Karolin Hingerle: Und an den Häusern hängen Engel (Roman)



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jedes bild hat ein recht gehängt zu werden

Maja betrachtet ihre linke Gesichtshälfte im zerkratzten Silberlöffel. Die Cornflakes in der Schüssel werden weich. Endlich geben sie ihren arroganten Glanz auf und Maja schiebt den Löffel weit von sich in die Mitte des Tisches.
Frank Hodler – Galerie für zeitgenössische Kunst – Römerstrasse 13 – D-80801 München. Der Absender ist Maja gut bekannt. Vorsichtig öffnet sie mit einem Küchenmesser den transparenten Umschlag. Aus dem Faltflyer fällt eine hellblaue Karte. Maja bückt sich und liest am Boden kniend Hodlers Zeilen. Eine Sonderausstellung anlässlich seines 50. Geburtstags. Sie legt die Karte auf den Küchentisch und studiert den Flyer. Künstlernamen in schwarzer Graphitschrift, Maja kennt keinen einzigen.
Hodler hat seinen Weg gemacht. Die Galerie läuft gut. Manchmal liest sie einen Artikel über eine seiner Ausstellungen in den Feuilletons. Maja nimmt seine Einladungen zu Vernissagen nie wahr. Hodler ist das ohnehin egal, da ist sie sich sicher, was kann sie ihm mehr als ein vergessener Name in seinem Verteiler sein? Hodler ist ein seltsamer Kauz. Sie hatten sich vor Jahren an der Universität kennengelernt. Er war gut zehn Jahre älter und kämpfte mit den letzten Kapiteln seiner Dissertation, während Maja an einer Semesterarbeit über die jüngste Hiob Rezeption arbeitete. Sie hatten in der Bibliothek immer wieder nebeneinander gesessen und irgendwann hatte er ihr eine Frage gestellt, sie kann sich an deren Wortlaut nicht mehr erinnern, aber sie weiß, dass es um Beckmans Triptychen ging, denn daran arbeitete er und nutzte fortan ihr religiöses Know How, um seine kunstgeschichtlichen Thesen mit bibelsicherem Expertenwissen aufzupeppen.
Einmal hatte sie Hodler sogar nach Hause begleitet, um sich ein Buch zu entleihen. Sie weiß noch, wie überrascht sie war. Die Wohnung war gigantisch. Die Wände schienen kein Ende nach oben zu haben und strahlten in kahlem Weiß. Kein Bild, keine Fotografie, nichts. Bleiche, leere Wände in einem nicht enden wollenden Gang. Und dann das Schlafzimmer. „Ziehst Du um?“ hat Maja damals irritiert gefragt. Hodler lachte über ihren verdutzten Blick und verneinte. Maja hatte so etwas noch nie zuvor gesehen. Das Zimmer war über und über mit hintereinander gereihten, teilweise in Ecken gestapelten Bildern gefüllt. Manche von ihnen waren gar noch umhüllt mit knitteriger Schutzfolie, andere hatten bereits eine dünne Staubschicht auf den dunklen Rahmenleisten. Nichts glich einem Wohnraum, eher einer Lagerstätte. Einzig das riesige Eisenbett in der Mitte des Chaos’ und ein thronend an der gegenüberliegenden Seite des Bettes hängendes Ölgemälde störten die Komposition. Das Bild: Riesig, wilder Neoexpressionismus in dunklen, schreienden Farben breitete eine unangenehme Unruhe im Raum aus, die Maja erst jetzt auf den Mangel an Fenstern aufmerksam machte.
„Wieso hat denn ausgerechnet dieses Bild das Sonderrecht gehängt zu werden?“ Hodler antwortete beiläufig, während er sich einen Weg durch die Bilderstapel bahnte: „Jedes Bild hat einmal dieses Recht, aber eben nur für eine gewisse Zeit, dann kommt das nächste... So kann ich mich besser darauf konzentrieren.“
Maja schiebt die Karte unter die grüne Thermoskanne und sieht auf die Uhr. Gleich würde Alex kommen, um sie abzuholen, wie jeden Dienstag, wenn er diese Strecke fährt. Er wird sie beim Pfarramt rauslassen, sie werden sich einen flüchtigen Wangenkuss geben und sich einen schönen Tag wünschen. Maja denkt an den Ledergeruch in Alex’ Auto, graue miefige Haut. Sie sollte sich fertig machen, Alex hasst es zu warten, er hat sie schließlich auch nie warten lassen, nicht ein einziges Mal in all den Jahren.


vorfälle vor dem fall

„Kommen sie nur rein“. Göttler sitzt an seinem übergroßen Schreibtisch und inspiziert sie mit strenger Miene. Komisch wirkt er, wie er da sitzt, ein zierliches Männchen mit dunklen Augenringen und leicht abstehenden Ohren, ein fahriger Homunkulus, dem auch der struppige graue Bartwuchs keine Autorität zu verleihen vermag.
„Fräulein Kacer, setzen Sie sich doch.“ Maja weiß, was jetzt kommt. Sie ist schließlich nicht zum ersten Mal ins Zimmer von Göttler gebeten worden, genauer gesagt, ist es das dritte Mal, was die Situation natürlich noch unangenehmer macht.
„Nun, ich denke, worum es geht, wissen sie sowieso.“ Göttler ist jetzt aufgestanden und zum Fenster gegangen. Maja den Rücken zukehrend, spricht er weiter, vom „Vorfall“ der vergangenen Woche, von den Unannehmlichkeiten, die jener für ihn bedeutet habe, davon, dass er einfach nicht mehr wisse, was er mit ihr, dem Fräulein Kacer, das er ja ansonsten durchaus schätze, immer wieder auch vor den anderen lobe, insbesondere für seine kreative Arbeit in den Gruppen, für den aufgebrachten Elan etc etc, aber dennoch, man könne nicht drum herum reden, er sei nun einmal ein unverzeihlicher Faux-Pas gewesen, dieser „Vorfall“ und – um es kurz zu sagen – so führt er in langen gedehnten Worten aus, um es kurz zu sagen, er wisse einfach nicht mehr, was er mit ihm, dem Fräulein Kacer, nur machen solle.
Maja rutscht in ihrem Stuhl nach vorne und presst die Hände zwischen ihre Oberschenkel. Göttler mustert sie kurz und fährt dann mit seiner Predigt fort.
Was sie sich denn eigentlich dabei gedacht habe so etwas zu sagen, wo der Hund doch der Frau Lemberger ihr ein und alles sei, dass sie das doch schließlich wisse und überhaupt manchmal verstehe er gar nicht, wieso sie diesen Beruf, einen Beruf, wo es sich ja nun nur um Menschen, natürlich, schob er ein, in erster Linie um die Botschaft Gottes, aber grundsätzlich eben um Menschen handle, also um den Umgang mit den Schäfchen Gottes, darum ihnen zu helfen, sie auf den rechten Weg zu führen etc etc, nun, warum gerade sie so einen Beruf gewählt habe, wo es doch auch tausend andere gäbe, also das wolle er doch schon mal wissen, woher diese Entscheidung eigentlich rühre. Maja wird jetzt flau im Magen. 
Sie wusste ja selbst nicht was über sie gekommen war in jenem Moment. Sie wollte es doch gut machen, sie mochte ihn doch, ihren Beruf, die Menschen, all das hier. Ja im Grunde mochte sie sogar Göttler, manchmal zumindest, nicht allzu oft, wenn sie ehrlich war, aber enttäuschen, enttäuschen wollte sie ihn auf keinen Fall.
Maja spult jetzt, aufgebracht mit den Händen gestikulierend, ihren Text herunter, widerspricht den „unfassbaren Unterstellungen“, den völlig verfehlten Vorwürfen. Unaufhörlich beteuert sie ihre Freude an der Hospizarbeit, die Liebe zu Gott und nicht zuletzt natürlich ihre, das müsse Pfarrer Göttler doch auch spüren, innigste Verbundenheit mit der Kirche, ja mit St. Anna, ihrer Heimatpfarrei, wie er ja wisse, im ganz besonderen. Es ist ja nun nicht so, dass sie diese Rede zum ersten Mal hält, nein darin ist Maja geübt, fast ein Profi unterdessen kann man sagen. Die „Vorfälle“ schließlich sind eben keine Einzelfälle und Maja ist sich dahingehend ihrer Triebtäterschaft wohl bewusst. Aber das alles hatte doch nichts mit ihrer Überzeugung zu tun, sie musste doch schließlich am besten wissen, was sie wollte und sie wollte das, sie wollte diesen Beruf und sie wollte ihn gut machen, soviel war sicher, unanzweifelbar sicher. Gott sei Dank.
Göttler setzt sich wieder hinter seinen Schreibtisch. Der schwere Lederstuhl ragt über seinen Kopf. Wie ein kackbrauner Nimbus, entfleucht es plötzlich Majas Gedanken und sie vergisst für einen kurzen Moment sich auf Göttlers Reaktion zu konzentrieren. Majas Vortrag aber hat seine Wirkung getan. Vertraulich kneifft Göttler die Augen zusammen. „Schon gut, dann lassen wir es einfach dabei. Achten sie einfach ein bisschen darauf, in Zukunft.“ Er streckt ihr die Hand entgegen. „Also dann, wir sehen uns später beim Firmlingstreffen.“


ein gefallener engel

Das 12. und 20. Kapitel der Johannes Offenbarung konnte Maja bereits mit fünf Jahren fehlerlos auswendig und manchmal durfte sie das Tischgebet sprechen, was ihr Vater dann stets mit einem kleinen Lächeln abnickte und Maja mit Stolz erfüllte. Doch so sehr Maja ihren Vater liebte, so sehr fürchtete sie ihn und seine Geschichten auch, die er unnachgiebig in ihr Köpfchen blies und stets darüber wachte dass sich auch jeder Geist, den er seiner kleinen Tochter einmal vorgestellt hatte unwiderruflich in ihr Gedächtnis brannte.
Sie weinte nachts, weil die gefallenen Engel sie aus ihrem Bettchen reißen wollten und versteckte sich vor dem Dämon, der ihre liebe Mutter zuweilen quälte und auch ihr, wie ihr Vater sie warnte, längst auflauerte. Manchmal jedoch, frühmorgens, schlich Maja dennoch in das Zimmer ihrer Mutter und betrachtete heimlich, wie sie in ihrem Bett lag und schlief. Nichts von der Ruhe und Wärme, die ihre Mutter hier ausstrahlte ließ die Existenz des Teufels erahnen und zuweilen wünschte sich Maja dem Kirchgang zu entkommen, indem sie sich ganz eng an die warme atmende Brust ihrer Mutter drückte. Sie ekelte sich vor den trockenen Fingern der Alten, die ihr nach der Eucharistie ins Gesicht fassten und die die Gebete wie Flüche wisperten.


rückblick, wortlos

Wenn sie heute zurückblicke, erklärt Maja der Wittrich, falle es ihr schwer für das, was damals geschehen sei Worte zu finden, vielleicht weil alles auf eine seltsame Art einem Nicht-Erleben gleiche, einer Ohnmacht, die jetzt, wenn sie versuche sich die einzelnen Momente in ihrem Gedächtnis zu sinnvollen Bildern zusammen zu fügen, alles Geschehene verschlucke. Dr. Wittrich sieht Maja aufmerksam an, Maja weiß nicht, ob sie ihr folgen kann, aber sie redet einfach weiter, erzählt davon, dass sie dann doch manchmal, zum Beispiel wenn sie abends über die Reichenbachbrücke laufe, das Klackern ihrer Holzabsätze in den Ohren, Klack Klack, immer im selben Takt, nun ja, dass es dann doch plötzlich wieder da sei, wie eine mächtige Welle und sie dann immer fast glaube nach Luft ringen zu müssen, um nicht zu ersticken. Dr. Wittrich schlägt die Beine übereinander und atmet hörbar durch. „Ich verstehe“ sagt sie und „ich denke sie sollten dort hingehen“, das sagt sie auch und dann steht sie auf und streckt Maja die Hand entgegen „bis nächste Woche“ sagt sie und Maja nickt während sie sich in ihren Anorak zwängt.


spiegelbilder

Eine Woche später steht Hodlers Vernissage an. Maja hat sich extra schon am Nachmittag für diesen Abend freigenommen, sie will sich auf die Sache einstellen, Ruhe finden, bevor sie sich dem Szenario stellt. Je näher der Termin rückt, desto stärker allerdings bereut sie ihre Entscheidung überhaupt dort hin zu gehen. Bei dem Gedanken nach all der Zeit Hodler wieder zu begegnen durchfährt sie ein unangenehmes Empfinden, dem sie nicht genauer nachspüren will.
Maja stützt sich mit beiden Armen auf dem Waschbeckenrand ab. Wie Pfeile kriechen sie aus den Schultern, denkt sie beim Blick in ihr Spiegelbild. Hoch, den Kopf hoch, Schwächling! Bleich ist sie, eine Haarsträhne klebt ihr quer über der Stirn. Was für ein seltsames Gesicht... Ein Junge aus ihrer Schulklasse hatte das einmal zu ihr gesagt. Das hat sie nie vergessen. Schockiert war sie gewesen damals, so schockiert, dass sie ganz vergaß zu fragen, was er damit meinte. Aber in der Tat war da etwas in Majas Gesicht, das einen irritieren konnte, eine Art Misarrangement, das mit einer üblichen Definition von Schönheit schlecht zu greifen war. Es war als habe jemand ihrer Physiognomie etwas Fremdes beigemischt, etwas, das sich nicht wohl, ja unterdrückt fühlte, in dem Rahmen, in den es gezwängt worden war. Maja rückt näher bis ihr Atem die Spiegelfläche beschlägt. Ihr Kinn ist spitz und die Wangenknochen treten selbstbewusst hervor, aber diese Augen, braun und scheu, passen nicht ins Konzept. Wenn sie den Kopf schräg legt wirkt es fast als wollten sie sich in ihren Höhlen verstecken, dabei sind es doch schöne Augen, wenn man genau hinsieht, große dunkle Kinderaugen in einem schmalen Frauengesicht.


fremde lauert überall

„Präg dir den Namen ein: Lukas von Perchtheim. Ein grandioser Irrer, sag ich dir“, Hodler kneift schelmisch die Augen zusammen. „Ich verstehe“, lacht Maja gezwungen, „ein Opfer!“ Zaghaft bleibt sie im Türrahmen stehen und versucht eine entspannte Position für ihre Arme zu finden. „Nein Liebchen, das nicht, diesmal jedenfalls. Komm ich stell ihn dir vor.“ Hodler zieht Maja in die Menge. Galeristen, betuchte Intellektuelle, Künstler aus Städten, die Maja nur aus Magazinen kennt. Schwätzer, Zyklopen, in jeder Ecke. Beschissene Hüllen. Und dennoch fühlt sie sich klein und unwürdig in ihrem Kreis. Man ist ja immer nur das, was die anderen in einem sehen und Maja ist ein Nichts in deren Augen, das weiß sie. Sie denkt an Böcklin, die Erde ein großes Tier und wir die Parasiten darauf. Sie wünscht sich zu dem geöffneten Fenster am Ende des Ausstellungsraumes. Ein Nervenbündel ist sie, reiß dich zusammen. Trunken vor Enthusiasmus zerrt Hodler sie mit sich fort. Seine Hände sind trocken, rissig. Ein kurzes Moment von Ekel. Hat sie denn überhaupt noch eine Beziehung zu ihm? Im Grunde verachtet sie seine offensichtlich mit den Jahren immer unerbittlicher gewordene Selbstüberzeugung. Es interessiert ihn wenig, was andere bewegt, er ist ein Siegertyp, eine intellektuelle Dampfwalze, die mit der Bewunderung seiner Adepten angetrieben wird. Vorwiegend junge homosexuelle Künstler aus Berlin, London oder Paris flankieren ihn wie einen Guru. Die Vorstellung Hodler hätte auf einen dieser jungen Männer eine erotische Ausstrahlung, fällt Maja schwer. Seine schwarze Hornbrille, die immer ein wenig zu tief auf der Nase sitzt, die vorgeschobene Unterlippe, fleischig und dunkelrot, die grobporige Haut, die Aknenarben… Lächerlich bemüht hat er sich die letzten Haarsträhnen über den Schädel gezogen, im Hemdskragen ein Halstuch, wie ein alternder Geck. Wenn sie ihn so ansieht kann sie ihn eigentlich nur widerlich finden, aber dennoch, Hodler ist ein Zerberus, Maja kennt seine Fähigkeit sich in Szene zu setzen, andere zu verunsichern, zu Spielbällen seines Willens zu formen. Seine Wortwahl, seine Eloquenz, die großspurige Gestik mit der er auch an diesem Abend wieder über neue Avantgarden und seiner Meinung nach überholte Kunsttheorien hinwegfegt – das alles lässt einen klein und schwach werden, das kennt Maja gut. Seit über einer halben Stunde redet Hodler auf sie ein und Maja ist über diese unerwartete Aufmerksamkeit nicht weniger verblüfft als die anderen Gäste. Die Blicke der Beobachter sind so spürbar, dass es ihr schwer fällt sich auf das Gespräch zu konzentrieren. Ihr Kleid fühlt sich unangenehm eng an und die Distanz des Stoffes zur Haut wird mit jedem von Hodlers Worten geringer. Der Schwindel, da ist er wieder, sie kennt das. Die Stimmen der Menschen verlieren sich in einem Raunen und Maja versucht, eine Entschuldigung murmelnd, zur Tür nach draußen zu gelangen als Hodler sie am Oberarm erfasst. „Halt, halt, wohin denn, meine Kleine?“ Er schiebt sie wie eine Puppe vor sich durch den Raum. „Darf ich vorstellen: Maja Kacer, eine alte Studienkollegin von mir, die – schwer verzeihlich (Hodler zwinkert ihr zu) -  noch nie in meiner Galerie war.“
Der Händedruck Lukas’ ist fest. Ein kurzer Schmerz am Gelenk noch bevor sie zu ihm aufzublicken wagt. Tiefliegende Augen, schwarz umrandet…. Träumerchen…die kennt sie, die fallen ihr jeden Tag selbst aus dem Spiegel… Die Wangenknochen hoch getragen, Königsstirn, Kosakengesang. Er ist nicht von hier, das sieht Maja gleich, osteuropäischer Einschlag… oder doch zu zart, die Luft zu mild, die seine Züge geformt hatten? Selbstherrlich, mit Gewinnermiene, steht Hodler hinter Lucien, der vor dem monströsen Männerberg wie ein ausgemergelter russischer Soldat wirkt. Maja schluckt die peinliche Vorstellung Hodlers und versucht Lukas´ Gesicht auszublenden. Unangenehm sein Fixieren. Wie er an der Zigarette zieht … weibisch, zögernd. Ein Kind, denkt Maja, ein unberechenbarer kleiner Junge.


kein fluchtweg

Maja bleibt vor einem monströs großen Gemälde stehen. Eine ganze Wand hat es eingenommen. Die Fläche ist von Scherben durchbrochen, milchiges Grün versinkt in rot gefärbten Meeren von Tellerstücken. Übelkeit unterdrückend wendet sie sich ab und versucht Richtung Ausgang zu kommen, aber kurz vor dem Ziel sieht sie, dass die Tür dicht von rauchenden Menschen umstellt ist. Mühsam drängt sie durch die Menschenknäuel in einen kleineren Nebenraum, der zu ihrer Erleichterung fast leer ist und in dem nur kleinformatige Zeichnungen und Skizzen hängen. Sie flüchtet ins Eck direkt hinter der Tür und atmet durch.
„Und?“ Die Stimme erklingt dicht hinter ihrem Ohr. Als sie sich umwendet steht Lukas hinter ihr, auffordernd streckt er ihr ein Glas Sekt entgegen, das sie annimmt, obwohl sie weiß dass sie es später irgendwo in diesem Raum abstellen wird ohne einen Schluck davon getrunken zu haben.
„Was sagen sie dazu?“
„Ich, ich weiß nicht, ich bin nicht so versiert in solchen Dingen, ich hab mit Kunst eigentlich nichts zu tun, wissen Sie.“
Lukas lässt nicht locker, er lehnt sich gegen die Wand und hakt nach. „Finden Sie das nicht schrecklich traurig?“ Maja ist irritiert, unsicher folgt sie Lukas’ Blick hin zu einer der Zeichnungen. Graues Kreidegekritzel, scheußlich, aber das würde sie niemals wagen zu sagen. „Nein“ stolpert es plötzlich aus ihr heraus, „eigentlich nicht.“ Maja senkt den Blick um dem Lukas’ zu entweichen. Gepeinigte Parkettmosaike, kleine kreisrunde Mulden, Narben von Stöckelschuhen. Maja will nicht mehr aufsehen, sie will nicht erklären müssen, was sie Lukas gleich nötigen wird zu erklären, sie will nicht sagen, was sie denkt, weshalb sie so denkt, sie weiß ja nicht mal, ob sie das denkt, was sie sagt. „Sind sie nicht eigentlich ein bisschen zu jung, um Franz’ Studienkollegin zu sein?“ Lukas’ Mimik wirkt plötzlich ein wenig versöhnlicher. Maja ist überrascht und gleichzeitig erleichtert über den Themenwechsel. Lippen zusammenbeißen, Maja, bleib jetzt ruhig, erzähl eine Geschichte. Maja tritt einen Schritt zurück. Unzusammenhängend beginnt sie zu erzählen, von der Freundschaft Hodlers und ihrer Mutter, die sie nie ganz begriffen hatte, von dem großen aufblasbaren Krokodil, das ihr der Mutter-Freund als Kind einmal zum Geburtstag geschenkt und das fortan ihre Albträume bestimmt hatte und von dessen überraschender Faszination an ihren Studien, Jahre später, als sie schon eine junge Frau und Hodler bereits ein welker Mann war. Ab und an versucht Maja sogar Blickkontakt zu Lukas herzustellen, so wie die Wittrich es ihr für schwierige Unterhaltungen geraten hatte, aber lange hält sie es nie durch. Wie kann er sie nur scheinbar ohne einmal zu blinzeln so lange fixieren? Sie sieht zu Boden, wieder auf, ein kurzer Moment in dem sich ihre Blicke kreuzen, die Stille bleibt. Maja stellt ihr Glas ab und beginnt in der Handtasche nach ihren Zigaretten zu kramen. Gehen ... sie will hier weg. Im Hintergrund nähern sich Schritte, Hodlers Stimme. „Da seid ihr zwei ja, wir haben euch schon vermisst!“ Als sei ein unsichtbarer Knopf betätigt worden, wendet Lukas seinen Blick plötzlich ab, hin zu Hodler und Maja weicht zurück. „Ich muss jetzt gehen.“ Lukas deutet ohne auf eine Reaktion Majas zu warten grinsend eine Art Hofknicks an, dreht sich schwungvoll wie ein Tänzer um die eigene Achse, hakt sich Hodler unter und verschwindet mit ihm in der nun hereindrängenden Menschentraube.
Maja ist irritiert. Die Kälte. Da ist sie wieder. Sackt in die Finger bis in die Kuppen. Eine Hostesse läuft mit einem Tablett Sektgläser vorbei, sie greift sich einen Kelch - fest, als wolle sie ihn zerquetschen, dann trinkt sie, zügig, bis zum letzten Tropfen, 120 kcal und das Gefühl versagt zu haben. Der Alkohol brennt in der Kehle.


schritt für schritt

Sonntag, Café Rhône, Domstrasse, ein Schauspieler an der Bar und ein brünettes Mädchen hinter der Theke. Zweimal hat sie hinübergesehen zu ihm, beim Zahlen seine Hand berührt. Der Schauspieler erzählt der Brünetten, dass er gerade in „Himmel und Hölle“ den Umgeheuer spielt, kennt sie nicht. Ihr Ausschnitt sitzt ordinär tief, Lukas beobachtet ihr Lachen während sich Hodler zurücklehnt und am Cognac nippt, langsam, fast im Zeitlupentempo. Die Begegnung zwischen Lukas und Maja schien erfolgreich gewesen zu sein. Aber er war nun mal auch ein guter Stratege. Dennoch: Jetzt erstmal Schritt für Schritt, er kannte Lukas, er durfte  da nichts überstürzen. Man musste vorsichtig sein. Er sieht zu Lukas. „Sie lacht aus dem Kopf, Frank, nicht aus dem Herzen“, hat er gesagt nachdem Maja gegangen war. Vielleicht war sie doch nicht richtig...  Lukas flirtet mit der Kellnerin, was für ein Idiot. Nun, man wird sehen. Großes bedarf Opfer und eines Tages würde ihm Lukas dankbar sein.
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wie gern wär’ ich die andere

Seit 21 Stunden nichts gegessen. Maja sitzt auf der Fensterbank und friert obwohl die Sonne scheint. Warme dicke Luft verlangsamt die Nachmittagsbewegungen der Menschen in den Strassen. Sie versucht in einem übergroßen Wollpullover zu verschwinden. Es ist wie jeden Tag, seit sie sich entsinnen konnte. Ihr Körper ist einfach nicht ihrem Geist zuzuordnen, ein Fremdling, der an ihr hängt, wie ein Abszess, ein verkrüppelter Zwilling, der sie zurück hält, an ihr zerrt bei jeder Regung, die sie tut. Im Haus gegenüber hat ein Mädchen Klavierunterricht. Wackelige Melodien werden von abrupten Pausen unterbrochen. Maja fällt in Gedanken wieder in die Falle. Immer und immer wieder ist sie in den vergangenen Tagen das Gespräch im Kopf durchgegangen, hat sie Lukas´ Blicke gegen jedes einzelne ihrer Worte geschleudert. Wenn sie die Zeit zurückdrehen könnte.… Diesmal würde sie besser sein, sie würde sich vorbereiten, würde auf die anderen schauen, sie einfach kopieren. All die Frauen, die geliebt wurden, einfach so, für die Art ihre Haare aus dem Gesicht zu streichen, für ihre samtigen Stimmen, die Vanillehaut. Maja ist anders, das ist ihr klar. Schon in der Schulzeit hat sie versucht sich von der für ihr Gemüt viel zu aufdringlichen Weiblichkeit ihrer Mitschülerinnen zu distanzieren, einen Fluchtweg vor den immer kürzer werdenden Röckchen, den stetig rosiger werdenden Wangen zu finden. Sie hat sich geschämt für die kleinen spitzen Brüste, die so plötzlich aus ihrem Körper keimten, für die befremdliche Lust, die auch sie manchmal übermannte und all die neuen Gefühle, die sie immer stärker von allem, was ihr zuvor wichtig erschienen war, abzulenken im Stande waren. Lieben? Nein lieben kann sie nicht gut, das ist ihr immer bewusst gewesen, auch Alex nicht, der so ohne Schuld ist und den sie allein dafür verachten muss. Viel zu voll ist sie mit sich selbst, voll gestopft bis zum Hals mit Wut und Dreck und all dem Gedankenschlamm.
Maja haucht gegen das Fenster und sieht durch die von ihrem warmen Atem hervorgerufene Vernebelung der Scheibe auf die Strasse. Unruhe. Insektenverkehr. Eine schwangere Frau schiebt sich über den Bürgersteig, ein kleines Mädchen in rotem Sommerkleid läuft neben ihr her. Bemitleidenswert, denkt Maja und reibt sich die kalten Wangen. Wenigstens ein Fehler, den sie nie begangen hatte, an der Fortpflanzung ihres Geschlechts hatte sie sich nicht schuldig gemacht. Aber war es tatsächlich nur die Einsicht, dass es unnütz war das Versagen weiter zu tragen, das sie davon abhielt? Nein, es war etwas tief sitzenderes, das sie davor bewahrt hatte mit Alexander Kinder zu bekommen, so wie es all die anderen Frauen in ihrem Alter taten - etwas, das dem Gefühl subtiler Rache nahe kam, wenn auch Maja sich nicht darüber klar war, wem diese Strafe letztlich zuteil werden sollte.

(...)
bitte für uns sünder

Sechs Uhr schon. Stille. Maja streicht über den Fuß der Monstranz, die sie seit Kindertagen kennt. Sie liebt die kühle Ruhe, die Dunkelheit, die sich in den frühen Abendstunden noch so bescheiden über die Holzbänke legt. Nur das Schiff ist noch vom Licht der buntbemalten Fenster erhellt. Sie geht um die Sakramente zu holen, füllt vorsichtig die Hostien in das Ziborium und stellt den Kelch neben die Patene auf das silberne Tablett vor der Marienfigur. Schützend schlingt diese ihre Arme um das Jesuskind, das nicht zu ihr, sondern von ihr fort, in die Ferne blickt. Maja mag die Statue mit dem grob geschnitzten Buben, der so ernst in die Welt blickt und doch, man weiß es ja, den Glauben an das Gute in sich trug. Der dünne, blaue Mantel kann ihn nicht gewärmt haben, denkt sich Maja, so ganz nackend, wie er war, aber die Gottesmutter scheint das nicht zu kümmern. „Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder“. Maja hat jetzt auch so eine Mama. Überhaupt hat sie schon viele Mütter gehabt, manche besser, manche schlechter, ja manche vielleicht sogar zu gut, mehr als es gut war gut zu sein also, und dann doch andere wieder so grausam schlecht, dass es einem einfach auf den Magen schlug. Ein ewiges Ziehen. Z-i-e-h-e-n will heißen die Flausen, die ewigen Flausen aus dem Hirn austreiben, aus-quälen, vielleicht eher. Maja denkt daran, wie ihr mal jemand erzählt hat, dass die Kinder in Kambodscha denken, der Reis wüchse aus den Haaren ihrer Mütter, weil sie die Körbe auf ihren Köpfen tragen. Ihre Mama, dachte sie, ihre Mama ist eine Blume, aus ihrem Kopf wuchern bunte Gedanken, richtig bunte, alle Farben, manchmal todtraurige, manchmal wunderschöne. Seit sie in der Klinik ist, verrät sie sie keinem mehr, aber Maja ist sich sicher, dass sie noch da sind, alle, trotz der Medikamente, davon ist sie überzeugt.


eins zwei drei – ich hab dich

„Frau Kacer?!“ Maja geht langsam auf das Zimmer von Dr. Wittrich zu. Die reicht ihr am ausgestreckten Arm steif die Hand hin und weist ihr den Platz auf dem dunkelbraunen Ledersessel zu. Kurzes Schweigen, Mustern, ein auffordernder Blick.
„Wie ging es Ihnen in der vergangenen Woche?“
„Ich weiß nicht. Ich glaub ganz gut, vielleicht auch nicht, also ich hab das Gefühl es ändert sich jede Minute.“
„Was genau? Was ändert sich, Frau Kacer?“
„Ich glaub ich… und dann auch das Gefühl, also...“
Maja erzählt der Wittrich nichts von Lukas, von ihren Träumen, nachts, die sie noch den ganzen Tag über begleiten. Sie will das ganze nicht in eine falsche Richtung lenken. Der Vater, gut, darüber kann sie reden, über seine Suspendierung vom Lehrstuhl für Alttestamentliche Theologie wegen seiner Nähe zur FSSPX und die Wut, die ihn fast um den Verstand gebracht hätte. Über die Mutter, die nachts nie schlafen konnte und deshalb wie ein Geist durch die Gänge wandelte, ja auch davon konnte sie erzählen, aber über sich selbst? Was sollte sie von sich erzählen? Nein, sie hatte gelogen, nichts änderte sich, sie war immer noch das fahrige kleine Mädchen mit dem dünnem Haar und der Angst, wenn sie erwachsen würde nachts im Bad weinen zu müssen, wie ihre Mama es tat.


maja, 29. januar

Ich schwöre Abschied zu nehmen von den Dingen die nichts mehr mit mir zu tun haben sollen. Es ist an der Zeit einen Überblick über das zu gewinnen, was mich ausmacht. Dann weiter zum nächsten Schritt. Wichtig: Die, die ich werden will hat dunkle Augen. Sie trägt ein großes Kofferradio mit sich herum, ein braunes Wildlederband als Träger. Kantiger Körper, das Radio laut. Die Hüften gefährlich, die Augen schmal, der Blick verboten. Ein Monster an Schönheit. Stoß dich daran, hol Luft bevor du dich näherst. Flink werde ich sein, flink wie ein Eichhörnchen. Wenn einer es wagte mir zu sagen, dass ich zum Beispiel die Worte falsch zusammensetzte, schlüpft mein Körper einfach durch ihn hindurch, keiner kann ihn dann mehr finden, die anderen sind ja nicht so wendig, so biegsam wie ich und sie kennen die geheimen Winkel nicht, die nur ich sehe, nur ich, weil ich die Welt von unten kenne. Das Klingeln des Telefons reißt Maja aus ihren Gedanken.


da ist sie wieder: wohin die kunst?

Zwei Tage nach Hodlers Anruf steht Maja vor der schmalen holzvertäfelten Tür des Ateliers. Sie kann keine Glocke entdecken und schlägt nach einigem Überlegen vorsichtig und mit ungutem Gefühl den Türknauf gegen das schwere Holz. Warten. Maja sieht sich um. Die Fensterläden sind geschlossen. Vielleicht ist er nicht da....
„Was tun sie hier, auf der Oberfläche?“ Maja verliert vor Schreck beinahe das Gleichgewicht und rutscht mit ihrem rechten Fuß eine Treppenstufe nach unten ab. Lukas steht in der Tür. Er ist größer und sein Blick durchdringender als Maja es in Erinnerung hat.
„Ich … erinnern Sie sich an mich? Frank, Frank Hodler, hat mich angerufen und mich gefragt, ob ich ihnen Modell sitzen würde…, also, weil sie ein Modell suchen würden….“ Majas Blut pocht. Nur nicht hinsehen, ausweichen. Lukas sieht gelassen an ihr hinunter und grinst: „Schmerzen die Strümpfe?“
Das Atelier ist groß, weiß getünchtes Holz, lichtdurchflutet. Überall Leinwände, umgedreht, keine Bilder, keine Spuren. Die Arme vor der Brust verschränkt tritt Maja in den Raum. „Automaticpainting - wissen Sie was das ist?“ Maja schüttelt den Kopf. „Worum es geht, also zum Prozedere ... beim Auomaticpainting zählt nur der Reiz, verstehen sie? Der Reiz, der Impuls ist in sich schon das Kunstwerk, der Maler macht ihn nur sichtbar, er exekutiert praktisch lediglich, der Augenblick leitet seine Hand, lenkt den Pinsel, verstehen sie?“ Maja nickt lächelnd, obwohl sie eigentlich gar nichts verstanden hat, aber das ist jetzt egal. Das grelle Licht der Lampe lässt ihre noch vom Flurdunkel getrübten Augen brennen. Schwindelig…was tut sie hier? Lukas hat sich auf einen Korbstuhl gesetzt und sieht Maja, die nun unbeholfen vor ihm steht, an. Maja kann sein plötzliches Schweigen nicht deuten und überlegt fieberhaft, was sie fragen könnte, irgendetwas, das sie nicht dumm, nicht so schrecklich offen erscheinen lassen würde, wie sie sich fühlte… „Es spielt keine Rolle, was sie sind, was sie nicht sind zählt.“ Maja ist erschrocken, war sie so einfach zu deuten? „Hierhin, setzen Sie sich einfach hier auf den Stuhl, so, ja genau, ein bisschen mehr so.“ Hände, die warmen, lenkenden Hände auf ihren Schulterblättern. Warum zuckt sie nicht unter seiner Berührung zusammen? Warum flüchtet sie nicht, wie sie es sonst tut, wenn jemand nach ihrem Körper spürt? Die Bestimmtheit seiner Berührung…beruhigend? Nein, das ist es nicht. Sie hält still, keine Gegenwehr als Lukas beginnt ihre Glieder zu bewegen, sie zurecht zu biegen als wären ihre Glieder aus Gummi.

(...)
geburtstag im luftschloss

Montag, der 12. Mai. „Herzlichen Glückwunsch, Mama.“ Maja stellt den Tulpenstrauß in eine Vase, die ihr die Schwester gegeben hat. „Es ist schön, draußen, sieh mal, wie die Sonne scheint.“ Sie öffnet den Vorhang und macht das Fenster einen Spalt weit auf. Ihre Mutter sitzt aufrecht im Bett und blinzelt ins Licht, Maja nimmt ihre Hand, küsst sie, legt ihren Kopf auf die Decke und schließt die Augen.
Hospital zum heiligen Geist – Ausfahrt links. Maja schaltet das Autoradio ein und versucht wieder klar zu denken. Bis heute war sie sich unsicher darüber, ob sie sich für ihre Mutter freuen oder sie beweinen sollte. Zumindest verspürt sie, im Gegensatz zu ihren Geschwistern, so etwas wie ein stilles Verständnis für die Tat ihrer Mutter. Zu reden gibt es da nichts. Trotzdem. Sie für sich weiß, dass sie ihre Mutter nie mehr geliebt, nie mehr bewundert hat, als an jenem Abend. Eine Botschaft, die sie ihr damals, bevor sie mit der Bahre in den Krankenwagen geschoben wurde, durch ihren feuchten Kinderkuss versucht hatte mitzugeben. Ruhig schlafend hatte sie ausgesehen, ihre Mutter, mit zufrieden geschlossenen Augen. Und auch heute, selbst wenn sie Maja ansieht, ihr direkt in die Augen sieht, sie sind immer noch geschlossen, genau wie an jenem Abend.



Die Autorin:

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Geboren 1977 in München, Studium der Neueren deutschen Literatur und Politischen Wissenschaften, sowie Promotionsstudium an der LMU München, 2007 Anerkennungspreis des FZA-Werkstattpreises in der Kategorie Lyrik; 2009 Teilnehmerin an der Autorenwerkstatt des Lyrik Kabinetts München. Heute tätig als freie TV-Autorin für das Bayerische Fernsehen sowie als Literaturredakteurin für das online Portal „kulturkueche“.

Publikationen
•    Einzelpublikation: kopf unter. Gedichte. Athena Verlag: Oberhausen 2008
•    Veröffentlichungen von Lyrik und Prosa in Anthologien und Literaturzeitschriften: Z.B. Bibliothek deutschsprachiger Gedichte. Ausgewählte Werke XI; Dichtungsring, keine delikatessen u.a.