23.02.10/ "Hier entsteht eine neue Literatur"
2010-02-23 18:00 (Kommentare: 0)
Pressemitteilung zum Werner-Bräunig-Literaturpreis
Am 13. März vergeben die Autorenschule Textmanufaktur und der Aufbau Verlag den 1. Werner-Bräunig-Literaturpreis. Sechs Kandidaten lesen im Leipziger Club „Horns Erben“ um einen mit 5.000 Euro Vorschuss dotierten Verlagsvertrag.
Christian Stahl aus Wien schickt seinen Romanhelden Paul Morasch auf eine abenteuerliche viertägige Reise durch eine katholische Kleinstadt. Madeleine Prahs aus Leipzig verfolgt im „Short-Cuts-Prinzip“ das Leben ihrer fünf Protagonisten zwischen dem Wendejahr 1989 und 1996. Isabella Straub aus Klagenfurt ist eine Meisterin des skurrilen Erzählens. Ob ein Schaffner mit der Hand in der ICE-Toilette stecken bleibt, ein ahnungsloses Ehepaar auf einem Zirbelbett knapp an einer Orgie vorscheischrammt oder eine ehemalige Pharmavertreterin in einem Pornofilm als „Bügelschlampe“ arbeiten muss, mit einer lakonischen Sprache und einem knochentrockenen Humor lässt sie ihre Figuren in die unmöglichsten Situationen stolpern, ohne jemals die Empathie für sie zu verlieren.
Dies sind drei von sechs außergewöhnlichen und eigensinnigen Prosatexten, die am 13. März im Leipziger Club Horns Erben vorgestellt werden, und aus der eine hochkarätige Jury (der Literaturkritiker Burkhard Müller, die Autorin Jenny Erpenbeck und die Lektorin Angela Drescher) einen Sieger ermitteln wird. Es geht um einiges, um den Beginn einer Karriere als Schriftsteller, um einen Verlagsvertrag, um einen Vorschuss von 5.000 Euro.
Nach dem ersten Jahr ihres Bestehens hat sich die Textmanufaktur als ein Knotenpukt für den literarischen Nachwuchs im deutschsprachigen Raum etabliert. „Die Textmanufaktur ist ein kleines Wunder“, schrieb die Wochenzeitung ZEIT in ihrer Online-Ausgabe. Aus über 300 Seminarteilnehmern wählten die Dozenten der Seminare jeweils die besten Texte, die zur Leipziger Buchmesse in der Anthologie „Und an den Häusern hängen Engel“ erscheinen werden. Aus diesen wiederum schlug eine Vorjury die sechs aussichtsreichsten Kandidaten vor, von denen einer demnächst einen Verlagsvertrag unterzeichnen wird. „Dem Aufbau Verlag ist das Entdecken deutschsprachiger Autoren sehr wichtig, und so kam die Idee zu richtigen Zeit. Gemeinsam haben wir dann das Konzept entwickelt und ausgebaut“, sagt der Geschäftsführer des Aufbau Verlags Tom Erben.
Der Namensgeber Werner Bräunig wurde 1934 in Chemnitz geboren. Nach einer Schlosserlehre schlug sich als Gelegenheitsarbeiter in Westdeutschland durch, ehe er in die DDR zurückkehrte und unter anderem im Uranbergbau der Wismut-AG beschäftigt war. Mitte der fünfziger Jahre begann er zu schreiben und galt bald als große Hoffnung der jungen DDR-Literatur. Er studierte und unterrichtete am Leipziger Literaturinstitut, und 1960 begann er mit der Arbeit an seinem Opus Magnum „Rummelplatz“, ein wuchtiges Stimmungsbild des Frühstadiums der deutschen Teilung, das mit dem 17. Juni 1953 endet. Nach scharfer Kritik der SED brach Bräunig 1966 die Arbeit am Text ab. Zu DDR-Zeiten wurde der Roman nie veröffentlicht, wovon sich Bräunig trotz Fürsprechern wie Christa Wolf und Anna Seghers nie wieder erholte. Er starb 1976 im Alter von 42 Jahren in Halle/Saale.
„Mir kommt es darauf an, im Sinne der Literatur Werner Bräunigs ungewöhnliche Prosa zu entdecken, welthaltige, erfahrungssatte Literatur, die mich berührt“, sagt der Inhaber der Textmanufaktur André Hille. Und das bieten die Texte von Christian Stahl (Wien), Judith Pfeifer (Wien), Madeleine Prahs (Leipzig), Johannes Lindhorst (Berlin), Isabella Straub (Klagenfurt) und Martine Lombard (Straßburg). „Hier entsteht eine neue Literatur“, so das Fazit von Hille, „von den Rändern der deutschen Sprache, aber mitten aus dem Leben.“
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Mehr Informationen unter: www.werner-braeunig-preis.de
Termin: 13. März 2010, 18-22 Uhr, Horns Erben (Arndtstraße 33, 04275 Leipzig), anschließend Release Party der Textmanufaktur Jahresanthologie mit Frequento (Sunsetsoul – Funky Breaks, Soul)
Die Preisverleihung wird finanziell unterstützt von:
Gentz und Partner
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