekommt, in denen klar wird, gibt mein Manuskript das schon her?  Dann würde ich mir die Verlagsprogramme anschauen und die Autorentradition, die in diesem Verlag gepflegt wird. Welche Autoren sind es, die ich gerne lese oder die ich bewundere, in deren Umfeld ich meine Bücher sehe? Dann fällt die Verlagswahl schon leichter. Und warum nicht, bei aller Konkurrenz, auch überlegen, mit Autoren Kontakt aufzunehmen? Im weiteren macht es natürlich auch Sinn, sich über Zeitschriften auszuprobieren. Eine Veröffentlichung dort zeigt doch auch schon etwas, hat eine gewisse Filter- und Kritikfunktion. Zunehmend spielen auch außerliterarische Gesichtspunkte eine Rolle: Sie schreiben Kritiken oder sind über Rundfunk, Film und Fernsehen einem bestimmten Kreis bekannt? Dann öffnet das die Türen auch leichter.</p> <p> <strong>Also läuft es wie immer über Kontakte und Bekanntschaften?<br /> </strong>Ja. In den größeren Städten, in denen Verlage sitzen, gibt es Literaturhäuser und Veranstaltungen, bei denen man ebenfalls Autoren oder Lektoren treffen kann. Ich halte es sowieso für eine Selbstverständlichkeit, dass Autoren deutschsprachige Literatur, zeitgenössische Literatur lesen und studieren, genauso wie die Feuilletons der großen Tageszeitungen, Kritiken lesen und sehen, was zeitgenössische Literatur in diesem Zusammenhang bedeutet, dass Sie zu Lesungen gehen und das nicht nur zweimal im Jahr, sondern häufiger; daraus ergeben sich in der Regel im Lauf der Zeit Bekanntschaften. Vielleicht lernt man denjenigen Autor kennen, der dann eine Anthologie herausgibt. Manche Autoren vermitteln auch weiter, weil sie möchten, dass in ihrem Verlag gute Autoren veröffentlicht werden. Es ist nicht so, dass das alles ein abgekartetes Spiel ist und es kein Hereinkommen gibt. Doch dazu braucht es Geduld und Fingerspitzengefühl; Enttäuschungen gehören dazu. Genauso wie Sie, wenn Sie das erste Buch veröffentlicht haben, Enttäuschungen ohne Ende erleiden werden. Dann geht der nächste Kampf los: Sie kriegen keine Besprechungen, der Verlag tut nichts für Sie, Sie bekommen keine Lesungen, und wenn Sie Lesungen haben, ist das Honorar geringer als bei anderen, Sie werden nicht zu Literaturfestivals eingeladen – Sie erfahren nichts als Kränkungen die ganze Zeit. Aber das Leben ist an sich eine Kränkung, aus der Literatur erwächst.  Sie müssen beweglich sein. Als ich mich vom Akademischen verabschiedet hatte und anfing, mich neben ihren Büchern auch für Verlage selbst zu interessieren, bin ich zum Beispiel nach Klagenfurt gefahren – ich hatte kaum das Geld in der Tasche, solches zu tun – um dann plötzlich neben diesem oder jenem Autor oder Lektor zu sitzen. Auf diese Art und Weise bin ich zu Kontakten gekommen. Ich habe gesehen, worüber die reden, welche Bücher die toll finden. Das war ein erster kleiner Schritt. Diese Beweglichkeit muss man einfach entwickeln und in sie investieren. Natürlich nicht wie die Wichtigtuer, die überall sind. Es gibt ja solche Institutionen wie die Textmanufaktur. Hier werden ja links und rechts Zaunpfähle auf dem Weg zum fertigen Autor eingeschlagen (lacht). <br />Trotz allem sollten Autoren weiterhin ihren Stolz pflegen. Dass man nicht denkt: Hier bin ich kleiner Autor, da sind die großen Verlage. Man fühlt sich wie ein Nichts. Das ist falsch. Es gibt seit Jahren diese zunehmende und merkwürdige Umkehrung im Betrieb der Kultur. Die Kreativen, die Primären, die das alles schaffen, werden an die Seite gedrängt durch die Sekundären, die Vermittler und Macher, die Agenten, die Subagenten usw. Das zu beklagen nützt gar nichts, aber als ich von Stolz sprach, habe ich einen Autor im Kopf gehabt, für den gehörte zu dem Stück Leben, das in seinem Text steckte, dass er das kaum aus der Hand gab, dass er das nicht irgendeinem Agenten anvertraut, sondern nur die zwei oder drei oder fünf Verlage solches lesen dürfen und vielleicht noch der andere Autor, mit dem er vertraut ist. Das klingt jetzt etwas pathetisch, aber das war für ihn selbstverständlich und eine Frage von Ehre und Selbstwert.</p> <p>Im Juni 2010 findet das nächste Seminar mit Christian Döring in Venedig statt. Mehr Informationen <a href="http://www.text-manufaktur.de/anmeldung/events/kurs-10-18.html">hier</a></p>]]></description><link>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-061109-autoren-sollten-sich-ihren-stolz-bewahren.html</link><pubDate>Fri, 06 Nov 2009 18:00:00 +0100</pubDate><guid>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-061109-autoren-sollten-sich-ihren-stolz-bewahren.html</guid><enclosure url="http://www.text-manufaktur.de/a/bildmaterial/blog/doering kl.jpg" length="101428" type="image/jpeg" /></item><item><title>01.11.09/  Kleinverlegertag an der HTWK Leipzig</title><description><![CDATA[<p>&nbsp;</p> <p>Der Studiengang Buchhandel/Verlagswirtschaft läft am Donnerstag, 5.11. in die HTWK. Dort diskutieren u.a. Christoph Links, Sebatsian Wolter und Thomas Siemon darüber, wie "Junge Verlage Leipzig neu beleben".</p> <p>Wird bestimmt interessant!</p>]]></description><link>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-011109-kleinverlegertag-an-der-htwk-leipzig.html</link><pubDate>Sun, 01 Nov 2009 18:00:00 +0100</pubDate><guid>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-011109-kleinverlegertag-an-der-htwk-leipzig.html</guid><enclosure url="http://www.text-manufaktur.de/a/bildmaterial/blog/Kleinverlegertag09.jpg" length="159176" type="image/jpeg" /></item><item><title>27.10.09/  Frankfurt - Offenbach - Bydgoszcz</title><description><![CDATA[<p>Der Oktober war (und ist) geprägt von diversen Reisen zu diversen Events. <strong>Buchmesse</strong>: empfand ich diesmal als unaufgeregt. Business as usual, wobei ich das Gefühl hatte, dass die Verleger und Buchhändler mit einer gewissen stoischen Gelassenheit der Krise trotzen und sich auch ein wenig verwundert die Augen reiben, dass die Umsätze stabil bleiben. Scheinbar gönnt sich der Mensch noch die kleine Freude des Lesens und spart an Größerem. Doch die Wehklagen, dass der/die Lesende sich in Deutschland immer mehr auf einige wenige Titel einschießt, war ebenfalls nicht zu überhören. Einmal oben, immer oben. Wenn ich schon ein Buch kaufe, dann soll es auch das richtige sein. So verstärken sich (Buch-)Preiskarussel, Bestsellerliste und persönliche Empfehlung gegenseitig. Der E-Book-Hype wurde zum gefühlten fünfundzwanzigsten Mal angekündigt und blieb wieder aus. So langsam hat man das Gefühl: Zu viel über die Hochzeit geredet, sie wird nie stattfinden. Oder doch nur im kleineren Kreise.</p> <p>Die Partys in Frankfurt empfand ich (im Gegensatz zu den Leipziger Partys) als eher mau. Die täglich erscheinende, auf lustig getrimmte Buchmesse-Ausgabe der FAZ wählte nicht nur DuMont Lektor Jo Lendle zum zweitschönsten Lektor im deutschsprachigen Raum, sondern schrieb auch "<strong>Getanzt wird in Leipzig</strong>". Die Partys im Kunstverein - okay. die Location war angemessen, die Leute gut drauf, und doch hatten die Partys (v.a. die Musik) immer etwas vom 50. Geburtstag eines Unternehmenslenkers. Meinen Facebookeintrag "Partys eher mau" kommentierte ebenjener Jo Lendle mit einem ausdrucksstarken "WIE bitte?" Er ging wohl mit meinem Eindruck nicht ganz konform.</p> <p>Bei der Pressekonferenz des Aufbau Verlags gaben die beiden Geschäftsführer René Strien und Tom Erben noch einmal die Kooperation zwischen der Textmanufaktiur und dem Aufbau Verlag bekannt. Der am 13. März 2010 zum ersten Mal vergebene <strong>Werner-Bräunig-Literaturpreis</strong> stieß in den Medien auf große Resonanz. Vom Hamburger Abendblatt über die Leipziger Volkszeitung, den MDR, die Süddeutsche oder das Branchenmagazin Buchreport griffen fast alle Medien die Meldung auf.</p> <p>Das Buchmessewochenende verbrachte ich moderierend im Hafen 2 in Offenbach. Gut 250 Menschen besuchten an diesem Wochenende das "<strong>Bücherfest Rhein-Main</strong>", ein guter Start für das erste Festival dieser Art in Offenbach, das mit seiner breiten literarischen Ausrichtung ganz unterschiedliche Zielgruppen ansprach. Mir hats großen Spaß gemacht, nicht nur die vielen Autoren zu treffen, sondern auch gute  Literatur des Herbstes zu entdecken, als da wären: Ron Winkler, Lydia Daher, Ulrike Sandig, Feridun Zaimoglu, Markus Orths (lustig!), Lutz Seiler oder Martin Mosebach.</p> <p>Nach einem guten japanischen Essen ging es dann Sonntag um 22.30 mit dem Nachtzug rund 1.000 Kilometer weiter in den Osten, in eine Stadt mit dem unaussprechlichen Namen <strong>Bydgoszcz</strong>. Eine Industriestadt, die auf den ersten Blick nicht gerade für sich einnimmt. Nach der Lesung aus meiner Reiseerzählung "Erzähl mir vom Land der Birken" saßen wir allerdings noch lange zusammen, aßen typische polnische Gerichte wie "Blutwurst mit Graupen" oder "Bigos". Ein guter Wodka zum Abschluss gehörte ebenso dazu wie anregende Diskussionen über "Textkohärenz" und "Kohäsion" mit äußerst sympathischen und perfekt deutsch sprechenden polnischen Kollegen.</p> <p>Sechsmal umsteigen am Mittwoch und eine Fahrt übers pommersche Land mit Bummelzügen. Aus unerfindlichen Gründen waren alle Schnellzüge von Warschau nach Berlin an dem Mittwoch meiner Rückreise ausgebucht. Die Frau bei der Servicehotline der Bahn, der ich erzählt hatte, dass ich zu einer Lesung nach Polen fahre, fragte mich: "Wollen die alle zu Ihrer Lesung?" So weit ist es wohl noch nicht.</p> <p>&nbsp;</p> <p><img title="a/bildmaterial/blog/Offenbach wirt.jpg" src="http://www.text-manufaktur.de/a/bildmaterial/blog/Offenbach wirt.jpg" alt="a/bildmaterial/blog/Offenbach wirt.jpg" width="400" height="418" /></p> <p>In Offenbach sagt einem der Wirt, wo es lang geht, obwohl die Rechtschreibung ("Wohl fühlt") noch aus der Zeit vor der allerersten Rechtschreibreform zu stammen scheint.</p> <p>&nbsp;</p> <p><img title="a/bildmaterial/blog/Buecherfest Offenbach Lutz Seiler.jpg" src="http://www.text-manufaktur.de/a/bildmaterial/blog/Buecherfest Offenbach Lutz Seiler.jpg" alt="a/bildmaterial/blog/Buecherfest Offenbach Lutz Seiler.jpg" width="400" height="300" /></p> <p>Lutz Seiler las im Hafen 2 aus seinem von Jens Jessen in der ZEIT zwar gelobten, aber (nach Aussage Seilers) völlig missverstandenem Buch "Die Zeitwaage"</p> <p>&nbsp;</p> <p><img title="a/bildmaterial/blog/zug muenchen warschau.jpg" src="http://www.text-manufaktur.de/a/bildmaterial/blog/zug muenchen warschau.jpg" alt="a/bildmaterial/blog/zug muenchen warschau.jpg" width="300" height="400" /></p> <p>Nachtzug (nicht nach Lissabon)</p> <p>&nbsp;</p> <p><img title="a/bildmaterial/blog/bydgoszcz.jpg" src="http://www.text-manufaktur.de/a/bildmaterial/blog/bydgoszcz.jpg" alt="a/bildmaterial/blog/bydgoszcz.jpg" width="400" height="300" /></p> <p>Bonjour Polen</p>]]></description><link>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-271009-frankfurt---offenbach---bydgoszcz.html</link><pubDate>Tue, 27 Oct 2009 18:00:00 +0100</pubDate><guid>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-271009-frankfurt---offenbach---bydgoszcz.html</guid></item><item><title>13.10.09/  Anschreiben an Verlage</title><description><![CDATA[<p>Eigentlich wollte ich vor der Abreise zur Buchmesse noch das ganze Interview mit Christian Döring zur Situation der Autoren auf dem Buchmarkt online stellen, aber das wird wohl nichts mehr. Immerhin gibt es schon mal einen kleinen Teil, der sich mit dem Anschreiben beschäftigt. Der Rest kommt dann, versprochen, in einer Woche.</p> <p><strong><br /></strong></p> <p><strong>Wie verhalte ich mich gegenüber Verlagen, Lektoren, Agenturen? Wie stelle ich es am besten an, dass man einen Kontakt herstellt? Wie konzipiere ich ein Anschreiben? Ist es wichtig, dass man Kontakte hat oder kann man einfach Manuskripte losschicken?</strong><br /><br />Ich glaube, dass das Losschicken eines Manuskriptes mittlerweile einer Vorbereitung bedarf. Ich glaube aber nicht, dass das Anschreiben an den Verlag eine große Bedeutung hat, wenn minimale Bedingungen erfüllt sind. Dieses Anschreiben sollte kurz sein, es sollte fehlerfrei geschrieben sein. Es reicht durchaus ein Vierzeiler. Ein mittlerweile hochprominent gewordener Autor hat mir am Anfang meiner Lektorentage geschrieben: „Bitte lesen Sie mein Manuskript, das Sie beiliegend finden. Ich freue mich auf eine Antwort. Mit freundlichen Grüßen.“ Das ist völlig ausreichend, denn die Zeitökonomie in den Verlagen hat sich dramatisch zuungunsten von Manuskripten und Autoren gewendet. Die Lektoren müssen sich mit allem möglichen beschäftigen, aber nicht mit den Manuskripten, die da vor ihnen liegen. Das heißt, lange Exposés oder Lebensläufe sind von untergeordneter Bedeutung. Vielleicht sollte aus einem Anschreiben noch deutlich werden, welcher Gattung das Manuskript angehört. Hinter der übermäßigen Beschäftigung mit diesem Thema steckt oft eher die Scheu, das Manuskript überhaupt aus der Hand zu geben, die in den scheinbaren Kompliziertheiten eines Anschreibens kompensatorisch zum Ausdruck kommt.</p>]]></description><link>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-131009-anschreiben-an-verlage.html</link><pubDate>Tue, 13 Oct 2009 18:00:00 +0200</pubDate><guid>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-131009-anschreiben-an-verlage.html</guid></item><item><title>09.10.09/  Tweet Tweet</title><description><![CDATA[<p>... heißt Mirko Kussin. 34 Retweets habe ich anlässlich der Twitter-Verlosungsaktion gezählt, einer davon konnte eine Kursteilnahme gewinnen. 1:34 - es gibt schlechtere Chancen bei Gewinnspielen. Es tut mir leid für alle anderen und freut mich für @mirkuss, der schreibt:"freue mich wie ein Schneekönig und laufe jetzt erstmal noch zwei bis  drei Runden breit grinsend durch die Wohnung."<br /><a href="http://www.mirkokussin.de" onclick="window.open(this.href); return false;">http://www.mirkokussin.de</a></p>]]></description><link>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-091009-tweet-tweet.html</link><pubDate>Fri, 09 Oct 2009 18:00:00 +0200</pubDate><guid>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-091009-tweet-tweet.html</guid></item><item><title>01.10.09/  Meet me in Frankfurt</title><description><![CDATA[<p>Die Textmanufaktur zwar (noch) ohne eigenen Stand, aber Donnerstag und Freitag jeweils auf der Buchmesse unterwegs. Außerdem unbedingt lohnenswert: Das <a onclick="window.open(this.href); return false;" href="http://www.offenbach.de/offenbach/themen/rathaus/aktuelles-und-medien/news/p1buefest09.html">Bücherfest Rhein-Main</a>, mit einem <a onclick="window.open(this.href); return false;" href="http://www.text-manufaktur.de/a/bildmaterial/team/Flyer offenbach.pdf">großartigen Programm</a> (von der Textmanufaktur organisiert), und das Treffen der Jungen Verlagsmenschen mit <a onclick="window.open(this.href); return false;" href="http://www.text-manufaktur.de/a/bildmaterial/team/JVM in Frankfurt.pdf">Filmpräsentation und Party</a>.</p> <p><img title="a/bildmaterial/team/icon-buecherfest2009 kl.jpg" src="http://www.text-manufaktur.de/a/bildmaterial/team/icon-buecherfest2009 kl.jpg" alt="a/bildmaterial/team/icon-buecherfest2009 kl.jpg" width="125" height="167" /></p>]]></description><link>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-011009-meet-me-in-frankfurt.html</link><pubDate>Thu, 01 Oct 2009 18:00:00 +0200</pubDate><guid>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-011009-meet-me-in-frankfurt.html</guid></item><item><title>28.09.09/  Venedig - Texte, Bilder, Kunst</title><description><![CDATA[<p>&nbsp;</p> <p>Kaum zurück im eher tristen deutschen Herbst stehen mir oft noch ganz unvermittelt Bilder aus den letzten Tagen vor Augen. Das Licht, die Farben der Häuser, die Kunstwerke der Pinault Foundation im Punta della Dogana. Die Stadt hat, auch wenn es ein Klischee ist, einen Zauber, ihre Lebendigkeit (einfach mal eine Stunde auf einer der Brücken stehen und dem regen Bootsverkehr zuschauen) entwickelt einen Sog, dem man sich kaum entziehen kann.<br />Doch die 14 Autorinnen und Autoren waren ja nicht (nur) zur Entspannung da, sondern zur Textarbeit, und so saßen wir knapp drei Tage lang in der Maisonette-Wohnung von Christian Döring, sprachen über die Texte und stiegen zwischendurch auf die Dachterrasse, die eine grandiose Aussicht auf die Dachlandschaft Venedigs bot. Für mich eine wunderbare und intensive halbe Woche. <a onclick="window.open(this.href); return false;" href="http://picasaweb.google.at/peter5020/SchreibenAufSchwankendemGrund?authkey=Gv1sRgCM697L73qcKfLw&amp;feat=email">Erste Eindrücke und Bilder von Peter Reiter gibt es </a><a onclick="window.open(this.href); return false;" href="http://picasaweb.google.at/peter5020/SchreibenAufSchwankendemGrund?authkey=Gv1sRgCM697L73qcKfLw&amp;feat=email">hier</a>. Ein Interview mit Chr. Döring folgt demnächst.</p>]]></description><link>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-280909-venedig---texte-bilder-kunst.84.html</link><pubDate>Mon, 28 Sep 2009 18:00:00 +0200</pubDate><guid>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-280909-venedig---texte-bilder-kunst.84.html</guid><enclosure url="http://www.text-manufaktur.de/a/bildmaterial/blog/venedig kurs.jpg" length="241095" type="image/jpeg" /></item><item><title>22.09.09/  Wir alle leben im Zeitgeist - Ulrike Draesner im Interview</title><description><![CDATA[<p><br />Die Autorin Ulrike Draesner braucht lange für jeden Roman, weil sie sich erst mit dem Schreiben an den Stoff, die Geschichte herantastet. Für einen 200-Seiten-Roman landet schon mal das Zehnfache an Seiten im Papierkorb.<br /><br /><br /><strong>Was ist für Sie gute Literatur?</strong><br />Literatur, die ich gerne lese, also ganz unterschiedliche Dinge, je nach Zweck. Ich finde es zum Beispiel toll, zur Entspannung Harry Potter auf englisch zu lesen. Sehr gute Literatur. Das Original hat Sprachwitz, der Plot ist genial. Immer wieder überraschend, gut verflochten und fantasieanregend. Dieses Wort Kunst – fatales Ding, wenn man das im Nacken sitzen hat. Der Kunstmach-Wille kann einen wunderbar bremsen. Ich versuche, das erst mal etwas tiefer zu hängen, weil ein Text sonst sehr oft umkippt in Verkünstelung. Man verliert das innere Interesse, den Antrieb.<br />Des weiteren ist gute Literatur etwas, das mich mitnimmt in eine Welt, die sich mir sonst nicht erschlossen hätte. Diese Welt kann von mir aus auch aus Sprache bestehen – das tut sie ja sowieso. Gute Literatur bringt mir etwas bei, und zwar nicht mit dem Zeigestab, sondern so, dass ich es selbst entdecken kann – also dass ich nicht nur meine, es selbst entdecken zu dürfen. Das gibt es ja auch: Die Leiche, die schon die ganze Zeit hinterm Sofa liegt. Dann zeigt der Autor mir sie und ich darf sie selbst entdecken. Nein, gute Literatur fängt dort an, wo meine eigene Träume, Gefühle und Gedanken angestoßen werden, wo ich vom Buch aufschaue und plötzlich die Dinge anders sehe. Es gibt dieses Leseerlebnis, man taucht ein in die fremde Welt und eine ganze Zeit lang nach dem Lesen ist die eigene Welt und der Blick auf das eigene Leben eingefärbt von dieser fremden Welt.<br /><br /><strong>Hat sich die Bedeutung von Literatur für Sie im Lauf der Jahre verändert?</strong><br />Bestimmt. Wie könnte es gleich geblieben sein? Etwas aber ist gleich geblieben: Es war für mich immer eine Art Lebensmitte zu lesen. Seit ich den Erwachsenen die Buchstaben entrissen habe, weil sie sie mir endlich beigebracht hatten, habe ich gelesen und gelesen.<br /><br /><strong>Ist Schreiben auch immer eine Form von Eskapismus?</strong><br />Eskapismus in Bezug worauf? Das Schreiben ist für mich immer eine doppelte Bewegung. Der Autor, der am Schreibtisch sitzt, zieht sich aus der sogenannten wirklichen Welt zurück. Ich bin nicht da, ich gehe nicht ans Telefon, ich kürze alle möglichen Beziehungen ab – ja, man ist abwesend. Aber das ist kein Eskapismus, denn auf der anderen Seite steht ja ein ganz intensives Anwesendsein und Dasein-Müssen in dieser Textwelt, die es ja ohne mich überhaupt nicht gibt und die ich in allem erst erzeugen muss. Und das ist es, glaube ich, was für Leute von außen immer so rätselhaft wirkt. Warum braucht jemand fünf Jahre, um einen 200-Seiten-Roman zu schreiben, der oft das Zehnfache an Text gekostet hat? Fragt man sich ja selbst auch: Warum hast du es nicht gleich so gemacht? (lacht) Weil es da eben nichts gab! Das musste ja erst mal alles erfunden werden, gedacht, gefühlt, zur Klarheit getrieben.<br /><br /><strong>Wie hat sich Ihres Erachtens nach die Rolle des Autors in den letzten zehn, fünfzehn Jahren verändert?</strong><br />Die Frage klingt stark nach 70er Jahre. (lacht) Erstens hatte der Autor noch eine Rolle in der Gesellschaft, zweitens gab es nur EINE Gesellschaft. Großartige Zustände. Hinter der Mauer gab es dann noch die zweite Gesellschaft. So eine schön geordnete Welt haben wir heute nicht mehr. Alles ist zusammengebrochen, hat sich aufgeteilt, die Rolle ist abhanden gekommen. Herr Grass und Herr Walser sprechen immer noch aus den Autoritäten, die damals aufgebaut wurden (und man lässt sie sprechen). Wir haben die Medienvielfalt, es gibt eine unglaubliche Menge von interessanten und klugen Stimmen, die man an tausenden von Quellen abrufen kann. Und der Autor ist natürlich eine unter diesen Stimmen. Das ist nicht mehr die Autoren-Kommentatoren-Stimme, die sich zu allem und jedem äußert. Trotzdem gibt es derzeit eine immens politische Prosa, die nicht mehr politisch ist im agitatorischen Sinn, sondern komplex politische historische Themen verhandelt. Die Frage bleibt aber natürlich: Wer nimmt das wahr und wer kann das rezipieren?<br /><br /><strong>Ist dieses Abhandenkommen der klassischen Instanzen ein Verlust oder eine Chance?</strong><br />Das kommt immer darauf an, wie ein Mensch sein Autorensein versteht. Und wo man seine Stärken und Schwächen hat. Ich persönlich empfinde es nicht als Verlust. Ich bin ja auch nicht Politikerin geworden oder Journalistin. Ich muss nicht das aktuelle Geschehen kommentieren und große Meinungsbildnerin sein, sondern ich bin Autorin. Die spezifische Komplexität und Anschaulichkeit, die Prosa ermöglicht, führt dann eben dazu, dass der Text ein Teil dieses Stimmenkanons wird. Und die Menschen, die sich mit dem Thema auseinandersetzen, werden das schon finden.<br />Autoren treten natürlich auch als biografische Subjekte auf, in der Rolle als Autor. Das ist der klassische Autorendarsteller, der sich zu aktuellen Themen äußert, aber ich spreche dann eher als Bürgerin, die sich engagiert. Ich würde das nie als mein Kerngeschäft bezeichnen, auch wenn es hin und wieder Geld abwirft. Der Kernbereich ist die Literatur, das sind die geschriebenen Texte. Und da treten meine Biografie und die Tagesaktualität in den Hintergrund. Was ja auch brutal ist, wenn man dann zehn oder zwanzig Jahre später schaut, wie Texte altern – oder auch nicht. Da trennt sich die Spreu vom Weizen. Was war Mode, was war Rückenwind aus dem Zeitgeist? Das ist nichts Verwerfliches, wir leben alle darin, wir brauchen den Zeitgeist. Aber dann erschrickt man manchmal und manchmal wundert man sich. Die Texte verschieben sich gegeneinander. Qualitäten treten hervor, für die man blind war, und die werden vermutlich wieder verschwinden. Wunderbar, so lohnt sich das Lesen immer wieder.<br /><br /><strong>Wie organisieren Sie Ihr Schreiben zeitlich und auch finanziell?</strong><br />Wieviel Sekunden Zeit hab ich für die Antwort (lacht). Da gibt es nicht viele Antworten: Gar nicht, immer schlecht, immer zu wenig Zeit zum Schreiben, immer zu wenig Geld, dauernd der Konflikt: Schöne Anforderungen von außen fressen die Schreibzeit auf. Ich versuche, nicht erst um 18 Uhr am Schreibtisch zu sitzen, sondern das etwas früher zu schaffen. Ansonsten bin ich inzwischen dazu übergegangen, mir möglichst Auszeiten einzurichten. Seit Jahren bin ich nirgends mehr privat hingefahren, sondern nur als Autorin. Und wenn ich nicht reisen muss, sitze ich zu Hause in der Wohnung. Extrem langweilig, nichts passiert. Innen passiert natürlich eine Menge.<br />Der Literatubetrieb hat seine Saisonzeiten, Herbst und Frühjahr, dann reise ich, verdiene Geld. Und dann gibt es idealerweise im Sommer und Winter Kernzeiten für das Schreiben. Das Schreiben verlangt ja auch nach ganz unterschiedlichen Arten von Tätigkeiten. Manchmal muss man recherchieren, manchmal redigieren. Letzteres kann man auch auf einer Zugfahrt tun. Aber manchmal muss man eben zusammenhängend einige Wochen daran sitzen und in dieser Welt bleiben. Das sind ganz wichtige Zeiten.<br /><strong><br />Was würden Sie Nachwuchsautoren raten, um veröffentlicht zu werden?</strong><br />Wenn ich das magische Rezept hätte, würde ich es nicht verraten, sondern verkaufen. (lacht) Es ist schön, dass es dieses Rezept nicht gibt. Man braucht immer auch eine Portion Glück, eine Portion Eigensinn, Großzügigkeit sich selbst gegenüber, um sich zum Beispiel diese Freiräume zu schaffen. Und eine Souveränität gegenüber den Regeln.<br /><br /><strong>Durchhaltevermögen?</strong><br />Das erwähne ich erst gar nicht. Als Grundvoraussetzung muss man das mitbringen. Wer kein Sitzfleisch hat, keine Geduld, keinen Biss, und auch ein gewisses Selbstorganisationstalent, der ist als Autor von langer Prosa recht arm dran. Ich habe zum Beispiel mein Leben lang gern gesessen. Für meine Mutter war das ideal. Man setzte mich als Zweijährige auf eine Spieldecke, legte das Zeug um mich herum und wenn man fünf Stunden später nach mir schaute, saß ich da noch. Ich hatte alles durchgespielt und in verschiedenen Weisen kombiniert, aber ich saß noch. Meine Mutter muss ein herrliches Leben geführt haben. Es wurde ihr erst klar, als das zweite Kind kam, dass nicht alle Kinder so sind. Ich hab mir dann vor ein paar Jahren einen Hund angeschafft, damit ich wenigstens alle fünf bis sechs Stunden aufstehe. Es gibt ja auch Autoren, der schreiben im Gehen. Die denken im Gehen, die merken sich, was sie denken, die schreiben im Hirn den ganzen Roman fertig und dann setzen sie sich hin und schreiben das ab. Dazu gehöre ich leider nicht.</p> <p>Mehr über die Autorin unter <a onclick="window.open(this.href); return false;" href="http://www.draesner.de">www.draesner.de</a></p>]]></description><link>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-220909-wir-alle-leben-im-zeitgeist---ulrike-draesner-im-interview.html</link><pubDate>Tue, 22 Sep 2009 18:00:00 +0200</pubDate><guid>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-220909-wir-alle-leben-im-zeitgeist---ulrike-draesner-im-interview.html</guid><enclosure url="http://www.text-manufaktur.de/a/bildmaterial/Dozenten/draesner.jpg" length="18332" type="image/jpeg" /></item><item><title>21.09.09/  Lyriker, Achtung</title><description><![CDATA[<p>Heute beginnt die Reihe "Neuer Wort Schatz", eine fortlaufende Online-Anthologie zur Gegenwartslyrik, die Daniel Graf zusammen mit einer Kollegin herausgibt. Das Ganze erscheint auf <a href="http://www.titel-magazin.de" onclick="window.open(this.href); return false;">www.titel-magazin.de</a> und ist so eine Art aktuellere Alternativ-Version zur Frankfurter Anthologie: Jeden Montag ein zeitgenössisches Gedicht, vorgestellt in einem kurzen Essay.<br />Direkt zum ersten Beitrag geht's <a href="http://www.titel-magazin.de/modules.php?op=modload&amp;name=News&amp;file=article&amp;sid=8517&amp;mode=thread&amp;order=0&amp;thold=0" onclick="window.open(this.href); return false;">hier</a>.<br /></p>]]></description><link>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-210909-lyriker-achtung.html</link><pubDate>Mon, 21 Sep 2009 18:00:00 +0200</pubDate><guid>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-210909-lyriker-achtung.html</guid></item><item><title>20.09.09/  Übrigens: Das neue Programm 2010 ...</title><description><![CDATA[<p>... erscheint Mitte Oktober.</p>]]></description><link>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-200909-das-neue-programm-2010-.html</link><pubDate>Sun, 20 Sep 2009 18:00:00 +0200</pubDate><guid>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-200909-das-neue-programm-2010-.html</guid></item><item><title>14.09.09/  Texte in Venedig</title><description><![CDATA[<p>Aus Krankheitsgründen musste eine Teilnehmerin absagen, sodass wieder ein Platz im Venedig-Kurs frei ist. Anmeldungen <a href="http://www.text-manufaktur.de/anmeldung.38/events/kurs-09-28.html">hier</a>.</p>]]></description><link>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-040909-texte-in-venedig.html</link><pubDate>Mon, 14 Sep 2009 18:00:00 +0200</pubDate><guid>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-040909-texte-in-venedig.html</guid></item><item><title>04.09.09/  Social Community für Verlage</title><description><![CDATA[<p>Am 3.9.09 trafen sich über  30 Leipziger Junge Verlagsmenschen und diskutierten einen Abend lang über die neue Social Community im Internet. Zuvor sprachen Leander Wattig (Berater bei content-press), Sebastian Wolter (Verleger Voland &amp; Quist) sowie André Hille (Textmanufaktur) über "Social Media für Verlage? Facebook, Twitter &amp; Co". Die Frage, welche Qualifikation der verlegerische Nachwuchs heute benötige, beantworten sie mit "Offenheit, Blick auf die Chancen, fortlaufendes Lernen und viel Arbeiten."</p> <p><a href="http://www.text-manufaktur.de/a/bildmaterial/blog/JVM Leipzig Gespraech Twitter und co.WMA">&gt;&gt;&gt; Podcast Download</a> (ca. 7 MB, wma, Länge: 33 min)</p> <p>(als mp3 leider zu groß. Für Mac-User gibts <a href="http://www.microsoft.com/windows/windowsmedia/player/wmcomponents.mspx" onclick="window.open(this.href); return false;">hier</a> eine Möglichkeit der Konvertierung)</p> <p>&nbsp;</p> <p>&nbsp;</p> <p><img title="a/bildmaterial/blog/wattig.jpg" src="http://www.text-manufaktur.de/a/bildmaterial/blog/wattig.jpg" alt="a/bildmaterial/blog/wattig.jpg" width="130" height="190" /></p> <p>Leander Wattig (<a href="http://www.content-press.de/">content-press</a>, Leipzig)</p> <p>&nbsp;</p> <p><img title="a/bildmaterial/blog/wolter.jpg" src="http://www.text-manufaktur.de/a/bildmaterial/blog/wolter.jpg" alt="a/bildmaterial/blog/wolter.jpg" width="170" height="128" /></p> <p>Sebastian Wolter (<a onclick="window.open(this.href); return false;" href="http://voland-quist.de/website/index.html">Verlag Voland &amp; Quist</a>, Leipzig)</p> <!--[if gte mso 10]>  /* Style Definitions */  table.MsoNormalTable 	{mso-style-name:"Normale Tabelle"; 	mso-tstyle-rowband-size:0; 	mso-tstyle-colband-size:0; 	mso-style-noshow:yes; 	mso-style-parent:""; 	mso-padding-alt:0cm 5.4pt 0cm 5.4pt; 	mso-para-margin:0cm; 	mso-para-margin-bottom:.0001pt; 	mso-pagination:widow-orphan; 	font-size:10.0pt; 	font-family:"Times New Roman";}</style> <![endif]--><!--[if gte mso 9]>   <![endif]--><!--[if gte mso 9]>       <![endif]--><!--[if gte mso 9]>     Normal   0   21                         MicrosoftInternetExplorer4   <![endif]--><!--  /* Style Definitions */  p.MsoNormal, li.MsoNormal, div.MsoNormal 	{mso-style-parent:""; 	margin:0cm; 	margin-bottom:.0001pt; 	mso-pagination:widow-orphan; 	font-size:12.0pt; 	font-family:"Times New Roman"; 	mso-fareast-font-family:"Times New Roman";} @page Section1 	{size:612.0pt 792.0pt; 	margin:70.85pt 70.85pt 2.0cm 70.85pt; 	mso-header-margin:36.0pt; 	mso-footer-margin:36.0pt; 	mso-paper-source:0;} div.Section1 	{page:Section1;} --><!--[if gte mso 10]>  /* Style Definitions */  table.MsoNormalTable 	{mso-style-name:"Normale Tabelle"; 	mso-tstyle-rowband-size:0; 	mso-tstyle-colband-size:0; 	mso-style-noshow:yes; 	mso-style-parent:""; 	mso-padding-alt:0cm 5.4pt 0cm 5.4pt; 	mso-para-margin:0cm; 	mso-para-margin-bottom:.0001pt; 	mso-pagination:widow-orphan; 	font-size:10.0pt; 	font-family:"Times New Roman";}</style> <![endif]--><!--[if gte mso 9]>   <![endif]--><!--[if gte mso 9]>       <![endif]-->]]></description><link>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-040909-social-community-fuer-verlage.html</link><pubDate>Fri, 04 Sep 2009 18:00:00 +0200</pubDate><guid>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-040909-social-community-fuer-verlage.html</guid></item><item><title>01.09.09/  RADAR - Neues Literaturmagazin</title><description><![CDATA[<p><strong>Folgender Brief erreichte mich per Mail:</strong></p> <p>&nbsp;</p> <p>Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde,<br /><br />im Juli dieses Jahres wurde in Krakau das dreisprachige internationale Literaturmagazin RADAR (Deutschland, Polen, Ukraine) gegründet. Das Magazin wurde von der Villa Decius Krakau initiiert. Die Finanzierung übernahm das polnische Ministerium für Kultur und Nationalerbe und die Allianz Kulturstiftung. Im Oktober 2009 startet RADAR im Internet und bis März 2010 erscheint die erste Papierausgabe. Die dreisprachige Zeitschrift wird in einer Auflage von 4.000 Exemplaren erscheinen und in Polen, Deutschland und der Ukraine vertrieben. Die Internetversion wird ein eigenständiges Magazin sein, das Literatur präsentiert, aktuelle Rezensionen enthält und über literarische Ereignisse in Polen, Deutschland und der Ukraine informiert. Darüber hinaus soll die Internetversion als eine Art dreisprachige Datenbank von Schriftstellern, Dichtern und Übersetzern aus Polen, der Ukraine und dem deutschsprachigen Raum fungieren.<br /><br />RADAR will nicht nur zur Popularisierung der deutschen, polnischen und ukrainischen Literatur beitragen, sondern vor allem ein über die Idee der Nationalliteratur hinausreichendes künstlerisches und intellektuelles Forum sein. Durch zahlreiche private Kontakte, Stipendienprogramme und künstlerischen Austausch entstand ein übernationales literarisches Netzwerk. Unser Wunsch ist es, dass RADAR zu einer Plattform wird, dank der internationale Kontakte zwischen den Schriftstellern in internationale Literatur münden.<br /><br />Chefredakteurin der Zeitschrift ist Renata Serednicka (renata@villa.org.pl), Übersetzerin, Koordinatorin mehrerer Stipendien-Programme für ausländische Künstler in der Villa Decius und Mitherausgeberin der Anthologie Ludzie, miasta. Literatura Białorusi, Niemiec, Polski i Ukrainy - ślady "nieistniejącego języka" [Menschen, Städte. Die Literatur Weißrusslands, Deutschlands, Polens und der Ukraine - Spuren einer "nichtexistierenden Sprache"] (Krakau 2008). Zur Redaktion gehören unter anderem Jurij Izdryk, Norbert Lange, Piotr Marecki, Małgorzata Olszewska, Małgorzata Różańska, Rebeka Salentin, Ostap Slywynski, Natalka Śniadanko und Igor Stokfiszewski. Sitz der Redaktion ist die Villa Decius in Krakau.<br /><br />Wir laden Euch herzlich zur Mitarbeit ein und sind offen für Anregungen, Ideen, Themenvorschläge und vor allem für Texte: Gedichte, Prosa, Literaturkritik, Essay. Das Thema der ersten Papierausgabe heißt "homesick". Falls Euch das Thema anspricht, setzt Euch mit uns in Verbindung. Bevor wir aber mit dem gedruckten RADAR beginnen, seid Ihr herzlich eingeladen, in der elektronischen Version des Magazins zu publizieren. Diese wird keinen Themenschwerpunkt haben, sondern sich auf literarische Aktualitäten konzentrieren.<br /><br />Wir freuen uns auf Eure Vorschläge.<br /><br /><br />Herzliche Grüße,<br /><br />Redaktion des internationalen literarischen Magazins RADAR</p> <!--[if gte mso 10]>  /* Style Definitions */  table.MsoNormalTable 	{mso-style-name:"Normale Tabelle"; 	mso-tstyle-rowband-size:0; 	mso-tstyle-colband-size:0; 	mso-style-noshow:yes; 	mso-style-parent:""; 	mso-padding-alt:0cm 5.4pt 0cm 5.4pt; 	mso-para-margin:0cm; 	mso-para-margin-bottom:.0001pt; 	mso-pagination:widow-orphan; 	font-size:10.0pt; 	font-family:"Times New Roman";}</style> <![endif]--><!--[if gte mso 9]>   <![endif]--><!--[if gte mso 9]>       <![endif]--><!--[if gte mso 9]>     Normal   0   21                         MicrosoftInternetExplorer4   <![endif]--><!--  /* Style Definitions */  p.MsoNormal, li.MsoNormal, div.MsoNormal 	{mso-style-parent:""; 	margin:0cm; 	margin-bottom:.0001pt; 	mso-pagination:widow-orphan; 	font-size:12.0pt; 	font-family:"Times New Roman"; 	mso-fareast-font-family:"Times New Roman";} @page Section1 	{size:612.0pt 792.0pt; 	margin:70.85pt 70.85pt 2.0cm 70.85pt; 	mso-header-margin:36.0pt; 	mso-footer-margin:36.0pt; 	mso-paper-source:0;} div.Section1 	{page:Section1;} --><!--[if gte mso 10]>  /* Style Definitions */  table.MsoNormalTable 	{mso-style-name:"Normale Tabelle"; 	mso-tstyle-rowband-size:0; 	mso-tstyle-colband-size:0; 	mso-style-noshow:yes; 	mso-style-parent:""; 	mso-padding-alt:0cm 5.4pt 0cm 5.4pt; 	mso-para-margin:0cm; 	mso-para-margin-bottom:.0001pt; 	mso-pagination:widow-orphan; 	font-size:10.0pt; 	font-family:"Times New Roman";}</style> <![endif]--><!--[if gte mso 9]>   <![endif]--><!--[if gte mso 9]>       <![endif]-->]]></description><link>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-010909-radar---neues-literaturmagazin.html</link><pubDate>Tue, 01 Sep 2009 18:00:00 +0200</pubDate><guid>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-010909-radar---neues-literaturmagazin.html</guid></item><item><title>31.08.09/  Reiseliteratur und Reisereportage mit Wolfgang Büscher</title><description><![CDATA[<p><strong></strong><br />Er trägt hellbraune Lederschuhe, schlicht, doch sichtbar von höchster Qualität. Hier bringt einer schon auf den ersten Blick die Wichtigkeit seiner Füße zum Ausdruck. Ein Zu-Fuß-Geher. Er spricht leise, nimmt sich selbst zurück. Nur manchmal, wenn es um das „Raus“ und das „Weg“ geht, hebt sich seine Stimme, als wolle sie ausbrechen. Er wanderte von Berlin nach Moskau zu Fuß („Berlin – Moskau“), umrundete Deutschland („Deutschland, eine Reise“) und erkundete Asien („Asiatische Absencen“). Das Unterwegssein ist sein Elixier. Obwohl zu Hause Frau und zwei Kinder warten? „Das geht nicht gegeneinander, nur miteinander“, sagt er und: „Andere Männer sind auf Montage.“<br /><br /><br /><strong>Sie schreiben sowohl für Zeitschriften und Magazine als auch Bücher. Wie unterscheidet sich Ihrer Meinung nach das Schreiben für diese beiden Medien? Oder anderes gefragt: Inwieweit hat das Medium Einfluss auf Inhalt und Stil?</strong><br />Wir haben es hier mit einer schreiberischen Gattung zu tun, bei der die Grenzen verschwimmen, ich glaube aber trotzdem, dass es einen klaren Unterschied gibt. Das journalistische Schreiben ist ein Schreiben für den Tag, die Dimensionen des Erzählens sind begrenzt. Wenn ich eine literarische Geschichte schreibe, hat das einen anderen Atem. Sie ist wesentlich subjektiver, wesentlich erzählerischer. Es gibt eine hübsche Definition von Martin Mosebach, die besagt in etwa: „Alles literarische Schreiben kommt aus der Erinnerung und alles journalistische Schreiben kommt aus dem Notizblock.“ Beim Schreiben meines letzten Buches habe ich die Erfahrung gemacht, dass mir die Geschichten, die ich rein aus der Erinnerung geschrieben habe, am besten gelungen sind.<br /><br /><strong>Es geht also um die direkt vermittelte Information?</strong><br />So ist es. Im Journalismus soll der Leser etwas erfahren, der Informationsgehalt steht im Vordergrund. Lese ich im Reiseteil der Zeitung eine Geschichte über Dubai, dann möchte ich wissen, wie es sich dort lebt, wie die Hotels sind, worauf ich achten sollte und so weiter. Wenn ich mir einen Roman kaufe, der in Dubai angesiedelt ist, dann spielen ganz andere Gesichtspunkte eine Rolle. Dann möchte ich da unter Umständen nie hinfahren, weil es mir da viel zu heiß ist, sondern ich möchte mich ein paar Stunden in dieses Buch versenken.<br /><br /><strong>Eine äußere Reise ist ja in den allermeisten Fällen auch mit einer Reise nach innen verbunden. Wie würden Sie das Verhältnis zwischen Außen und Innen beim Erzählen gewichten?</strong><br />Klar, das Innen spielt eine große Rolle. Wo haben Geschichten sonst das Potenzial, eine dritte literarische Dimension zu entwickeln, also über die reine Erzählung dessen, was war, hinauszugehen? Ein Buch, das für mich eine Initialzündung war, ist Werner Herzogs „Vom Gehen im Eis“. Herzog erfährt 1973, dass Lotte Eisner todkrank in einem Pariser Krankenhaus liegt. Lotte Eisner war eine deutsch-jüdische Filmkritikerin, bekannt noch aus den 20er, 30er Jahren, die für diese jungen deutschen Regisseure damals eine Ikone darstellte. Herzog hört also, dass sie in Paris im Sterben liegt, und sagt sich: Ich will nicht, dass die stirbt! Ich gehe da jetzt zu Fuß hin! Von München nach Paris. Im Winter. Er zieht sich Stiefel an, packt ein paar Sachen in den Rucksack und geht los. Mir ist dieses Buch Jahre später in die Hände gefallen und es ging eine Sonne auf, denn ich sah auf einmal, wie man schreiben kann. Das ist eine Geschichte in einer fast Büchnerschen Sprache, ein halb psychedelischer Wintermarsch. Dass da ein Gelübde am Anfang steht, gibt dem Ganzen eine ungeheure und völlig andere Bedeutung. Herzog fordert das Schicksal heraus. Er fordert Gott heraus. Er sagt: Die lebt! Wenn ich da hingehe, dann lebt die!<br /><br /><strong>Die große Geste, das große Gefühl? Ist das heute nicht kitschig?</strong><br />Natürlich ist es richtig, Kitsch zu vermeiden, aber man kann Kitsch auch zu Tode vermeiden, bis man sich überhaupt nicht mehr traut, große Gefühle zu verhandeln. Man muss das Wagnis eingehen, auch am Rande des Kitsches zu surfen. Das ist gefährlich, klar, man kann abstürzen, man kann unglaublichen Mist schreiben, es kann peinlich sein – das muss man natürlich vermeiden. Was Herzog macht, erzeugt natürlich ein irres Pathos, aber er hat es gut gemacht. Man leidet mit ihm, man geht mit ihm. Das ist eine Frage der angemessenen Sprache. Die Grundregel lautet: „Je größer die Gefühle, umso knapper die Sprache.“<br /><strong><br />Inwieweit muss der Reiseschriftsteller Distanz bewahren oder inwieweit muss er sich auf das Fremde einlassen?</strong><br />Das ist eine Temperamentfrage. Es gibt sicher Leute, die sehr stark die Nähe suchen, und es gibt Leute, die eher beobachten. Ich gehöre zu letzteren. Was nicht ausschließt, dass es auch ab und zu zu großer Nähe kommt. Mir geht es beim Unterwegssein vor allem darum, mich in einen Zustand zu versetzen, der zum Schreiben führt. Für den einen ist es eine Art Archiv, für den anderen die psychologische Introspektion, für den Dritten ein Sammeln von Geschichten, denken Sie nur an die Brüder Grimm, die durch die hessischen Dörfer tingelten und Märchen aufschrieben. Mir geht es darum, die Dinge mit frischen Augen anzuschauen, sie so anzuschauen, wie man sie im Fernsehen und in seinem gewohnten Leben nicht mehr sieht, weil die Blicke an den Dingen abgleiten. Für mich gibt es nichts Köstlicheres, als irgendwo zu landen und zum ersten mal durch eine fremde Stadt zu fahren oder sie sich zu erlaufen. Das hat eine große innere Nähe zum literarischen Schreiben, weil man staunend durch die Welt geht. Weil man die Dinge so unbefangen anschaut, wie sie in der Gewöhnlichkeit des Lebens nicht angeschaut werden.<br /><br /><strong>Sollte der Reiseautor alles über Beschreibung lösen, oder darf er sich zu abstrakten Aussagen, die ja manchmal auch in Klischees münden können, hinreißen lassen?</strong><br />Da würde ich große Vorsicht walten lassen. Bei der Literatur geht es darum, eine gute Geschichte zu erzählen, und nicht eine These zu illustrieren. Was nicht heißt, dass man nicht direkt sein darf. In meinem Buch „Berlin – Moskau“ gibt es eine Stelle, wo ich in einem Restaurant sitze. Diese russischen Restaurants haben die Eigenart, dass sie abgedunkelt sind, wie bei Fliegeralarm. Draußen ist es hell, drinnen ist es duster. Es ist irgendwo in der Provinz, ich bin der einzige Gast, der Kellner ist mürrisch, ich bin stinkig – das ist ein Moment, in dem der ganze Verdruss über diese russischen Zustände plötzlich über mich kommt. In dem ich sage: Was ist das hier eigentlich für ein Scheißland? Was ist das hier für ein Schrott, Atomschrott, Benimmschrott, Industrieschritt und Sowjetschrott, Seelenschrott – das geht mir durch den Kopf. Es gibt eine Art stummen mentalen Kampf mit diesem Kellner. So kann man es meiner Meinung nach machen. Man kann alles machen, es muss nur in der Erzählform bleiben. Der Erzähler darf nicht plötzlich auf die Kanzel steigen und predigen.<br /><br /><strong>Wie bewusst schreiben Sie, wie unbewusst schreibt es sich?</strong><br />Ein so hellwacher, bewusster Akt ist das Schreiben ja nicht. Oft geht mir beim zweiten, dritten Durchgang durch den Text ein Licht auf. Da wiederholen sich Motive, tauchen innere Beziehungen in dem Text auf. Das ist aber nicht nur beim Schreiben so, sondern immer, wenn man sich intensiv mit etwas befasst. Es gibt eine innere Instanz in uns, die arbeitet die ganze Zeit über mit. In uns ist ein Strom, der mitdenkt, mitarbeitet, mitempfindet. Und plötzlich, in einer Situation, die damit gar nichts zu tun hat, kommt einem plötzlich die Idee. Es ist zum Beispiel manchmal ein Glück, sich nachmittags eine halbe Stunde hinzulegen und in diese tagträumerische Halbwachheit, in diesen Strom einzutauchen. Da ergeben sich bisweilen richtige Lösungen.<br /><br /><strong>Ist es denn in Reiseliteratur überhaupt möglich, eine Geschichte zu erzählen? Das ist ja doch eher die Form der Und-dann-und-dann-und-dann-Geschichte. Man kann nicht den großen Bogen wie in der Prosa schlagen. Oder doch?</strong><br />Die einzige Lösung, die ich dafür gefunden habe, ist die Ich-Erzählung. Im normalen Roman gibt es zwei, drei Hauptfiguren, deren Beziehungen untereinander die Hauptrolle spielen. In der Reiseerzählung haben wir nur den Reisenden. Wenn ich in dem Moskau-Buch das Ich nicht hätte, wäre es eine lose aneinandergehäkelte Abfolge irgendwelcher Episoden. Ich wähle das Ich nicht aus Eitelkeit. Damit das Reisen einen inneren Sog bekommt und zu einer Gesamtgeschichte wird, muss es diesen Ich-Erzähler geben, der eines Morgens sagt: So, heute geh ich nach Moskau. Der Leser muss die Möglichkeit haben, mit diesem Ich-Erzähler mitzuleben, mitzuleiden, sich mitzufreuen, glücklich zu sein bei all seinen Erlebnissen.<br /><strong><br />Geht es dabei auch immer um die Frage: Warum macht sich dieses Ich jetzt auf den Weg? Ist es eine Flucht vor etwas, eine Entdeckung von etwas?</strong><br />Ja, das stimmt. Ich kann die Motivation explizit machen oder im Vagen lassen. Im Moskau-Buch klingt es manchmal an, da geht es um ein ganzes Motivbündel. Da gibt es den Großvater, der im Krieg diesen Weg gegangen ist, da gibt es das Motiv des Ich-Erzählers, der rumzigeunern will. Es wird zwar nicht so explizit ausgesprochen, aber im Sound, in der Stimmung ist es drin: Lass die alle ins Büro gehen, du musst raus hier, weg hier, die Tür hinter dir zu machen, allein sein, immer weitergehen.<br /><br /><strong>Wie wird man als Autor veröffentlicht?</strong><br />Ich glaube, man sollte versuchen nur das zu tun, was man am besten kann und sich nicht zu überlegen, was erwartet wird oder wo Bedarf ist. Wenn da ein Talent ist, dann muss man dem folgen. Was die Reiseerzählung anbelangt haben wir in Deutschland ja immer noch einen relativ breit gefächerten Zeitungsmarkt, viele von ihnen mit Reiseteil. Ich würde mich überhaupt nicht scheuen, bei den kleinen Zeitungen anzufangen, auch wenn es vielleicht erst mal umsonst ist. Und wenn ich drei Geschichten in meinem Heimatblättchen veröffentlicht hab, und die sind gut, kann ich Kopien davon an eine größere Zeitung schicken. Das ist hundert mal besser, als wenn ich noch gar nichts geschrieben habe. Wenn ich eine Geschichte habe, die nicht das Zeug zu einem großen Roman, aber durchaus das Zeug zu einer guten Genregeschichte hat, warum denn nicht? Auch da würde ich sagen: Keine falsche Scheu. Man muss sich selbst auch realistisch einschätzen.</p> <!--[if gte mso 10]>  /* Style Definitions */  table.MsoNormalTable 	{mso-style-name:"Normale Tabelle"; 	mso-tstyle-rowband-size:0; 	mso-tstyle-colband-size:0; 	mso-style-noshow:yes; 	mso-style-parent:""; 	mso-padding-alt:0cm 5.4pt 0cm 5.4pt; 	mso-para-margin:0cm; 	mso-para-margin-bottom:.0001pt; 	mso-pagination:widow-orphan; 	font-size:10.0pt; 	font-family:"Times New Roman";}</style> <![endif]--><!--[if gte mso 9]>   <![endif]--><!--[if gte mso 9]>       <![endif]--><!--[if gte mso 9]>     Normal   0   21                         MicrosoftInternetExplorer4   <![endif]--><!--  /* Style Definitions */  p.MsoNormal, li.MsoNormal, div.MsoNormal 	{mso-style-parent:""; 	margin:0cm; 	margin-bottom:.0001pt; 	mso-pagination:widow-orphan; 	font-size:12.0pt; 	font-family:"Times New Roman"; 	mso-fareast-font-family:"Times New Roman";} @page Section1 	{size:612.0pt 792.0pt; 	margin:70.85pt 70.85pt 2.0cm 70.85pt; 	mso-header-margin:36.0pt; 	mso-footer-margin:36.0pt; 	mso-paper-source:0;} div.Section1 	{page:Section1;} --><!--[if gte mso 10]>  /* Style Definitions */  table.MsoNormalTable 	{mso-style-name:"Normale Tabelle"; 	mso-tstyle-rowband-size:0; 	mso-tstyle-colband-size:0; 	mso-style-noshow:yes; 	mso-style-parent:""; 	mso-padding-alt:0cm 5.4pt 0cm 5.4pt; 	mso-para-margin:0cm; 	mso-para-margin-bottom:.0001pt; 	mso-pagination:widow-orphan; 	font-size:10.0pt; 	font-family:"Times New Roman";}</style> <![endif]--><!--[if gte mso 9]>   <![endif]--><!--[if gte mso 9]>       <![endif]-->]]></description><link>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-310809-reiseliteratur-und-reisereportage-mit-wolfgang-buescher.html</link><pubDate>Mon, 31 Aug 2009 18:00:00 +0200</pubDate><guid>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-310809-reiseliteratur-und-reisereportage-mit-wolfgang-buescher.html</guid><enclosure url="http://www.text-manufaktur.de/a/bildmaterial/blog/buescher002.jpg" length="395620" type="image/jpeg" /></item><item><title>19.08.09/  Textmanufaktur im Interview auf börsenblatt.net</title><description><![CDATA[<p>André Hille, Lektor, Autor und Inhaber der Textmanufaktur, spricht über das Erlernen der Schreibkunst und den Reiz des Geschichtenerzählens.</p> <p>Das ganze Interiew <a href="http://jungeverlagsmenschen.boersenblatt.net/334223/template/jvm_tpl_einblicke_imgespraech/">hier.</a></p> <!--[if gte mso 10]>  /* Style Definitions */  table.MsoNormalTable 	{mso-style-name:"Normale Tabelle"; 	mso-tstyle-rowband-size:0; 	mso-tstyle-colband-size:0; 	mso-style-noshow:yes; 	mso-style-parent:""; 	mso-padding-alt:0cm 5.4pt 0cm 5.4pt; 	mso-para-margin:0cm; 	mso-para-margin-bottom:.0001pt; 	mso-pagination:widow-orphan; 	font-size:10.0pt; 	font-family:"Times New Roman";}</style> <![endif]--><!--[if gte mso 9]>   <![endif]--><!--[if gte mso 9]>       <![endif]--><!--[if gte mso 9]>     Normal   0   21                         MicrosoftInternetExplorer4   <![endif]--><!--  /* Style Definitions */  p.MsoNormal, li.MsoNormal, div.MsoNormal 	{mso-style-parent:""; 	margin:0cm; 	margin-bottom:.0001pt; 	mso-pagination:widow-orphan; 	font-size:12.0pt; 	font-family:"Times New Roman"; 	mso-fareast-font-family:"Times New Roman";} @page Section1 	{size:612.0pt 792.0pt; 	margin:70.85pt 70.85pt 2.0cm 70.85pt; 	mso-header-margin:36.0pt; 	mso-footer-margin:36.0pt; 	mso-paper-source:0;} div.Section1 	{page:Section1;} --><!--[if gte mso 10]>  /* Style Definitions */  table.MsoNormalTable 	{mso-style-name:"Normale Tabelle"; 	mso-tstyle-rowband-size:0; 	mso-tstyle-colband-size:0; 	mso-style-noshow:yes; 	mso-style-parent:""; 	mso-padding-alt:0cm 5.4pt 0cm 5.4pt; 	mso-para-margin:0cm; 	mso-para-margin-bottom:.0001pt; 	mso-pagination:widow-orphan; 	font-size:10.0pt; 	font-family:"Times New Roman";}</style> <![endif]--><!--[if gte mso 9]>   <![endif]--><!--[if gte mso 9]>       <![endif]-->]]></description><link>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-190809-textmanufaktur_und_boersenblatt.html</link><pubDate>Tue, 25 Aug 2009 18:00:00 +0200</pubDate><guid>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-190809-textmanufaktur_und_boersenblatt.html</guid><enclosure url="http://www.text-manufaktur.de/a/bildmaterial/Presse/logo_jvm_klein.png" length="7055" type="image/png" /></item><item><title>13.08.09/  Seume Verlag Leipzig Saarbrücken</title><description><![CDATA[<p>&nbsp;</p> <p>Mit kleinem Programm und großem Anspruch wird der J.G. Seume Verlag Anfang nächsten Jahres starten. Der Spagat zwischen den beiden Verlagsstandorten - Leipzig, Saarbrücken - könnte größer nicht sein. Aber genau dies sehen die drei Verleger Peter Winterhoff-Spurk, Volker Hildisch und André Hille als größten Vorteil: Bücher über das Unterwegssein zu machen, und über das Grenzen-Überschreiten.</p> <p>Wir sind gespannt.</p> <p>Aktuell dazu ein Artikel in der <a onclick="window.open(this.href); return false;" href="http://www.saarbruecker-zeitung.de/sz-berichte/kultur/aktuell/Seume-Verlag-Peter-Winterhoff-Spurk-neuer-Verlag-Saarbruecken-Leipzig%3Bart26713,2996698">Saarbrücker Zeitung</a></p> <p>&nbsp;</p> <!--[if gte mso 10]>  /* Style Definitions */  table.MsoNormalTable 	{mso-style-name:"Normale Tabelle"; 	mso-tstyle-rowband-size:0; 	mso-tstyle-colband-size:0; 	mso-style-noshow:yes; 	mso-style-parent:""; 	mso-padding-alt:0cm 5.4pt 0cm 5.4pt; 	mso-para-margin:0cm; 	mso-para-margin-bottom:.0001pt; 	mso-pagination:widow-orphan; 	font-size:10.0pt; 	font-family:"Times New Roman";}</style> <![endif]--><!--[if gte mso 9]>   <![endif]--><!--[if gte mso 9]>       <![endif]--><!--[if gte mso 9]>     Normal   0   21                         MicrosoftInternetExplorer4   <![endif]--><!--  /* Style Definitions */  p.MsoNormal, li.MsoNormal, div.MsoNormal 	{mso-style-parent:""; 	margin:0cm; 	margin-bottom:.0001pt; 	mso-pagination:widow-orphan; 	font-size:12.0pt; 	font-family:"Times New Roman"; 	mso-fareast-font-family:"Times New Roman";} @page Section1 	{size:612.0pt 792.0pt; 	margin:70.85pt 70.85pt 2.0cm 70.85pt; 	mso-header-margin:36.0pt; 	mso-footer-margin:36.0pt; 	mso-paper-source:0;} div.Section1 	{page:Section1;} --><!--[if gte mso 10]>  /* Style Definitions */  table.MsoNormalTable 	{mso-style-name:"Normale Tabelle"; 	mso-tstyle-rowband-size:0; 	mso-tstyle-colband-size:0; 	mso-style-noshow:yes; 	mso-style-parent:""; 	mso-padding-alt:0cm 5.4pt 0cm 5.4pt; 	mso-para-margin:0cm; 	mso-para-margin-bottom:.0001pt; 	mso-pagination:widow-orphan; 	font-size:10.0pt; 	font-family:"Times New Roman";}</style> <![endif]--><!--[if gte mso 9]>   <![endif]--><!--[if gte mso 9]>       <![endif]-->]]></description><link>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-130809-seume-verlag-leipzig-saarbruecken.html</link><pubDate>Thu, 13 Aug 2009 18:00:00 +0200</pubDate><guid>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-130809-seume-verlag-leipzig-saarbruecken.html</guid></item><item><title>09.08.09/  Kinder- und Jugendbuch schreiben lernen</title><description><![CDATA[<p><span style="font-size: 10pt;"><br /><br />Er hat selbst zwei Töchter, kennt die Bedürfnisse der Kinder aber vor allem über die Bücher, die sie lesen. Seit über zwanzig Jahren ist Frank Griesheimer freier Kinder- und Jugendbuchlektor – unter anderem Außenlektor für Beltz &amp; Gelberg – und eine Koryphäe auf seinem Gebiet.<br />Das Seminar „Kinder- und Jugendbuch. Markt, Chancen, Textarbeit“ baute Griesheimer vor allem anhand dreier Gegensatzpaare auf. Erstens: <em>Orientierung versus Irritation</em>. Kinder möchten ein Maximum an Orientierung, sowohl in der Handlung als auch in der Sprache. Je jünger die Leser sind, umso größer muss die Orientierung sein, denn Kinder beginnen gerade, die Welt zu verstehen, sich in ihr zurechtzufinden. So gehört, laut Griesheimer, zu den No-Gos auch Ironie: Kinder bis zu einem bestimmten Alter verstehen keine Ironie. Griesheimer: „Da kommt ein ironischer Autor und mischt die Welt, die sie gerade kennenlernen, wieder auf. Das geht nicht.“<br />Das zweite Gegensatzpaar benannte Griesheimer mit <em>Identifikation vs. Distanz</em>: Kinder wollen ein Maximum an Identifikation, während der erwachsene Leser eine Menge (intellektuelle) Distanz aushält. Das heißt, das Personal an Figuren sollte ebenso überschaubar sein, wie die Erzählperspektive. Und als drittes – eigentlich ein Spezialfall des ersten – <em>Tradition vs. Innovation</em>. Wer kennt das nicht: Unendlich oft kann man als Vater oder Mutter die gleiche Geschichte vorlesen oder erzählen. Kinder wollen, was sie kennen, wieder haben, weil sie stolz darauf sind, dass sie es schon kennen. „Kinder sind Spießer“, so Griesheimer schmunzelnd, „doch meistens sind die Eltern noch spießiger.“<br />In diesen drei Maximen für das Kinderbuch steckt vielleicht auch das Geheimnis der derzeitigen Popularität des Kinderbuches, das sich in immer mehr Formen als All-Age-Buch den Erwachsenenmarkt erobert. Es ist eine Form von Regression, vielleicht auch eine rote Karte für überbordenden Intellektualismus und Komplexität. Während das Storydesign im Erwachsenenbuch immer noch verpönt ist, ist es bei den Kindern und Jugendlichen völlig legitim, ja ein Muss.<br /><br />Ein weiterer Begriff, den Griesheimer geprägt hat: Signifikanz. Der Leser misst jedem Detail auf den ersten Seiten eines Buches eine Bedeutung zu. Dadurch, dass der Autor jedes Ereignis, jedes Wort auswählt, hat alles eine Bedeutung auf die Handlung hin. Der Leser „wittert“ das Thema von Beginn an. „Wenn ich das Buch betrete, ist alles signifikant.“ Führt der Autor den Leser nun auf eine falsche Fährte, indem er anfangs etwa nicht die Hauptfigur einführt, so entsteht Pseudosignifikanz. Daher einer der vielen Ratschläge während des Seminars: „Ein Kinder und Jugendbuch sollte auf der ersten Seite seine gesamte Thematik ‚in nuce’ enthalten.“ Am Anfang eines Buches sollten alle W-Fragen geklärt sein. Stichwort Orientierung: Wer ist die Hauptfigur, was tut sie wann, warum und wo usw.<br /><br />Noch einige Worte zum Exposé: Dies stellt in der Kinder und Jugendliteratur weniger einen Werbetext dar, sondern ist in der Tat eine Inhaltsangabe auf etwa drei Seiten. Ein Personenverzeichnis, ein Abschnitt zum persönlichen Bezug zum Thema sowie eine Einordnung des eigenen Textes in das Konkurrenzumfeld zeugen von der Professionalität des Autors. Dazu gehört auch eine gewisse Bereitschaft, mit dem Verlag bei der Überarbeitung des Textes zu kooperieren, die man durchaus schon im Anschreiben signalisieren kann. Auch die Formalia sollte ein Autor beachten: Im grafischen Bereich Orientierung gewährleisten, das heißt, eine sehr konservative Formatierung bevorzugen, keine „Bleiwüste“ erzeugen, also spätestens nach zehn Zeilen einen Absatz einfügen, und nach jedem Sprecherwechsel sowieso. Eine Leerzeile wird hingegen vor allem bei Zeit-, Ort, oder Sprecherwechsel gesetzt. Höchste Priorität hat hier die Transparenz, das Aufrechterhalten der Illusion. „Wenn man anfängt, über den Text zu grübeln, ist man aus der Geschichte gefallen.“<br /><br />Eine Tendenz, die sich schon seit längerem ankündigt, fasste Griesheimer in dem Satz zusammen: Jedes Genre wird neu geboren aus dem Geist der Fantasy. Das heißt zum Beispiel, historische Romane für Jugendliche sind out, es sei denn, sie enthalten Fantasy-Elemente. Science Fiction ist tot, es sei denn, es wird als „Urban Fantasy“ verkauft. Die Schubladen, gegen die sich die Autoren immer wehren, sind im Kinder- und Jugendbuchbereich besonders stark ausgeprägt. Um auf dem laufenden zu bleiben, empfiehlt Griesheimer, regelmäßig einschlägige Zeitschriften wie etwa „<a href="http://www.eselsohr-leseabenteuer.de/">Eselsohr</a>“ zu lesen, sodass man dicht dran ist an den Trends.<br /><br />Das alles klinge ein wenig nach Dogmen, „hundertfünfzigprozentig“, relativierte Griesheimer seine Aussagen. Doch man spürt, es sind die in zwanzig Jahren Lektoratsarbeit gewonnenen Erfahrungen, die ihn zu einem der gefragtesten und besten Kinderbuchlektoren Deutschlands machen.<br /></span></p> <!--[if gte mso 10]>  /* Style Definitions */  table.MsoNormalTable 	{mso-style-name:"Normale Tabelle"; 	mso-tstyle-rowband-size:0; 	mso-tstyle-colband-size:0; 	mso-style-noshow:yes; 	mso-style-parent:""; 	mso-padding-alt:0cm 5.4pt 0cm 5.4pt; 	mso-para-margin:0cm; 	mso-para-margin-bottom:.0001pt; 	mso-pagination:widow-orphan; 	font-size:10.0pt; 	font-family:"Times New Roman";}</style> <![endif]--><!--[if gte mso 9]>   <![endif]--><!--[if gte mso 9]>       <![endif]--><!--[if gte mso 9]>     Normal   0   21                         MicrosoftInternetExplorer4   <![endif]--><!--  /* Style Definitions */  p.MsoNormal, li.MsoNormal, div.MsoNormal 	{mso-style-parent:""; 	margin:0cm; 	margin-bottom:.0001pt; 	mso-pagination:widow-orphan; 	font-size:12.0pt; 	font-family:"Times New Roman"; 	mso-fareast-font-family:"Times New Roman";} @page Section1 	{size:612.0pt 792.0pt; 	margin:70.85pt 70.85pt 2.0cm 70.85pt; 	mso-header-margin:36.0pt; 	mso-footer-margin:36.0pt; 	mso-paper-source:0;} div.Section1 	{page:Section1;} --><!--[if gte mso 10]>  /* Style Definitions */  table.MsoNormalTable 	{mso-style-name:"Normale Tabelle"; 	mso-tstyle-rowband-size:0; 	mso-tstyle-colband-size:0; 	mso-style-noshow:yes; 	mso-style-parent:""; 	mso-padding-alt:0cm 5.4pt 0cm 5.4pt; 	mso-para-margin:0cm; 	mso-para-margin-bottom:.0001pt; 	mso-pagination:widow-orphan; 	font-size:10.0pt; 	font-family:"Times New Roman";}</style> <![endif]--><!--[if gte mso 9]>   <![endif]--><!--[if gte mso 9]>       <![endif]-->]]></description><link>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-090809-kinder--und-jugendbuch-schreiben-lernen.html</link><pubDate>Sun, 09 Aug 2009 18:00:00 +0200</pubDate><guid>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-090809-kinder--und-jugendbuch-schreiben-lernen.html</guid><enclosure url="http://www.text-manufaktur.de/a/bildmaterial/blog/Griesheimer Seminar.jpg" length="798114" type="image/jpeg" /></item><item><title>28.07.09/  Bernd Lange und die Dramaturgie</title><description><![CDATA[<span style="font-size: 10pt;"><br />Tiefe Einblicke in die Dramaturgie gewährte uns am vergangen Wochenende Drehbuchautor und Dramaturg Bernd Lange. Er schrieb unter anderem das Drehbuch für den Film „Requiem“ oder den kürzlich bei der Berlinale ausgezeichneten Film „Sturm“. <br />Dem Seminar „Dramaturgie und Stoffentwicklung“ verliehen Teilnehmer aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Frankreich diesmal ein besonders internationales Flair. Das Wissen aus der Filmdramaturgie für die Prosa fruchtbar zu machen – das war der Anspruch, der voll eingelöst wurde. Bernd Lange arbeitet dabei vor allem mit der Matrix „Protagonist – Antagonist, Milieu – Thema“. Diese vier Aspekte einer Geschichte sind wie Puzzleteile, die, neu zusammengesetzt, ein nahezu unerschöpfliches Reservoir an Geschichten ergeben. Ein Beispiel: Angenommen, man möchte von einem Konflikt zwischen Vater und Sohn, etwa einen Ablösungsprozess, erzählen. Protagonist ist der Sohn, Antagonist der Vater, das Thema ist die Ablösung. Allein, in welchem Milieu man diese Geschichte nun ansiedelt, hat elementare Auswirkungen auf die Geschichte. Spielt sie im Arbeitermilieu, speziell vielleicht im Submilieu der Gewerkschaft? Im Nationalsozialismus? Im Großbürgertum, im Adel? Obwohl das Thema (der tief menschliche Vater-Sohn-Konflikt) gleich bleibt, wird die Geschichte jedes Mal eine andere. Tauscht man den Vater gegen die Mutter, verändert man das Thema (statt Ablösung z.B. Rache), entsteht jedesmal eine andere Geschichte.<br />Antagonisten müssen dabei nicht immer zwingend Personen sein. Bernd Lange stellte im Seminar drei Arten von antagonistischen Kräften vor: Situationsantagonismen (Krieg, Weltuntergang, einsame Insel, Rückkehr nach Hause, Midlifecrisis, ein Minenfeld, „Ticking Clock“-Situationen), Persönliche Antagonisten (zugeschnitten auf den Konflikt stehen sie dem zentralen inneren Wert der Hauptfigur gegenüber; um deren Positionen klar entgegenzusetzen, müssen die Ziele konträr sein) oder innere Antagonisten (Trauma, Höhenangst, Bindungsängste, Minderwertigkeitskomplexe, etc.) Nur durch eine Figur im Konflikt mit ihrem Antagonismus erreichen wir Hoffnung und Furcht und dadurch Anteilnahme des Zuschauers. Je stärker dieser Zwiespalt, desto größer werden Hoffnung und Furcht. Je stärker diese Kluft ist, desto mehr muss die Figur kämpfen und Widerstände überwinden, desto gebannter kann ein Zuschauer sein. Ein neuer, absolut lohnender Blick auf Dramaturgie für Prosaautoren.<br /></span><br /><!--[if gte mso 10]>  /* Style Definitions */  table.MsoNormalTable 	{mso-style-name:"Normale Tabelle"; 	mso-tstyle-rowband-size:0; 	mso-tstyle-colband-size:0; 	mso-style-noshow:yes; 	mso-style-parent:""; 	mso-padding-alt:0cm 5.4pt 0cm 5.4pt; 	mso-para-margin:0cm; 	mso-para-margin-bottom:.0001pt; 	mso-pagination:widow-orphan; 	font-size:10.0pt; 	font-family:"Times New Roman";}</style> <![endif]--><!--[if gte mso 9]>   <![endif]--><!--[if gte mso 9]>       <![endif]--><!--[if gte mso 9]>     Normal   0   21                         MicrosoftInternetExplorer4   <![endif]--><!--  /* Style Definitions */  p.MsoNormal, li.MsoNormal, div.MsoNormal 	{mso-style-parent:""; 	margin:0cm; 	margin-bottom:.0001pt; 	mso-pagination:widow-orphan; 	font-size:12.0pt; 	font-family:"Times New Roman"; 	mso-fareast-font-family:"Times New Roman";} @page Section1 	{size:612.0pt 792.0pt; 	margin:70.85pt 70.85pt 2.0cm 70.85pt; 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Der Kurs "Arbeit am Text" vom 5.-6. Juli mit dem Kieler Autor Feridun Zaimoglu war eine Wucht. Hinter jedem Satz ein Ausrufezeichen, mit einem ungeheuer genauen Blick auf die Sprache, und dabei vollkommen uneitel.<br />Feridun Zaimoglu ist sich treu geblieben, denn er sieht sich in der alten Tradition des Geschichtenerzählers. „Früher liefen die Erzähler von Dorf zu Dorf, wenn sie gut waren, wurden sie belohnt, wenn sie schlecht waren, wurden sie aus dem Dorf gejagt.“ Heute sind es nicht mehr die Dörfer, sondern die Buchhandlungen und Säle großer Städte. Doch unterwegs sind die modernen Geschichtenerzähler noch immer. Auch Zaimoglu. Er packt dann seinen großen Koffer, hat immer 16 Hemden, 16 Unterhosen und 16 Paar Socken dabei. Für sein Schreiben verzichtet er auf vieles, er sagt selbst, dass er kaum ein Privatleben habe. „Es klingt vielleicht kitschig, aber man muss dafür brennen“, sagt der 44-Jährige. „Als ich Leyla schrieb, sagte ich mir jeden Morgen: Lieber sterbe ich, als dass ich jetzt nicht schreibe.“ Brennen tat auch etwas anderes im Kurs „Arbeit am Text“: Nach jedem Text musste Feridun, der leidenschaftliche Kettenraucher, schnell vor die Tür, um eine Mentholzigarette durchzuziehen.<br /></span><br />Einfach schreiben - wie ein Maler die Dinge einfach sehen und beschreiben. Nicht umsonst zieht Zaimoglu den Vergleich zur anderen Kunstform: Er selbst malt seit vielen Jahren, ja manchmal, wenn er davon erzählt, scheint es, als sei er nur Schriftsteller geworden, weil es mit der Malerei bislang nicht so recht geklappt hat.<br /><br />„Wir dürfen nicht in eine Rolle schlüpfen, wenn wir schreiben“, sagt er, „wir müssen unsere Geschichte erzählen.“ Und dazu zählt für ihn auch Recherche. Wenn er einen Roman schreibt, muss er das, was er erzählt, erleben, er muss zum „Handlanger seiner Figuren“ werden. Das heißt, auch nachts um vier durch die leeren Straßen Warschaus zu gehen oder im Hochsommer durch Budapest zu rennen, um zu fühlen, wie das ist, das heißt, die eigene Mutter in langen Sitzungen zu interviewen, wie er es für sein Buch Leyla getan hat. Der Plagiatsvorwurf einer Journalistin hat ihn daher hart getroffen. Zwei Jahre seines Lebens hat er mit diesem Roman verbracht, ist gereist, hat mit seiner Familie gesprochen „und dann kommt jemand und will dich fertig machen.“ Zaimoglu erzählt, wie er nach diesem Artikel zum Teil wieder von Lesungen ausgeladen wurde. Hinter den Kulissen der „schönen“ Literatur geht es also oft ganz anders zu. Zaimoglu erzählt von anderen Verletzungen und Enttäuschungen, von der Fallhöhe, wenn man auf der Shortlist des Buchpreises steht und ihn nicht bekommt. Und trotzdem, sagt er, sei er nicht „hart geworden.“ Und das stimmt voll und ganz: Begeisterung, Offenheit, absolute Durchlässigkeit. Hier möchte sich einer den kindlichen, unverstellten Blick auf die Welt bewahren – und tut das mit Erfolg.<strong><br /></strong></span></p> <!--[if gte mso 10]> <style mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1"> /* Style Definitions */  table.MsoNormalTable 	{mso-style-name:"Normale Tabelle"; 	mso-tstyle-rowband-size:0; 	mso-tstyle-colband-size:0; 	mso-style-noshow:yes; 	mso-style-parent:""; 	mso-padding-alt:0cm 5.4pt 0cm 5.4pt; 	mso-para-margin:0cm; 	mso-para-margin-bottom:.0001pt; 	mso-pagination:widow-orphan; 	font-size:10.0pt; 	font-family:"Times New Roman";}</style> <![endif]--><!--[if gte mso 9]>   <![endif]--><!--[if gte mso 9]>       <![endif]--><!--[if gte mso 9]>     Normal   0   21                         MicrosoftInternetExplorer4   <![endif]--><!--  /* Style Definitions */  p.MsoNormal, li.MsoNormal, div.MsoNormal 	{mso-style-parent:""; 	margin:0cm; 	margin-bottom:.0001pt; 	mso-pagination:widow-orphan; 	font-size:12.0pt; 	font-family:"Times New Roman"; 	mso-fareast-font-family:"Times New Roman";} @page Section1 	{size:612.0pt 792.0pt; 	margin:70.85pt 70.85pt 2.0cm 70.85pt; 	mso-header-margin:36.0pt; 	mso-footer-margin:36.0pt; 	mso-paper-source:0;} div.Section1 	{page:Section1;} --><!--[if gte mso 10]> <style mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1"> /* Style Definitions */  table.MsoNormalTable 	{mso-style-name:"Normale Tabelle"; 	mso-tstyle-rowband-size:0; 	mso-tstyle-colband-size:0; 	mso-style-noshow:yes; 	mso-style-parent:""; 	mso-padding-alt:0cm 5.4pt 0cm 5.4pt; 	mso-para-margin:0cm; 	mso-para-margin-bottom:.0001pt; 	mso-pagination:widow-orphan; 	font-size:10.0pt; 	font-family:"Times New Roman";}</style> <![endif]--><!--[if gte mso 9]>   <![endif]--><!--[if gte mso 9]>       <![endif]-->]]></description><link>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-070709-feridun-zaimoglu.html</link><pubDate>Tue, 07 Jul 2009 18:00:00 +0200</pubDate><guid>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-070709-feridun-zaimoglu.html</guid><enclosure url="http://www.text-manufaktur.de/a/bildmaterial/blog/Zaimoglu 01 kl.jpg" length="133680" type="image/jpeg" /></item><item><title>06.07.09/  Die Textmanufaktur-Basiskurse</title><description><![CDATA[<br /><span style="font-size: 8pt;"><strong><br /><span style="font-size: 10pt;">Paulina, du hast in Erfurt selbst lange Zeit eine Autorenschule geleitet. Welche Erfahrungen hast du daraus gewonnen?</span></strong><span style="font-size: 10pt;"><br />Ich habe von 2002 bis 2008 als Nachfolgerin des bekannten Schreibpädagogen und Autors Prof. Dr. Otto Kruse die Schreibschule Erfurt geleitet. Seit 2004 unterrichte ich auch an der Universität Erfurt, und seit Kurzem an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Außerdem gebe ich seit Jahren Kurse und Seminare in ganz Deutschland und auch in Polen. Ich tausche mich einfach gern mit Menschen über Texte aus, arbeite mit Menschen und Worten, betreue Schreibende und ihre Geschichten. Jeder Teilnehmer ist für mich eine neue Welt, es ist mir wichtig, mit jedem intensiv und individuell zu arbeiten – das war und ist mein Anspruch, sowohl ihn der Schreibschule Erfurt wie auch jetzt in der Textmanufaktur in Leipzig. <br />Ich weiß auch, dass der Lernprozess auf beiden Seiten funktioniert, und ich habe in den letzten Jahren viel gelernt, wofür ich meinen Studenten sehr dankbar bin. Jeder Text ist eine neue Herausforderung, egal, ob ich ihn als Autorin, Übersetzerin oder Dozentin betrachte, das ist herrlich!<br /><br /><br /><strong>Wie muss man sich dein Konzept der Basiskurse bei der Textmanufaktur vorstellen?</strong><br />Die Basiskurse sind an Schreibende gerichtet, die bisher eher intuitiv gearbeitet haben, und sich nun theoretisches Wissen, technische Tricks und handwerkliche Fähigkeiten aneignen wollen. Obwohl ein geschriebener Text wohl nie fertig ist, es sind stets Korrekturen nötig; auch das möchte ich in meinen Kursen vermitteln: das eigene Schreiben aus einer gewissen Distanz zu betrachten, sich nie zufriedenzugeben, an seinem Stil zu feilen, immer weiter zu lernen.<br />In den Basiskursen werden die Teilnehmer unter der Leitung versierter Dozenten die Gelegenheit haben, ihr Talent auszuprobieren und es zu kanalisieren. Sie werden ihre Wege und Ausdrucksmöglichkeiten finden und die Gelegenheit zum Austausch bekommen – was gerade für die Einsteiger sinnvoll ist. Sie werden Einführung in gewisse Themen erhalten, und zwar auf eine Art, die es ihnen ermöglicht, nach dem Kurs weiter selbständig arbeiten und darauf aufbauen zu können. <br />Die Struktur der Textmanufaktur ist so angelegt, dass man anschließend weitere Kurse besuchen kann. Wer lieber individuell mit dem Dozenten weiter arbeiten möchte, hat die Möglichkeit, ein weiterführendes Coaching zu buchen. <br />&nbsp;<br /><strong><br />Du erarbeitest Manuskript-Gutachten für namhafte Verlage, übersetzt aus dem Polnischen und unterrichtest Kreatives Schreiben. Kommst du selbst noch zum Schreiben? </strong><br />Die Zeitknappheit ist tatsächlich ein Problem. Ich arbeite sehr viel und an sehr unterschiedlichen Sachen. Viel veröffentlicht habe ich zwischen 2004 und 2006: einen Erzählband, einen Gedichtband, zwei Fotobände mit meinen Texten; abgesehen von den übersetzten Romanen und zahlreichen Beiträgen in polnischen und deutschen Anthologien.<br />Aber auch wenn ich nicht direkt an einem Text schreibe, läuft das Konzeptuelle dennoch die ganze Zeit mit. Ich bekomme ja permanent Impulse, die in mein Schreiben einfließen, daraus entstehen Ideen. Es ist nicht zwingend nötig (und manchmal eben gar nicht möglich), sich sofort hinzusetzen und eine Erzählung zu schreiben. Oft genügt es, sich die Grundidee aufzuschreiben, sich den Entwurf zu notieren, eine Hauptfigur, eine Szene. Manchmal reicht ein Satz, aus dem ich dann Monate später eine Kurzgeschichte entstehen lasse.<br />In den letzten zwei Jahren habe ich mich vor allem dem literarischen Übersetzen gewidmet und kaum geschrieben – jedoch ist in dieser Phase das Exposé zu einem Roman entstanden, samt der ersten Seiten. Und der letzte Satz steht auch schon! Ich habe in den zwei Jahren mit meinem Protagonisten gelebt, ihn und seine Geschichte immer weiter ausgearbeitet, bis ich vor ein paar Monaten das Gefühl hatte: jetzt kann ich zu schreiben beginnen. Ich bin selbst gespannt, wie es weiter gehen wird …<br /></span></span><br /><!--[if gte mso 10]> <style mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1"> /* Style Definitions */  table.MsoNormalTable 	{mso-style-name:"Normale Tabelle"; 	mso-tstyle-rowband-size:0; 	mso-tstyle-colband-size:0; 	mso-style-noshow:yes; 	mso-style-parent:""; 	mso-padding-alt:0cm 5.4pt 0cm 5.4pt; 	mso-para-margin:0cm; 	mso-para-margin-bottom:.0001pt; 	mso-pagination:widow-orphan; 	font-size:10.0pt; 	font-family:"Times New Roman";}</style> <![endif]--><!--[if gte mso 9]>   <![endif]--><!--[if gte mso 9]>       <![endif]--><!--[if gte mso 9]>     Normal   0   21                         MicrosoftInternetExplorer4   <![endif]--><!--  /* Style Definitions */  p.MsoNormal, li.MsoNormal, div.MsoNormal 	{mso-style-parent:""; 	margin:0cm; 	margin-bottom:.0001pt; 	mso-pagination:widow-orphan; 	font-size:12.0pt; 	font-family:"Times New Roman"; 	mso-fareast-font-family:"Times New Roman";} @page Section1 	{size:612.0pt 792.0pt; 	margin:70.85pt 70.85pt 2.0cm 70.85pt; 	mso-header-margin:36.0pt; 	mso-footer-margin:36.0pt; 	mso-paper-source:0;} div.Section1 	{page:Section1;} --><!--[if gte mso 10]> <style mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1"> /* Style Definitions */  table.MsoNormalTable 	{mso-style-name:"Normale Tabelle"; 	mso-tstyle-rowband-size:0; 	mso-tstyle-colband-size:0; 	mso-style-noshow:yes; 	mso-style-parent:""; 	mso-padding-alt:0cm 5.4pt 0cm 5.4pt; 	mso-para-margin:0cm; 	mso-para-margin-bottom:.0001pt; 	mso-pagination:widow-orphan; 	font-size:10.0pt; 	font-family:"Times New Roman";}</style> <![endif]--><!--[if gte mso 9]>   <![endif]--><!--[if gte mso 9]>       <![endif]-->]]></description><link>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-010709-die-textmanufaktur-basiskurse.html</link><pubDate>Mon, 06 Jul 2009 18:00:00 +0200</pubDate><guid>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-010709-die-textmanufaktur-basiskurse.html</guid><enclosure url="http://www.text-manufaktur.de/a/bildmaterial/team/paulina kl.jpg" length="47169" type="image/jpeg" /></item><item><title>01.07.09/  Lektorin Gesa Jung im Interview</title><description><![CDATA[<br /><span style="font-size: 8pt;">Gesa Jung, Junior-Lektorin bei Goldmann Sachbuch sowie Mitgründerin des Vereins der Jungen Verlagmenschen, im Gespräch.</span><br /><strong><br /><br />Du bist Sachbuchlektorin in der großen Verlagsgruppe Random House, wie werden Manuskripte an dich herangetragen?</strong><br />Auf ganz unterschiedlichen Wegen. Zum einen natürlich über die Autoren selbst, die ihr Manuskript oder eine Leseprobe direkt an unseren Verlag schicken. Dann gibt es die Literaturagenten, die uns Buchprojekte anbieten. Diese Vermittlung hat für uns als Verlag den Vorteil, dass die Agenten für uns vorfiltern, also die Spreu vom Weizen trennen. Und sie kennen die Verlagsprogramme sehr gut und können meist ganz gut einschätzen, ob ein Buch zu uns passen könnte oder nicht. Als dritte Möglichkeit gibt es unsere Scouts. Die sind für uns unglaublich wichtig, denn sie sichten den Markt im Ausland: Welche neuen Trends gibt es dort? Welche Nachwuchsautoren sind gerade hip? Wann veröffentlicht Autor XY sein nächstes Werk und welche Verlage sind heiß darauf? Und vor allem: Welche Buchprojekte könnten für unseren Verlag als Übersetzung in Frage kommen? Sie versorgen uns dann mit ersten Infos zum Buch und an welchen Verlag oder Agenten wir uns wegen der Rechte wenden können.<br /><br /><strong>Habt ihr die Möglichkeit, auch eigene Sachbuchideen zu entwickeln, oder bleibt dafür keine Zeit?</strong><br />Klar, man ist immer auf der Suche, verfolgt aktuelle Diskussionen und Trends, behält mögliche Autoren und ihr Schaffen im Auge. Aber es fällt schwer, neben den täglichen Aufgaben Zeit dafür zu finden. Und dann liegen da ja auch noch immer die vielen eingesandten Manuskripte, die gelesen werden wollen ...<br /><br /><strong>Wo siehst du die Trends im Buchhandel im Allgemeinen und im Sachbuch im Speziellen hingehen? </strong><br />Schwer zu sagen. Spannend wird das Thema E-Book. Wie sehr werden sie sich ausbreiten? Und welche Rolle wird der traditionelle Buchhandel dabei einnehmen? Ich teile nicht die Befürchtungen, dass das E-Book das gedruckte Buch oder den traditionellen Buchhandel in seiner Existenz gefährdet. Ich glaube nicht, dass die große Mehrheit der Leser aufs digitale Lesen umsteigen wird. Viel bedrohlicher ist doch die zunehmende Nutzung von Internetbuchhändlern. In Zukunft müssen sich die Buchhändler immer mehr einfallen lassen, um dem etwas entgegenzusetzen.<br />Und zum Thema Sachbuch: Das Sachbuch wird in Zukunft immer mehr mit der Verlagerung der Informationsbeschaffung ins Internet zu kämpfen haben. Wo informiert sich die jüngere Generation? Online. Um diese Lesergeneration müssen wir in Zukunft kämpfen. Den älteren Generationen war/ist der Mehrwert des gedruckten Werks noch einleuchtend. Doch ich glaube, dass wir für die Leser der Zukunft in ganz neue Richtungen denken müssen, um für sie attraktiv zu bleiben. Das wird spannend.<br /><br /><strong>Du bist eine der Gründerinnen der Jungen Verlagsmenschen, einem Verein, der sich überwiegend um die Vernetzung des verlegerischen Nachwuchses kümmert. Wie siehst du die Situation des Nachwuchses?</strong><br />Mein Eindruck, der sich im Laufe unserer Tätigkeiten im Netzwerk immer mehr bestätigt: Es gibt sehr viel ungenutztes Potenzial beim Nachwuchs der Verlagsbranche. Ich treffe wieder und wieder auf Leute mit den besten Lebensläufen: ein Top-Studium, Auslandsaufenthalten, Praktika – und einer unglaublichen Begeisterung für die Verlagsbranche. Eigentlich haben sie ja auch alles richtig gemacht. Viele dieser Leute hangeln sich leider von Volontariat zu Volontariat, kriegen hier mal eine Elternzeitvertretung, dort können sie ihren Vertrag vielleicht noch ein halbes Jahr verlängern. Aber sie stehen in einer Sackgasse. Viele geben irgendwann entnervt auf, manche machen sich selbständig, nur die ganz stoischen halten durch. Diejenigen, die keine gut betuchten Eltern im Hintergrund haben, haben vielleicht schon aufgegeben, als sie die Stellenanzeige mit dem Volontariat in München lasen, bei dem sie 500 Euro im Monat „verdienen“ sollten. Die Verlage wissen um diese Situation. Die meisten berufen sich darauf, dass es nicht anders geht, weil nicht mehr Geld da ist und sie nur begrenzt Stellen ausbauen können. Was ich mir wünschen würde: Dass ein ernsthafter, konstruktiver Dialog darüber entsteht, wie man dennoch die Situation verbessern könnte. Nicht den Kopf in den Sand stecken, sondern überlegen, wie man beispielsweise den Ausbildungscharakter von Volontariaten verbessern könnte, was faire Bezahlung bedeutet, und wie Verlage langfristig qualifizierten Nachwuchs an sich binden können. Das Netzwerk Junge Verlagsmenschen will den Nachwuchs der Branche etwas sichtbarer machen. Wir versuchen diesen Dialog mit den Verlagen zu fördern, ohne dabei Fronten aufzubauen.<br /><br /><strong>Was liest du privat gern?</strong><br />Ich lese meistens ein Sachbuch und ein belletristisches Buch parallel. Im Moment sind das „Sieben Tage in der Kunstwelt“ von Sarah Thornton und „Alice“ von Judith Hermann. Davor waren es „Wer die Kälte liebt“ von Tilmann Bünz (ein Buch über Skandinavien) und Moby Dick. Zwischendurch lese ich auch immer wieder gerne mal einen guten Krimi. Und ich warte sehnsüchtig darauf, dass mein Lieblingsautor Ian McEwan sein nächstes Buch veröffentlicht. Ansonsten liebe ich alles von Uwe Johnson, Virginia Woolf, die schroff-zärtlichen Geschichten von Annie Proulx und Sachbücher, die Geschichten von Menschen erzählen, die auf die eine oder andere Art – und wenn auch nur im Kleinen – die Welt verändert haben. „Darwin“ von Jürgen Neffe ist zum Beispiel so ein Buch.<br /><br /><!--[if gte mso 10]> <style mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1"> /* Style Definitions */  table.MsoNormalTable 	{mso-style-name:"Normale Tabelle"; 	mso-tstyle-rowband-size:0; 	mso-tstyle-colband-size:0; 	mso-style-noshow:yes; 	mso-style-parent:""; 	mso-padding-alt:0cm 5.4pt 0cm 5.4pt; 	mso-para-margin:0cm; 	mso-para-margin-bottom:.0001pt; 	mso-pagination:widow-orphan; 	font-size:10.0pt; 	font-family:"Times New Roman";}</style> <![endif]--><!--[if gte mso 9]>   <![endif]--><!--[if gte mso 9]>       <![endif]--><!--[if gte mso 9]>     Normal   0   21                         MicrosoftInternetExplorer4   <![endif]--><!--  /* Style Definitions */  p.MsoNormal, li.MsoNormal, div.MsoNormal 	{mso-style-parent:""; 	margin:0cm; 	margin-bottom:.0001pt; 	mso-pagination:widow-orphan; 	font-size:12.0pt; 	font-family:"Times New Roman"; 	mso-fareast-font-family:"Times New Roman";} @page Section1 	{size:612.0pt 792.0pt; 	margin:70.85pt 70.85pt 2.0cm 70.85pt; 	mso-header-margin:36.0pt; 	mso-footer-margin:36.0pt; 	mso-paper-source:0;} div.Section1 	{page:Section1;} --><!--[if gte mso 10]> <style mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1"> /* Style Definitions */  table.MsoNormalTable 	{mso-style-name:"Normale Tabelle"; 	mso-tstyle-rowband-size:0; 	mso-tstyle-colband-size:0; 	mso-style-noshow:yes; 	mso-style-parent:""; 	mso-padding-alt:0cm 5.4pt 0cm 5.4pt; 	mso-para-margin:0cm; 	mso-para-margin-bottom:.0001pt; 	mso-pagination:widow-orphan; 	font-size:10.0pt; 	font-family:"Times New Roman";}</style> <![endif]--><!--[if gte mso 9]>   <![endif]--><!--[if gte mso 9]>       <![endif]-->]]></description><link>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-010709-lektorin-gesa-jung-im-interview.html</link><pubDate>Wed, 01 Jul 2009 18:00:00 +0200</pubDate><guid>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-010709-lektorin-gesa-jung-im-interview.html</guid><enclosure url="http://www.text-manufaktur.de/a/bildmaterial/blog/gesa.jpg" length="117668" type="image/jpeg" /></item><item><title>09.06.09/  Robert Schindel</title><description><![CDATA[<br /><span style="font-size: 14pt;"><strong>"Literatur ist die restlose Ausschöpfung der Lebensgeister</strong>"</span><br /><br />Trotz (oder gerade wegen) des „weiten Weges“, den der 65-jährige Robert Schindel in seinem Leben gegangen ist, wirkt der Autor voller Energie und Lebenslust, als wir uns in den niederösterreichischen Bergen treffen. Als eine „Bewegung hin zum Lachen“ bezeichnet er es selbst. Der Lyriker, Autor und Regisseur Robert Schindel wurde am 4. April 1944 als Sohn jüdischer Eltern geboren. Seine Eltern wurden vier Monate nach seiner Geburt von der Gestapo verhaftet und nach Auschwitz deportiert. Schindels Vater starb im KZ Dachau. Schindel ist als Lyriker wie Prosaautor gleichermaßen bekannt und geehrt, von ihm erschienen bei Suhrkamp zuletzt die Gedichtbände „Wundwurzel“, „Mein mausklickendes Saeculum“ sowie der Roman „Gebürtig“.<br /><br /><br /><strong>Sie sind jetzt 65. Wenn Sie die Bewegung als Autor in Ihrem Leben betrachten, von wo nach wo geht die?</strong><br />Es ist eine immer stärkere Selbsterklärung, ein immer stärkeres und immer intensiveres Auseinandersetzen damit, wie man selber in der Zeit und zur Zeit steht, wie einen die Zeit prägt und wie man versucht, selber die Zeit zu prägen.<br /><br /><strong>Gibt es da eine Form von Abnutzung, etwa bei den Themen?</strong><br />Natürlich ändern sich Themen, aber abnutzen? Das müssen andere entscheiden. Es gibt viele Schriftsteller, die der Auffassung sind, dass ihr letztes Buch das beste ist, das stimmt sehr oft nicht. Aber das müssen, wie gesagt, andere beurteilen. Ich selber habe oft das Gefühl, dass meine Entwicklung zwar zickzackartig, aber trotzdem in eine ganz bestimmte Richtung geht, nämlich die, mich mit dem Tatbestand meiner Existenz zu versöhnen, das heißt, einen Modus Vivendi zu finden zwischen den Konflikten, die ich mit mir und der Welt verspüre, und einer Lebensfreude, einer Freude, dass ich da bin und vielleicht auch das eine oder andere zu sagen habe.<br /><br /><strong>Gelingt diese Versöhnung?</strong><br />Ich glaube, ich bin auf einem guten Weg. Ich hatte eine sehr schwierige Kindheit und eine hundsquälende Jugend. Von daher bin ich einen weiten Weg gegangen und bin von Bitternis weit entfernt. Ich gehe eher in Richtung Lachen.<br /><br /><strong>Wenn man Sie über Texte reden hört, spürt man, dass Sie einen sehr eigenen Zugang haben, einen analytisch-hermeneutischen. Wie nehmen Sie Texte wahr?</strong><br />Das ist ganz verschieden, wenn ich zum Beispiel in einer Schreibwerkstatt auf Texte zugreife, dann bin ich vorsichtiger, weil der Autor ja daneben sitzt, dann sage ich Dinge, mit denen er auf jeden Fall etwas anfangen kann. Wenn ich ein Buch lese, steigen mir manchmal auch unsachliche oder boshafte Gedanken hoch, und beides hat seine Berechtigung. Ich kann mich unglaublich ärgern über Banalitäten. Oft habe ich das Gefühl, dass die Autoren es eigentlich besser können, aber was immer sie schreiben, wird veröffentlicht. Aber ich kann auch über einen Text glücklich sein und ich kenne viele, die das können. Das ist das Herrliche an der Literatur. In einer Zeit, in der man sich eigentlich über die falschen Sachen freut – in dieser Konsumgesellschaft – ist die Literatur eine restlose Ausschöpfung seiner Lebensgeister. Es gibt nichts Schöneres, als sich mit guten Texten auseinanderzusetzen. Außer vielleicht noch eine wunderbare Musik, an die man nicht analytisch herangeht, sondern bei der man sich ganz den Seelenklängen hingeben kann.<br /><br /><strong>Roland Barthes hat einmal gesagt, er sei umgeben von Sendern. Die Leute wollen senden, sie wollen schreiben, sie messen ihrem eigenen Output Bedeutung zu. Mündet das nicht in einen Relativismus, in dem alles aneinander untergeht?</strong><br />Der Relativismus wird selbst relativiert durch die Nachhaltigkeit bestimmter Texte, durch das, was bleibt. Das können wir nicht beurteilen, aber wie in allen Epochen der Literatur, wird wenig übrig bleiben von dem, was die Leute schreiben. Es gibt ja das Bonmot, dass mehr Leute Gedichte schreiben, als sie zu lesen. Das würde die Sender-Theorie bestätigen. Aber man kann in diesem Leben Blöderes machen, als Gedichte zu schreiben. Waffen in die Hand nehmen, Computerspiele spielen, sich niedersaufen. Ich finde, der Versuch, der Welt einen persönlichen Stempel durch Sprache aufzudrücken, ist die schlechteste Sache nicht. Auch wenn viele Dinge künstlerisch gesehen nicht so viel Wert sind, haben sie zum Beispiel therapeutische Kraft. Das Schreiben ist auch eine laute Selbstreflexion, und es ist doch gut, wenn Menschen, die gattungsmäßig zur Selbstreflexion fähig sind, dies auch tun. Das trägt zum Zivilisationsprozess bei.<br /><br /><strong>Nur wollen die meisten natürlich die dazugehörende Öffentlichkeit, und das führt ja zum bekannten Gerangel um die Aufmerksamkeit. Wie nehmen Sie da die Veränderungen im Betrieb wahr?</strong><br />Es ist natürlich unübersichtlicher geworden. Auch durch die neuen Medien, und es ist ein großes Problem, dass ich zu viele Sachen lesen will. Es gibt ein Überangebot, und man muss scharf schauen, und sich die Parameter selbst suchen: Was liest man jetzt, wo liest man nur quer und was ignoriert man ganz? Vor dem Problem stehen viele. Ich persönlich habe ein gutes Gegengewicht, wenn ich sehe, dass ich in der zeitgenössischen Literatur ersaufe, dann mache ich einen Ausflug in die Klassik oder die Moderne Klassik. Dann lese ich halt wieder Kafka. Einen Tag Kafka lesen und man kriegt den Kopf wieder frei.<br /><br /><strong>Einen Tag Kafka lesen? Wie sieht ihr Arbeitsalltag aus? Sie sind ein Tausendsassa, arbeiten in verschiedenen Medien, als Autor ist man ja heute sowieso Manager seiner selbst. Wie arbeiten Sie tagtäglich?</strong><br />Das kommt drauf an. Wenn ich an einem großen Projekt arbeite, einem Theaterstück oder Roman, dann muss ich versuchen, in einen Zeitbürokratismus hineinzukommen. Regelmäßigkeit ist dann bei mir absolut nötig. Gleiche Schreibzeiten, vier-, fünfmal die Woche. Früher hatte ich sehr starke Schreibrituale – im Kaffeehaus, von halb zehn bis eins, und nur, wenn ich nachher keinen Termin hatte. Weil das heute gar nicht mehr geht, bin ich dabei, mich umzupolen und mir an Arthur Schnitzler ein Beispiel zu nehmen, der es geschafft hat, sich auch auf Reisen zurückzuziehen und zu schreiben.<br /><br /><strong>Es gibt jüngere Autoren, die schreiben ihre Romane fast komplett in der Bahn, weil sie soviel unterwegs sind. Wird die Mobilität, das Unterwegssein, dadurch selbst zum Thema?</strong><br />Natürlich. Aber wenn ich in eine bestimmte Phase des Schreibens trete, an die kontinuierliche Niederschrift, dann muss ich sehr viele Sachen absagen. Das ist zwar auch eine ökonomische Frage, aber dann muss ich einfach eine bestimmte Zeit die Lesungen minimieren. Der Roman „Gebürtig“ war auch so ein Vier-Jahres-Block – nicht Blog, sondern Block (lacht). Das ist nicht einfach. Ich bin einer, der wenig streicht, der sehr viel im Kopf anhäuft und nicht mehr viele Korrekturen macht. Es gibt ja Leute, die schreiben zwölf Entwürfe. Ich bin eher der, der im Kopf akkumuliert und daher brauche ich die Konzentration.<br /><br /><strong>Sie sprechen von Akkumulation im Kopf, ist das beim Lyrik genauso oder kommen Gedichte eher eruptiv, abends bei einem Glas Wein?</strong><br />Ich fertige im Allgemeinen so etwas wie Worthaufen an. Wie viele Kolleginnen und Kollegen habe ich natürlich mein Notizbuch dabei, in das ich jederzeit Zeilen, Worte, Bruchstücke hineinschreibe. Dann setze ich mich relativ regelmäßig hin und begutachte diese Worthaufen, schreibe etwas dazu, strukturiere, und dann entsteht das eine oder andere Gedicht. Gelegentlich gibt es einen Schreibrausch. Als schlafe es fertig in einem und kommt auf einmal heraus. Das ist ja auch das Wunder des Kreativen Schreibens, unabhängig von dem Ergebnis, dass es einen immer wieder selbst überraschen kann, weil man plötzlich Sachen auf dem Papier hat, an die man überhaupt nie gedacht hat.<br /><br /><strong>Also ist sowohl Lyrik wie Prosa Spracharbeit für Sie?</strong><br />Ich bemerke keinen Unterschied. Der Unterschied ist nur, dass ich weiß, dass ich bei Prosa einen langen Atem brauche und große Bögen berücksichtigen muss, dass ich in der Prosa von Tageslaunen und Tagesstimmungen nicht so abhängig sein kann. In der Lyrik kann man es sich leisten, Texte so hinzufetzen, weil man sie schnell korrigieren kann. Aber die Arbeit ist im Grunde die gleiche. Denn ich arbeite in der Sprache, nicht mit der Sprache, und vertraue darauf, dass die Sprache mit Zeitgenossenschaft und Wirklichkeit durchtränkt ist. Ich versuche, durch die Sprache, nicht mit der Sprache, an die Gegenstände heranzukommen, die ich behandeln möchte.<br /><br /><!--[if gte mso 10]> <style mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1"> /* Style Definitions */  table.MsoNormalTable 	{mso-style-name:"Normale Tabelle"; 	mso-tstyle-rowband-size:0; 	mso-tstyle-colband-size:0; 	mso-style-noshow:yes; 	mso-style-parent:""; 	mso-padding-alt:0cm 5.4pt 0cm 5.4pt; 	mso-para-margin:0cm; 	mso-para-margin-bottom:.0001pt; 	mso-pagination:widow-orphan; 	font-size:10.0pt; 	font-family:"Times New Roman";}</style> <![endif]--><!--[if gte mso 9]>   <![endif]--><!--[if gte mso 9]>       <![endif]--><!--[if gte mso 9]>     Normal   0   21                         MicrosoftInternetExplorer4   <![endif]--><!--  /* Style Definitions */  p.MsoNormal, li.MsoNormal, div.MsoNormal 	{mso-style-parent:""; 	margin:0cm; 	margin-bottom:.0001pt; 	mso-pagination:widow-orphan; 	font-size:12.0pt; 	font-family:"Times New Roman"; 	mso-fareast-font-family:"Times New Roman";} @page Section1 	{size:612.0pt 792.0pt; 	margin:70.85pt 70.85pt 2.0cm 70.85pt; 	mso-header-margin:36.0pt; 	mso-footer-margin:36.0pt; 	mso-paper-source:0;} div.Section1 	{page:Section1;} --><!--[if gte mso 10]> <style mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1"> /* Style Definitions */  table.MsoNormalTable 	{mso-style-name:"Normale Tabelle"; 	mso-tstyle-rowband-size:0; 	mso-tstyle-colband-size:0; 	mso-style-noshow:yes; 	mso-style-parent:""; 	mso-padding-alt:0cm 5.4pt 0cm 5.4pt; 	mso-para-margin:0cm; 	mso-para-margin-bottom:.0001pt; 	mso-pagination:widow-orphan; 	font-size:10.0pt; 	font-family:"Times New Roman";}</style> <![endif]--><!--[if gte mso 9]>   <![endif]--><!--[if gte mso 9]>       <![endif]-->]]></description><link>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-290409-robert-schindel.html</link><pubDate>Tue, 09 Jun 2009 18:00:00 +0200</pubDate><guid>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-290409-robert-schindel.html</guid><enclosure url="http://www.text-manufaktur.de/a/bildmaterial/blog/schindel_bunt.jpg" length="34349" type="image/jpeg" /></item><item><title>02.06.09/  Wie schreibe ich ein Exposé</title><description><![CDATA[<br />Das Manuskript ist fertig und es beginnt die Verlagssuche. Neben der Frage, an welche Verlage man den Text schicken sollte, steht die nach der Form an zweiter Stelle. Wie bringe ich den Lektor dazu, dass er mein Manuskript liest?<br /><br />Das fragte sich Wolfgang Tischer, Herausgeber der Internetzeitschrift <a href="http://www.literaturcafe.de" onclick="window.open(this.href); return false;">literaturcafé.de</a>, und machte sich auf den Weg nach Leipzig. Sein sympathisches und fundiertes Feedback zu dem Kurs "Die Kunst des Exposés" mit Uwe Heldt findet ihr <a href="http://www.literaturcafe.de/expose-schreiben-text-manufaktur-leipzig/" onclick="window.open(this.href); return false;">hier</a>.<br />]]></description><link>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-020609-wie-schreibe-ich-ein-expose.html</link><pubDate>Tue, 02 Jun 2009 18:00:00 +0200</pubDate><guid>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-020609-wie-schreibe-ich-ein-expose.html</guid></item><item><title>31.05.09/  Federwelt Interview</title><description><![CDATA[<br /><strong>Für den <a href="http://www.federwelt.de/" onclick="window.open(this.href); return false;">Federwelt</a> Newsletter stellte mir <a href="http://www.andreaswilhelm.info/noflash.html" onclick="window.open(this.href); return false;">Andreas Wilhelm</a> drei Fragen über die Textmanufaktur:</strong><br /><br /><em>3 Fragen an ... André Hille, Textmanufaktur</em><br /><br /><strong>Vor einem guten Jahr haben Sie die Textmanufaktur ins Leben gerufen. Wie kamen Sie auf die Idee, und was ist das Ziel dieses Angebotes?</strong><br />Ziel des Angebots war es von Anfang an, qualifizierte Weiterbildung für Schriftsteller anzubieten. Es gibt zwar das Literaturinstitut in Leipzig oder den Studiengang Kreatives Schreiben in Hildesheim, aber wer nicht mehr studieren kann oder möchte, dem ist der Zugang zu renommierten Dozenten oft versperrt. Hier jedem die Möglichkeit zu bieten, unabhängig von Alter oder irgendwelchen Auswahlverfahren, mit Lektoren von Fischer, Aufbau, KiWi oder auch mit Autoren wie Wladimir Kaminer, Ulrike Draesner oder Feridun Zaimoglu an den eigenen Texten zu arbeiten, das ist mein Anliegen. Mir geht es um eine gewisse Demokratisierung des Lernprozesses.<br />Darüberhinaus ist mir aufgefallen, dass es in Deutschland ein Manko an dramaturgischer Ausbildung gibt. Auf der anderen Seite geht ohne eine vernünftige Sprache vor allem im literarischen Bereich auch nichts. Hier eine Verbindung zu schaffen, wenn man so will zwischen E und U, das ist im Kern mein Ziel.<br />Sukzessive wird die Textmanufaktur nun ausgebaut zu einer Schule für Textkompetenz, das heißt, es kommen Angebote für Lektoren und Journalisten dazu. Sie soll mittelfristig zentrale Anlaufstelle für "Textarbeiter" insbesondere im freiberuflichen Bereich werden.<br /><br /><strong>Es überrascht, wie umfangreich das Seminarprogramm ist, das Sie anbieten, und wie vergleichsweise günstig die Kosten für die Teilnehmer sind. Wie finanzieren Sie die doch sicher umfangreichen logistischen Bemühungen, die Bewerbung, die Raummieten und letztlich die hochkarätigen Seminarleiter?</strong><br />Momentan überwiegend dadurch, dass ich sehr viel arbeite. Administration, Pressearbeit, Seminarbegleitung, Programmplanung, Reisen. Das heißt, dass meine Tage oft lang sind, aber man weiß zumindest, wofür man arbeitet. Trotz allem sind die Kurse so kalkuliert, dass am Ende ein bisschen übrig bleibt. Die Textmanufaktur ist kein gemeinnütziger Verein, sondern soll auch Unternehmen sein. Ob die Preise auf Dauer zu halten sind, muss man sehen. Hier gibt es manchmal auch Interessenskonflikte der Teilnehmer zwischen dem Bedürfnis nach günstigen Kursen und der Arbeit in möglichst kleinen Gruppen. Beides geht nicht, und ich versuche hier, einen guten Kompromiss zu finden.<br /><br /><strong>Die Erlernbarkeit der handwerklichen Grundlagen des Schreibens wird hierzulande oft angezweifelt oder bestenfalls in den Bereich des allzu kommerziellen Mainstreams verwiesen. Wie sind Ihre Erfahrungen mit den Seminaren und dem Feedback der Teilnehmer?</strong><br />Ich sage immer: 95 Prozent sind erlernbar, 5 Prozent nicht. Aber diese 5 Prozent wiegen, vor allem im literarischen Bereich, fast genauso viel wie die anderen 95. Aber ich verstehe auch nicht, was man gegen das Lernen haben kann! Wir lernen alle, ständig. Was ist verkehrt daran, das Schreiben zu lernen? Wir begehen oft den Fehler zu glauben, weil wir die Sprache beherrschten, könnten wir auch Bücher schreiben. Aber das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Der Autor und Kritiker Carsten Probst hat letztens gesagt: "Das literarische Schreiben ist ein Schreiben in einer neuen Sprache." Und das muss man lernen.<br />Die Teilnehmer reisen fast durchweg begeistert wieder aus Leipzig ab. Ich versuche eine kritische und zugleich konstruktive Atmosphäre in jedem Seminar zu schaffen: Wo liegen die Schwächen des Autors? Wo das Potenzial des Textes? Wie verhält sich dieser Text zur Marktsituation? Praxisbezug und Markt sind mir sehr wichtig und haben in den Diskussionen ihren Raum. Im Mittelpunkt steht aber immer die Arbeit am konkreten Text. Dass die Teilnehmer mit einem höheren Textbewusstsein wieder nach Hause fahren, das ist vor allem mein Anliegen.<br />]]></description><link>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-310509-federwelt-interview.html</link><pubDate>Sun, 31 May 2009 18:00:00 +0200</pubDate><guid>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-310509-federwelt-interview.html</guid></item><item><title>26.05.09/  Bildungsprämie</title><description><![CDATA[<br />Seit Dezember 2008 gibt das Bildungsministerium die Bildungsgutscheine oder -prämien aus, die Menschen zur Weiterbildung animieren soll. Die Textmanufaktur akzeptiert diese Gutscheine. Wer also gerade etwas knapp bei Kasse ist, kann den Gutschein beantragen und bei der Textmanufaktur einlösen.<br /><a href="http://www.bildungspraemie.info/" onclick="window.open(this.href); return false;">http://www.bildungspraemie.info/</a><br />]]></description><link>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-260509-bildungspraemie.html</link><pubDate>Tue, 26 May 2009 18:00:00 +0200</pubDate><guid>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-260509-bildungspraemie.html</guid></item><item><title>18.05.09/  Neue Kooperationen</title><description><![CDATA[<br />Mit dem Aufbau Verlag, der sich ab nächstem Jahr beim Textmanufaktur Stipendium für das erzählerische Debüt engagieren will, sowie mit dem Verband der freien Lektorinnen und Lektoren (VFLL) Berlin gewinnt die Textmanufaktur zwei starke neue Partner. Mitglieder des VFLL Berlin erhalten ab sofort bei den Kursen der Textmanufaktur Sonderkonditionen, die im Programmheft oder bei den Mitgliederversammlungen erfragt werden können.<br />]]></description><link>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-180509-neue-kooperationen.html</link><pubDate>Mon, 18 May 2009 18:00:00 +0200</pubDate><guid>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-180509-neue-kooperationen.html</guid></item><item><title>15.05.09/  Das schlafende Dornröschen</title><description><![CDATA[<em><br /></em>Maja Das Gupta wird im Oktober das <a href="http://www.text-manufaktur.de/anmeldung.38/events/kurs-09-32.html" target="_self">Seminar "Du Stück!" zum szenischen Schreiben</a> leiten und sprach mit Paulina Schulz über die Inspiration zum Schreiben, das Vorgehen im Seminar und „schlafende Texte“.<br /><br /><strong>Maja, du hast ganz verschiedene Dinge am Theater gemacht, als Dramaturgin, Theaterpädagogin Autorin oder Librettistin gearbeitet. Als was siehst Du Dich am ehesten?</strong><br />Ich habe mir die Frage neulich erst gestellt, als mir klar wurde, dass ich mich ständig zwischen verschiedenen Disziplinen bewege. Und dachte spontan: Am liebsten wäre mir die Berufsbezeichnung „Erzählerin“. Die umfasst alles. Was man erzählen will und wie man es erzählen will, das ist eine Grundfrage. An der Neuköllner Oper habe ich erstmals mit Laien gearbeitet. Menschen haben auf der Bühne von sich erzählt und wir haben daraus kurze Geschichten entwickelt. Die Frage, was Laien mitbringen, hat mich seitdem sehr beschäftigt bzw. die Frage, wie man mit Dokumentarmaterial umgeht. Es war ebenso spannend, wenn auch ganz anders, für jugendliche Laiendarsteller ein Stück zu schreiben, in dem Versuch, es ihnen „auf den Leib“ zu schneidern. Zwischen diesen beiden „autorischen Erfahrungen“ liegen meine Ansätze: Entweder, ich arbeite mit dem, was ich im Kopf habe oder aber mit dem, was mir von außen entgegengebracht wird.<br /><br /><strong>Wie meinst Du das?</strong><br />Wenn ich besonders wütend auf etwas bin, recherchiere ich kaum, der Text entsteht aus einem anderen Impuls, ich arbeite etwas ab. „Vom bösen Kind“ ist so entstanden, als Reflex auf Erfahrungen, die ich gemacht habe. Ich finde es aber auch interessant, für eine bestehende Besetzung zu schreiben oder etwas zu recherchieren und dann damit zu arbeiten. Ein Stück über ein bosnisches Mädchen entstand nur, weil eine Schauspielerin mir ein Buch in die Hand drückte und sagte: Lies das mal. Wir suchen seit zwei Jahren einen Autor. Ich spiele deine Texte so gern. Ich las das Buch, wollte es überhaupt nicht machen, fing aber im Kopf an, das Material hin- und herzuschieben. <br /><br /><strong>Wie gehst Du dabei vor?</strong><br />Sehr unterschiedlich. Jeder Stoff schreibt sich anders, hat seine eigenen Gesetzmäßigkeiten. Und es ist hilfreich, wenn man nicht zu früh bewertet, was man da macht, sondern erstmal ins Laufen kommt.<br /><br /><strong>Wie kann man sich dann die Arbeit in deinem Seminar vorstellen?</strong><br />Natürlich kann man eine Dreiviertelstunde über ein Wort diskutieren. Ich glaube aber, das ist was fürs Endlektorat. In diesem Seminar wird es darum gehen, erstmal das aufzunehmen, was die Teilnehmer von sich aus machen und zu fragen, worin Stärken liegen und wie man sie weiter ausbauen kann. Ich möchte aber nicht nur mit dem arbeiten, was die Teilnehmer mitbringen, sondern auch ein, zwei freiere Übungen machen. Die werden aber freiwillig sein. <br /><br /><strong>Zum Beispiel?</strong><br />Da mich die Frage nach dem Umgehen mit recherchiertem Material selbst interessiert, möchte ich gern an einer Stelle mit Interviews arbeiten. <br /><br /><strong>Wie beim Feature?</strong><br />Nein. Es wird darum gehen, die Interviews als Basis für die Entwicklung von Figuren und/oder Situationen bzw. als Assoziationsmaterial zu verwenden. Ich wünsche mir, dass jeder Teilnehmer herausfindet, was ihn am meisten interessiert, was er machen will. Ich finde im Nachhinein zum Beispiel an meiner Dornröschen-Geschichte am erstaunlichsten, dass ich sie geschrieben habe ohne mich vorher zu fragen, ob das jemanden interessiert. <br /><br /><strong>Machst du das heute nicht mehr?</strong><br />Doch. Dauernd. Nichts ist schöner als ein schlafendes Dornröschen. Wenn es keiner wach küssen will, ist das nicht mein Problem. <br /><br />]]></description><link>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-150509-das-schlafende-dornroeschen.html</link><pubDate>Fri, 15 May 2009 18:00:00 +0200</pubDate><guid>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-150509-das-schlafende-dornroeschen.html</guid><enclosure url="http://www.text-manufaktur.de/a/bildmaterial/Dozenten/Maja Das Gupta.jpg" length="106801" type="image/jpeg" /></item><item><title>30.04.09/  &quot;Uns entkommt keiner&quot;</title><description><![CDATA[<br />Die Lektorin für deutschsprachige Belletristik beim S. Fischer Verlag Dr. Constanze Neumann über Nachwuchsautoren, das geteilte Deutschland und den Deutschen Buchpreis.<br /><br /><br /><strong>Sie sind Lektorin beim S. Fischer Verlag. Wie sieht ihr tägliches Lesepensum aus?</strong><br />Das ist unterschiedlich, denn meine Arbeit besteht natürlich auch in der Auseinandersetzung mit bereits angenommen Texten, Lektorieren, Organisieren. Ich würde sagen, ich lese am Tag vielleicht zwei bis drei Stunden, aber das kann auch in der Freizeit sein.<br /><br /><strong>Ist es denn wirklich so, dass Lektoren immer mehr Projektmanager werden oder ist das bei Fischer noch anders?</strong><br />Ich glaube, nicht nur bei Fischer, sondern bei allen großen Literaturverlagen geht es in erster Linie um Literatur, es geht um die Auseinandersetzung mit den Texten und um die Betreuung der Autoren, das ist unser Kerngeschäft. Natürlich bin ich, in dem Moment, wo ich für einen Verlag arbeite, auch verantwortlich für die Produktseite des Buches, denn wenn wir die Bücher nicht an den Leser bringen, können wir auch unseren Verlag nicht weiter aufrecht erhalten. Das ist ein Aspekt, der war zu allen Zeiten da. Die Zusammenarbeit mit dem Marketing und dem Vertrieb ist daher ganz wichtig. Aber meine Kernaufgabe liegt in der Auseinandersetzung mit den Autoren und in ganz klassischer Textarbeit.<br /><br /><strong>Wie sehen Sie die Themenentwicklung der letzten Jahre in der deutschsprachigen Literatur? Gibt es Moden, zeitlose Themen?</strong><br />Was, glaube ich, zunehmend wichtiger wird, ist Literatur von Autoren mit Migrationshintergrund, von Autoren, die mit einem Bein in einer anderen Kultur stehen. Da sehe ich interessante Impulse für die deutschsprachige Literatur. Was häufig als Mode bezeichnet wird oder als zeitgeschichtlich-historischer Roman von der Kritik abgetan wird, empfinde ich als Notwendigkeit: Romane, die sich mit dem 20. Jahrhundert beschäftigen. Junge Autoren der Generation zwischen 25 und 40 müssen noch mal das aussprechen, was lange Zeit im Schweigen gelegen hat. Das kann man als Tendenz bezeichnen oder als Mode, ich glaube, es ist notwendig. Wir brauchen Romane wie „Kaltenburg“ von Marcel Beyer oder „Die Mittagsfrau“ von Julia Franck.<br /><br /><strong>Wird denn die Aufarbeitung der DDR-Geschichte in der Literatur jemals einen ähnlichen Stellenwert erreichen, wie die der NS-Vergangenheit?</strong><br />Da versteige ich mich jetzt zu einer kühnen Behauptung, aber ich glaube ja. Es wird natürlich jeden Herbst wieder nach dem großen Wenderoman gesucht, ich denke, den kann es gar nicht geben. Aber wenn man sich die Entwicklung anschaut, gibt es Parallelen: Erst ist man mit Satire an die Ereignisse herangegangen, weil es zu nah war, dann gab es immer wieder Jahre des Schweigens, dann gab es die Chronisten, die Erinnerungsbücher. Es war eine lange Zeit der Diktatur, es sind viele schlimme Dinge passiert, es ist viel geschwiegen worden. Ich glaube, wo es so einen langen Zeitraum des Schweigens gegeben hat, wird erst die nachfolgende Generation sprechen können.<br /><br /><strong>Wobei manchmal der Eindruck entsteht, dass die Aufarbeitung nur im Osten stattfindet. Für viele im Westen war die Vereinigung doch mehr oder weniger eine Nachricht im Fernsehen, wie viele andere auch. Deshalb hat die DDR-Zeit vielleicht doch nicht so einen starken Impetus, weil sie nur einen Teil von Deutschland, den kleineren, betraf. Wie wird das Thema beim Fischer Verlag wahrgenommen?</strong><br />Das kann ich nur sehr schwer beurteilen. Ich arbeite in einem Verlag, der in Frankfurt am Main ansässig ist, der eine lange und schwierige Geschichte hat, der sich aber ab den 70er Jahren sehr vehement um Literatur aus der DDR bemüht hat, um nur mal Wolfgang Hilbig zu nennen, Monika Maron, Reiner Kunze. Deswegen ist das in unseren Lektoratsrunden ein wichtiges Thema. Es wird auch im Herbst ein Band mit Lyrik der DDR erscheinen. Auch hier muss noch ein wenig Zeit vergehen, eh klar wird, dass das eine gemeinsame Geschichte ist, so wie die Geschichte der Bundesrepublik auch interessant oder wichtig ist für Bürger der ehemaligen DDR. Das war ein geteiltes Land mit einer gemeinsamen Geschichte. Vielleicht ist das Wunschdenken, dass das Interesse größer wird. Wenn man sich auf der anderen Seite den „Turm“ von Uwe Tellkamp anschaut – das ist ja schon ein sehr spezielles Buch, das heute fast als Volksbuch bezeichnet wird. Und das lässt mich hoffen, dass das Thema für alle von Interesse ist.<br /><br /><strong>Wenn wir schon bei Julia Franck und Uwe Tellkamp sind: Stichwort Buchpreis. Fischer, Hanser, Suhrkamp wechseln sich in schöner Regelmäßigkeit ab. Fluch und Segen des Buchpreises?</strong><br />Man kann sehr viel dagegen und sehr viel dafür sagen. Was mich freut und weshalb ich vehement für diesen Preis bin: dass es damit gelungen ist, binnen kürzester Zeit jedes Jahr einen deutschsprachigen Autor in Regionen zu heben – was die Verkäufe anbelangt – die vor sieben oder acht Jahren nur schwer erreichbar waren. Ich glaube, dass damit Interesse an deutschsprachiger Literatur geweckt wird, dass viele Menschen entdecken, dass es neben den großen amerikanischen Erzählern auch große deutschsprachige Erzähler gibt. Im vergangen Jahr war kein Buch von Fischer auf einer dieser Listen, wir hatten trotzdem Erfolge, aber natürlich war das eine Enttäuschung. Trotzdem freut es einen, wie sehr diese Bücher im Gespräch sind.<br /><br /><strong>Führt das nicht zu einem Verschwinden des Mittelbaus, zu einer Zweiteilung des Marktes. Hier die Leuchttürme, dort die Kleinteiligkeit?</strong><br />Ja, vielleicht. Auf der anderen Seite bemüht sich die Jury, auch die Shortlist zu präsentieren. Selbst die Longlist-Kandidaten werden besprochen. Was ich auch jedes Jahr wieder interessant finde: Es gibt immer fünf, sechs Bücher, die auf keiner dieser Listen auftauchen und die genau deswegen relativ groß besprochen werden, eine Anti-Liste, oftmals Ausdruck der Empörung. Da entsteht ein Streit, da gibt es Emotionen und das ist doch sehr lebendig. Gut, man kann auch vieles dagegen sagen, aber für mich überwiegen die Vorteile.<br /><br /><strong>Wie durchlässig sind die Grenzen für Autoren heute in Verlage hinein. Ist es schwieriger, leichter in Verlage hineinzukommen?</strong><br />Ich überblicke ja erst eine Zeitspanne von knapp zehn Jahren. Da sehe ich keine große Veränderung. Es gibt in Deutschland ein wunderbares Netz von Schreibwerkstätten, Stipendien, Lesewettbewerben, die die Möglichkeit geben, sich zu testen, sich vorzustellen und Kontakte zu knüpfen. Es gibt viele sehr gute Agenturen und wir Verlagslektoren sind alle sehr viel unterwegs. Wir gehen zu diesen Wettbewerben und informieren uns über die Schreibwerkstätten. Es gibt in Deutschland ein sehr engmaschiges Netz. Ich glaube, uns entkommt keiner. Gute Manuskripte finden zum Verlag.<br />]]></description><link>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-290409-uns-entkommt-keiner.html</link><pubDate>Thu, 30 Apr 2009 18:00:00 +0200</pubDate><guid>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-290409-uns-entkommt-keiner.html</guid><enclosure url="http://www.text-manufaktur.de/a/bildmaterial/Dozenten/constanze neumann c cesare valenti sw.jpg" length="26893" type="image/jpeg" /></item><item><title>24.04.09/  Über die Konstruktion von Wirklichkeit</title><description><![CDATA[<br />Anlässlich des Seminars "Literarisches Sehen. Wie wird aus Realität Funktion" sowie anlässlich des Frühlings-Rundgangs auf der Spinnerei wird es am Samstag, den 2.5., um 21 Uhr in der Textmanufaktur eine Podiumsdiskussion zum Thema "Konstruktion von Wirklichkeit in der Literatur und der Kunst" geben. Zu Gast ist der Autor, Kunstkritiker und Kurator Carsten Probst (Berlin) sowie die Leipziger Künstlerin Ruth Habermehl. Moderiert wird die Diskussion von André Hille. Dazu lade ich herzlich ein.<br /><!--[if gte mso 10]> <style mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1"> /* Style Definitions */  table.MsoNormalTable 	{mso-style-name:"Normale Tabelle"; 	mso-tstyle-rowband-size:0; 	mso-tstyle-colband-size:0; 	mso-style-noshow:yes; 	mso-style-parent:""; 	mso-padding-alt:0cm 5.4pt 0cm 5.4pt; 	mso-para-margin:0cm; 	mso-para-margin-bottom:.0001pt; 	mso-pagination:widow-orphan; 	font-size:10.0pt; 	font-family:"Times New Roman";}</style> <![endif]--><!--[if gte mso 9]>   <![endif]--><!--[if gte mso 9]>       <![endif]--><!--[if gte mso 9]>     Normal   0   21                         MicrosoftInternetExplorer4   <![endif]--><!--  /* Style Definitions */  p.MsoNormal, li.MsoNormal, div.MsoNormal 	{mso-style-parent:""; 	margin:0cm; 	margin-bottom:.0001pt; 	mso-pagination:widow-orphan; 	font-size:12.0pt; 	font-family:"Times New Roman"; 	mso-fareast-font-family:"Times New Roman";} @page Section1 	{size:612.0pt 792.0pt; 	margin:70.85pt 70.85pt 2.0cm 70.85pt; 	mso-header-margin:36.0pt; 	mso-footer-margin:36.0pt; 	mso-paper-source:0;} div.Section1 	{page:Section1;} --><!--[if gte mso 10]> <style mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1"> /* Style Definitions */  table.MsoNormalTable 	{mso-style-name:"Normale Tabelle"; 	mso-tstyle-rowband-size:0; 	mso-tstyle-colband-size:0; 	mso-style-noshow:yes; 	mso-style-parent:""; 	mso-padding-alt:0cm 5.4pt 0cm 5.4pt; 	mso-para-margin:0cm; 	mso-para-margin-bottom:.0001pt; 	mso-pagination:widow-orphan; 	font-size:10.0pt; 	font-family:"Times New Roman";}</style> <![endif]--><!--[if gte mso 9]>   <![endif]--><!--[if gte mso 9]>       <![endif]-->]]></description><link>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-240409-ueber-die-konstruktion-von-wirklichkeit.html</link><pubDate>Fri, 24 Apr 2009 18:00:00 +0200</pubDate><guid>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-240409-ueber-die-konstruktion-von-wirklichkeit.html</guid></item><item><title>13.04.09/  Wladimir Kaminer und Humor schreiben lernen</title><description><![CDATA[<p><br />Er trägt eine gelbe Lederjacke und hat ein braungebranntes Gesicht – frisch zurück aus Palma de Mallorca, wo er mit seiner Familie fünf Tage verbracht hat. Er packt einen Mini-Laptop aus, auf dem er in jeder Pause an seiner neuen Geschichte schreibt: Russendisko-DJ und Erfolgsautor Wladimir Kaminer. Neben der Persönlichkeit des Autors prägten den Kurs „Humor in der Literatur“ bestes Osterwetter, Sonne, viel Lachen, Textarbeit und Kaminers Geschichten. Wladimir Kaminer ist durch und durch ein Geschichtenerzähler. Sein Leben scheint nur in Anekdoten stattgefunden zu haben – oder ist er "nur" ein Meister der Pointierung? Auch seine Kommentare zu den Texten der Teilnehmer gibt er meist in Form von Gleichnissen oder Anekdoten, hinter denen sich oftmals erst auf den zweiten Blick der präzise, überraschende Rat verbirgt. Wenn Kaminer erzählt, schwingt die Stimmung immer zwischen Tragik und Komik – sein großes Thema.<br /><br /><strong>Was ist Ihrer Meinung nach das Wichtigste am Schreiben?</strong><br />Ich bin fest davon überzeugt, dass es, für einen der schreiben will, das wichtigste ist, sein Thema zu finden und einen Zugang zu diesem Thema. Wenn man die Wege zu dem eigenen Thema definieren kann, ist alles andere viel einfacher. Dann geht es nicht mehr um gut oder schlecht, um die eine oder andere Szene, dann ist man als Autor jenseits von Gut und Böse, weil man für sich selbst glaubwürdig und aufrichtig ist. Der Weg zu diesem Thema liegt in der Vergangenheit, die Vergangenheit ist – darf man das sagen? – ist die einzig wahre Realität.<br /><br /><strong>Also ist Schreiben immer autobiografisch?</strong><br />Alle Geschichten, egal ob ein Krimi oder ein satirisch gefärbtes Märchen, sind in den Biografien der Autoren verankert. Hundertprozentig. Vielleicht indirekt, vielleicht um fünf Ecken herum, aber sie haben dort ihre Quelle. Je mehr man über die Vergangenheit weiß, umso besser kommt man mit der Gegenwart klar und umso weniger Angst muss man vor der Zukunft haben. Man kann sein Leben auch auf Grundlage einer Fernsehserie aufbauen, warum nicht. Es wird einen nicht umbringen, aber es wird einem große Schwierigkeiten im Umgang mit der Realität bereiten. Fernsehserien geben einem nicht das, was man zum Leben braucht, aus ihnen entsteht nichts. Und aus dem Nichts entsteht die Angst. Angst ist ein schlechter Ratgeber, man macht entweder gar nichts oder irgendwas falsch. Das Fernsehen schiebt fremde Biografien vor die eigene.<br /><br /><strong>Wie sind Sie zu Ihrer ersten Buchveröffentlichung gekommen?</strong><br />Ich habe in Berliner Kneipen Vorträge gehalten und gelesen, über Kosmonauten oder über russische Literatur. Meine Biografie spielt zu einem großen Teil in der Sowjetunion, diesem Experiment, das als gescheitert gilt, und in der Sowjetunion waren Berufe wie Kasten, geschlossene Welten. Kosmonauten lebten mit ihren Familien in Städten, wo nur Kosmonauten lebten, bei Schriftstellern sah es ähnlich aus. Total geschlossene Welten. Alle anderen, egal wie talentiert sie waren, waren keine Schriftsteller, wenn sie nicht in der richtigen Siedlung ihr Häuschen hatten. Diese Themen haben mich damals sehr beeindruckt. Und der Umzug nach Berlin 1990. Darüber habe ich dann, etwas später, 1997/98, Geschichten geschrieben und in Kneipen und Cafés vorgelesen. Damals war in Berlin jedes Café zugleich ein Veranstaltungsort. Es kamen anfangs nur sehr wenig Leute, zehn, zwanzig vielleicht. Die fanden das allerdings sehr lustig.<br /><br /><strong>Hat Sie das gewundert?</strong><br />Das die das lustig fanden? Ja, weil ich das ernst gemeint habe. Damals verstand ich die Zweideutigkeit der Tragödie. Im Grunde ist eine Tragödie eine gescheiterte Komödie, eine Komödie, die nicht lustig ist. Und eine Komödie ist eine gelungene Tragödie, weil das der richtige Umgang mit der Tragik ist. Wenn man nur weint, landet man in einer Sackgasse und kann sich gleich erschießen. Die Komödie ist ein Mittel, konstruktiv mit Traurigkeit umzugehen, mit der Tragödie des Lebens.<br /><br /><strong>Wie ging es weiter?</strong><br />Später habe ich auf Vorlesebühnen gelesen, das war etwas härter und eher politisch. Eine gute Schule als Vorleser. Auf einer solchen Veranstaltung sprach mich eine Literaturagentin an und bot mir an, die Geschichten, die zu diesem Zeitpunkt fertig waren, Verlagen zu zeigen. Alle Verlage wollten dieses Buch haben, denn für die Verlage war das frisch. Bekommen hat es mein „Konzernverlag“, bei dem ich noch immer bin, weil er am meisten Geld geboten hat. Ungefähr 80.000 Mark. Das war für mich eine unglaubliche Summe. Ich hatte zu dieser Zeit einen Job in einer Theaterwerkstatt, wo ich ungefähr eins-fünf verdiente. Auch nicht schlecht, aber dieser Job machte mich krank. Ich musste im Büro sitzen und lange Telefonate mit dem Arbeitsamt führen. Anfang der 90er gab es sehr viele ABM-Stellen in Berlin. Jedes Theater und jedes Projekt bekam sofort 20 ABM-Stellen. Und auch unsere Werkstatt hatte einen Pool von bestimmt 100 ABM-Stellen. Und da saß ich im Büro und musste Telefondienst halten. Als ich den Vorschuss von Bertelsmann bekam, habe ich sofort gekündigt – eine große Geste. Der Vorschuss entsprach ungefähr vier Jahresgehältern. So lange, dachte ich, wird diese Werkstatt sowieso nicht existieren.<br /><br /><strong>Also stand bei Ihnen am Anfang das Lesen und erst dann folgte der gedruckte Text?</strong><br />Für mich war das Buch damals nicht wichtig und ist es heute auch nicht. Die Papierliteratur ist eine sekundäre Erscheinung. Diese großen Auflagen kann man nicht fassen. Insofern ist das nicht so interessant für mich wie weiter als reisender Geschichtenerzähler durch die Städte und durch die Länder zu fahren und direkt mit den Menschen zu reden, ihnen Geschichten erzählen, mir ihre Geschichten anzuhören. Das ist für mich eine primäre Tätigkeit.<br /><br /><strong>Und hinzu kommt noch die Russendisko?</strong><br />Die Tanzwerkstatt? Das wird weniger, zum Glück. Disko ist anstrengend. Im Grunde ist Musik ein Kommunikationsmittel für Menschen, die nicht erzählen können. Warum geht man in eine Disko? Doch nicht, um Musik zu hören, das kann man besser zu Hause. Man geht, um jemanden kennenzulernen. Und warum dann in die Disko? Es ist laut, es ist schlechtes Licht, es ist verraucht. Das sind Leute, die davor Angst haben, in normalem Licht jemandem etwas zu erzählen. Die das ausnutzen, dass in der Disko alles so schlecht und kompliziert ist. Aber es war ein großer Schritt, dass wir scheinbar so vielen Menschen geholfen haben, diese Kommunikationsprobleme zu lösen. Ich bekomme ständig Fotos von Kindern, die von Leuten entstanden sind, die sich bei uns kennengelernt haben.<br /><br /><strong>Sie meinen also, der beste Weg, Schriftsteller zu werden, ist, dies gar nicht zu wollen, sondern einfach sein Thema zu finden, gute Texte zu produzieren und dann zu hoffen, dass man vom richtigen Agenten oder Verleger gefunden wird?</strong><br />Das sind zwei Dinge, die man nicht miteinander verwechseln darf. Auf der einen Seite das Gebiet der Vergangenheit, auf der anderen das Prinzip „Fernsehserie“. Was will man mit der Schreiberei erreichen? Wenn man damit Geld verdienen und mit Verlegern in Kontakt treten will, ist das ein Verwaltungsweg, das hat mit Schreiben wenig zu tun. Oder will man, ich sag mal, im Auftrag Gottes die Wahrheit sehen? Die Tatsache, dass diese Wege sich manchmal kreuzen, schließt die Unterscheidung nicht aus. „Richtige“ Schriftsteller landen auch auf Bestsellerlisten und die „falschen“ werden nicht immer gedruckt. Früher dachte ich immer, auf Bestsellerlisten kann nie etwas Gutes stehen, das, was alle lesen, ist irgendein Schinken und die guten Bücher bekommt man von einem Freund. Stimmt nicht. Inzwischen weiß ich, alles mögliche kann auf Bestsellerliste stehen. <br /><br /><strong>Wie sieht Ihr Alltag als Schriftsteller aus? Haben Sie feste Zeiten, schreiben Sie zwischendurch?</strong><br />Ich leide unter Zeitmangel. Deswegen versuche ich jetzt, auf journalistische Arbeiten zu verzichten. Aber wenn man etwas aufzuschreiben hat, dann findet man immer Zeit, egal, auch wenn man zwanzig Kinder hat und keinen Schreibtisch. Dann schreibt man eben auf dem Knie oder auf dem Fensterbrett. Nein, die Frage ist, wie man zu dem eigenen Thema findet.<br /><br /><strong>Wie oft überarbeiten Sie Ihre Texte?</strong><br />Sehr oft. Das dauert am längsten. Das wundert mich manchmal selbst, weil ich die Geschichte klar im Kopf habe. Normalerweise setze ich mich nicht zum Schreiben, ehe ich diese Geschichte nicht ziemlich genau vor mir habe, schon mindestens drei mal davon geträumt habe und ganz genau weiß, wie man sie am besten erzählt. Trotzdem schreibe ich sie ziemlich schnell auf und sehe dann, dass vieles nicht stimmt. Ich redigiere sie. Dann redigiere ich sie noch mal, dann sehe ich deutlich, dass sie besser wird, und noch besser sein kann. Dann redigiere ich sie noch mal. Dann lasse ich sie ein paar Wochen liegen und schaue mir das noch mal an. Hinzu kommt bei mir, da ich in einer Fremdsprache schreibe, diese Unsicherheit. Obwohl schon so viele Jahre vergangen sind und ich alles Mögliche auf jede erdenkliche Art beschrieben habe – ich habe sehr viel geschrieben – spüre ich diese Unsicherheit noch sehr deutlich. Ich bin mir nie sicher, ob das jetzt tatsächlich die bessere Variante ist. Deshalb dauert es so lange.<br /><br /><strong>Zeigen Sie die Texte Ihrer Frau?</strong><br />Ich zeige sie ihr, wenn sie gerade nichts zu tun hat und ich der Meinung bin, mir ist etwas Außerordentliches gelungen und sie muss das unbedingt lesen. Früher oder später erfährt sie es sowieso, auf einer Lesung oder wo auch immer. Meistens lese ich ihr die Geschichte dann vor. Auf diesen ganzen Lesereisen, die ich seit zehn Jahren unternehme, lese ich nicht aus Büchern vor, das ist uninteressant, Bücher können alle selbst kaufen und lesen, sondern neue Geschichten. Darin liegt ein besonderer Reiz, weil man sofort eine Rückmeldung bekommt.<br /><br /><strong>Sie haben Ihr Thema und Ihren Stil gefunden. Oder ist es so, dass der Verlag sagt: Das funktioniert, das wollen wir weiterhin haben?</strong><br />Ich wollte mich von Anfang an nicht auf eine künstlich erzeugte Form einlassen, weil sie ihre eigenen Regeln diktiert oder auf den Inhalt Einfluss nimmt. Ich kann eine Form imitieren. Ich habe einen Roman imitiert mit „Militärmusik“, einen Reisebericht mit „Reise nach Trulala“, ein Kochbuch, einen Reiseführer oder Kurzgeschichten. Alles, was es gibt. Aber in Wirklichkeit ist es einfach eine Geschichte, die immer weitergeht. Eine Art Notizbuch.<br /><br /><strong>Und der Verlag lässt Sie machen, wie Sie wollen, oder greift er ein?</strong><br />Normalerweise reden wir mit dem Verlag nur über Geld. Sonst über nichts. Obwohl ich ein sehr nettes Lektorat habe. Sie redigieren mich, in erster Linie auf Grammatik, so, wie sie sich Grammatik vorstellen. Die ersten drei, vier Jahre hatten wir ständig Auseinandersetzungen und lange Kämpfe, ich habe immer alles zurückgenommen, was sie redigiert haben, aber inzwischen verstehen wir uns ganz gut.<br /><br /><strong>Bekommen Sie die wirtschaftlichen Änderungen auf dem Buchmarkt mit?</strong><br />Der Buchbetrieb ist eine absolut marktwirtschaftliche Angelegenheit. Die Branche verändert sich. Mit den Agenten zum Beispiel ist das so: Man kann es heutzutage nicht mehr als Beruf betrachten, Autoren zu suchen, zu finden, sie dem Verlag anzubieten. Der Verlag bietet dem Buchhändler den Autor an und der Buchhändler schaut, ob das nun jemand kauft oder nicht. Das ist aus marktwirtschaftlicher Sicht ein Wahnsinn. Genauso gut können Sie das Geld zum Fenster rauswerfen. Deswegen machen sie heute Folgendes: Ein Agent schreibt ein Projekt. Wie er sich ein Buch vorstellt, das Kasse macht. Zum Beispiel, „Die Geschichte der Unterwäsche, geschrieben von XY“. Damit geht er zum Verlag, der sagt aber: Ich hätte gern die Geschichte der Unterwäsche, nicht geschrieben von XY, sondern von einem schwarzen Popsänger. Dann sucht der Agent einen schwarzen Popsänger, hilft ihm beim Materialsammeln, und daraus entsteht dann ein künstlich gemachtes Buch. Die Agenten selbst erzählen, dass das in Richtung amerikanische Verhältnisse geht. In Amerika ist der Buchhändler der Chef der ganzen Sache. In Deutschland ist das noch immer der Verleger. In Amerika geht der Verleger zum Buchhändler und sagt: „Ich habe vor, ein Buch über den Irak-Krieg zu produzieren, nimmst du mir davon so und so viele tausend ab?“ Sagt der Buchhändler: „Nee, ich hab schon fünf Bücher über den Irak-Krieg, ich nehme das nicht.“ „Okay, dann mache ich das nicht“, sagt der Verleger. Der Buchhändler diktiert. Aber das ist der Markt und der Markt ist noch nicht das Leben. Es gibt auch viele Eingänge und Ausgänge und Unvorhergesehenes.<br /><br /><strong>Wissen Sie, wie hoch Ihre Auflagen sind?</strong><br />Ich habe Millionen verkauft. Ich weiß gar nicht, wie viel. Mein Verlag hat mir zum eine Millionsten Buch eine Annonce geschaltet, aber das war vor langer Zeit. Ich habe aufgehört, mich dafür zu interessieren.&nbsp; Das meiste waren ja Taschenbücher, und das richtige Geld verdient ein Verlag mit Hardcover, weil sie teurer sind. Auch der Autor verdient mehr mit Hardcover, zehn bis zwölf Prozent pro Buch. Hunderttausend verkaufte Hardcover sind gut. Ein Taschenbuch kann man millionenfach verkaufen, niemand verdient so richtig daran, weil die so billig sind. Der Autor bekommt fünf Prozent vom Taschenbuch, das sind 30 Cent oder so. Wie viel muss man davon verkaufen, um davon leben zu können? Deshalb machen sie jetzt alle diese Hybridbücher, halb Taschenbuch, halb Hardcover, und verkaufen es für zwölf Euro.</p> <!--[if gte mso 10]> <style mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1"> /* Style Definitions */  table.MsoNormalTable 	{mso-style-name:"Normale Tabelle"; 	mso-tstyle-rowband-size:0; 	mso-tstyle-colband-size:0; 	mso-style-noshow:yes; 	mso-style-parent:""; 	mso-padding-alt:0cm 5.4pt 0cm 5.4pt; 	mso-para-margin:0cm; 	mso-para-margin-bottom:.0001pt; 	mso-pagination:widow-orphan; 	font-size:10.0pt; 	font-family:"Times New Roman";}</style> <![endif]--><!--[if gte mso 9]>   <![endif]--><!--[if gte mso 9]>       <![endif]--><!--[if gte mso 9]>     Normal   0   21                         MicrosoftInternetExplorer4   <![endif]--><!--  /* Style Definitions */  p.MsoNormal, li.MsoNormal, div.MsoNormal 	{mso-style-parent:""; 	margin:0cm; 	margin-bottom:.0001pt; 	mso-pagination:widow-orphan; 	font-size:12.0pt; 	font-family:"Times New Roman"; 	mso-fareast-font-family:"Times New Roman";} @page Section1 	{size:612.0pt 792.0pt; 	margin:70.85pt 70.85pt 2.0cm 70.85pt; 	mso-header-margin:36.0pt; 	mso-footer-margin:36.0pt; 	mso-paper-source:0;} div.Section1 	{page:Section1;} --><!--[if gte mso 10]> <style mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1"> /* Style Definitions */  table.MsoNormalTable 	{mso-style-name:"Normale Tabelle"; 	mso-tstyle-rowband-size:0; 	mso-tstyle-colband-size:0; 	mso-style-noshow:yes; 	mso-style-parent:""; 	mso-padding-alt:0cm 5.4pt 0cm 5.4pt; 	mso-para-margin:0cm; 	mso-para-margin-bottom:.0001pt; 	mso-pagination:widow-orphan; 	font-size:10.0pt; 	font-family:"Times New Roman";}</style> <![endif]--><!--[if gte mso 9]>   <![endif]--><!--[if gte mso 9]>       <![endif]-->]]></description><link>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-130409-es-war-gar-nicht-komisch-gemeint-aber-alle-lachten.html</link><pubDate>Mon, 13 Apr 2009 18:00:00 +0200</pubDate><guid>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-130409-es-war-gar-nicht-komisch-gemeint-aber-alle-lachten.html</guid><enclosure url="http://www.text-manufaktur.de/a/bildmaterial/blog/Wladimir Kaminer in Leipzig kl.jpg" length="152642" type="image/jpeg" /></item><item><title>04.04.09/  &quot;Stilberatung&quot;</title><description><![CDATA[Ist vergleichende Werbung nun verboten oder erlaubt? Ich weiß es nicht mehr, und eigentlich macht es auch keinen Sinn, auf Angebote der Konkurrenz hinzuweisen, aber bei <a onclick="window.open(this.href); return false;" href="http://www.heralind.com/storyline/konditionen.html">diesem</a> kann ich es mir dann doch nicht verkneifen. Eine "Stilberatung für AutorInnen" wird von der Storyline GmbH angeboten, die verspricht, dass alle Texte persönlich von Hera Lind gelesen und von ihr mit einer Expertise bedacht werden. Mit "Stil" ist also nicht etwa, wie auf den ersten Blick vermutet, eine Farbberatung für AutorInnen gemeint, sondern tatsächlich der Schreibstil. Nun gut, wer die schlappe Summe von 1.500 Euro für die "schriftliche Expertise" von Hera Lind ausuzgeben bereit ist, kann sich sicherlich anschließend ihr Autogramm übers Bett hängen. Ich würde sagen, lieber eine 10er Karte der Textmanufaktur kaufen, da bleibt mit Sicherheit mehr für den eigenen "Stil" hängen.<!--[if gte mso 10]> <style mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1"> /* Style Definitions */  table.MsoNormalTable 	{mso-style-name:"Normale Tabelle"; 	mso-tstyle-rowband-size:0; 	mso-tstyle-colband-size:0; 	mso-style-noshow:yes; 	mso-style-parent:""; 	mso-padding-alt:0cm 5.4pt 0cm 5.4pt; 	mso-para-margin:0cm; 	mso-para-margin-bottom:.0001pt; 	mso-pagination:widow-orphan; 	font-size:10.0pt; 	font-family:"Times New Roman";}</style> <![endif]--><!--[if gte mso 9]>   <![endif]--><!--[if gte mso 9]>       <![endif]--><!--[if gte mso 9]>     Normal   0   21                         MicrosoftInternetExplorer4   <![endif]--><!--  /* Style Definitions */  p.MsoNormal, li.MsoNormal, div.MsoNormal 	{mso-style-parent:""; 	margin:0cm; 	margin-bottom:.0001pt; 	mso-pagination:widow-orphan; 	font-size:12.0pt; 	font-family:"Times New Roman"; 	mso-fareast-font-family:"Times New Roman";} @page Section1 	{size:612.0pt 792.0pt; 	margin:70.85pt 70.85pt 2.0cm 70.85pt; 	mso-header-margin:36.0pt; 	mso-footer-margin:36.0pt; 	mso-paper-source:0;} div.Section1 	{page:Section1;} --><!--[if gte mso 10]> <style mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1"> /* Style Definitions */  table.MsoNormalTable 	{mso-style-name:"Normale Tabelle"; 	mso-tstyle-rowband-size:0; 	mso-tstyle-colband-size:0; 	mso-style-noshow:yes; 	mso-style-parent:""; 	mso-padding-alt:0cm 5.4pt 0cm 5.4pt; 	mso-para-margin:0cm; 	mso-para-margin-bottom:.0001pt; 	mso-pagination:widow-orphan; 	font-size:10.0pt; 	font-family:"Times New Roman";}</style> <![endif]--><!--[if gte mso 9]>   <![endif]--><!--[if gte mso 9]>       <![endif]-->]]></description><link>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-040409-stilberatung.html</link><pubDate>Sat, 04 Apr 2009 18:00:00 +0200</pubDate><guid>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-040409-stilberatung.html</guid></item><item><title>02.04.09/  Halbzeit der Halbzeit</title><description><![CDATA[Nach Kurs 05 "Arbeit an der Sprache" mit Martina Hefter hat das erste Programm der Textmanufaktur so etwas wie eine Halbzeit in der ersten Jahreshälfte erreicht. Zeit für ein kurzes Innehalten, ein Zwischenfazit: Fünf Seminare zu ganz unterschiedlichen Themen und doch stand immer eines im Mittelpunkt: der Text. Die Rückmeldung der Teilnehmer zeigte, dass das Konzept der Textmanufaktur aufgeht: Nicht vor Ort zu schreiben, sondern <strong>durch intensive Textdiskussionen das Bewusstsein für das eigenen Schreiben anzuheben, um das neu erworbene Vokabular und die Erkenntnissse beim nächsten Schreibprozess abrufen zu können.</strong><br />Und in jedem Kurs mehr ist mir klar geworden, warum das Wort "Text" vom lateinischen "Textus" (Gewebe) abstammt: Jeder Text ist ein solch komplex verwobenes Medium, dass man es von den unterschiedlichsten Seiten betrachten kann und ihm doch nie voll und ganz gerecht wird.<br />Jedes Seminar war eine neue Herausforderung: Mit Thorsten Ahrend leisteten wir Lektoratsarbeit (und hörten abendliche Anekdoten aus einer langen Lektorenlaufbahn), mit Franziska Gerstenberg rangen wir um erste und letzte Sätze und Wendepunkte in einer Kurzgeschichte, mit Gunnar Cynybulk legten wir, wie eine Folie, eine dramaturgische Struktur auf jedes Romanprojekt, mit Georg Klein hoben wir unbewusste Potenziale von Texten und mit Martina Hefter begaben wir uns auf die Suche nach Klischees, Kitsch und falschen Metaphern. Die Arbeit war immer sehr konstruktiv, dafür danke ich auch allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern, freue mich über das positive Feedback, das es mir ermöglicht, das Kursprogramm weiter auszubauen und zu differenzieren.<!--[if gte mso 10]> <style mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1"> /* Style Definitions */  table.MsoNormalTable 	{mso-style-name:"Normale Tabelle"; 	mso-tstyle-rowband-size:0; 	mso-tstyle-colband-size:0; 	mso-style-noshow:yes; 	mso-style-parent:""; 	mso-padding-alt:0cm 5.4pt 0cm 5.4pt; 	mso-para-margin:0cm; 	mso-para-margin-bottom:.0001pt; 	mso-pagination:widow-orphan; 	font-size:10.0pt; 	font-family:"Times New Roman";}</style> <![endif]--><!--[if gte mso 9]>   <![endif]--><!--[if gte mso 9]>       <![endif]--><!--[if gte mso 9]>     Normal   0   21                         MicrosoftInternetExplorer4   <![endif]--><!--  /* Style Definitions */  p.MsoNormal, li.MsoNormal, div.MsoNormal 	{mso-style-parent:""; 	margin:0cm; 	margin-bottom:.0001pt; 	mso-pagination:widow-orphan; 	font-size:12.0pt; 	font-family:"Times New Roman"; 	mso-fareast-font-family:"Times New Roman";} @page Section1 	{size:612.0pt 792.0pt; 	margin:70.85pt 70.85pt 2.0cm 70.85pt; 	mso-header-margin:36.0pt; 	mso-footer-margin:36.0pt; 	mso-paper-source:0;} div.Section1 	{page:Section1;} --><!--[if gte mso 10]> <style mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1"> /* Style Definitions */  table.MsoNormalTable 	{mso-style-name:"Normale Tabelle"; 	mso-tstyle-rowband-size:0; 	mso-tstyle-colband-size:0; 	mso-style-noshow:yes; 	mso-style-parent:""; 	mso-padding-alt:0cm 5.4pt 0cm 5.4pt; 	mso-para-margin:0cm; 	mso-para-margin-bottom:.0001pt; 	mso-pagination:widow-orphan; 	font-size:10.0pt; 	font-family:"Times New Roman";}</style> <![endif]--><!--[if gte mso 9]>   <![endif]--><!--[if gte mso 9]>       <![endif]-->]]></description><link>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-020409-halbzeit-der-halbzeit.html</link><pubDate>Thu, 02 Apr 2009 18:00:00 +0200</pubDate><guid>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-020409-halbzeit-der-halbzeit.html</guid></item><item><title>22.03.09/  StadtschreiberIn Danzig</title><description><![CDATA[Gerade flatterte mir eine neue Ausschreibung ins Mailpostfach. Nun kann man nicht alle Stadtschreiberstellen hier posten, aber diese ist doch besonders schön und neu und kam als Tipp von Paulina Schulz. <a onclick="window.open(this.href); return false;" href="http://www.kulturforum.info/stadtschreiber">www.kulturforum.info/stadtschreiber</a><br />oder <a onclick="window.open(this.href); return false;" href="http://www.text-manufaktur.de/a/bildmaterial/blog/Ausschreibung-Danzig2009.pdf">hier als PDF</a><br /><br /><br /><br /><br /><br />&nbsp; od<!--  /* Style Definitions */  p.MsoNormal, li.MsoNormal, div.MsoNormal 	{mso-style-parent:""; 	margin:0cm; 	margin-bottom:.0001pt; 	mso-pagination:widow-orphan; 	font-size:12.0pt; 	font-family:"Times New Roman"; 	mso-fareast-font-family:"Times New Roman";} @page Section1 	{size:612.0pt 792.0pt; 	margin:70.85pt 70.85pt 2.0cm 70.85pt; 	mso-header-margin:36.0pt; 	mso-footer-margin:36.0pt; 	mso-paper-source:0;} div.Section1 	{page:Section1;} --> <!--[if gte mso 10]> <style mce_bogus="1" mce_bogus="1"> /* Style Definitions */  table.MsoNormalTable 	{mso-style-name:"Normale Tabelle"; 	mso-tstyle-rowband-size:0; 	mso-tstyle-colband-size:0; 	mso-style-noshow:yes; 	mso-style-parent:""; 	mso-padding-alt:0cm 5.4pt 0cm 5.4pt; 	mso-para-margin:0cm; 	mso-para-margin-bottom:.0001pt; 	mso-pagination:widow-orphan; 	font-size:10.0pt; 	font-family:"Times New Roman";}</style> <![endif]--><!--[if gte mso 9]>   <![endif]--><!--[if gte mso 9]>       <![endif]--><!--[if gte mso 9]>     Normal   0   21                         MicrosoftInternetExplorer4   <![endif]--><!--  /* Style Definitions */  p.MsoNormal, li.MsoNormal, div.MsoNormal 	{mso-style-parent:""; 	margin:0cm; 	margin-bottom:.0001pt; 	mso-pagination:widow-orphan; 	font-size:12.0pt; 	font-family:"Times New Roman"; 	mso-fareast-font-family:"Times New Roman";} @page Section1 	{size:612.0pt 792.0pt; 	margin:70.85pt 70.85pt 2.0cm 70.85pt; 	mso-header-margin:36.0pt; 	mso-footer-margin:36.0pt; 	mso-paper-source:0;} div.Section1 	{page:Section1;} --><!--[if gte mso 10]> <style mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1"> /* Style Definitions */  table.MsoNormalTable 	{mso-style-name:"Normale Tabelle"; 	mso-tstyle-rowband-size:0; 	mso-tstyle-colband-size:0; 	mso-style-noshow:yes; 	mso-style-parent:""; 	mso-padding-alt:0cm 5.4pt 0cm 5.4pt; 	mso-para-margin:0cm; 	mso-para-margin-bottom:.0001pt; 	mso-pagination:widow-orphan; 	font-size:10.0pt; 	font-family:"Times New Roman";}</style> <![endif]--><!--[if gte mso 9]>   <![endif]--><!--[if gte mso 9]>       <![endif]-->]]></description><link>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-220309-stadtschreiberin-danzig.html</link><pubDate>Sun, 22 Mar 2009 18:00:00 +0100</pubDate><guid>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-220309-stadtschreiberin-danzig.html</guid></item><item><title>02.03.09/  Lob an Kritik und Kritik an Lob</title><description><![CDATA[Michael Höfler, stellvertretender Vorsitzender der Autorenruppe 42er Autoren, hat am letzten Seminar der Textmanufaktur teilgenommen und eine profunde Kritik des Seminars geschrieben. Aber ich würde zuviel loben? Vielleicht liegt das daran, dass es mir um konstruktive Kritik geht, darum, Wege aufzuzeigen, wie es mit dem Text weitergehen kann. Aber wir können auch anders ...<br />Danke jedenfalls für das Lob, Michael.<br /><a onclick="window.open(this.href); return false;" href="http://forum.42erautoren.de/wbb2/thread.php?threadid=3449">Beitrag über das Seminar "Rückgrat zeigen. Story und Dramaturgie" im Forum der 42er Autoren</a><br />]]></description><link>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-020309-lob-an-kritik-und-kritik-an-lob.html</link><pubDate>Mon, 02 Mar 2009 18:00:00 +0100</pubDate><guid>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-020309-lob-an-kritik-und-kritik-an-lob.html</guid></item><item><title>26.02.09/  Buchmesse Leipzig</title><description><![CDATA[Sie findet erst zum zweiten Mal statt, hat aber fast schon Tradition: Die Party der Jungen Verlage bei der <a href="http://www.leipziger-buchmesse.de/" onclick="window.open(this.href); return false;">Leipziger Buchmesse</a>. Alles, was beim Verlegernachwuchs Rang und Namen hat, versammelt sich hier. Über 1.500 Gäste an coolen Locations. Und die Textmanufaktur sponsort mit. Wer die TM beim Lesemarathon <a href="http://www.leipzig-liest.de/" onclick="window.open(this.href); return false;">Leipzig liest</a> erleben will, kann dies an folgenden Terminen:<br />- Freitag 13.3., 20 Uhr: Lesung amerikanischer Autoren in der Reihe "Krautgarden", Seminarraum der TM, Spinnereistr. 7<br />- Freitag 13.3. ab 21 Uhr: Party der Jungen Verlage in der Alten Hauptpost am Augustusplatz<br />- Samstag 14.3. 20 Uhr Lesung aus der Reihe "Krautgarden", Seminarraum der TM, Spinnereistr. 7<br />]]></description><link>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-260209-buchmesse-leipzig.html</link><pubDate>Thu, 26 Feb 2009 10:00:00 +0100</pubDate><guid>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-260209-buchmesse-leipzig.html</guid><enclosure url="http://www.text-manufaktur.de/a/bildmaterial/blog/flyer-party-der-jungen-verl.jpg" length="252392" type="image/jpeg" /></item><item><title>16.02.09/  Ein erster und ein letzter Satz ...</title><description><![CDATA[Was macht eine gute Kurzgeschichte aus? Ein brillanter erster Satz, der den Leser mitten hinein führt in eine Szene, ein geschickter Spannungsaufbau mit nur einem Wendepunkt, die Einheit von Zeit und Ort, ein sehr überschaubares Figurenrepertoire sowie ein möglichst offenes Ende. Aber auch eine gute Montage kann aus einer konventionell erzählten Geschichte eine spannende machen. Entscheidend ist aber wohl, wie wir auch im Seminar "Short! Story!" immer wieder feststellen mussten, das szenische Erzählen: Dem Leser Raum für eigene Bilder lassen, nicht alles "auserzählen", zeigen, nicht sagen!<br />Der Schriftsteller Ralf Rothmann meint dazu: „Wenn Sie den Satz schreiben: ‚Das Zimmer war unaufgeräumt.‘ Dann ist das kein literarischer Satz, es ist eine grobe Beschreibung, vor allem aber ist es eine Meinung, denn das, was Sie für unaufgeräumt halten, muss ja ich nicht dafür halten. Wenn Sie aber das Zimmer so beschreiben, dass der Leser sagt ‚Mann, was ist das für ein Saustall‘, dann haben Sie Literatur gemacht.<br /><br />Dies alles und viel mehr war Gegenstand des 2. Seminars der Textmanufaktur, mit Franziska Gerstenberg, das wirklich Spaß gemacht hat.<br />]]></description><link>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-160209-ein-erster-und-ein-letzter-satz-.html</link><pubDate>Mon, 16 Feb 2009 22:00:00 +0100</pubDate><guid>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-160209-ein-erster-und-ein-letzter-satz-.html</guid><enclosure url="http://www.text-manufaktur.de/a/bildmaterial/blog/kurs 02kl.jpg" length="72305" type="image/jpeg" /></item><item><title>09.02.09/  Vom Handwerk des Schreibens ...</title><description><![CDATA[Ganzseitig berichtet das renommierte Branchenblatt über das neue Fortbildungsinstitut Textmanufaktur ("Wortschmiede an der Pleiße") für Autoren. Der ganze Artikel <a onclick="window.open(this.href); return false;" href="http://www.text-manufaktur.de/a/Presse/buchreport.pdf">hier</a> oder unter <a href="http://www.text-manufaktur.de/presse.html" target="_self">Presse</a>.<br />]]></description><link>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-090209-vom-handwerk-des-schreibens-.html</link><pubDate>Mon, 09 Feb 2009 12:00:00 +0100</pubDate><guid>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-090209-vom-handwerk-des-schreibens-.html</guid><enclosure url="http://www.text-manufaktur.de/a/bildmaterial/Presse/buchreport cover.jpg" length="6207" type="image/jpeg" /></item><item><title>01.02.09/  Nach dem Kurs ist vor dem Kurs</title><description><![CDATA[Der Kurs 01 mit Thorsten Ahrend war auch für mich die Premiere. Vielen Dank an alle Teilnehmer, die toll mitgearbeitet haben! Ich fand, wir hatten spannende Diskussionen, Kritik, Anerkennung und - auch für mich - einige interesante Anregungen für Verbesserungen. Bis zum nächsten Mal!]]></description><link>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-010209-nach-dem-kurs-ist-vor-dem-kurs.html</link><pubDate>Sun, 01 Feb 2009 20:00:00 +0100</pubDate><guid>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-010209-nach-dem-kurs-ist-vor-dem-kurs.html</guid><enclosure url="http://www.text-manufaktur.de/a/bildmaterial/blog/Kurs 01 kl.jpg" length="93856" type="image/jpeg" /></item><item><title>21.01.09/  Starke Frauen im Mittelalter</title><description><![CDATA[Die Programmleiterin Knaur TB Belletristik Christine Steffen-Reimann über den Markt für historische Romane und die Schwierigkeit, sich immer wieder neue Titel auszudenken.<strong><br /><br /><br />Jedes Jahr erscheinen Dutzende historische Romane. Gibt es erstens überhaupt noch Stoffe und zweitens einen Markt für diese ganzen Romane?</strong><br />Stoffe gibt es, wie man sieht, jede Menge. Auf meinem Schreibtisch landet jede Woche ein Haufen Manuskripte. Und bezüglich des Bedarfs: Da muss es schon etwas ganz besonderes sein. Entweder die Hauptfigur muss ganz besonders sein, die Geschichte oder auch die Gegend.<br /><br /><strong>Gibt es Moden oder Wellen? War mal diese Zeitspanne aktuell, ein halbes Jahr später dann jene? Oder ist es immer das Mittelalter?</strong><br />Das Mittelalter ist es schon seit vielen Jahren. Ich weiß auch nicht, woher diese Faszination kommt.<br /><br /><strong>Welche Strategie würden Sie einem Autor oder einer Autorin empfehlen, der/die sagt: Ich möchte in diesen Markt, zu einem Verlag wie zum Beispiel Droemer-Knaur?</strong><br />Ich würde sagen: Als erstes braucht er oder sie eine sehr starke Figur, möglichst eine Frauenfigur (lacht) und ich würde sagen, der Roman sollte, so wie der Markt im Moment aussieht, in Deutschland spielen und starke regionale Bezüge haben, weil man auf diese Weise sehr gut mit einem Autor arbeiten kann. Man kann Lesungen anbieten und die regionale Presse anheizen. Wir haben schon sehr oft die Erfahrung gemacht, dass von einer Gegend oder einer Stadt der Roman auf den Rest Deutschlands ausstrahlt.<br /><strong><br />Warum sind es immer diese starken Frauen in historischen Romanen, die so gut gehen?</strong><br />Der Großteil der Leser historischer Romane sind Frauen. Das gilt für den gesamten Buchmarkt, aber in diesem Genre noch stärker. Es geht um die Suche nach der starken Identifikationsfigur.<br /><br /><strong>Es gibt den Spruch: Wenn das Buch gut ist, war es der Autor, wenn es schlecht ist, war es der Lektor. Was ist Ihr Selbstverständnis als Lektorin? Wie stark greifen Sie in Manuskripte ein?</strong><br />Ich bin eher für die lange Leine. Allerdings habe ich natürlich das Interesse, dass sich das Buch gut verkauft, und das Interesse muss der Autor auch haben. Deshalb mache ich Vorgaben, was die Positionierung von Figuren angeht, oder im Hinblick auf Spannungsabläufe. Mir geht es um die große Struktur. Die reine Textarbeit gebe ich meistens an Außenredakteure. Aber letztlich ist es der Autor, dessen Name auf dem Buch steht.<br /><br /><strong>Historische Romane haben ja eine relativ einheitliche Ästhetik, meistens ein rotes Cover, eine Frau aus einem historischen Gemälde vorne drauf, ein bisschen Blau. Auch die Titel sind relativ einheitlich, fangen mit „Die“ an …</strong><br />… und hören mit „…in“ auf (lacht).<br /><br /><strong>Gibt es für einen Verlag wie Knaur, der Marktführer im Bereich des historischen Romans ist, eine Möglichkeit, aus diesem engen Raster auszubrechen? Wird darüber nachgedacht?</strong><br />Ja, wir denken permanent darüber nach, denn irgendwann wird sich diese Ästhetik totlaufen, auch, weil einem die Titel ausgehen bzw. sie lächerlich werden. Solange man noch welche findet, okay, aber gerade wenn man neue Autoren positionieren will, müssen wir unseren Grafikern immer wieder die Vorgabe geben: Sucht eine neue Bildsprache, die die Zielgruppe zwar wiedererkennt, die aber trotzdem neu ist. Für Iny Lorentz haben wir den berühmten Faltenwurf „erfunden“, der permanent nachgemacht wird, eigentlich das größte Kompliment, das einem gemacht werden kann. Aber wir müssen uns immer wieder neu erfinden, gerade bei Autoren, an die man sehr glaubt, denen man eine große Zukunft, ein großes Potenzial zutraut.<br /><br /><br /><strong>Christine Steffen-Reimann</strong> arbeitet seit vielen Jahren als Programmleiterin Taschenbuch Belletristik beim <a onclick="window.open(this.href); return false;" href="http://www.droemer-knaur.de/home">Droemer-Knaur-Verlag</a> und betreut unter anderem Iny Lorentz und Sabine Ebert. Frau Steffen-Reimann wird im November 2009 in der Textmanufaktur ein Seminar zum Thema „Historischer Roman – Markt, Chancen, Textarbeit“ leiten.<br />]]></description><link>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-210109-starke-frauen-im-mittelalter.html</link><pubDate>Wed, 21 Jan 2009 22:00:00 +0100</pubDate><guid>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-210109-starke-frauen-im-mittelalter.html</guid><enclosure url="http://www.text-manufaktur.de/a/bildmaterial/blog/steffen-reimann kl.jpg" length="47556" type="image/jpeg" /></item><item><title>20.01.09/  Neue Räume</title><description><![CDATA[Knapp zwei Wochen vor dem ersten Seminar mit Thorsten Ahrend bezieht die Textmanufaktur ihre endgültige Räumlichkeit: einen 150 qm Loft mit altem Industriecharme, einer großen Backsteinwand, 22 Girsberger-Freischwingern und Kunst von der <a onclick="window.open(this.href); return false;" href="http://www.filipprosbach.com/">Galerie Filipp Rosbach</a>. Am Sonntag werden Freunde und Bekannte den Raum bei Kaffee und Kuchen einweihen.<br />]]></description><link>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/Der_neue_Seminarraum_der_Textmanufaktur.html</link><pubDate>Tue, 20 Jan 2009 22:00:00 +0100</pubDate><guid>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/Der_neue_Seminarraum_der_Textmanufaktur.html</guid><enclosure url="http://www.text-manufaktur.de/a/bildmaterial/Spinnerei-Leipzig/tm kl 02.jpg" length="74216" type="image/jpeg" /></item><item><title>05.01.09/  Die TM im Börsenblatt</title><description><![CDATA[<!--[if gte mso 9]>     Normal   0   21                         MicrosoftInternetExplorer4   <![endif]--> <!--  /* Font Definitions */  @font-face 	{font-family:Calibri; 	panose-1:2 15 5 2 2 2 4 3 2 4; 	mso-font-charset:0; 	mso-generic-font-family:swiss; 	mso-font-pitch:variable; 	mso-font-signature:-1610611985 1073750139 0 0 159 0;}  /* Style Definitions */  p.MsoNormal, li.MsoNormal, div.MsoNormal 	{mso-style-parent:""; 	margin-top:0cm; 	margin-right:0cm; 	margin-bottom:10.0pt; 	margin-left:0cm; 	line-height:115%; 	mso-pagination:widow-orphan; 	font-size:11.0pt; 	font-family:Calibri; 	mso-fareast-font-family:Calibri; 	mso-bidi-font-family:"Times New Roman"; 	mso-fareast-language:EN-US;} @page Section1 	{size:612.0pt 792.0pt; 	margin:70.85pt 70.85pt 2.0cm 70.85pt; 	mso-header-margin:36.0pt; 	mso-footer-margin:36.0pt; 	mso-paper-source:0;} div.Section1 	{page:Section1;} --> <!--[if gte mso 10]> <style mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1"> /* Style Definitions */  table.MsoNormalTable 	{mso-style-name:"Normale Tabelle"; 	mso-tstyle-rowband-size:0; 	mso-tstyle-colband-size:0; 	mso-style-noshow:yes; 	mso-style-parent:""; 	mso-padding-alt:0cm 5.4pt 0cm 5.4pt; 	mso-para-margin:0cm; 	mso-para-margin-bottom:.0001pt; 	mso-pagination:widow-orphan; 	font-size:10.0pt; 	font-family:"Times New Roman";}</style> <![endif]-->"Wladimir Kaminer berichtet über 'Humor in der Literatur', Georg Klein  beantwortet die Frage 'Was weiß mein Text, was ich nicht weiß?' Die beiden  renommierten Autoren gehören zu den Referenten der neuen '<span style="background-color: #ffffff; color: #c0c0c0;"><span style="color: black;">Textmanufaktur</span></span>' in  Leipzig, die Ende Januar den Seminarbetrieb aufnimmt."<br /><br />Das schreibt heute der Newsletter des Börsenblatts. Die ganze Meldung unter <a href="http://www.boersenblatt.net/298892">www.boersenblatt.net/298892</a>]]></description><link>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-050109-die-tm-im-boersenblatt.html</link><pubDate>Mon, 05 Jan 2009 22:24:00 +0100</pubDate><guid>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-050109-die-tm-im-boersenblatt.html</guid></item><item><title>06.12.08/  Äpfel und Äpfelringe</title><description><![CDATA[<!--[if gte mso 9]>     Normal   0   21                         MicrosoftInternetExplorer4   <![endif]--> <!--  /* Font Definitions */  @font-face 	{font-family:Calibri; 	panose-1:2 15 5 2 2 2 4 3 2 4; 	mso-font-charset:0; 	mso-generic-font-family:swiss; 	mso-font-pitch:variable; 	mso-font-signature:-1610611985 1073750139 0 0 159 0;}  /* Style Definitions */  p.MsoNormal, li.MsoNormal, div.MsoNormal 	{mso-style-parent:""; 	margin-top:0cm; 	margin-right:0cm; 	margin-bottom:10.0pt; 	margin-left:0cm; 	line-height:115%; 	mso-pagination:widow-orphan; 	font-size:11.0pt; 	font-family:Calibri; 	mso-fareast-font-family:Calibri; 	mso-bidi-font-family:"Times New Roman"; 	mso-fareast-language:EN-US;} @page Section1 	{size:612.0pt 792.0pt; 	margin:70.85pt 70.85pt 2.0cm 70.85pt; 	mso-header-margin:36.0pt; 	mso-footer-margin:36.0pt; 	mso-paper-source:0;} div.Section1 	{page:Section1;} --> <!--[if gte mso 10]> <style mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1" mce_bogus="1"> /* Style Definitions */  table.MsoNormalTable 	{mso-style-name:"Normale Tabelle"; 	mso-tstyle-rowband-size:0; 	mso-tstyle-colband-size:0; 	mso-style-noshow:yes; 	mso-style-parent:""; 	mso-padding-alt:0cm 5.4pt 0cm 5.4pt; 	mso-para-margin:0cm; 	mso-para-margin-bottom:.0001pt; 	mso-pagination:widow-orphan; 	font-size:10.0pt; 	font-family:"Times New Roman";}</style> <![endif]--><strong>Es gibt die Satz-für-Satz-Schreiber, die den nächsten Satz nicht schreiben können, bevor der vorhergehende perfekt ist, und es gibt die Schnellschreiber, deren Texte erst in der Überarbeitung entstehen. Wie sieht Ihr Schreiben aus, d.h. wie nähern Sie sich einem neuem Text?</strong><br />Ich schreibe langsam und taste mich Satz für Satz voran. Aber trotzdem verändert sich beim Überarbeiten noch sehr viel, zumindest auf der sprachlichen Ebene. Für mich ist eine Kurzgeschichte erst fertig, wenn ich kein Fitzelchen mehr umschreiben könnte, wenn beim Durchlesen keine Fragezeichen mehr auftauchen.<br /><br /><strong>Was macht für Sie gute Prosa aus?</strong><br />Sie erzählt Neues. Sie überrascht, vielleicht im Großen, etwa mit einem ungewöhnlichen Thema, oder im Kleinen, mit einer noch nie gehörten Frage, mit seltsamen Wendungen, mit einer berückend lebendigen Nebenfigur.<br /><br /><strong>Was ist das Besondere an Kurzgeschichten?</strong><br />Das ist wie mit Apfelringen und Äpfeln. In der Kurzgeschichte konzentriert sich der Geschmack auf engstem Raum. Hier sitzt jede Note, und das leiseste Crescendo dröhnt unüberhörbar.<br /><br /><strong>Was würden Sie als entscheidendes Kriterium ansehen, um es als Autor in den Literaturmarkt zu schaffen? Und sollte man dies überhaupt anstreben?</strong><br />Jeder Autor will gelesen werden. Nicht nur von Freunden, auch von gänzlich Unbekannten. Erst indem sie gelesen wird, wird eine Geschichte ja lebendig. Ich glaube nach wie vor daran, dass ein gutes Manuskript auch irgendwann gedruckt wird. Aber für manche Autoren ist es schwerer als für andere, den richtigen Verlag zu finden. Ich hoffe, dass es immer Verleger geben wird, die einen Blick fürs Abseitige haben. Und ihre Neugier nicht verlieren.<br /><br /><br />]]></description><link>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-061208-aepfel-und-aepfelringe.html</link><pubDate>Sat, 06 Dec 2008 22:24:00 +0100</pubDate><guid>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-061208-aepfel-und-aepfelringe.html</guid></item><item><title>13.11.08/  Paulina Schulz goes Leipzig</title><description><![CDATA[<!--[if gte mso 9]>     Normal   0   21                         MicrosoftInternetExplorer4   <![endif]--> <!--  /* Font Definitions */  @font-face 	{font-family:Calibri; 	panose-1:2 15 5 2 2 2 4 3 2 4; 	mso-font-charset:0; 	mso-generic-font-family:swiss; 	mso-font-pitch:variable; 	mso-font-signature:-1610611985 1073750139 0 0 159 0;}  /* Style Definitions */  p.MsoNormal, li.MsoNormal, div.MsoNormal 	{mso-style-parent:""; 	margin-top:0cm; 	margin-right:0cm; 	margin-bottom:10.0pt; 	margin-left:0cm; 	line-height:115%; 	mso-pagination:widow-orphan; 	font-size:11.0pt; 	font-family:Calibri; 	mso-fareast-font-family:Calibri; 	mso-bidi-font-family:"Times New Roman"; 	mso-fareast-language:EN-US;} @page Section1 	{size:612.0pt 792.0pt; 	margin:70.85pt 70.85pt 2.0cm 70.85pt; 	mso-header-margin:36.0pt; 	mso-footer-margin:36.0pt; 	mso-paper-source:0;} div.Section1 	{page:Section1;} --> <!--[if gte mso 10]> <style mce_bogus="1" mce_bogus="1"> /* Style Definitions */  table.MsoNormalTable 	{mso-style-name:"Normale Tabelle"; 	mso-tstyle-rowband-size:0; 	mso-tstyle-colband-size:0; 	mso-style-noshow:yes; 	mso-style-parent:""; 	mso-padding-alt:0cm 5.4pt 0cm 5.4pt; 	mso-para-margin:0cm; 	mso-para-margin-bottom:.0001pt; 	mso-pagination:widow-orphan; 	font-size:10.0pt; 	font-family:"Times New Roman";}</style> <![endif]-->Paulina Schulz wird ihr Unterrichtsprogramm ab 2009 in der Textmanufaktur weiterführen und bietet nach wie vor den gefragten Basiskurs Kreatives Schreiben, die beliebte Literaturwerkstatt, die Kurse zu Film &amp; Literatur sowie zur Theorie und Praxis literarischer Übersetzung an.<br />Mehr Informationen bald auf dieser Homepage, sowie unter <a onclick="window.open(this.href); return false;" href="http://www.paulinaschulz.de/">www.paulinaschulz.de</a><br />]]></description><link>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-131108-paulina-schulz-goes-leipzig.html</link><pubDate>Thu, 13 Nov 2008 13:24:00 +0100</pubDate><guid>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-131108-paulina-schulz-goes-leipzig.html</guid></item><item><title>13.11.08/  Prosaseminar mit Martina Hefter</title><description><![CDATA[Der Sprachklang am Anfang eines Buches ist es oft, der einen Lektor zum Weiterlesen verführt. Wenn er hier auf einen besonderen Ton, eine originelle Sprache trifft, liest er weiter. Denn worüber kann der Lektor anfangs sonst urteilen? Die Geschichte erschließt sich erst beim Lesen des gesamten Buches, aber soweit kommt der Lektor meist gar nicht. Doch bei einem ungewöhnlichen Tonfall, einer schönen Wendung oder gelungenen Bildern am Anfang eines Buches horcht er auf und ist eher bereit, sich auf den ganzen Text einzulassen. Deshalb wird es in diesem Seminar weniger um Dramaturgie, als um die Poesie der Sprache in der Prosa gehen. Wie erzeuge ich eine Sprachmelodie, eine Sprachspannung, einen Rhythmus? Wie verändert sich ein Satz, wenn ich ein Wort darin ersetze? Das genaue Hinsehen, das dichte Erzählen wird an diesen zwei Tagen im Vordergrund stehen. Dieses Seminar bietet Raum nicht nur für „große Romane“ und Geschichten, sondern auch für kleine Textformen, Prosaminiaturen, Kürzestgeschichten.<br /><strong><br /><br />Martina Hefter</strong> verfasst gleichermaßen erfolgreich Lyrik und Prosa. Sie erhielt unter anderem das Hermann-Lenz-Stipendium, das London-Stipendium des Deutschen Literaturfonds und 2008 den Lyrikpreis Meran. <br /><br />]]></description><link>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-131108-prosaseminar-mit-martina-hefter.html</link><pubDate>Thu, 13 Nov 2008 12:48:00 +0100</pubDate><guid>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/id-131108-prosaseminar-mit-martina-hefter.html</guid></item><item><title>08.11.08/  Die &quot;süße Krankheit Gestern&quot;</title><description><![CDATA[<strong></strong><strong>Sie haben viele Jahre an Ihrem monumentalen Buch „Der Turm“ gearbeitet, sicher eine einsame Tätigkeit, nun diese große mediale Aufmerksamkeit. Wie empfinden Sie diesen extremen Wechsel?<br /></strong>Ja, wie empfindet man das? Als Wechselbad natürlich. Man lebt ja als Autor eher eine zurückgezogene Existenz, und plötzlich steht man vor Fernsehkameras und großem Publikum. Damit muss man klar kommen. Aber man darf sich davon nicht beeindrucken lassen. Jeden Tag, sobald ich kann, sitze ich wieder vor dem weißen Blatt Papier und dem ist es Wurscht, wie viel Preise und wie viel Aufmerksamkeit ich kriege.<br /><strong><br />Ist das Durchhaltevermögen die erste Tugend eines Autors?<br /></strong>Das kommt drauf an, was für ein Typ Autor man ist. Bei einem umfangreichen Buch muss man die Fäden zusammenhalten, die Entwicklungslinien verfolgen können. Ohne eine gewisse Disziplin geht das nicht.<br /><strong><br />Und als Autor im Allgemeinen?<br /></strong>Das sowieso. Unser Beruf ist ein Langzeitjob, Ich bin jetzt fast 40, die Aufmerksamkeit ist auf dem Höhepunkt. Es wird sicher nie wieder so sein. Und ob man letztlich ein wirklich großer Autor sein wird, das kann heute niemand sagen. Da muss noch viel Wasser die Elbe runterfließen.<br /><strong><br />In der „Ouvertüre“ Ihres Buches sprechen Sie von der „süßen Krankheit Gestern“. Ist das eine Krankheit, von der ein Autor befallen sein muss, um schreiben zu können?<br /></strong>In gewissem Sinne schon. Jeder Autor nährt sich von Originaleindrücken. Die müssen nicht unbedingt die Kindheit betreffen oder Jugend, von der man ja geprägt wird, aber das kommt sicher immer wieder, selbst bei den Büchern, die angeblich überhaupt nichts mit eigenbiografischen Dingen zu tun haben. Ob das eine Krankheit ist? Das ist die Kunst, den schmalen Grat zu halten. Süß ist das Hingeben an die schöne Erinnerung immer, aber man sollte nichts vergessen. Vergangenheit ist nicht nur selig oder schön. Sie enthält beides. Aber letzten Endes nährt man sich immer von ihr, selbst wenn man sogenannte Gegenwartsromane schreibt, denn diese Gegenwart muss erst mal vorbei sein, damit man darüber schreiben kann.<strong><br /></strong><br />]]></description><link>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/uwe_tellkamp.html</link><pubDate>Sat, 08 Nov 2008 17:36:00 +0100</pubDate><guid>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/uwe_tellkamp.html</guid><enclosure url="http://www.text-manufaktur.de/a/bildmaterial/blog/uwe tellkamp kl.jpg" length="46512" type="image/jpeg" /></item><item><title>19.10.08/  &quot;Schreiben ist eine glücklich machende Sucht&quot;</title><description><![CDATA[<strong>In einem Interview sagten Sie, sie konnten von Anfang an von Ihrem Schreiben leben …</strong><br />Ja, weil ich ein mutiger Mensch bin und buchstäblich alles gemacht habe, was machbar war. Ich hatte  aber auch die Möglichkeit dazu, ich habe viele Rundfunkfeatures geschrieben etc. Wenn damit  gemeint sein sollte, dass ich von den Büchern leben konnte, kann davon keine Rede sein.<br /><br /><strong>Das wäre die zweite Hälfte der Frage gewesen: Wie lange hätten Sie als Autor durchgehalten,  wenn Sie keine Resonanz bekommen hätten?</strong><br />Wenn ich gar nicht wahrgenommen würde und nie jemand von mir etwas gewollt hätte, hätte ich  sicher aufgehört, aber so war es ja von Anfang an nicht. Vom ersten Ton an hatte ich ein Minimum an  Aufmerksamkeit, und das war dann schon in Ordnung. Aber es geht ja auch nicht nur um  kommerzielle Resonanz. Ich hatte bis vor nicht allzu vielen Jahren meine Bücher gar nicht in meinem  Budget. Das Budget kam woanders her, von Lesungen oder Zeitungsarbeiten. Jetzt allerdings  verkaufe ich ganz gut, also nehme ich das dankbar ins Budget auf.<br /><br /><strong>Verträgt sich Ihrer Meinung nach eine normale Arbeit mit dem Schreiben?</strong> <br />So habe ich nicht gearbeitet. Sonntagsschreiberei geht nicht. Sie müssen Schriftsteller sein. Und das  war ich tatsächlich von Anfang an. Es ist im Gegenteil so, dass diese eben erwähnten Arbeiten eben  am Sonntag stattfinden müssen. Und das geht ja auch, insbesondere, wenn man jung und kräftig ist  und sich für unsterblich hält, was dann leider irgendwann mal aufhört. Ich war natürlich nie faul.<br /><br /><strong>Wichtig ist also, dass man immer im Prozess des Schreibens drin bleibt?</strong> <br />Ja, wenn Sie ein Buch schreiben, müssen Sie jeden Tag dran bleiben. Nulla dies sine linea, wie der  Lateiner sagt. Natürlich sind Ausnahmen erlaubt. <br /><br /><strong>„Schreiben ist das Ziel, nicht das Buch“, heißt der Titel des Buches, den ihr Verlag (Diogenes) zu Ihrem 70.  Geburtstag herausgebracht hat. Ist Schreiben tatsächlich das Ziel? Also spielt das Produkt  keine Rolle?</strong> <br />Natürlich geht es um das Buch am Ende, das ist ja das Ziel von allem. Aber Schreiben ist eine  glücklich machende Sucht. Ich kann mir eigentlich ein Leben ohne Schreiben nicht vorstellen. Und  darum sind die Wochen, in denen man ein Buch fertig hat, weil es sich nicht vermeiden ließ, insofern  schwierig, als man dann dieser Wirklichkeit hilflos ausgeliefert ist, weil man nicht mehr die Alternative  hat, im Kopf herumzuschweben.<br /><br /><strong>Viele Autoren scheuen ja den Arbeitsprozess, lieben aber am Ende das Produkt.</strong> <br />Das könnte ich gar nicht sagen. Ich halte das auch für ein Klischee oder für ein Missverständnis unter  den Autoren. Kafka wird ja oft zitiert als Beispiel für jammernde Autoren. Aber das stimmt natürlich nicht. Er  hat sich beklagt, wenn er nicht schrieb, wenn er schrieb, dann flog seine Hand nur so über das Papier.  Und Kafka war glücklich, Sie können sich darauf verlassen. Das Schreiben ist nicht das Problem, das  Nichtschreiben ist das Problem. <br /><br /><strong>In einem Interview sagten Sie einmal: „Glück macht nicht nur glücklich, sondern auch ein  bisschen dumm.“ Waren und sind Sie in Ihrem Leben glücklich?</strong> <br />Naja, ich habe natürlich mein Leben damit verbracht, diesen schönen Zustand erreichen zu wollen,  und zweifellos ist es mir momentweise auch gelungen. Aber Sie wissen natürlich, dass das ein  Klischee ist, das Leben besteht aus viel Leid, und das lässt sich auch nicht vermeiden. Aber gäbe es  den wirklich glücklichen Menschen, hätte er keine Reizthemen und keine Bedürfnisse größerer Art und  das macht natürlich dumm. So macht natürlich Leiden zuweilen intelligent, aber es ist kein  wünschenswerter Zustand.<br /><br /><strong>Vielleicht auch eine Klischeefrage: Muss man leiden als Schriftsteller, um Themen zu haben?</strong> <br />Man muss nicht leiden, man hat gelitten. Ich glaube, alle großen Kunstwerke sind in Schönheit  verwandeltes Leid. Aber im Buch schmerzt der Schmerz nicht mehr, sondern er hat sich verwandelt.<strong><br /><br />Was würden Sie jungen Autoren mit auf den Weg geben?</strong> <br />Demut.<br />]]></description><link>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/urs_widmer.html</link><pubDate>Sun, 19 Oct 2008 17:36:00 +0200</pubDate><guid>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/urs_widmer.html</guid></item><item><title>02.10.08/  Die Textmanufaktur startet</title><description><![CDATA[Nachdem die Broschüre und die Internetpräsenz fertiggestellt wurden, bleibt für den Rest dieses Jahres "nur" noch die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. In diesem Sinne bitte weitererzählen: Die Textmanufaktur ist für Autoren da!<br />Ich freue mich auf den ersten Kurs zum Thema "Selbstlektorat" mit dem Wallstein-Verleger Thorsten Ahrend im Januar 2009. Auf Kommentare, Anregungen und natürlich Anmeldungen.<br />]]></description><link>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/nr02.html</link><pubDate>Thu, 02 Oct 2008 17:36:00 +0200</pubDate><guid>http://www.text-manufaktur.de/detailseite/items/nr02.html</guid></item></channel></rss>
