06.07.09/ Die Textmanufaktur-Basiskurse

2009-07-06 18:00 (Kommentare: 1)

robert schindel


Paulina, du hast in Erfurt selbst lange Zeit eine Autorenschule geleitet. Welche Erfahrungen hast du daraus gewonnen?

Ich habe von 2002 bis 2008 als Nachfolgerin des bekannten Schreibpädagogen und Autors Prof. Dr. Otto Kruse die Schreibschule Erfurt geleitet. Seit 2004 unterrichte ich auch an der Universität Erfurt, und seit Kurzem an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Außerdem gebe ich seit Jahren Kurse und Seminare in ganz Deutschland und auch in Polen. Ich tausche mich einfach gern mit Menschen über Texte aus, arbeite mit Menschen und Worten, betreue Schreibende und ihre Geschichten. Jeder Teilnehmer ist für mich eine neue Welt, es ist mir wichtig, mit jedem intensiv und individuell zu arbeiten – das war und ist mein Anspruch, sowohl ihn der Schreibschule Erfurt wie auch jetzt in der Textmanufaktur in Leipzig.
Ich weiß auch, dass der Lernprozess auf beiden Seiten funktioniert, und ich habe in den letzten Jahren viel gelernt, wofür ich meinen Studenten sehr dankbar bin. Jeder Text ist eine neue Herausforderung, egal, ob ich ihn als Autorin, Übersetzerin oder Dozentin betrachte, das ist herrlich!


Wie muss man sich dein Konzept der Basiskurse bei der Textmanufaktur vorstellen?
Die Basiskurse sind an Schreibende gerichtet, die bisher eher intuitiv gearbeitet haben, und sich nun theoretisches Wissen, technische Tricks und handwerkliche Fähigkeiten aneignen wollen. Obwohl ein geschriebener Text wohl nie fertig ist, es sind stets Korrekturen nötig; auch das möchte ich in meinen Kursen vermitteln: das eigene Schreiben aus einer gewissen Distanz zu betrachten, sich nie zufriedenzugeben, an seinem Stil zu feilen, immer weiter zu lernen.
In den Basiskursen werden die Teilnehmer unter der Leitung versierter Dozenten die Gelegenheit haben, ihr Talent auszuprobieren und es zu kanalisieren. Sie werden ihre Wege und Ausdrucksmöglichkeiten finden und die Gelegenheit zum Austausch bekommen – was gerade für die Einsteiger sinnvoll ist. Sie werden Einführung in gewisse Themen erhalten, und zwar auf eine Art, die es ihnen ermöglicht, nach dem Kurs weiter selbständig arbeiten und darauf aufbauen zu können.
Die Struktur der Textmanufaktur ist so angelegt, dass man anschließend weitere Kurse besuchen kann. Wer lieber individuell mit dem Dozenten weiter arbeiten möchte, hat die Möglichkeit, ein weiterführendes Coaching zu buchen.
 

Du erarbeitest Manuskript-Gutachten für namhafte Verlage, übersetzt aus dem Polnischen und unterrichtest Kreatives Schreiben. Kommst du selbst noch zum Schreiben?

Die Zeitknappheit ist tatsächlich ein Problem. Ich arbeite sehr viel und an sehr unterschiedlichen Sachen. Viel veröffentlicht habe ich zwischen 2004 und 2006: einen Erzählband, einen Gedichtband, zwei Fotobände mit meinen Texten; abgesehen von den übersetzten Romanen und zahlreichen Beiträgen in polnischen und deutschen Anthologien.
Aber auch wenn ich nicht direkt an einem Text schreibe, läuft das Konzeptuelle dennoch die ganze Zeit mit. Ich bekomme ja permanent Impulse, die in mein Schreiben einfließen, daraus entstehen Ideen. Es ist nicht zwingend nötig (und manchmal eben gar nicht möglich), sich sofort hinzusetzen und eine Erzählung zu schreiben. Oft genügt es, sich die Grundidee aufzuschreiben, sich den Entwurf zu notieren, eine Hauptfigur, eine Szene. Manchmal reicht ein Satz, aus dem ich dann Monate später eine Kurzgeschichte entstehen lasse.
In den letzten zwei Jahren habe ich mich vor allem dem literarischen Übersetzen gewidmet und kaum geschrieben – jedoch ist in dieser Phase das Exposé zu einem Roman entstanden, samt der ersten Seiten. Und der letzte Satz steht auch schon! Ich habe in den zwei Jahren mit meinem Protagonisten gelebt, ihn und seine Geschichte immer weiter ausgearbeitet, bis ich vor ein paar Monaten das Gefühl hatte: jetzt kann ich zu schreiben beginnen. Ich bin selbst gespannt, wie es weiter gehen wird …

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